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Dem Hörer zum Rätseln bringen |
Es ist doch immer wieder erstaunlich, was für innovative Schätze unsere Szene(n) abseits von eingefahrenen und bewährten Richtungen bereithalten. BANN aus süddeutschen Gefilden ist einer jener Vertreter, der mich bei meinen Recherchen zur Ausgabe sofort in selbigen zog. Zu zweit haben sie im vergangenem Jahr mit "Aeschatologia" ein wahres Meisterwerk des Undergrounds erschaffen, welches es mehr als in sich hat! Aber ich möchte untenstehender Rezension nicht vorgreifen... Hoffarth, seines Zeichens Stimme und Texter des Duos, sowie Thurn welcher für das Kompositorische zuständig ist nahmen sich die Zeit für folgendes Interview. |
| Hallo Hoffarth, hallo Thurn, ich begrüße Euch beim Dark Feather! Ihr seid die Köpfe hinter BANN, erzählt doch bitte mal, wie es zu der Begegnung kam um Euer künstlerisches Schaffen Gestalt annehmen zu lassen?
Hallo, »Dark Feather«-Team! Zunächst mal vielen Dank für Euer Interesse und die Möglichkeit, uns im Rahmen Eures Zines zu Wort zu melden!
Die Geburt unseres Sprösslings BANN geht zurück auf das Spätjahr 2004 als erste Texte und ein fragmentarisches Konzept entstanden sind. Grundidee war, sich über das Medium atmosphärischer Klangcollagen mit der Realität mittelalterlicher Lebens- und Gedankenwelt auseinanderzusetzen. Mit diesen noch recht vagen Vorstellungen wandte ich, Hoffarth, mich dann an meinen langjährigen Freund Thurn in der Überzeugung, dass er genau der Richtige dafür sein würde. Erste gemeinsame musikalische Gehversuche im Jahr 2005 haben das dann auch zweifelsfrei bestätigt und seither hat sich die Kooperation mehr als bewährt. |
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Eure Musik beinhaltet eine äußerst interessante Fusion: Black-Metal, Ambient und Experimentelles finden sich zu einer großen Zusammenkunft und lassen nahezu Einzigartiges entstehen. Man bekommt den Eindruck, es ist alles andere als Einflüsse oder Berechnung welches zum Resultat führt. Wie entstehen Eure Songs?
Am Anfang steht bei uns grundsätzlich der Text. Aus gemeinsamen Überlegungen über die behandelte Thematik entwickeln sich dann Vorstellungen dazu, welche Stimmungen und Stimmungswechsel nötig sind, um diese adäquat in Musik zu übersetzen. Auf dieser Basis folgt dann ein Improvisieren und Probieren mit verschiedenen Instrumenten. Ideen, von denen wir beide überzeugt sind, finden Verwendung, andere eben nicht. Dabei entstehen die Grundmuster der Songs innerhalb weniger Stunden. Der anschließende Verfeinerungsprozess endet dagegen prinzipiell erst während der Aufnahmen. --- Am Anfang steht also ein Studieren, dann ein Kanalisieren; erst ganz Verstand, dann ganz Herz. Über Genregrenzen oder die Musik anderer machen wir uns dabei tatsächlich überhaupt keine Gedanken.
Mit „AEschatologia“ habt Ihr im letzten Jahr Euer Debüt-Album zum Licht der Welt geführt und es brachte eine Menge guter Reviews mit sich. Wie seid Ihr insgesamt mit dem Feedback bisher zufrieden? Und wie wichtig ist Euch jenes?
Positives Feedback zu bekommen, ist für jeden Künstler eine gute und wichtige Sache. Wer das abstreitet, lügt! Leidenschaftliche Reaktionen von Hörern sind uns dabei sehr viel wichtiger als diejenigen von der Presse. In den Reihen letzterer gingen die Meinungen zu Æschatologia weit auseinander – es gab sich vor Euphorie überschlagende Besprechungen, aber auch Totalverisse. Beides ist vollkommen in Ordnung; polarisieren zu können, ist wunderbar. Was allerdings so manches Mal doch verärgert, ist, wenn Rezensionen erkennen lassen, dass ein Schreiberling sich offensichtlich kaum mit der Musik beschäftigt hat, Fehlinformationen gibt, die sich schon durch einen Blick ins Promoschreiben oder auf die MySpace-Seite vermeiden ließen. |
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Die Überraschung brachte aber bereits Euer Demo „Antiochia“, dessen limitierte Auflage schnell vergriffen war und obendrein zur Aufmerksamkeit eines Labels führte. Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem britischen Label „Grief Foundation“?
