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Die ganze Dramatik der 80'er |
New Wave mit einer gehörigen Portion Düsternis präsentieren uns CANDYSLADE. Ihre Debüt-Taufe haben sie mit "Polaroid Affections" bereits hinter sich, auf jenem transportiert das Duo den Sound der Achtziger eindrucksvoll in die heutige Zeit. Zurzeit arbeiten sie an dem Nachfolger, welcher voraussichtlich im kommenden Jahr erscheinen wird. Wir freuen uns, dass sich Eve und Rick die Zeit für ein Stelldichein mit dem Dark Feather genommen haben!
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| Hallo Eve, hallo Rick, willkommen beim Dark Feather! Ihr seid die Köpfe hinter Candyslade, erzählt doch bitte mal wie es vor sechs Jahren begann?
Rick: Wir haben uns beim Konzert eines gemeinsamen Freundes getroffen. Eve hat ein paar Songs mit ihm gesungen, und nach dem Gig kamen wir ins Gespräch. Daraus hat sich sehr schnell eine Freundschaft entwickelt, denn wir liegen einfach vollkommen auf einer Wellenlänge. Viele unserer musikalischen Vorlieben stimmen überein, und die Bands oder Musikstile, die der andere noch nicht kannte, waren jeweils eine echte Bereicherung.Ich habe damals viele Texte geschrieben, die ich mit Musik kombinieren wollte. Eve war dann ziemlich schnell klar, dass wir ein gemeinsames Projekt starten müssen, und so hat es angefangen.
Mit Eurer Musik schafft Ihr es, die Atmosphäre der 80er mit neuzeitlichen Sounds auf einem Nenner zu bringen. War es eigentlich von Anfang an klar, in welche Richtung Candyslade gehen soll oder hat es ich im Laufe der Zeit von selbst entwickelt?
Eve: Zu Anfang haben wir viel ausprobiert, und unsere ersten Songs waren noch nicht genau der Stil, den ich als „typisch“ candyslade bezeichnen würde. Wir lieben die Musik der 80er, aber wir wollen nicht kopieren, sondern uns davon inspirieren lassen und die Essenz dieses Jahrzehnts weiterentwickeln. |

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Wir haben dann ein paar Ideen im Studio unseres guten Freundes Philipp aufgenommen. Er hat noch mal eine ganz neue Richtung reingebracht und überhaupt immer eine sehr gute Vorstellung davon, welche Musik in unseren Köpfen spielt. Das war eine großartige Zusammenarbeit mit ihm im Studio, wir hatten extrem viel Spaß, und ich finde, das hört man auch.
Rick: Am Ende waren einige Songs vielleicht völlig anders, als man zu Anfang dachte. Meist hat man eine bestimmte Idee oder ein Bild im Kopf, das man dann Schritt für Schritt sichtbar oder vielmehr hörbar macht. Wir sind da mitunter etwas synästhetisch unterwegs, deshalb vergleiche ich das Songwriting auch gerne mit der Malerei. Am schönsten ist es, wenn am Ende einfach alles genau da ist, wo es hingehört, jeder Drumsound, jeder Harmoniewechsel, jede Spielerei - jeder Pinselstrich eben.
Ein Album, welches den Titel „Polaroid Affection” trägt, habt Ihr in den letzten Jahren in Eigenregie herausgebracht, für nächstes Jahr kündigt Ihr den Nachfolger an. Könnt Ihr dazu schon einiges verraten?
Rick: Die Lyrics und Ideen für einige Songs sind schon klar, an anderen arbeiten wir noch, und ein paar werden sicher bis dahin noch ganz neu entstehen. Generell werden wir auf jeden Fall unseren Sound weiter prägen und mit deutlich klarerer Linie an die Arbeit gehen. Bei „Polaroid Affection“ haben wir noch viel von dem ausprobiert, was sich inzwischen für uns als die Basis herauskristallisiert hat, auf der wir nun weiter aufbauen.
Eve, Deine Stimme klingt sehr interessant und vielseitig, und würde sich zweifelsohne auch in vielen anderen Genres durchsetzen. Hast Du diesbezüglich eine langjährige Erfahrung?
