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| Klare Botschaften |
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Hallo Sid, hallo Ayuma! Was war einst das einschneidende Erlebnis in Eurem Leben, Euch aktiv der Muse hinzugeben?
Sid: Daran war in meinem Fall definitiv das alte Röhrenradio, das in unserem Wohnzimmer stand, schuld: Selbst als ich noch nicht laufen, sondern nur krabbeln konnte, zog mich dieses Teil magisch an, weil daraus diese höchst interessante Musik erklang, der ich stundenlang zuhören konnte - und wenn mal ein Lied nicht so doll war, konnte man so lange an den Knöpfen drehen, bis man eines fand, das einem wieder gefiel. Wenn das Radio mal aus war - was jedoch nur äußerst selten vorkam - gab's ja glücklicherweise noch den Kofferplattenspieler meiner Mutter, auf dem ich mir dann solche Sachen wie die Filmmusik zu "Doktor Schiwago" oder Roy Orbison und die Beatles anhören konnte. Daher gab's bei mir in diesem Sinn kein einschneidendes Erlebnis: Musik war einfach seit ich Denken kann Teil meines Lebens. |
Ayuma: Für mich war mein körperlicher und psychischer Zusammenbruch im Januar 2007 ein einschneidendes Erlebnis, durch das ich merkwürdigerweise meinen Weg zur Musik fand. Durch falsche Verhaltens-Konditionierungen habe ich mich viele Jahre im Beruf völlig verheizen lassen. Der daraus resultierende Zusammenbruch, die Therapie und das darauffolgende Überdenken meines bisherigen Lebens bahnten dem damit verbundenen Gefühls-Chaos den Weg durch das Schreiben meiner Texte und Songs. Heute ist dieses Gefühls-Chaos glücklicherweise Vergangenheit - nicht jedoch meine aktive Beschäftigung mit der Musik: Sie ist mittlerweile zu einem wunderbaren Teil meines Lebens geworden, den ich nie wieder missen möchte. Wenn Ihr mit Eurer Musik auch die entferntesten Winkel des Planeten erreichen würdet, welche Botschaft würdet Ihr auf musikalischem Wege transportieren und der Menschheit nahe bringen?
Ayuma: Da hab' ich eine ganz klare Botschaft: Die Natur und die Tiere wären ohne die den Menschen eindeutig besser dran. Wenn ich sehe, mit welcher Dekadenz, Ignoranz und Selbstverständlichkeit unsere Gattung mit all den anderen Lebensformen und Mitgeschöpfen auf diesem Planeten umgeht, wird mir schlecht. Wer hat uns gestattet, andere Geschöpfe auf engstem Raum in Massen ohne jedes Mitgefühl, gefangen zu halten, zu misshandeln und für unseren Genuss zu töten? Wer hat uns erlaubt, all die wahren Wunder an Flora und Fauna, das Wasser, die Luft und den Boden für unser Gewinnstreben und den uns vermeintlich zustehenden Luxus in unvergleichlicher Gnadenlosigkeit und Selbstanmaßung zu schänden und zu zerstören? Auch wenn viele meinen Standpunkt vielleicht nicht nachvollziehen können, doch wenn uns die Natur einen Virus senden würde, der die Menschheit binnen weniger Tage einschlafen und nie wieder aufwachen ließe, so würde ich dies als absolut gerecht und sinnvoll erachten. Natürlich kann man einwenden, dass es ja auch viele gute Menschen gäbe, die sich um Tier- und Naturschutz als auch um Menschenrechte kümmern. Das ist wahr - aber bräuchten wir all diese engagierten und oftmals selbstlosen Helfer überhaupt, wenn der Mensch es einfach über sich brächte, im Einklang mit sich und der Erde zu leben? Natürlich ist die Frage berechtigt, weshalb ich dann nicht gleich mit gutem Beispiel vorangehe und mir selbst das Leben nehme. Ganz einfach: Weil es der jeder biologischen Lebensform innewohnende Überlebensinstinkt nicht zulässt. Doch wenn eine wie auch immer geartete Krankheit oder Seuche die Menschheit hinwegraffen würde, könnte auch ich mich nicht dagegen wehren - und am Ende wäre es gut so, denn ich glaube nicht, dass die Menschheit freiwillig von ihrem Weg der Zerstörung abkehren wird.
Sid: Diesbezüglich kann ich mich Ayumas Ausführungen nur anschließen. Ich erinnere mich an eine Passage in Walter Kempowskis Chronik "Uns geht's ja noch Gold", in der einer der Protagonisten sich fragt, ob ein Werk wie Goethes "Faust", das so vielen Menschen so viel bedeutet, am Ende nicht doch die Greueltaten der Nazis wieder aufwiegen könnte - und es ist tatsächlich unbestritten, dass Menschen Großartiges schaffen und über sich selbst hinauswachsen können, dass sie zu unendlicher Liebe und großem Edelmut fähig sind und selbstlos agieren können - und dennoch ist kein anderes Lebewesen zu solchen Grausamkeinten fähig wie die Gattung Mensch, die mit Feuereifer damit beschäftigt ist, den eigenen Lebensraum und dadurch gleichzeitig den aller anderer Lebewesen auf diesem Planeten zu vernichten. Der Erde kann das im Grunde genommen piepegal sein: Auch die größte Umweltkatastrophe ist irgendwann in ein paar Tausend Jahren überstanden - und derartige zeitliche Dimensionen sind im Angesicht des Universums noch nicht mal der Erwähnung wert. Nur wir Menschen werden wie ein Schrei im Wind verschwunden sein, und kein Hahn wird mehr nach Goethes "Faust", nach Songs von Antichrisis oder nach dem Petersdom krähen. "Crossing The Line" setzt sich genau mit diesen Gedanken auseinander: Eine höhere Macht, die nicht mehr bereit ist, das Treiben der Menschheit zu tolerieren, entsendet ihre Armee, um die Menschen ein- für allemal von der Erde, die eigentlich ein Garten Eden sein könnte, zu tilgen. Im Text zu diesem Song greife ich einige biblische Bilder wie z. B. die apokalyptischen Reiter oder die himmlischen Heerscharen auf; diese sind in "Crossing The Line" allerdings definitiv nicht im Auftrag des Herrn unterwegs... Darüber hinaus verwende ich auch einige Referenzen zu Lovecraft, der in vielen seiner Geschichten immer wieder darauf hinwies, dass die Menschheit lediglich ein unbedeutendes Staubkorn im großen Gefüge des Universums ist.
