[Experiment] Fearless

Manchmal ist es eben doch gut, eine Band auf Eis zulegen, bevor sie sich selbst zur letzten Stätte trägt. Experiment Fearless aus Chemnitz ist so ein lebender Beweis dafür. 1998 unter dem Namen Fearless gegründet, verordneten sich die Gründungsmitglieder aufgrund unterschiedlicher individueller Entwicklungen nach vier Jahren selbst eine Zwangspause, um im Jahre 2003 unter dem Namen Experiment Fearless mit alten und neuen Musikern, sowie frischem Wind noch einmal durchzustarten. Glam-Rock in großer Vielfalt bieten uns die Musiker heute. Sänger, Gitarrist und Gründungsmitglied Dave stellte sich dem Dark Feather und seinen Lesern zum Interview.
 
Dark Feather Ausgabe 1

Hallo Dave! Wie sieht die aktuelle Besetzung bei Euch aus, wer bedient welches Instrument?

Dave (David Gehrisch) am Gesang und der Gitarre, Edd (Etienne Schulte) am Bass und den Backing Vocals, Mr.Riez (Enrico Riedel) am Schlagzeug, sowie Goldman (Mario Goldmann) an der Gitarre.

Ihr habt Euch ursprünglich bereits 1998 gegründet, vier Jahre später Fearless erst einmal begraben, um dann später noch ein durchzustarten. Abgesehen von der musikalischen Entwicklung, was sind die größten Unterschiede von „Experiment“ Fearless heute und Fearless damals?

Der größte Unterschied ist sicher der Wechsel der Rhythmusgruppe . Edd hat die Liebe zur Beatmusik der 60iger und Riez groovt mehr, als sein Vorgänger, das macht die Sache runder.

Ist der Namenszusatz „Experiment“ denn auch noch selbiges in Euren Augen aus heutiger Sicht?

Ja, es ist nach wie vor ein Experiment für uns, 80er Jahre Rock und Glam/ Hardrock ins 21. Jahrhundert zu transportieren und damit ein neues junges Publikum zu unterhalten, welches bis jetzt die positive Strömung dieser Musikära noch nicht kennt, da in den letzten 15 Jahren in der Rock Ecke eher die düsteren Töne angesagt waren ( die uns sicher auch gefallen und inspirieren) und ein Publikum, welches die 80er noch gut kennt und sich vielleicht auf die Art positiv an seine Jungendtage zurück erinnert. Und der zweite scheinbar wesentliche Grund, wir hießen Fearless. Nach der Trennung brauchten wir einen neuen Namen, der aber auch an die alten Sachen zurückerinnert weil wir einige Songs aufgefrischt und mit in die neue Band genommen haben. Zu der Zeit spielte ich in einem Akustik-Cover-Rock-Projekt und bei einer Oldschool Metalband und wollte eigentlich mal was völlig Neues machen und auf keinen Fall da weiter machen wo wir als Fearless aufgehalten hatten.

Fearless 1

Durch den frischen Wind der Rhythmusgruppe war das natürlich leicht, aber auch schwer, da wir viel Songmaterial aus alten Tagen benutzten. Ich denke das nächste Album ist auf jeden fall noch einen ganzen Schritt experimenteller aber auch noch mehr mit alten Klischees bestückt.

Interessant, ihr habt neben den klassischen Rockinstrumenten auch Trompeten und Posaune auf Eurem aktuellen Album integriert. Wie kam es zu dieser Idee?

Ich selbst bin schon immer fasziniert von Bläsersätzen in Songs. Außerdem kommen Blasinstrumente im Glamrockbereich hin und wieder mal vor. (Cinderella, Hanoi rocks, Aerosmith). Zu der Idee kam es dadurch, dass unser Drummer die Jungs, die das eingespielt haben kannte. Andererseits war es natürlich ein sehr lustiger Zufall, dass die Jungs aus einer komplett anderen musikalischen Ecke (Oelsnitzer Blasmusikanten) kamen.

Ist bereits ein Nachfolger von „Don`t Stop Rocking“ in Aussicht?