Eve: Ich singe eigentlich schon, so lange ich denken kann, Musik spielt für mich schon immer die größte Rolle in meinem Leben. In meiner ersten Rock-Coverband hatte ich mit 15 angefangen. Mit 16 hatte ich ein Soloprogramm mit irischen Traditionals und eigenen Songs und bin in Irish Pubs aufgetreten. Außerdem war ich längere Zeit Teil eines Akustik-Duos, das ging in die Richtung American Folk und Blues, und nebenher weitere Coverbands. All das war aber nur der Weg zu einem eigenen Stil, den ich erst jetzt mit candyslade entdeckt habe. Die elektronische Musik ist so wandelbar, daher habe ich in diesem Bereich die bestmögliche Richtung für mich gefunden. Mein Herz schlägt mehr für die etwas melancholischeren und dunkleren Seiten der Musik und ich habe neben allen musikalischen Experimenten diese Richtung auch am meisten privat gehört.
Rick, erarbeitet Ihr alle Songs gemeinsam oder gibt es da gewisse Aufgabenbereiche, für die sich jeder einzelne verantwortlich zeichnet?
Rick: Eve ist auf jeden Fall in erster Linie für die Melodieseite zuständig. Sie hat ein sehr gutes Gehör für Harmonien und vor allem für Melodien, die zwar ungewöhnlich sind, sich aber trotzdem direkt ins Ohr setzen und die man dann nicht mehr los wird. Sie hat einiges an Lyrics für „Polaroid Affection“ geschrieben und spielt außerdem Piano und Synthesizer. Ich schreibe in erster Linie Texte, spiele aber auch Bass und beschäftige mich gern mit Synthie-Sounds. Die meisten der Lyrics haben wir aber gemeinsam geschrieben. Wir haben jeder eine sehr eigene Art zu schreiben – meistens kommt einer von uns beiden mit einer Idee, und der andere fügt etwas Eigenes an, meistaber nicht, ohne den Text des anderen bearbeitet zu haben. So kommt dann ein ganz neuer Stil zustande.
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Eure Musik birgt unüberhörbar eine gehörige Portion düsteren Wave in sich, wie stark haben Euch persönlich die 80er beeinflusst und wie hoch schätzt Ihr den Wert jener Jahre im Allgemeinen für die Musikgeschichte ein?
Rick: Mich haben die 80er extrem stark beeinflusst, ich würde mal sagen, dass zu dieser Zeit mein Musikgeschmack geprägt wurde. Ich wäre damals verzweifelt gerne schon Teenager gewesen, um diese Zeit richtig zu erleben, zumal ich den ganzen Stil einschließlich der Mode schon als Kind geliebt habe. Stattdessen musste ich mich mit Milchzähnen und Grundrechenarten befassen, das war ein echter Interessenskonflikt... Daher freue ich mich auch wie ein Kind über das 80s-Revival. Aber um auf die Musik zurückzukommen - ich fand Synthie-Sounds schon damals wahnsinnig interessant, das Kühle, Dunkle, Statische daran. Mich haben auch die Videoclips damals total fasziniert - ich war absoluter Fan von Formel1, der einzigen Musikvideosendung in der bunten Welt der ersten drei Programme.
Eve: Die Musik der 80er, die ich gern höre, ist für mich immer noch sehr präsent, frisch und zeitlos, weil ich mich nicht an ihr satt höre, sondern sie genieße. Es war das Jahrzehnt, indem sich extrem viel extrem schnell entwickelt hat, da die neuen elektronischen Möglichkeiten in der Musik sehr vielseitig und sehr kreativ genutzt werden konnten. Was uns für heute davon bleibt, sind die spezifischen Sounds, die Szenerie, die Gefühlslage der Interpreten, die in vielen Songs beschrieben wird. Es ist eine einzigartige Melancholie, sehr nach innen gerichtet. Ich liebe es, dass damals so dick aufgetragen wurde, die ganze Dramatik. Wir entdecken immer wieder neue Aspekte in Songs von damals, wenn es eben eine Situation gibt, auf die ein bestimmter Song exakt passt, den man vielleicht jahrelang einfach nur so gern mochte, sich aber der wahren Bedeutung nicht bewusst war. Erwachsen werden heißt auch immer, Musik ganz neu zu entdecken.
