Als ich vor etwas mehr als zwei Jahren die Idee hatte, nun endlich einmal meinen lang gehegten Traum von einem Undergroundmagazin zu verwirklichen, hatte ich keine Vorstellung wohin mich jenes Vorhaben bringen wird. Gedacht, mal ein zwei oder auch drei Ausgaben zu machen, um weitere von den sinnvollen Spuren im Leben zu hinterlassen, ließ ich meinem Eifer und Enthusiasmus freien Lauf.
Die Idee hierzu, liegt allerdings schon mehrere Jahre zurück. Angeregt durch meine Liebe zur alternativen Musik, welche vorzugsweise in der Gothic- und Metalszene verwurzelt ist und meine Leidenschaft zum Schreiben, sowie redaktioneller und vor allem organisatorischer Erfahrungen aus der Vergangenheit winkte dieser Traum erstmals Ende der Neunziger aus den nebligen Feldern des Gefühlschaos und der Frage nach weiterer kreativer Verwirklichung heraus. Allerdings, vorgewarnt durch Resultate anderer Zines und deren Schreiberlinge – denn genauso wie ich sowohl aktiver Musiker als auch Musikkonsument bin, steht es mir auch mit der Literatur, will heißen, so gern wie ich schreibe, lese ich auch – traute ich mir jenes Vorhaben einfach noch nicht zu, oder treffender ausgedrückt, fand ich ganz einfach mein objektives Musikverständnis noch nicht ausreichend. Und das letzte was die Szene braucht, ist ein weiterer Spinner, der sich nur selbst profilieren will.
Also wurde dieser Traum wieder zurück in den Keller zur Reife gelegt, und wer weiß, vielleicht ist er ja auch gar nicht zur Reife geneigt und verblüht in den Katakomben des Ichs? Dem war zum Glück nicht so. Ein weiterer wichtiger Aspekt um dieses Vorhaben anzugehen war die Bedeutung des Wortes ERFAHRUNG... Denn mittlerweile mit reichlich Wissen für so ein Vorhaben ausgestattet würde ich mal behaupten, das eben jene Erfahrung im Endeffekt die Zündschnur zum Startschuss gelegt hat.
Als Musiker und einer der kreativen und verantwortlichen Köpfe bei einer Band, welche vom Beginn des neuen Jahrtausends bis vor kurzem existierte, und deren Weg ich nach ungezählten Versuchen in diversen anderen Bands (ein Schicksal, das ich wohl mit vielen Musikern teile) von den Anfangstagen mitgeebnet hatte, konnte ich im Laufe der Jahre reichlich Einblicke hinter den Kulissen des „Biz“ ergattern, welche begünstigt durch ein Labeldeal noch vielfältiger wurden. Und bei den Göttern, das was ich zu sehen und zu erleben bekam, war in vielerlei Hinsicht noch heftiger als ich es mir mit meiner Skepsis hatte vorstellen können. Es ist schon erstaunlich wie viel Fundamente in diesem „Biz“ (ganz egal ob Underground oder Kommerz) auf Lügen und Intrigen aufgebaut sind. Man muss schon mit ganzen Herzen Musiker sein, um sich nicht auf seinem Weg beirren zu lassen (Abgestumpft zu sein, würde zwar auch helfen, da ich aber den meisten Musikern, zumindest den Songwritern einen gewissen Tiefgang anerkenne, fällt diese Möglichkeit geradezu weg). Unglaublich wie viele wirklich gute Bands im Underground von Leuten, die eigentlich die Macht hätten, sie etwas bekannter zu machen, entweder (um es freundlich auszudrücken) hingehalten oder schlichtweg ignoriert werden. Bei manchem Verantwortlichen aus welcher „wichtigen“ Sparte der Musikszene auch immer, weiß man gar nicht, ob sie schon den Labels und Marketing-Leuten gehören oder umgedreht. Die Frage wer versklavt hier wen und - viel wichtiger: worum geht es eigentlich noch? bleibt unbeantwortet.
"Aber nicht jammern – sondern seinen Teil zum Gegenteil beitragen." Gerüstet mit dieser Einstellung fiel dann der Startschuss für die Vorbereitungen zur ersten Ausgabe. Erst einmal ganz alleine und ohne Unterstützung machte ich mich an die Arbeit. Als jemand, der in den 80ern seine Jugendzeit verbracht hat, gehöre ich noch mit zu den Semestern, die die Undergroundzines noch ausschließlich der Printversion frönten, da ich aber gegenüber den Progressiven sehr offen und positiv eingestellt bin, war für mich von Anfang an klar, das ich die Ausgaben des Dark Feather auch online dem Leser zur Verfügung stellen wollte.
Ein wichtiger Faktor sollte sich aber doch auf jeden Fall zu herkömmlichen Online-Mags unterscheiden: die stets wie bei einem Heft in der Hand in sich geschlossenen Ausgaben. Ich finde es schade, wie bei vielen anderen Online-Formaten Undergroundbands auf der Startseite heute noch als Top-Thema erscheinen und morgen bereits in den Archiven jener verbannt sind, und dort nur per direkter Sucheingabe wieder auffindbar sind oder aber man stößt zufällig darauf, wenn man sich einmal in den Untermenues der Untermenues verirrt haben sollte. Das ist für mich nicht die beste Form des Supports und schon gar nicht langlebig. Aus diesem Grunde hat sich das Dark Feather zum Motto gemacht: „mit alter Zine-Ästhetik in Form von übersichtlich geschlossenen Ausgaben unterwegs auf neuen (online-Wegen)“. Und so kann der Leser direkt über die Startseite die einzelnen auch vergangenen Ausgaben erreichen und in jene online „blättern“. Dass dieses Konzept aufging, bewiesen die Zugriffe der einzelnen Seitenstatistiken.
