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Ein "Abgesang" an unsere dystopische Weltordnung |
Die süddeutschen Metaller um DYSTOPIA haben im Laufe in ihrem sechsjährigen Bestehen einen Stil geformt, der sehr individuell und eigen klingt. Von Neuer deutscher Härte bis hin zu extremen Metalbereichen schufen sie eine Symbiose, die schon fast eine eigene Nische schlug. Nach einem bisher vorhandenen Demo veröffentlichen sie nun Anfang August ihr Debüt-Album "In ewig irdisch Abgesang", welches sie in allen Belangen mit einer gehörigen Portion Professionalität zum Leben erweckt haben. Wir hatten die Möglichkeit im Vorfeld uns dieses musikalische Schaffen zur Gemüte zu führen und können nur feststellen: Achtung, da könnte was Großes auf die Metalwelt zukommen! Der sympathische und redegewandte Frontmann Steve ließ uns gegenüber interessantes über Hintergründe sowohl in musikalischer als auch lyrischer Hinsicht des Gesamtwerkes Dystopia durchsickern... |
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Hallo Steve, hallo Dystopia, willkommen beim Dark Feather! Ihr veröffentlicht dieser Tage Euer Debüt-Album „In ewig irdisch Abgesang“, wann genau ist denn das Releasedate?
Hi!
Das Releasedate ist am 01.08.2010. Vorerst wird die CD dann auf unserer myspace Seite vertrieben,später dann in einigen Shops. Werde ich aber zu gegebenem Zeitpunkt auf unserer myspace Seite preis geben.
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Wie Ihr auf „In ewig irdisch Abgesang“ eindrucksvoll demonstriert, ist Euer Stil sehr individuell, von Neuer deutscher Härte bis hin zu Black Metal durchstreift Ihr viele Felder der alternativen Musik. Ist es das Ergebnis von unterschiedlichen Einflüssen oder eine bewusste Abgrenzung von Schubladen?
Ich würde sagen beides ist richtig. Zum einen sind die Einflüsse der einzelnen Bandmitglieder sehr vielfältig, zum anderen ist es da ja logisch, dass man sich nicht als Vertreter einer vorfertigten Sub-Richtung sieht. Man vereint die wunderschöne Vielfalt in sich und will die Welt der Musik bunt, in all ihrer Farbenpracht erleben. Von metallisch düster bis gotisch schwarz! Irgendwo zwischen Transzendenz und Revolution!
Auch Euer Sound lässt sich nicht so einfach einordnen, zwar geht er schon in das Düstere, jedoch auch hier ohne in Klischees zu verfallen und nicht ohne das Licht am Ende des Tunnels aufzuzeigen. War es ein langer Weg diesen, Euren Weg zu finden?
Vielen Dank :-). Hmm, kniffelige Frage. Wahrscheinlich war dieser Weg schon immer vor unserer Nase; es hat nur einige Zeit gedauert ihn zu sehen. Ich denke ein Musikerdasein muss sich entfalten, einige Phasen mitmachen um letztendlich einen Weg sein Eigen nennen zu können.
Apropos Sound, für den Mix konntet Ihr keinen geringeren als Carlos Peròn (Witt, Weissglut, Wolfsheim) gewinnen. Wie war diese Erfahrung für Euch und wie kam es zur Zusammenarbeit?
Ja, Carlos ist genial! Der Sound ist um ein Vielfaches bombastischer geworden. Ich denke gerade weil er eigentlich aus einer anderen musikalischen Richtung kommt (elektronisch), ist seine Arbeit eine große Bereicherung für unsere musikalische Darbietung! Es war natürlich eine großartige Erfahrung mit einem solch erfahrenen Soundtüftler zusammen zu arbeiten! Zur Zusammenarbeit kam es durch einen Tipp von einem befreundeten Musiker.
Auch für das Coverartwork konntet Ihr mit Daniel Bosch einen nicht unbekannten Künstler gewinnen. Wolltet Ihr bereits mit Eurem Debüt quasi rundum „alles richtig“ machen?
Ich sag mal wir wollten es so gut wie möglich machen :-). Ja, auch das Coverartwork ist absolut geil geworden. Daniel ist ein begnadeter Künstler. Ein Liebhaber düsterer Klänge der mal auf seiner Internetseite www.daniel-bosch-art.de war, wird mir da wohl recht geben.Ich habe mittlerweile selbst ein Bild aus seinem „Asia Argento Projekt“ in meiner Wohnung hängen. |
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Euch gibt es seit ca. sechs Jahren, ein erstes musikalisches Lebenszeichen gab es bereits zwei Jahre nach Eurer Gründung mit „Gott ist tot“. Da ich das Demo nicht kenne, was ist denn Euer größter Entwicklungsschritt von jenem zu Eurem jetzigen Release? Gibt es überhaupt Vergleiche?
