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Mit Druck und Groove auf dem Vormarsch |
Mit den Jungs von Creeping Maid treffen wir alte Bekannte wieder, waren die Melodic Death Metaller doch bereits in Ausgabe 3 bei uns zu Gast. Kürzlich haben sie ihr Album "Manhunter" veröffentlicht, welches noch einmal eine deutliche Steigerung zu ihrem bisherigen Schaffen beinhaltet. Da lag ein Interview natürlich mehr als nahe und wir freuen uns das sich Bassist Tobias und Frontmann Christian die Zeit für jenes nahmen. ...und nachdem aktuellen Material schwör ich hiermit hoch und feierlich das ich das D-(Doom) Wort nie wieder in Verbindung mit Creeping Maid in Verbindung bringen werde! ;-) |
Hallo Creeping Maid, erneut ein herzliches Willkommen beim Dark Feather! Ihr habt kürzlich euer erstes reguläres full-length Album, welches den Titel „Manhunter“ trägt, veröffentlicht – herzlichen Glückwunsch hierzu! Wie geht’s euch jetzt nach der Fertigstellung und wie verlief der Produktionsprozess? |
| Tobias: Wir sind zufrieden, dass wir endlich das Endresultat in den Händen halten können und sind auch sehr stolz darauf, dies endlich geschafft zu haben. Die Produktion verlief zwar langwieriger als wir dachten, aber es hat eine Menge Spaß gemacht. Vielleicht wären wir schneller gewesen, wenn wir den Spaßanteil zurückgeschraubt hätten, aber lieber entspannt arbeiten, als unter Druck.
Wer Interesse hat kann ja auf MySpace unser Studiotagebuch lesen. |

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Wie zufrieden seid ihr mit den ersten Reaktionen auf „Manhunter“?
Tobias: Die Meinungen, die ich so mitbekommen habe sind doch sehr zufriedenstellend. Was mich nur erstaunt hat, ist die Tatsache, dass ich auch positives Feedback von Leuten bekommen habe, die eigentlich mit Death Metal oder Rockmusik im Allgemeinen recht wenig anfangen können. Aber wenn es selbst denen gefällt, dann muss es ja recht gut sein. Wenn man selbst an der Musik beteiligt ist, dann ist es schwer, dass selbst geschaffene objektiv zu beurteilen. Irgendwo findet man immer eine Stelle, die man hätte besser machen können, aber das ist völlig normal, denke ich.
Auffallend ist, dass ihr euch noch mal gesteigert habt, sowohl im Songwriting, Arrangements und Sound! Was war der ausschlaggebende Punkt, dass Creeping Maid jetzt quasi an dem Entwicklungsstand angekommen ist, den die Zeit zur völligen musikalischen Reife gebraucht hat?
Tobias: Das ist eine Frage, die ich selbst nicht wirklich beantworten kann. Ich denke, dass es die Zeit selbst war, die uns zudem gemacht hat, was wir sind und nicht irgendein Punkt oder Umstand.
Christian: Im Gegensatz zum letzten Album sind schon klare Fortschritte zu erkennen. Das liegt zum Einen daran, das wir auf dem letzten Album nur mit 2 Gitarren gearbeitet haben und auch die Studiozeit sehr begrenzt war, zum Anderen aber auch an der Herangehensweise an die Titel. Durch die 3 Gitarren haben sich für uns ganz andere Möglichkeiten im Songwriting ergeben.
Andererseits hat euer Demo „Run In Dawn“ bereits bei unserem ersten Zusammentreffen meine Neugier auf Zukünftiges geweckt, insofern überrascht mich die Qualität von „Manhunter“ nicht so sehr, was das Ergebnis aber nicht schmälern soll – im Gegenteil, denn zwischen den Zeilen, oder besser gesagt den Demosounds des Tonträgers, konnte man bereits das Potential heraushören, das in Euch steckt. Denkt ihr nicht manchmal, dass ihr eigentlich mit Berechtigung auch schon früher so ein Klasse Album hättet machen können?
