Mit Eurem Debüt „Sepulcretum“ haltet ihr Euch überwiegend in einem langsamen Tempobereich auf, bringt aber dennoch eine besondere Vielseitigkeit in die Musik. Ich kann mir gut vorstellen, dass selbst Doom-Metal Fans auf Eure Musik aufmerksam werden. War das von Euch so geplant oder hat es sich aus den verschiedenen Bandcharakteren und Vorlieben so entwickelt?
Alex: Ja, beides. Wir spielen ja nicht direkt Lotto beim Basteln an den Stücken und wunder-freuen uns dann, dass etwas Hörbares herauskommt, andererseits sitzt auch niemand irgendwo am Schreibtisch und berechnet, welchen Effekt welche melodische, dynamische oder stilistische Wendung jetzt haben soll und wie das zu erreichen sei… Steffi: Wir fünf haben auf alle Fälle vielseitige Musikgeschmäcker. Der doomige Einschlag kommt am ehesten aus Alex, Andrés und meiner Richtung – da wir auch vorher die Doom-Goth-Band hatten und davon einige Stücke übernommen und mit den anderen zusammen weiterentwickelt haben. Geplant war eigentlich nur, mit Adrian mehr Abwechslung in die Vocals zu bringen, und mit Volker wird die Musik noch ein Stück verfrickelter. Bei „Beautiful World“ war mein erster Eindruck, dass sogar leichte Free-Jazz-Einflüsse zu verzeichnen wären.
Macht Euch die zweifelsohne lobenswerte Vielseitigkeit mit der ihr Euch von anderen Bands abhebt, nicht doch ein wenig Angst, dass ihr dadurch für das Publikum schwer zugängig werdet oder ist Euch dieser Aspekt „relativ“ unwichtig?
Steffi: Mit AAVAS haben wir unsere Musik nie auf Zugänglichkeit abgeschnitten. Kann sein, dass wir auf einer Grenze balancieren und sie manchmal vielleicht überschreiten. Wir experimentieren gerne herum und möchten uns nicht in ein Regelwerk einzwängen…
Adrian: … wenn wir eine publikumswirksame Scheibe hätten machen wollen – dann hätten wir eine gemacht!
Steffi: Stimmt. So richtig finstere Klischee-Musik könnte ich mir auch mal vorstellen… aber bei der Sepulcretum haben wir nun mal einige Register gezogen, gegen den Strom zu schwimmen... es geht uns natürlich auch nicht darum, auf Teufel-komm-raus Anti-Musik zu machen. Die Hörer sind frei und können sich ja aussuchen, ob sie lieber jetzt uns hören wollen oder die eingängigen Herzbuben. ;)
Euer Booklet ist für ein Debüt schon recht aufwendig gestaltet. Was hat Euch inspiriert und wie kam es zu der Idee mit dem Bandfoto?
Adrian: Eine ansprechende Gestaltung war uns wichtig. Zwar haben wir kein Label, aber wenn es unter einem Label erschienen wäre, hätte man ja auch eine entsprechende Gestaltung erwartet. Was ist an dem Bandfoto besonders? Nun es hebt sich von üblichen Klischee-Fotos ab und bringt eine eigene Note in die Kunst (Anm. d. Verf.)
André: Der Gitarrist und ich haben´s im Rücken, deshalb wollten wir auf jeden Fall ein Foto im Sitzen machen.
Wie ist Eure Meinung zu (Platten-)Cover und deren Wirkung im Allgemeinen?
André: Wir covern nicht! (so..so.. ;-) Anm. d. Verf.)
Steffi: Ich mag Cover, die auf Anhieb Interesse wecken, durch Schönheit, Professionalität und Aussagekraft. Wie, das ist wahrscheinlich individuell… ich mag vielseitige Booklets. Außerdem muss es Infos enthalten und Lyrics.
Auf Eurem Album sind neben englischen Lyrics auch ein Song in Lateinisch (Via Vitae) und einer in deutscher Sprache (euer Titelsong) vertreten, ein Experiment? - oder ein Blick in die Zukunft von Aavas?
Adrian: Die bunte Mischung hat Tradition und wird sich auch weiter durch unsere Musik tragen, denke ich.
