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Genug Stories für die nächsten 200 Jahre Metal |
Die Leipziger Truppe um ANTYRA schmiedeten im Laufe der Jahre bei ihrem Streifzug durch die Gefilde der Muse einen musikalischen Schatz welcher so vielseitig in und an Richtungen glänzt, das er gleichzeitig Freunde aus der Melodic-, Power-, Heavy-, Pagan-, und weiteren Metalrichtungen mehr als ein kurzes Aufhorchen hervorzaubert. Dave, seines Zeichens Tasten- und Frontmann des Vierers gab uns Auskunft zum Stand der Dinge zwischen ihrer aktuellen E.P. "In The Fields Of Marathon", welche im vergangenem Jahr das Licht der Welt erblickte und dem was noch folgen soll. |
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Hallo Antyra, willkommen beim Dark Feather! Ich bitte Euch um eine kurze Vorstellung Eurer aktuellen Besetzung?
Hallo Holger!
Derzeit sind wir eine Truppe von vier Mann: Drummer Christoph, am Bass Frank, mein Bruder Sebastian an der Gitarre, den Backing Vocals und Growls und ich an Lead Vocals und Keyboard.
Antyra haben sich ursprünglich vor knapp vier Jahren aus zwei Bands gegründet, erzählt doch mal, wie kam es damals zur Fusion?
Okay, also das ganze ergab sich eher zufällig. Die Combo von Sebastian und mir befand sich Ende 2005 gerade in Auflösung. Die Band in der Christoph und Frank spielten war zu diesem Zeitpunkt ebenfalls schon nicht mehr aktiv. Zufälligerweise hatten sich Christoph und ich bei einem Eignungstest an der Uni Leipzig kennengelernt und Handynummern getauscht. Als nun Weihnachten 2005 die Band von Sebastian und mir zerbrach und wir neue Leute suchten, erinnerten wir uns an Christoph und fragten trotz der weiten Entfernung einfach mal an. Ein Demotape wechselte die Seiten und er war dabei. Aus seiner alten Band brachte er Reno, der kürzlich Antyra verlassen hat, und Frank mit. Damit war prinzipiell der Grundstein für diese Band gelegt. Ende 2006 hatte sich alles soweit gefestigt, dass wir die so entstandene Band Antyra tauften. |
Eure aktuelle Debüt-EP „In The Fields Of Marathon“ habt Ihr im vergangenem Jahr aufgenommen, was mir sofort positiv auffiel, ist das Ihr scheinbar auf mehreren Hochzeiten des Metal gleichzeitig „tanzt“ ohne Euch dabei zu „verstricken”. War und ist das beabsichtigt um eine große Fanschar aus den verschiedenen Subgenres zu erreichen oder unterliegt diese Vielfalt den verschiedenen Einflüssen der einzelnen Members?
Hehe, vielen Dank. ;-) Nein, unserer Musik liegt absolut kein kommerzieller Gedanke zugrunde. Die Vielschichtigkeit hat es uns kommerziell gesehen bisher auch nicht undbedingt leichter, sondern eher schwerer gemacht. Aber wir machen die Musik die uns Spaß macht. Unsere persönlichen Geschmäcker sind vielseitig. Wir haben sehr früh kennen gelernt, was den Reiz an jeder einzelnen Spielart des Metal ausmacht. Daher hören wir (fast) alles aus der Richtung der harten Musik. Aber unsere Musik ist nicht geplant, wie nach einem Kochrezept. Das ergibt sich einfach. Bei einer Idee zählt nur, ob sie gut ist. Zu welchem Subgenre das ganze gehören könnte interessiert uns nicht. Wir wollen keine Zielgruppe oder gleich mehrere bedienen. Das kann sowieso nicht funktionieren. Du hast unter allen Fans Puristen, die jede Abweichung als eine Beleidigung empfinden. Du findest aber auch immer Fans, die sich über Abwechslung freuen und Entwicklungen spannend finden. Zumal man nicht zum hundertsten Mal kopieren muss, was andere Bands schon super gemacht und damit Geschichte geschrieben haben. Wäre ja auch irgendwie langweilig. Man kann das Fahrrad zwar nicht neu erfinden, aber man kann dran herum schrauben und es tunen. ;-) Wenn wir so etwas wie eine Zielgruppe haben, dann sind das Leute, die auch gern mal über den Tellerrand sehen, sich einfach über einen schönen Song freuen, sich in eine Geschichte und einen Song hineinversetzen wollen und Atmosphäre mögen – unabhängig, ob Black, Heavy, Power, Death Metaller, Gote oder Mittelalterfan.