Tobias: Danke für die Blumen. Der Großteil des Materials auf Manhunter ist so gesehen schon länger fertig, daher hätten wir das Album eigentlich schon vor einem Jahr veröffentlichen können, aber wir hatten einfach nicht die nötige Zeit, um das Album früher fertig zustellen und mussten uns daher in Geduld üben. |
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Dennoch habt Ihr eure Musik doch noch um einige Stiltechniken erweitert. So findet man neben dem old school Death und Doom des Vorgängers jetzt zusätzlich eine erstaunliche Frische in Form von noch mehr Melodien und sinfonischen Aspekten ohne dabei die Härte zu verlieren. Wer oder was zeigte sich für den Wandel verantwortlich?
Tobias: Von einem Wandel zu sprechen wäre irgendwie der falsche Ausdruck, vielmehr ist es eine Entwicklung, die durch die ganzen Einflüsse begünstigt wurde. Sinfonische Elemente gab es ja schon vereinzelt auf Run In Dawn zu hören, wurden daher eigentlich nur noch verbessert und nicht erst später eingefügt.
Da du nun schon zweimal den Begriff Doom mit uns in Verbindung bringst möchte ich noch sagen, dass wir keinen Death-Doom oder dergleichen spielen, sondern Melodic Death Metal. Ich muss dir zustimmen, dass Run In Dawn vom Sound her an Alben wie Into Darkness von Winter erinnert und dass es auch viele Momente auf Manhunter gibt, die recht langsam daher kommen oder sogar etwas doomig klingen, aber wir bedienen uns nicht dem Themenkreis des Doom und deswegen spielen wir auch keinen. Ich persönlich liebe Doom Metal und es wäre schön zu wissen, was die Doomgemeinschaft von unserer Musik hält.
Christian: Wir haben Manhunter um einiges druckvoller und rhythmischer gestaltet als Run In Dawn. Das hat sich beim Schreiben und im Proberaum so langsam ergeben und mit 2 sehr guten Leadgitarristen kann man schon einiges anstellen. Auch unser Bassist und unser Schlagzeuger haben sich in den letzten Jahren stark entwickelt was man auch hören kann. Insgesamt läuft die Arbeit untereinander besser. Das Album hält sich jetzt viel mehr im Midtempobereich auf und grooved viel mehr. Dieses Mal haben wir auch nicht den Fehler gemacht und sind überstürzt ins Studio gegangen sondern haben uns eine circa einjährige Auszeit mit Auftritten genommen, um die bis dahin fertigen Sachen weiter auszuarbeiten und filigraner zu gestalten, bevor es ins Studio ging. Vieles hört man auch erst beim 5. oder 6. Durchlauf der CD. Die Bedingungen während der Aufnahmen waren auch komplett andere als beim letzten Album, so dass wir auch viel entspannter an die Sache herangehen konnten und zudem konnten wir auch im Studio noch einmal ein paar Dinge testen und spontan einfügen.
Es ist ja immer so ein Kreuz mit den Unkosten eines Albums, wenn man nicht gerade ein zugkräftiges Label im Rücken hat. Ihr habt euch für die optisch schönere Variante des Digipak entschieden, dafür musste nun aber auch ein Booklet mit den Lyrics dran glauben. Ohne Kompromisse geht es kaum, was war letztendlich ausschlaggebend für diese Entscheidung der „Verpackung“ von Manhunter?
Tobias: Ganz ehrlich? Es sieht einfach besser aus. Ich bin ein Fan von Digipaks, da diese einen edleren Look haben. Das sie sich wiederum schneller abnutzen als ein Jewelcase ist dagegen eine andere Geschichte. Davon mal abgesehen sollte man auch folgendes bedenken, die Musikindustrie hat eine CO2-Emission in Millionenhöhe und die Herstellung von Digipaks ist schlicht umweltfreundlicher. Mir ist klar, dass sich das Problem Umweltschutz nicht großartig verbessern wird, nur weil eine kleine Band aus Sachsen sich sagt, dass sie ihre CDs im Digipak veröffentlicht, aber es ist ein Anfang. Ich bin kein Umweltaktivist, aber es ist ein Fakt, dass die Umweltverschmutzung über kurz oder lang in einer Katastrophe enden wird, man kann dies nicht aufhalten aber immerhin hinauszögern. Ein Booklet konnten wir uns schlichtweg nicht leisten, die Produktion war zwar im Verhältnis gesehen recht günstig, aber dennoch sehr kostenintensiv. Was die Lyrics angeht, nunja, wer sie unbedingt lesen möchte, dem werden wir sie gerne auf Anfrage schicken, vielleicht werde ich sie auch demnächst bei metal-archives.com ergänzen, mal schauen. Apropos Cover…wer zeichnete sich denn für das durchaus mehr als gelungene Coverbild verantwortlich? |
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Christian: Das Cover und den Rest des Layout habe ich gestaltet. Das war mal eine vormittägliche Sitzung im Photoshop. Dabei sind halt mehrere Elemente ineinander verwurstet worden. Es sollte zum Albumtitel und zum Textinhalt des Titeltracks passen. Ich denke mir ist das rein optisch ganz gut gelungen. Bis jetzt haben jedenfalls wir für das Cover nur gute Resonanzen erfahren.