Wie steht es eigentlich bei Euch mit Liveaktivitäten? Oder ist Candyslade ein reines Studioprojekt?
Rick: Für ein reines Studioprojekt sind wir beide doch zu extrovertiert...
Eve: Wir sind anfangs mit Vocals, Bass sowie Backing-Tracks unserer Songs aufgetreten, dann hat unser Studiogitarrist Martin unser Live-Setup ergänzt. Wir wollten dann auch die Electro-Drumsounds teilweise bzw. ganz durch reale Drums ersetzen. Für eine Zeitlang haben wir an dieser Umsetzung mit unserem Drummer David gearbeitet. Als 100%-Live-Band ging Rick und mir dann aber der Sound zu sehr in Richtung Rock – ich hatte außerdem Probleme, mich nicht mehr frei auf der Bühne bewegen zu können, als ich zum Gesang noch den Synthesizer bedient habe. Als Sängerin hinter einem Tasteninstrument zu hängen, fand ich persönlich zu langweilig für die Bühne. Wir haben uns in Freundschaft von den beiden anderen getrennt, zumal beide auch generell mehr in Richtung Rock orientiert sind und wir eben andere Vorstellungen haben. In Zukunft werden wir unsere beiden Synthesizer und den Bass live einsetzen, die Backing-Tracks aber weiterhin nutzen, also eine Electro-Drumspur mit den Synthesizer-Sounds, die wir live nicht spielen können, da wir nur vier Hände haben.
Und was wünscht Ihr Euch noch für die weitere Zukunft?
Rick: Wir würden gerne weiterhin gemeinsame Gigs mit anderen Künstlern spielen und vielen neuen Leuten unsere Musik vorstellen.
Eve: Natürlich sind wir auch sehr gespannt darauf, wie das neue Album nächstes Jahr ankommen wird, da es ja jetzt noch ganz am Anfang steht. Was ansonsten so alles passiert, dem stehen wir offen gegenüber – wir lassen einfach alles auf uns zukommen. |
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Abschließend unsere beliebte Standardfrage vom Dark Feather: Was waren bei Euch die bisher positivsten, schrägsten und was die schlechtesten Erfahrungen in der Musikwelt?
Rick: Wir haben bisher sehr viel Positives erlebt in der Zeit mit candyslade, fast ausschließlich eigentlich. Bis jetzt hatten wir in dem, was hätte eine schlechte Erfahrung werden können, immer mehr Glück als Verstand…von den Transportschwierigkeiten einer Band ohne Auto mal abgesehen.
Etwas ganz besonderes war sicher,dass wir unseren ersten Gig als Support einer unserer Lieblingsbands spielen konnten, Scarlet Soho aus England. Als sie als Support von IAMX getourt sind, haben wir Sänger James angesprochen und konnten ihn für ein gemeinsames Konzert begeistern. Inzwischen haben wir das auch wiederholen können und freuen uns sehr auf weitere Zusammenarbeit, da es einfach riesigen Spaß macht, mit ihnen zu arbeiten.
Schräg war zum Beispiel eine Begebenheit während der Aufnahmen zu „Phone Voice Phantom Skin“, als wir die perfekten Wähltöne für das Intro gesucht und kurzerhand beschlossen haben, die selbst aufzunehmen. Eve stand also mit Telefon in der Gesangskabine und wählte, Phil und ich saßen im anderen Raum am Mischpult, bis beim wiederholten Take plötzlich jemand dranging – „Notruf Köln?“ Eve hat vor Schreck sofort fluchend aufgelegt, statt kurz zu erklären, dass sie sich nur verwählt hat. Der Rettungswagen kam dann zum Glück trotzdem nicht. |
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Soso :-) Ich bedanke mich für dieses Interview, die letzten Worte gehören dem Künstler! :
Rick: Für die letzten Worte ist es hoffentlich noch zu früh... aber selbst wenn, passt in diesem Zusammenhang ein Zitat von Nietzsche: „Ohne Musik wäre das Leben sinnlos“.
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visit: www.myspace.com/candyslade
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