Fest steht, dass die Songs sehr episch und melodisch daherkommen, die Spielfreude ist nicht zu überhören. Wo setzt Ihr beim Songwriting Eure Prioritäten?
Das ist schwer zu sagen. Eigentlich liegen die Prioritäten überall. Gitarrenriffs müssen genauso überzeugen wie Melodien, Songstrukturen oder die Lyrics. Alles wird als gleichwertig betrachtet und entsprechend intensiv bearbeitet. Daher brauchen wir auch immer recht lange, bis ein Stück wirklich fertig ist. Denn mehrere einzelne Ideen nutzen nichts, wenn sie nicht gut zusammenpassen. Die „Bastelphase“ ist bei uns sehr wichtig, denn darin werden die Ideen zusammengeführt und auf einen gemeinsamen und vor allem sinnvollen Nenner gebracht. Der Song an sich steht im Vordergrund und muss in sich stimmig sein. Aber auch das ist eine Entwicklung, die man durchmacht. Die neueren Stücke entsprechen diesem Anspruch in viel stärkerem Maße, als die älteren. Man kann also gespannt sein… |
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Ist demnächst ein full-length Album in Planung?
Naja, das ist so ein bisschen die Krux an der Sache. An Songs mangelt es uns beim besten Willen nicht. Das neue Material steht in den Startlöchern und wartet nur sehnsüchtig darauf, geprobt, aufgeführt und aufgenommen zu werden. Nur leider fehlt uns auf der einen Seite das Geld dafür und auf der anderen Seite fehlt die Zeit, die Songs so intensiv zu proben, dass man unversehrt durch die
Recording Sessions kommt (dass eine gute Vorbereitung alles ist, haben wir bei den Sessions zu „Marathon“ gelernt). Denn wir stehen alle im Berufsleben und alle Leute aus verschiedenen Gegenden auf einen Nenner zu bringen ist dabei gar nicht so einfach. Aber es funktioniert und macht nach wie vor unglaublich viel Spaß. Das ist, was zählt!
Dave, Deine Texte bedienen vorrangig das Reich der Fantasy. Inspiriert Dich das musikalische Grundgerüst von Antyra dazu oder befasst Du Dich auch sonst viel mit dem Genre und die Texte bringen quasi die Basics für die Musik?
Das wechselt sich ab. Es gibt einen sich ständig erweiternden Fundus an inhaltlichen Ideen, Phrasen, Geschichten usw. über die man einfach hin und wieder stolpert. Aber ich befasse mich auch sonst sehr gern mit Fantasy, Geschichte oder spinne mir selbst Stories zusammen. Passt eine musikalische Idee zu einer inhaltlichen, dann ist die Welt in Ordnung. Und das ist in der Regel der Fall. ;-) Zumal wir uns nicht auf das Thema Fantasy beschränken. Geschichte und Sagen haben es mir sogar mehr angetan, als das Film- oder Literaturgenre Fantasy. Die Welt hält so viele starke Stories bereit, dass es garantiert noch für die nächsten 200 Jahre Metal reicht. ;-)
Wie kam es eigentlich zur Zusammenarbeit mit dem Chorisma Leipzig e.V. , welches das Intro „Call From The Abyss“ eingesungen hat?
Ich habe Chorisma über einen Bekannten kennen gelernt. Dieser erzählte, dass er in einem Chor singt. Die Partitur für „Call from the Abyss“ hatte ich schon eine Weile fertig. Chor und Chorleiter waren von der Idee und dem Stück sofort angetan und willigten ein. Nachdem sie eine Version erarbeitet haben, hörte ich mir die Rohfassung in einer Probe des Chores an. Nach ein paar Feinabstimmungen war das Teil komplett geprobt und fertig zur Aufnahme. |
Könnt Ihr schon verraten in welche Richtung sich die neuen Songs musikalisch und lyrisch entwickeln, wird es eine direkte Anknüpfung an „In The Fields Of Marathon“ geben?
