Wenn Ihr mit Eurer Musik auch die entferntesten Winkel des Planeten
erreichen würdet, welche Botschaft würdet Ihr auf musikalischem Wege
transportieren und der Menschheit nahe bringen?
Oliver: Ich glaube nicht daran, dass Musik universell verständlich ist.
Und dass sie verbindet, klingt in erster Linie gut. Ich würde mich
natürlich sehr freuen, wenn man die Musik auch in abgelegenen Winkeln gut
findet. Das Musikmachen ist aber eine sehr egoistische Sache, so dass die
einzige Botschaft vielleicht ist, dass man sich irgendwie kreativ betätigen
und verwirklichen soll, und selbst die richtet sich nicht an die gesamte
Menschheit, weil kreative Entfaltung an Tausenden von Orten auf der Welt
nicht zur Lebenswirklichkeit gehört.
Welche Vor- und/oder Nachteile seht Ihr in der aktuellen Musikentwicklung:
weg von physischen Tonträgern hin zu Downloadvertrieb?
Oliver: Ich sehe da weder Vor- noch Nachteile; das ist einfach eine
unterschiedliche Art der Musikverbreitung, wobei der Download-Weg zum Hörer
etwas kürzer ist. Wenn die Leute Dateien haben wollen, sollen sie sie
bekommen. Ich denke aber, dass legale Downloads physische Tonträger bei
Spartenmusik nicht verdrängen werden. Zum einen möchten viele da immer noch
ein Booklet zur CD oder sogar gleich Vinyl etc., was sich auch in
absehbarer Zeit nicht ändern wird, zum anderen kann man in der illegalen
Downloadkultur sowieso kein Unrechtsbewusstsein mehr säen. Der Zug ist
lange abgefahren. Über diese Seite des Themas kann man aber ziemlich lange
reden. Unsere Platte muss man, wenn man sie nicht illegal runtergeladen
hat, auf jeden Fall noch im CD-Format kaufen und dann grabben, wenn man sie
auf dem MP3-Player hören will.
Wie wichtig sind Deiner Meinung nach Fan- und Undergroundzines für die
Musikszene?
Oliver: Für kleine Bands bedeuten Undergroundzines eine Plattform zur
Präsentation, und für diese Möglichkeit sind wir als Band auch dankbar. In
dieser Hinsicht sind solche Magazine grundsätzlich wichtig, und dahinter
stecken auch oft enthusiastische Leute, die ihre Freizeit darauf verwenden,
so was hochzuziehen. Die Schattenseiten gibt es da aber genauso wie bei den
großen Printmagazinen. Wenn sich Schreiber selbst zu geil für diese Welt
finden, nur weil sie umsonst Platten bekommen, wird's panne. Wichtigtuerei
ist in dem Bereich halt auch nur einen Text entfernt. Und schlimm wird es
auch immer dann, wenn Leute über Musik schreiben, mit der sie generell
nichts anfangen können, und sie auf Basis dessen bewerten, was sie nicht
ist, aber auch gar nicht sein will. Das kommt bei kleinen Zines schon
aufgrund der personellen Situation öfter vor.
Mit wem würdet Ihr gerne einmal zusammen die Stage betreten oder im Studio
sein?
Oliver: Im Studio arbeiten würde ich ohne Wenn und Aber gerne mit Steven
Wilson oder Devin Townsend oder beiden. Das sind zwei Musikgenies, vor
denen ich allergrößten Respekt habe, weil sie Allrounder sind, die nicht
nur vieles ein bisschen, sondern vieles richtig gut können. Die beiden
stehen zudem ganz weit über dem ganzen Szenenphrasengedresche,
Uniformierungen und Schubladen und sind tatsächlich Künstler.
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