Auch der neue Logoschriftzug passt jetzt besser zu unserer Musik. Der Alte war halt noch sehr Heavy Metal. Durch die musikalische Veränderung im Laufe der Zeit war eine Anpassung notwendig.
Tobias: Wobei ich sagen muss, dass ich das Bild auf der Innenseite wesentlich geschmackloser finde, natürlich im positiven Sinne. |
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Es gab einen kleinen Besetzungswechsel bei euch oder besser gesagt einen Besetzungsrückgang. Bei unserem ersten Interview war Anika noch mit am Start. Warum verließ sie nun kürzlich die Band?
Tobias: Die Gründe für Anikas Austritt kann man auf unsere MySpaceseite nachlesen. Es ist schade, dass sie gegangen ist, vor allem weil sie auf Manhunter so eine beeindruckende Gesangsleistung abgeliefert hat, aber wir lassen uns davon nicht unterkriegen. Wir wünschen ihr jedenfalls viel Erfolg mit ihren zukünftigen Musikprojekten.
Christian: Anika hat uns aus privaten und musikalische Gründen verlassen. Sie ist durch ihr Studium sehr wenig zu Hause und hat daher auch wenig Zeit zum Proben. Auch konnte sie sich am Synthesizer oft nicht ganz so entfalten wie sie es gern gewollt hätte, da wir den Synthesizer nur für Akzente nutzen wollten. Daher hatte sie halt nicht so oft die Möglichkeit zu zeigen, wozu sie spielerisch in der Lage ist.
Jetzt ist sie in Dresden als Bassistin bei der Metal-Core-Band Relief In Silence eingestiegen.
Wir stehen immer noch in Kontakt zu ihr und sie ist auch weiterhin gern gesehen.
Was ist neben der Produktion und jener Besetzungsveränderung noch in den letzten Monaten bei euch passiert?
Tobias: Studium abgeschlossen, Vater geworden und und und. Das ganz normale Leben halt.
Und wie geht es denn jetzt weiter, was ist nun nach der Albumveröffentlichung bei euch in Planung?
Tobias: Momentan vertreiben wir unser Album in Eigenregie, machen etwas Promoarbeit und sind auf der Suche nach Auftrittsmöglichkeiten. Zudem sammeln wir Ideen für unser drittes Album, welches wahrscheinlich ein Konzeptalbum werden wird, welches Themen behandelt, die wir bisher noch nicht angeschnitten haben, aber mehr wird noch nicht verraten.
Christian: Zur Zeit kommen ein paar Anfragen für Auftritte rein, die wir noch untereinander zeitlich abklären müssen. Dann sind wir auch an einer Zusammenarbeit mit 2 anderen Bands dran. Mal sehen, vielleicht entwickelt sich daraus eine Mini-Tour. Wir wären jedenfalls nicht abgeneigt demnächst wieder etwas mehr zu spielen.
Die drei Standardfragen habe ich euch ja bereits in der Dark Feather Ausgabe 3 gestellt, daher habt ihr jetzt einfach mal die Möglichkeit loszuwerden, was ihr schon immer mal loswerden wolltet! ;-)
Christian: Was wollten wir denn schon immer mal loswerden? Das überlasse ich lieber Tobi, der erzählt mehr und lieber als ich.
Tobias: Uff... jetzt fällt mir selber nichts auf Anhieb ein.
Na dann…Vielen Dank für dieses Interview! :-) |
Creeping Maid "Manhunter" (Mai 2010)
Nach ihrem Erstling, dem Demo-Album "Run It Down", aus dem Jahre 2006, legen die aus dem sächischen Vogtland stammenden Metaller "Creeping Maid" mit "Manhunter" endlich den Nachfolger vor.
Bereits im Februar 2009 waren Creeping Maid Interviewgast in der 3. Dark Feather-Ausgabe und machten neugierig auf das kommende Album.