Nach der Veröffentlichung der Demo gab es einige Angebote, unter denen dasjenige von »Grief Foundation« uns am meisten ansprach. Uns kam es nicht auf einen großen Namen oder besonderes Prestige an, sondern darauf, unser Schaffen den geneigten Hörern in bestmöglicher Form zugänglich zu machen. »Grief Foundation« zeigte großes Engagement und Leidenschaft, also griffen wir zu. Bereut haben wir die Entscheidung nicht.
Wie kam es eigentlich zum Bandnamen, warum BANN, mal abgesehen davon, das Eure Musik einen schon in jenem zu ziehen vermag?
Der Name steht im Kontext des mittelalterlichen lyrischen Konzepts. Der Begriff Bann spielte zu diesen Zeiten eine sehr zentrale Rolle und war mit eine großen Bedeutungsvielfalt behaftet. So steht Bann zum einen für Zauberspruch bzw. Fluch, taucht aber beispielsweise auch im juristischen Sinne als Zwing und Bann und in der lutherschen Bibelübersetzung als Synonym für die Untergangsweihe auf.
Vor allem aber steht Bann auch für das Anathema, also die Exkommunikation. Durch eine Verbannung aus der christlichen Glaubensgemeinschaft wurde ein Mensch sozusagen zum Rechtlosen, was mehr oder weniger einem Todesurteil gleichkam.
Und zu guter Letzt ist Bann wohl schlicht ein sehr griffiger Name, der schnell im Gedächtnis haften bleibt, was natürlich auch nicht von Nachteil ist.
Hoffarth, Du hast es Dir zur Aufgabe gemacht, die zum großen Teil unreflektierten Darstellungen des Mittelalters ins richtige Licht zu führen. Ein nicht einfaches Unterfangen bei all den Klischeevorstellungen. Welche Motivation lässt Dich jene Wege beschreiten und welche Quellen dienen Dir dabei zur Vollendung?
Hehe … ich bin mir natürlich darüber im Klaren, dass ich mit BANN keine prophetischen Kräfte entfachen werde. Aber wenn sich nur einige wenige Leute durch unsere Musik und die Texte dazu bringen lassen, ihre von kommerziellen Dudelsacktruppen geprägten Galgen-, Ritter- und Met-Vorstellungen vom Mittelalter etwas zu hinterfragen, ist das in meinem Sinne schon ein Erfolg. Was ich mir wünschen würde, ist, dass die Menschen ihren eigenen Verstand etwas mehr gebrauchen und sich weniger von Massenmedien suggerieren lassen. Und da mir die Historie des Mittelalters sehr am Herzen liegt, ist das ein sehr guter Ansatzpunkt für mich. Da ich unter anderem mittelalterliche Geschichte studiert habe, verfüge ich hier über eine ganz ordentliche Basis. In meinen Texten gehe ich bewusst chiffrierend vor, um die Leser und Hörer zum Rätseln zu bringen. Inwieweit dieser Plan allerdings bisher aufgeht, kann ich nicht sagen – aber realistisch gesehen, wird sich das natürlich doch in einem sehr engen Rahmen abspielen. |
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Thurn, Du zeichnest Dich für die musikalische Untermalung zuständig. Wenn man Eure Musik hört, hat man eher den Eindruck, alles stammt aus einer Feder, alles greift ineinander. Seid Ihr ein perfekt eingespieltes Team, das sich auf einer gewissen Ebene trifft?
Ein gut eingespieltes Team sind wir bestimmt, ja. Und vor allem geht es bei uns nicht egoistisch zu. Ich entwickle musikalische Ideen und Konzepte, aber verwendet wird schließlich nur, was Hoffarth und mir gefällt und wovon wir auch im Zusammenhang mit den Lyrics überzeugt sind. Eine Symbiose sozusagen.
Was sind Eure nächsten Pläne, was möchtet Ihr mit Bann noch erreichen?
Unser nächstes Ziel ist ein sehr pragmatisches. Wir wollen ein Label finden, das uns zukünftig bei Produktion und Veröffentlichung unseres Schaffens unterstützt. Die Zusammenarbeit mit »Grief Foundation« wurde in beiderseitigem Einverständnis beendet und nun sind wir erst einmal ohne Vertrag. Neue Musik ist im Entstehen begriffen und bisher geht’s unserem eigenen Empfinden nach in eine wirklich fantastische Richtung: nämlich in großen Schritten vorwärts! |
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Abschließend unsere beliebte Standardfrage vom Dark Feather: Was waren bei Euch die bisher positivsten, schrägsten und was die schlechtesten Erfahrungen in der Musikwelt?