Also ich arbeite im Moment im Proberaumeigenen Studio extremst fleißig an ca. 22 neuen Songs, welche ich dann noch mal Freunden und einzelnen Fans vorlege, um rauszufiltern welche Songs am ehesten das Potenzial haben auf die nächste Scheibe zu kommen, welche ich aber eher Soloalbum sehe, um noch mehr Dinge ausprobieren zu können. So ist zum Beispiel ein Song mit einer Hip Hop Band aus Chemnitz geplant. Fazit: Die Zusammenarbeit als Fearless ist im Moment ein wenig auf Eis gelegt. Evtl. werden einzelne Auftritte als Akkustikprojekt mit Edd (Bassist u. Backing vocals) stattfinden.

Dave, welche Umstände und Themen inspirieren Dich beim Texte verfassen?

Das sind in erster Linie eigene Erfahrungen, kombiniert mit fiktiven Geschichten oder umgekehrt. Themen sind teilweise sehr banale Situationen im Leben, die sich oft dramatisch zuspitzen. So erzähle ich meine Geschichten.

Ihr seid im Jahre 2010, in welche Richtung hat sich Experiment Fearless entwickelt?

Ich persönlich sehe mich in der Zukunft weiterhin daran arbeiten, den Glamrock mit moderneren Einflüssen zu verbinden, ohne dabei die Positive Energie und die eingängigen hymnenartigen Melodien zu verlieren. In der Hoffnung durch einen zeitgemäßen Sound (Klangbild) diese Musikrichtung wieder einer größeren Masse nahe zu bringen.

Fearless 2

Zum Abschluss die 3 Standardfragen vom Dark Feather: Wie seht ihr die Entwicklung für Bands speziell in Subkulturen wie der Glam- und Metalszene?

Bei uns in Europa ist es deutlich geworden, dass nach reichlich 15 Jahren diese Musikrichtung bzw. Modeerscheinung wieder aufgegriffen wird. Die Haare werden wieder toupiert, Männer schminken sich mehr als Frauen und die Röhrenjeans hat ihr Comeback. Totenköpfe und Glitter dürfen auf keinem Kleidungsstück fehlen. In Skandinavien und Amerika schießen Bands wie Babylon Bombs oder Crashdiet wie Pilze aus dem Boden. Trotzdem dass Bill von Tokio Hotel die Frisur von Niki Sixx (Mötley Crüe) trägt, setzt sich leider diese Richtung bei uns in Deutschland nicht durch. Somit dürfen wir gespannt sein, ob sich diesbezüglich in Deutschland was tut. Wiederum der Metal wird in Deutschland immer ein Bestandteil der Musikszene sein.

Welche Vor- und/oder Nachteile seht ihr in große Webcommunities wie z.B. myspace?

Das hat den Vorteil, dass man so schneller gleichgesinnte findet. Doch für eine Band wie uns ist es letztlich egal, da man trotzdem in der großen Masse untergeht und deshalb auch nicht öfters überregional gebucht wird. Wir können nicht behaupten durch solche Plattformen auch nur 1 CD mehr verkauft zu haben.

Was waren bei Euch die bisher positivsten, schrägsten und was die schlechtesten Erfahrungen in der Musikwelt?

Die schlechteste Erfahrung war sicherlich in einem großen Bierzelt für Eintrittskasse lediglich vor dem da vorhandenen Personal gespielt zu haben und im Nachhinein noch gefragt zu werden, ob wir die Hälfte unserer Getränke selbst bezahlen können. Der schönste Moment war, als wir den Karton vom Presswerk öffneten und unsere erste eigene Scheibe in der Hand gehalten haben..

Ich bedanke mich für dieses Interview, die letzten Worte gehören dem Künstler! :

Konsequenz ist nach meinem Erachten nach ein Weg zum Erfolg. Ich habe oft in Bands gespielt, wo man versucht hat neue Wege zu gehen, anders zu sein oder wie wir oft sagten „wir lassen uns nicht in eine Schublade stecken ,wir spielen was uns gerade einfällt „(10000mal gehört) das ist nicht so leicht wie es gesagt ist. Oft kommt da ein Kauderwelsch raus was überhaupt keinen Sinn ergibt. Dave

visit: www.myspace.com/fearlesschemnitz

 

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