Aber es gibt auch Vorhaben die sich nicht verwirklichen ließen, so wollte ich mit dem Dark Feather parallel zu jener Onlineversion auch eine Printversion im klassischen A5-schwarz/weiß-Zine-Format anbieten und tat jenes zu Begin auch. Allerdings selbst angesichts des Herzblutes, Idealismus und der positiven Verrücktheit, die man in so einem Unterfangen hineinsteckt – jenes stand in absolut keinem Verhältnis mehr zu Aufwand und Nutzen. Selbst schuld sozusagen, denn in Zeiten in denen die Printmagazinen ähnlich wie die Musikindustrie mit physischen Tonträgern starke Absatzeinbußen zu verzeichnet hat und größtenteils ein Gerangel und Schubsen ums Überleben herrscht, muss man sich nicht unbedingt auch noch in den angesäuerten Teich werfen. Die Zeichen der Zeit, wenn auch erst nach negativen Erfahrungen erkannt, legte ich das Vorhaben der Printversion nämlich schon ab Ausgabe 3 „ad acta“. Aber seien wir doch mal ehrlich, die vielen neuen Wege haben ähnlich dem Musikdownloadvertrieb doch auch erhebliche Vorteile. Von mittlerweise 7000 Leser pro Ausgabe (mit 17.000 einzelnen Artikelaufrufen) konnten Undergroundzines in den vergangenen Dekaden nur träumen. „Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit“, daran ist was dran und somit kann man in der heutigen Zeit einen viel größeren Support für den Underground leisten und jenen hat sich das Dark Feather auf der Fahne geschrieben!
Das so ein Vorhaben auf Dauer nicht alleine zu bewältigen ist, dürfte klar sein. So hat das Dark Feather, auch wenn der Verfasser dieser Zeilen nach wie vor den Löwenanteil an dieser Arbeit leistet, sich nach nach und nach auch um ein Team erweitert, welches dieses Zine unterstützt. An erster Stelle sei da die Miky erwähnt, welche als Assistentin genauso wie im Privaten ganz eng an meine Seite steht, weiter über Helfer bei der Promotionsamplerverteilung bis hin zu Freiwilligen, die sich am Coverartwork beteiligen, all jenen spreche ich hiermit meinen aufrichtigen Dank und Respekt aus!
Von Anfang an, gab es und gibt es zu jeder Ausgabe auch jenen eben erwähnten Promosampler der For Free den Fans zugänglich ist und dieser Teil des Supports bringt einen Löwenanteil für die Bands, denn jene Sampler gehen durch ein aufgebautes Vertriebsfeld auch weit über die Landesgrenzen hinaus. Da wir aber die ohnehin bedingt durch hohe Aufwandskosten des Musikmachens an sich meist schmale Geldbörse der Bands und Künstler nicht unnötig schröpfen wollen, haben wir uns von Anfang an entschieden, diese Sampler nicht über ein gängiges Presswerk zu vervielfältigen, denn nur so können wir jene Unkosten gering halten und somit die Preise für Bands und Künstler weit auch unter undergroundtypischen Gegebenheiten halten.
Auch hier gilt es aber in Zukunft noch weiter umzudenken und sich den Zeichen der Zeit anzupassen, denn die bisherige Auflage con 1000 Sampler-Exemplaren sind bis auf die wenigen, die wir uns zum Erwerb über die Magazinhomepage zurückhalten, aufgrund des weiter ausgebauten Vertriebsnetzes schnell verteilt, eine Erhöhung der Auflage würde eine weitere Kostensteigerung und somit auch Umlage auf die Bands und Künstler verlangen – das wollen wir aber nicht, also verlangt es auch angesichts der stetig steigenden Leserzahl, nach neuen Lösungen und Ansätzen. So werden wir durch Serverwechsel in Zukunft den Sampler zum Download direkt über unsere Homepage für free anbieten und werden die physische Form weiter über unsere Magazinseite gegen einen geringen Unkostenpreis zur Verfügung stellen, die Preise für Bands und Künstler an einer Samplerbeteiligung könnten wir dadurch sogar noch wieder senken. Wie das genau aussehen wird, daran wird gerade gearbeitet, denn auch das Dark Feather befindet sich in einem ständigen Prozess. Eines soll es aber auf jeden Fall bleiben, ein Undergroundmagazin ohne wenn und aber und ohne markttechnische Gängeleien.
Im Laufe der Zeit haben sich natürlich auch einige Anekdoten angesammelt, die teilweise zu „Panikattacken“ und schmunzeln angeregt haben ;-), aber jene werden wir noch ein wenig weitersammeln und Euch dann zu einem späteren Zeitpunkt als eine weitere Retrospektive offenbaren, dieses ist ja (hoffentlich) nicht unser letztes Jubiläum!
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