Nein, die wird es nicht geben. Auch „Marathon“ hat keinen roten Faden. Die einzelnen Songs sind oft Geschichten oder Momentaufnahmen. Auf musikalischer wie inhaltlicher Ebene wird es lyrischer, epischer, aber auch abwechslungsreicher und musikalisch interessanter. Atmosphäre und Story stehen immer mehr im Vordergrund. Es wird weiter in die Richtung gehen, wie sie auf der EP bei „Strong Winds Blowing“ oder auch „Eye Out Of Fire“ angedeutet ist. Wie gesagt, die Songs sind fertig, einen großen Teil davon spielen wir auch schon live und ein sehr episches Stück über die griechische Sage des Orestes ist fast aufführungsreif. |
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Wie muss man sich Antyra Live vorstellen und wann kann man Euch wieder auf der Bühne sehen?
Live spielen ist definitiv unsere Stärke. Für uns ist Musik, wie es im Text von „Horns Up!“ steht: „To leave reality, to take one moment to be totally free.“ Das heißt, wir tauchen tief in die Musik und die Geschichten die wir erzählen ein. Dabei werden wir selbst vom Feeling und der Musik mitgerissen und geben alles, um das rüberzubringen, was wir gerade empfinden und was der Song ausdrückt. Zumal einen die Livesituation besonders pusht. Da steckt viel Spontanität drin. Wir sind keine Band, die schüchtern oder „routiniert“ ihr Ding einfach abzieht und wieder verschwindet. Dazu freuen wir uns selbst viel zu viel auf die Gigs! Wir sind live einfach begeistert, ein aktiver Teil dessen zu sein, was wir schon als Jugendliche verehrt haben: Heavy Metal! Man kann sich also auf viel Bewegung auf der Bühne und einen alles andere als langweiligen Abend einstellen.
Ja, am 3. September kann man uns zum 5-jährigen Jubiläum von Wickies Erben gemeinsam mit Into Obscurity im Helheim Leipzig sehen. Da wir im vergangenen halben Jahr prüfungsbedingt eine kleine Pause einlegen mussten und uns in dieser Zeit auch zwei Mitglieder verließen, wollen wir mit diesem Gig sowohl die neue Formation mit vier Mannen als auch viele der neuen Songs antesten. Es wird also ein interessanter Abend, soviel sei schon mal gesagt. Weiterhin sind momentan noch keine Termine fest, aber die Planungen laufen auf Hochtouren. Wir hoffen sehr, dass sich in der Hinsicht noch mehr tut. Daher auch an dieser Stelle der Aufruf an Veranstalter und Clubs: WIR WOLLEN AUF EURE BRETTER!!!!
Abschließend unsere beliebte Standardfrage vom Dark Feather: Was waren bei Euch die bisher positivsten, schrägsten und was die schlechtesten Erfahrungen in der Musikwelt? (kleine Anekdoten erwünscht ;-)
Mh, naja ein absoluter Gänsehautmoment war, als wir zum ersten Mal den Chor in seiner Endfassung Live am Tag der Aufnahme gehört haben. Das war wirklich stark. Ansonsten sind die positiven Momente definitiv die Gigs. Die Leute sind cool und das Feedback war fast immer sehr positiv. Anekdote: Zu einem Auftritt (Ort bleibt natürlich ungenannt) haben wir uns auf der Bühne die Seele aus dem Leib gerockt und versucht, die Leute zu animieren. Aber so richtig ging keiner ab. Aber nach dem Gig kamen die Leute zu uns und sagten, dass es ihnen total gefallen hätte. Im Gespräch stellte sich dann heraus, dass in der Gegend nicht-raus-gehen und mit-dem-Fuß-wippen die Anzeichen für „uns gefällts“ sind. Das war schon recht schräg, aber im Nachhinein auch irgendwie cool.
Negative Erfahrungen ergeben sich wie bei vielen Bands immer bei dem Problem, an Gigs zu kommen. Es gibt nun mal sehr viele und tolle Bands. Und Nichtbeachtung ist einfach keine schöne Erfahrung. Man hat sehr viel Arbeit mit außermusikalischen Aktivitäten, steckt Zeit und Geld hinein und erhält kaum ein Feedback. Das ist zwar auch irgendwo verständlich, weil die Veranstalter eben mit so vielen Anfragen umgehen müssen. Aber es ist halt schade. Denn dadurch entsteht in gewissem Sinne eine Art Konkurrenzverhältnis, das eigentlich niemand haben will und das die Szene zerfrisst. Deswegen versuchen wir auch immer, mit befreundeten Bands gemeinsam etwas aufzuziehen, wobei stilistische Übereinstimmungen gar nicht so wichtig sind. Das Gemeinsame und das Feeling für harte Musik, egal welcher Richtung, sollte dabei im Vordergrund stehen.