Nun, „Gott ist tot“ ist wie ein Tagebuch voller Standbilder. Einzelne Schnipsel aus dem Leben und der Entwicklung einer zu dieser Zeit noch jugendlichen Hobbyband. Seit diesem Zeitpunkt ist aber ein musikalischer Kilometerlauf vollzogen worden! Wir haben angefangen ein Konzept hinter der Band zu entwickeln. Die Musik ist reifer und durchdachter geworden. Irgendwo in den Fluten von metallischen Düsterklängen haben wir ein Lichtblick gefunden, der uns den Weg zum aktuellen Tonträger gezeigt hat. Es geht um die Wirren der Welt, um persönlichen Einklang, um Aufgebähren, um die Hintergründe einer dystopischen Weltordnung und um den „Abgesang“ an diese. Hauptspektrum war hierbei der Irrlauf und Hintergrund der Religionen.
Das Ergebnis dieser Entwicklung ist „In ewig irdisch Abgesang“…ambivalent wie das Leben selbst. Zwischen dystopisch eigen und utopisch fremd!
Die Aufnahmen von „In ewig irdisch Abgesang“ liegen jedoch schon einige Monate zurück, warum musstet Ihr im Endeffekt solange warten, um den Tonträger endlich auch in den Händen zu halten?
Ohh, das hat zu viele Gründe um sie alle hier aufzulisten! Ein ewiges hin und her. Man muss sich ja überlegen, dass wir alles aus eigener Tasche gezahlt haben und somit gab es auch immer wieder Verzögerungen um neues Geld für die nächste Aktion zu scheffeln.
Steve, in den Lyrics geht es oft um Kritik und Hinter-, auch Abgründe der Gesellschaft. Über den Lug und Trug, sprich den in der heutigen Zeit leider ganz „normalen“ Alltagswahnsinn. Ist Dystopia lyrisch gesehen ein großes Ventil um dem zu entkommen oder geht es um mehr, willst Du wachrütteln, Menschen die Augen mal wieder öffnen?
Ein lautes, aufrichtiges JA! Wir haben durchaus das Interesse daran auf bestimmte Dinge aufmerksam zu machen, die Otto Normalverbraucher verborgen bleiben. Nicht aufdringlich, eher nach dem Motto: „Ich sag es jedem der es hören will“. Unser kritisches Empfinden umfasst ja viele Bereiche: Religionen, Kriege, Gesellschaftliche Missstände, auch persönliche usw.
Meine Texte sollen Wege aufzeigen, Mut zum Zweifel schenken, Eigenständiges Denken vermitteln! Und da muss um Gottes Willen nicht jeder der gleichen Meinung sein wie ich! Darum geht es ja: EIGENMÜNDIGKEIT! Nicht alles glauben was einem in den Medien und etablierten Meinungsbildern für „falsch“ oder „richtig“ verkauft wird!
Und auch die Provokation, die in der gotischen und metallischen Szene ja ohnehin inne sitzt, darf nicht zu kurz kommen! Hierzu ein Zitat:
„Schluss mit harmlos! Sie (die Kunst) muss immer ein Appell an das Gefährlichste sein“ (Wolf Wondratschek, Abendzeitung 27.06.2001).
Nur so rüttelt man wach! Nicht „Entkommen“, sondern „Konfrontation“!!!
Euer Bandname ist an die Zukunftsdystopie "1984" von George Orwell (ein großartiges Buch im übrigen, an das man nicht vorbeikommen sollte ohne es mal gelesen zu haben…) angelehnt. So seht Ihr auch wie Ihr selbst sagt Eure Musik inhaltlich als philosophisch-beobachtende Ausdrucksform einer dystopischen Welt. Aus welcher Perspektive bewegt Ihr Euch da oder ändert Ihr da auch jene Beobachtungspunkte um eine weiträumige Sichtweise zu erklären?
Nun, unsere heutige Gesellschaft wird nach meiner Ansicht nach Strich und Faden betrogen und manipuliert! Der wachsende Überwachungsstaat übernimmt die Überhand, bis wir eines Tages mit RFID-Chips unter der Haut rumlaufen. Ich denke dass das aktuelle Weltgeschehen von diversen Hintergrundmächten gesteuert wird, wir bewusst in Kriege und Katastrophen („Krieg gegen den Terror“, Finanzkrise etc.) gestürzt werden, damit die Menschen schließlich vor lauter Angst nach einem totalitärem Überwachungsstaat betteln werden. Es wird ein Phantomfeind erschaffen.
Und George Orwell hat diese Situation praktisch schon passgenau vorausgesehen. Was können wir als Musiker nun tun?
Doch nur aufklären so gut es geht! Auf Missstände hinzuweisen, auf die Dystopie mit dystopischen Mitteln aufmerksam machen (gemeint ist der Musikstil)! Dazu aufrufen sich nicht komplett verarschen zu lassen. Wir können beobachten, beschreiben, schlagen im Wortlaut zurück. Und so sieht es auch mit der Perspektive aus, von der wir ausgehen! Wir sind mittendrin, erfahren es jeden Tag am eigenen Leib. Und hier kommt der Clou.