Das erste, was an "Manhunter" auffällt, ist das gelungene Artwork, für das ebenfalls Christian Hardies verantwortlich zeichnet, Gründer, einer der 3 (!) Gitarristen und Sänger der Band. Inklusive der CD-Gestaltung selbst, wurden hier vier verschiedene Motive verarbeitet, die ein Flair von "Texas Chainsaw Massacre" u.ä. Horrormovies ausstrahlen. Optisch also schon mal eine hervorragende Einstimmung auf die kommenden ca. 40 Minuten Melodic Death Metal.
Ist der Opener "Hell Awaits" eher ein geradliniger Losgeher, mit sattem Gitarrensound und Growls und Screams, wartet der folgende Track, "Death Is Coming Home", gleich zu Beginn mit symphonischen Anleihen auf. Spannende Rhythmuswechsel und melodische Gitarrenläufe verleihen dem Song, trotz seiner Kürze, einen epischen Anstrich. "Your Enemy" geht druckvoll vorwärts, garniert mit einigen Keyboardeinsprengseln. Erst gegen Ende, läuft der Song zur Hochform auf, indem die Gitarrensektion nochmal gehörig aufdreht. "One Nail For Every Lie" ist vor allem interessant durch den abwechslungsreichen Gesang. Die Growls bis hin zu keifendem Fauchen erzeugen eine sehr unheimliche Stimmung. Der weibliche Gesangspart von Anika ist allerdings zu dünn geraten und kann sich nicht durchsetzen.
Der Titeltrack "Manhunter" besticht durch schnelle Gitarren- und Drum-Parts und auch die Keys kommen wieder zum Einsatz.
"Tankbreaker", von dem man sich auf der Dark Feather-CD selbst einen Eindruck verschaffen kann, weist alle Elemente auf, die die Musik von Creeping Maid auszeichnen: Eine mächtige Gitarrenwand, anspruchsvolle Gitarrenriffs und Melodieläufe, saubere Growls plus ein paar nette Soundsamples.
"War Child" schließt nahtlos an, geht wie eine Dampfwalze vorwärts. Kompromißloser Sound und epische Stilelemente gehen eine überzeugende Symbiose ein. Für mich einer der ausgefeiltesten Titel dieser CD, bei dem man auch die Einflüsse so mancher Symphonic Metal Band spüren kann. "One Man Army" beginnt mit einem Soundsample, möglicherweise aus einem Film. Aggressive Growls stehen im Wechsel mit melodischen Synthsounds, eingebettet in die undurchdringliche Mauer der Gitarren.
Mit "Corpse Rain" ist wieder ein schnellerer Titel am Start. Die Gitarren bügeln gnadenlos alles nieder. "Cemetry Love" beginnt und sofort stellen sich Erinnerungen an die erste Black Sabbath-Platte ein. Der letzte Song des Albums glänzt durch wunderschöne, komplexe Gitarrenhooks, die sich zu einem melodischen Soundteppich aufschwingen. Growls, die in ihrer Intonation an ein Gebet erinnern und Keyboardpassagen, die Gefühle von Tragik und Verlust erzeugen. Ein würdiger und fulminanter Abschluß dieser CD.
Mit "Manhunter" ist Creeping Maid, neben einer sauberen und qualitativ guten Produktion, ein sehr eigenständiges Werk gelungen, welches überzeugt, aber auch, zumindest für mich, einen etwas ambivalenten Touch hinterläßt. So hatte ich bei den ersten Tracks dieser CD das Gefühl, als wäre die Band stilistisch noch etwas am experimentieren. Mit "Tankbreaker" hat sie diesen, ihren eigenen Stil, dann aber gefunden und ab diesem Song, ist dieses Album wie aus einem Guss und ein Highlight jagt das nächste. Es ist jedenfalls zu hoffen, dass bis zum nächsten Creeping Maid - Album nicht wieder vier Jahre vergehen.
Noch eine Anmerkung zum Schluß: Da mit Fertigstellung von "Manhunter" Anika (Synthesizer, Vocals) die Band verlassen hat, um neue musikalische Wege zu beschreiten, darf man gespannt sein, ob dieser Weggang Auswirkungen auf den künftigen Stil von Creeping Maid haben wird.
Stefan Bellack
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visit: www.myspace.com/creepingmaid
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