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Welche Vor- und/oder Nachteile seht Ihr in der aktuellen Musikentwicklung: weg von physischen Tonträgern hin zu Downloadvertrieb?
Ayuma: Ich muss gestehen, dass ich mich mit diesem Thema noch nicht ernsthaft auseinandergesetzt habe. Aber der Verzicht von Rohstoffen für die Herstellung von CDs, Schallplatten u. ä. Tonträgern ist im Hinblick auf die Umwelt auf jeden Fall von Vorteil. |
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Sid: Ich liebe Musik-Downloads - immer vorausgesetzt, daß die Dateien eine vernünftige Klangqualität haben, der Kaufvorgang möglichst einfach und sicher vonstatten geht und die Preise vernünftig angesetzt sind. Musik auf CDs hat immer etwas Endgültiges: Sobald die Scheibe gepresst ist, ist der Song oder das Album unwiderruflich fertig. Wenn ich Songs oder Alben jedoch in Form einer Datei veröffentliche, kann ich diese jederzeit wieder verändern: Wenn mir nachträglich noch eine Idee kommt, die ich beim ersten Mix noch nicht hatte, kann ich sie einfach nachträglich einbauen, die alte Datei vom Server nehmen und eine neue Song-Datei hochladen. In meinen Augen ist das ein ungeheurer Vorteil; so wird Musik wieder zu einem kreativen und offenen Prozess statt zu einem unveränderbaren Zustand.
Wie wichtig sind Eurer Meinung nach Fan- und Undergroundzines für die Musikszene?
Sid: Fan- und Undergroundzines sind für die Musikszene genau so wichtig wie unabhängige und kritische Internet-Blogs für die politische Berichterstattung. Die grossen Musikzeitschriften sind voll und ganz abhängig von ihren Anzeigenkunden, somit ist unabhängiger Journalismus auf diesem Gebiet im Grunde genommen nur in Nicht-kommerziellen Publikationen möglich - es sei denn, die Meinung des jeweiligen Redakteurs würde sich zufälligerweise mit den Wünschen des Anzeigenkunden decken. ;-)
Mit wem würdet Ihr gerne einmal zusammen die Stage betreten oder im Studio sein?
Ayuma: Tina Turner! Die Energie und Lebensfreude dieser Frau haut mich immer wieder aufs Neue um.
Sid: Bruce Springsteen - auch wenn ich mit ihm auf der Bühne vor lauter Nervosität vermutlich keinen Ton rausbekäme! Vielleicht sollte ich es daher lieber erst mal mit Attila The Stockbroker versuchen...
Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen, die letzten Worte gehören wie immer Euch:
Ayuma: Hier möchte ich ganz ausdrücklich dem Schicksal ein dickes Dankeschön sagen; ein dickes Dankeschön dafür, dass es mich und Sid aufeinandertreffen ließ. Ich hatte immer gefühlt, dass es eine solche Liebe irgendwo für mich gibt, jedoch nicht mehr daran geglaubt, dass sie mir in diesem Leben noch begegnen würde. Doch es ist tatsächlich passiert, und auch nach fast 4 1/2 Jahren schaue ich mich immer wieder in meinem neuen Leben um und stehe staunend vor dieser wunderbaren Verbindung und vor diesem wunderbaren Mann.
Und nein: Dies widerspricht nicht meinen vorher geäußerten Worten. Wenn das, worüber in "Crossing The Line" gesungen wird, eintreten würde, würden wir uns gemeinsam auf den Weg zur anderen Seite machen, denn wir wüssten genau, wofür wir dies tun.
Sid: Mir geht es ganz genau so - ich bin einfach nur unendlich dankbar für die wunderbare Gefährtin, die ich in Ayuma finden durfte, denn jeder Tag mit ihr ist ein neues und wunderschönes Abenteuer... ich hab zwar keine Ahnung, wohin uns unser Weg noch führen wird, aber ich bin mir sicher, dass auf diesem Weg noch viele tolle Songs entstehen werden und es noch viel Lachen, Liebe, und tiefschürfende Gespräche geben wird. Ich möchte an dieser Stelle aber auch noch allen Antichrisis-Fans da draußen ein kleines Dankeschön aussprechen, die Antichrisis über all die Jahre trotz der wechselhaften Bandgeschichte die Treue gehalten haben! Danke euch allen...
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