Ich bedanke mich für dieses Interview, die letzten Worte gehören dem Künstler! :
Leute, kommt am Besten einfach mal zu einem Gig von uns vorbei. Und nochmal an die Veranstalter: testet Antyra einfach einmal an (zum Beispiel am 03. September…), wir geben immer 110%!
Vielen Dank nochmal an Dark Feather!
Cheerz’n’Greetz!!! |
Antyra – „In The Fields Of Marathon“ (2009 / Eigenproduktion)
Hoppla, das nenn ich doch mal ein Intro!: „Call From The Abyss” eröffnet den Reigen und es ist alles andere als eine spärliche Keyboardkonserve, wurde hierfür doch der Chorisma E.V. Leipzig involviert – feine Entscheidung! Der anschließende Titelsong zeigt dann auch gleich wo’s lang geht, rollt im Midtempobereich daher und lässt sofort Battlefeeling aufkommen. Interessant der Wechsel zwischen cleanen Gesang und eingestreuten stets passenden Growls, welche sich im Laufe der E.P. immer wieder zu einem Stelldichein treffen. Sehr hymnisch beginnt “Strong Winds Blowing” um dann schnell ins kämpferische umzuschlagen, doch jenes „nur“ um dann den anschließenden Refrain umso eingängiger zu präsentieren. Eine gelungene instrumentale Zwischenpassage lässt die Ruhe vor dem Sturm ankündigen, welcher auch nicht lange auf sich warten lässt. Definitiv der abwechslungsreichste Song in dieser eh schon sehr vielseitigen E.P.
„Horns Up“ beginnt vorerst akustisch und lässt dann wieder das Gaspedal bis zur Mitte durchzutreten. Die Textzeile ‚The stage ist the altar of the metal head’ macht kein Hehl daraus, wen dieser Song gewidmet ist und er funktioniert als dieser auch sehr gut, hat er doch definitiv Mitgröhl-Charakter. „Eye Of Fire“ beschliesst diese E.P. und drückt vor allem in den melodischen Gitarrenparts noch einmal ordentlich aufs Gaspedal. Wobei vor allem der Chorus einen wahren Hymnenstatus offenbart. Ein gelungener Abschluss, der neugierig auf mehr macht.
Auch wenn „In The Fields of Marathon“ sich oft im Midtempobereich ansiedelt, wird es doch nie langweilig auf dieser EP, da es immer wieder nach vorne und hinten ausbricht, vor allem aber weil die einzelnen Parts an sich sehr vielseitig durcharrangiert sind und somit für Abwechslung sorgen. Antyra tanzen auf diesen etwas über 21 Minuten musikalisch definitiv auf verschiedenen Hochzeiten, so bedienen sie in ihrer Musik doch erfolgreich Elemente, von Heavy-, über Melodic-, Power-, bis hin zu Pagan-Metal und es scheint Ihnen gut zu tun. Denn für das Ganze gebrauchen sie als Bindungsmittel jene sehr überlegten und ausgeklügelten Arrangements und garnieren es mit einer gehörigen Portion Spielfreude.
Einzig der Sound könnte für diese Art der Muse noch etwas druckvoller kommen, aber das möchte ich nicht wirklich negativ bewerten, denn das Budget im Underground ist nun mal begrenzt und das Umsetzen der eigenen Stärken diesbezüglich oftmals schwieriger denn je. Mit etwas mehr Zeit im Studio für die Aufnahme und um sich noch besser untereinander und aufeinander einstimmen lassen zu können, könnte das kommende Album etwas ganz großes werden und dann könnte gleichzeitig die schon angedeutete Spielfreude mit etwas mehr Lockerheit noch mehr zur Deutung kommen. Die Truppe hat Potenzial und deutet es auf dieser E.P. mehr als an. Metalheads – reinhören!
Holger Warschkow
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visit: www.myspace.com/antyra
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