Da wir ja keine Live-Band sind, sich bei uns also alles im stillen Kämmerlein abspielt, haben wir da nicht allzu viel Schockierendes zu berichten. Positiv: das erste eigene Album in Händen zu halten – das ist ein Wahnsinnsgefühl; negativ: Kontaktaufnahmeversuche von NSBM-Spinnern und die nicht tot zu kriegende Dummheit in den Gefilden extremer Musik.
Ich bedanke mich für dieses Interview, die letzten Worte gehören dem Künstler!
Nochmals besten Dank auch von uns an Euch!
Interessierte Labels dürfen sich gerne melden, alle anderen ein Ohr für unsere Musik riskieren.
Und im Namen der Menschlichkeit möchten wir wie immer dazu auffordern, mehr Nazis zu essen. |
.......Bann – „Aeschatologia“ (2009 / Grief Foundation)
„..und immer wieder diese Stimmung, immer wieder dieser stimmliche Ausdruck, immer wieder diese Violine…“ Dieses ist kein Zitat, sondern die Gedanken die mir stets beim Hören des musikalisches Schaffens der bei meinen Recherchen kürzlich entdeckten Formation Bann in den Kopf schießen um von dort aus sich in ein großes weites Fühlen zu verwandeln – Gänsehaut dient dabei als Transportmittel verstärkend. Eigentlich ist es fast unmöglich dieses Album in Worte zu fassen, „zu viel“ musikalische Kunst erwartet uns auf „Aeschatologia“ dem Debüt der Süddeutschen.
Bereits die ersten Momente des Openers „Der Geiger“ von Bann ziehen dem Hörer in eben selbigen. Eine Violine erklingt, dazu die geheimnis- und ausdrucksvoll laut geflüsterten Worte „Und der Geiger spielt ein Wiiiegenlied…“ lassen bereits aufmerken; dennoch nicht erahnen auf welche musikalische Reise wir uns hier begeben werden. Eine unglaubliche Innovation nämlich steht am Wegesrand um uns durch die Welt des Duos zu führen. Sechs Songs mit einer Gesamtlänge von über 65 Minuten (!), die niemals, aber wirklich niemals auch nur eine Note zu lang erscheinen!
Hoffarth, welcher jener musikalischen Kreatur die Stimme und die Lyrik gibt, beleuchtet das Mittelalter einmal von einer anderen Seite fernab jeglicher Klischees, das ganze im muttersprachlichen Gewand. Seine Stimme untermalt die von Thurn komponierten Stücke mit solch einer Hingabe und Authentizität, das man das Gefühl bekommt, hier kann unmöglich mehr als nur ein einziges komplexes Brain am Schaffen sein. Die Stimme wechselt dabei von flüsternd bis schreiend, stets der Story folgend, klingt dabei mal schwarzmetallisch bedrohlich, teilweise zerbrechlich flehend, in manchen Passagen lassen sich leichte Anwandelungen an die Oswald Henkes bei den ersten Werken Goethes Erben stellen. Jenes bleibt jedoch der einzige kurz durchschimmernde Vergleich dieses Werkes, welches in dieser Form seines ähnlichen sucht. Thurn sorgt hier für ein musikalisches Fundament, das vor Abwechslung nur so strotzt. Schnelle und langsam getragene Passagen geben sich die musikalischen Hände, ein eindrucksvoll überzeugendes aber nicht dominierendes Keyboard sorgt neben der bereits erwähnten Violine für die instrumentale Melodiösität. Das Ganze oftmals von einer rhythmischen Gitarren- und Schlagzeugbretterwand eingerahmt, welche immer dann kommt und geht, wie sie eben auf diesem Pfad zu kommen und zu gehen hat. Im weitesten Sinne ist es ein Stelldichein zwischen Black-Metal, Ambient und Experimentelles - im engsten Sinne nicht erklärbar. Aber muss man Musik erklären?
Aufgrund der Tatsache, das ich Bann und jenes Album erst vor wenigen Wochen entdeckt habe, kann ich dieses bereits im letzten Jahr erschienene „Aeschatologia“ nicht mehr den aktuellen Titel „Album des Jahres“ geben, aber ich glaube es wertet dem Ganzen in keinster Weise ab, wenn ich hiermit verkünden darf: Es ist das beste Schaffen Musik, das seit langem den Weg in meine Gehörgänge gefunden hat… - beide Daumen hoch!!
Holger Warschkow
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visit: www.myspace.com/bannseite
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