Steffi: Wenn Alex Bock hat, weitere lateinische Texte zu schreiben, bin ich dafür. Er ist ja der einzige, der wirklich Latein kann ;). Ich persönlich schreibe sehr gerne deutsche und englische Texte, wie es gerade in den Kram passt.
Es fällt auf, dass die meisten Lyrics in Zusammenarbeit gebildet wurden. Wie entstehen denn bei Euch die Texte?
Alex: Manchmal kommt eine/ einer mit was Fertigem an, ansonsten wie bei guten Gärtnern: Einer sät, der andere gießt, ein dritter schneidet zurecht.
Habt ihr Vorbilder, von denen ihr musikalisch und lyrisch beeinflusst werdet?
Alex: Jeder von uns hat seine Vorbilder, aber die Band als Band hat kein Vorbild. Aavas ist was es wird -- und wird was es ist.
Die 3 Standardfragen vom Dark Feather: Wie seht ihr die Entwicklung für Bands speziell in Subkulturen wie der Gothic- und Metalszene?
Adrian: In letzter Zeit ist ja ein Trend zu beobachten, dass der Goth-Style regelrecht popfähig wird. Da muss man wissen, was man will. Als Band kann man sich über Aufmachung und die eigene Musik gut abgrenzen von diesem Mainstream – oder man bedient ihn.
Welche Vor- und/oder Nachteile seht ihr in grosse Webcommunities wie myspace?
Steffi: Ich finde Myspace super, weil es international ist und man sofort etwas von der Band hören kann.
André: Ohne Myspace hätten wir nicht mal eben 6 CDs nach Kanada verkauft.
Was waren bei Euch die bisher positivsten, schrägsten und was die schlechtesten Erfahrungen in der Musikwelt?
Adrian: Das schrägste war sicherlich unser Auftritt als Rahmenprogramm bei „Ahlen singt“.
André: Seltsam fand ich, dass wir bei einem Open-Air Gig vom Veranstalter aufgefordert wurden, dass „der Ensemble-Leiter die Musiker daran erinnern soll, vor dem Auftritt noch einmal auf die Toilette zu gehen.“
Steffi: Witzig und irgendwie wunderbar naiv fand ich auch das Interview beim Frauenradio…
André: Traurig ist, ist wenn nach einem Gig einer aus dem Publikum ankommt und uns erklären will, dass man das „so nicht machen kann“ – aber eigentlich auch lustig, wenn jemand nicht merkt, dass wir das, was wir machen, bewusst tun…
Steffi: Viele schräge Geschichten kamen damals bei der Drummersuche vor, z.B. hatten wir uns mit einem Typen aus Dortmund zur Probe verabredet, der kam aber nicht. Als wir 2 Tage später bei ihm anriefen, ging seine Mutter dran, und auf die Frage, ob Christian zu sprechen sei, meinte sie: „Christian? Der ist doch vor 2 Tagen losgefahren… zur Probe! Ist noch nicht wieder da. Wo die Probe sein sollte, weiß ich auch nicht.“ - Naja, die meisten Sachen sind lustiger, wenn man sie selbst erlebt hat. Also hier ein Leser-Tip ;): Wenn Du was erleben willst, mach ´ne Band auf.
Und zu guter letzt: Wie sehen Eure Zukunftspläne aus? Stehen Live-Events an?
Adrian: Immer her damit! Steffi: Pläne haben wir viele. Zum Beispiel mal eins von den Live-Video-Mitschnitten ins Netz zu tun. Wir schrauben zur Zeit neue Stücke, um irgendwann wahrscheinlich eine weitere CD zu produzieren – aber das ist Zukunftsmusik! Der nächste feststehende Gig ist im November, am 28.11. auf dem Tanz der Vampire in Münster im Go-go! Also bewegt Euch hin, wenn ihr uns live sehen wollt, Ihr seid uns herzlich willkommen!
Ich bedanke mich für dieses Interview, die letzten Worte gehören dem Künstler! :
Steffi: Wie immer freuen wir uns darauf, einige Leser-Gesichter auf dem nächsten AAVAS-Konzert zu treffen! |