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Tharsys
 
Vol.10 Schriftzug
 

 

Kreativ betätigen und verwirklichen

Hallo Oliver! Was war einst das einschneidende Erlebnis in Deinem Leben, Euch aktiv der Muse hinzugeben?

Oliver: Ich könnte jetzt die schöne Geschichte erzählen, dass ich "The Number Of The Beast" gehört habe oder dass irgendwer auf der Bühne lässig den Fuß auf der Monitorbox geparkt hat und ich dann vor Begeisterung nicht mehr wusste, wer und wo ich bin. Aber so war es bei mir nicht. Irgendwann hatte ich einfach Lust auf Gitarrespielen und habe damit angefangen.
Schrecklich unromantisch. Dann kam irgendwann die erste Band. Komischerweise interessierte ich mich zum damaligen Zeitpunkt eigentlich hauptsächlich noch mehr für Filme als für Musik.

 

Tharsys

Wenn Ihr mit Eurer Musik auch die entferntesten Winkel des Planeten erreichen würdet, welche Botschaft würdet Ihr auf musikalischem Wege transportieren und der Menschheit nahe bringen?

Oliver:
Ich glaube nicht daran, dass Musik universell verständlich ist.
Und dass sie verbindet, klingt in erster Linie gut. Ich würde mich natürlich sehr freuen, wenn man die Musik auch in abgelegenen Winkeln gut findet. Das Musikmachen ist aber eine sehr egoistische Sache, so dass die einzige Botschaft vielleicht ist, dass man sich irgendwie kreativ betätigen und verwirklichen soll, und selbst die richtet sich nicht an die gesamte Menschheit, weil kreative Entfaltung an Tausenden von Orten auf der Welt nicht zur Lebenswirklichkeit gehört.

Welche Vor- und/oder Nachteile seht Ihr in der aktuellen Musikentwicklung:
weg von physischen Tonträgern hin zu Downloadvertrieb?

Oliver: Ich sehe da weder Vor- noch Nachteile; das ist einfach eine unterschiedliche Art der Musikverbreitung, wobei der Download-Weg zum Hörer etwas kürzer ist. Wenn die Leute Dateien haben wollen, sollen sie sie bekommen. Ich denke aber, dass legale Downloads physische Tonträger bei Spartenmusik nicht verdrängen werden. Zum einen möchten viele da immer noch ein Booklet zur CD oder sogar gleich Vinyl etc., was sich auch in absehbarer Zeit nicht ändern wird, zum anderen kann man in der illegalen Downloadkultur sowieso kein Unrechtsbewusstsein mehr säen. Der Zug ist lange abgefahren. Über diese Seite des Themas kann man aber ziemlich lange reden. Unsere Platte muss man, wenn man sie nicht illegal runtergeladen hat, auf jeden Fall noch im CD-Format kaufen und dann grabben, wenn man sie auf dem MP3-Player hören will.

Wie wichtig sind Deiner Meinung nach Fan- und Undergroundzines für die Musikszene?

Oliver: Für kleine Bands bedeuten Undergroundzines eine Plattform zur Präsentation, und für diese Möglichkeit sind wir als Band auch dankbar. In dieser Hinsicht sind solche Magazine grundsätzlich wichtig, und dahinter stecken auch oft enthusiastische Leute, die ihre Freizeit darauf verwenden, so was hochzuziehen. Die Schattenseiten gibt es da aber genauso wie bei den großen Printmagazinen. Wenn sich Schreiber selbst zu geil für diese Welt finden, nur weil sie umsonst Platten bekommen, wird's panne. Wichtigtuerei ist in dem Bereich halt auch nur einen Text entfernt. Und schlimm wird es auch immer dann, wenn Leute über Musik schreiben, mit der sie generell nichts anfangen können, und sie auf Basis dessen bewerten, was sie nicht ist, aber auch gar nicht sein will. Das kommt bei kleinen Zines schon aufgrund der personellen Situation öfter vor.

Mit wem würdet Ihr gerne einmal zusammen die Stage betreten oder im Studio sein?

Oliver: Im Studio arbeiten würde ich ohne Wenn und Aber gerne mit Steven Wilson oder Devin Townsend oder beiden. Das sind zwei Musikgenies, vor denen ich allergrößten Respekt habe, weil sie Allrounder sind, die nicht nur vieles ein bisschen, sondern vieles richtig gut können. Die beiden stehen zudem ganz weit über dem ganzen Szenenphrasengedresche, Uniformierungen und Schubladen und sind tatsächlich Künstler.

 
Tharsys im Dark Feather: Ausgabe 8
Tharsys zuhause: www.tharsys.de

 

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