Um objektiv zu sein, muss man Wohl oder Übel versuchen es auch vom Standpunkt der Gegenseite zu sehen. Warum wollen wohl bestimmte Hintergrundmächte einen globalen Überwachungsstaat? Doch wahrscheinlich weil sie den Menschen vor sich selber schützen wollen. Klingt ja soweit auch logisch, aber nur solange die Völker dieser Erde weiterhin zur Unmündigkeit erzogen werden! Aber um ein gesamtheitliches Bild zu bekommen, muss man eben soweit denken; um nicht in die Anti-Haltung zu verfallen! Nur das ist der Weg um aus dieser Weltsituation wieder herauszukommen; Mit Liebe kämpfen, nicht mit Hass! Nicht gegen das Schlechte, sondern für das Gute! Bei allem Unmut optimistisch bleiben, es wagen Hoffnung zu schöpfen! Eine ethische REVOLUTION! Wir nehmen den federführenden Kräften die Macht wenn wir nach diesen Prinzipien handeln, denn: „Stell dir vor es ist Krieg, und keiner geht hin“. Ich sehe es eben anders wie der „Illuminat“ an der Spitze! Ich glaube mit ganzem Herzen an das Gute im Menschen, der in einer Utopie abstinent von jeglicher Politikform leben, und vor allem miteinander-leben, kann und muss!
Was sind denn nun Eure nächsten Pläne nach Veröffentlichung des Tonträgers? |
Einiges steht an! Stillstand war gestern! Zum einen geht es jetzt erstmal darum „In ewig irdisch Abgesang“ an den Mann zu bringen. Konzerte, Interviews, Sampler usw.
Aber eigentlich sind wir schon mitten im nächsten musikalischen Projekt.
Der Nachfolger trägt passenderweise den Arbeitstitel „Projekt 1984“. Auf dem Album wird es um die aktuelle Weltsituation gehen, nach George Orwell´schem Vorbild. Phantomterrorismus, Okkultismus im internationalen Logentum, Geheimgesellschaften, Lug und Trug. Auch ein Lied über das Mind Control Opfer Cathy O´ Brien soll auf die CD (Buchtipp: „Die TranceFormation Amerikas“).
Außerdem ist noch eine CD in Planung auf der diverse Remix-Versionen, auch von anderen Bands, Coverversionen und eine Neuaufarbeitung einiger Songs von der „Gott ist tot“ Demo veröffentlicht werden sollen. |
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Abschließend unsere beliebte Standardfrage vom Dark Feather: Was waren bei Euch die bisher positivsten, schrägsten und was die schlechtesten Erfahrungen in der Musikwelt?
Ohh, da ist schon so viel passiert. Hmm!
Eine positive Erfahrung war zum Beispiel die Arbeit zur aktuell anstehenden CD…mit allem Wirrwarr, Suff, Inspiration, Transzendenz und was sonst eben noch dazu gehört! Auch der Studioaufenthalt: schöne Zeit!!
Auch einige tolle Gigs könnte ich hier nennen.
Aber auch manchmal schräg! Ich erinnere mich da an eine Situation vor einigen Jahren wo unserem Drummer mitten im Song das Schlagzeug in seine Einzelteile zerfallen ist! Peinliche Verwirrung; ich hab dann noch eine Trommel kaputt gemacht weil ich ausversehen darüber gestolpert bin…toller Gig :-)..
Negatives: soll hier die Stimmung nicht verderben…
Ich bedanke mich für dieses Interview, die letzten Worte gehören dem Künstler! :
Vielen Dank für die Zusammenarbeit mit einem zukunftsträchtigem Zine auf dem Weg zur Spitze des Undergrounds! 10 Ausgaben Non-Konformität und Eigen-Sinn!
Danke Dark Feather!! :-) |
Dystopia "In ewig irdisch Abgesang" (Juli 2010)
Seit dem Jahre 2004 gibt es die 5-köpfige Baden-Württembergische Metal-Band "Dystopia".
Dystopia pflegen einen ganz eigenen Stil, der sich zwar vieler Einflüsse des Metal bedient, aber gerade durch diese Melange aus Doom-, Black-, Thrash- und Death- Metal ziemlich einzigartig ist und gerade hier, in deutschen Gefilden, sicherlich seinesgleichen sucht. Selbstbewußt bezeichnen Dystopia ihren Stil als Dystopic Metal, gerade weil er nicht zu kategorisieren ist und sich in keine der gebräuchlichen Schubladen einordnen läßt. Hinzu kommen die ausschließlich in deutscher Sprache dargebotenen Texte, die, trotz der zitierten musikalischen Genres, dank Steve`s erstklassiger Intonation, zum Großteil verständlich sind.
In 2006 gab es von Dystopia bereits ein Demo mit dem Titel "Gott ist Tod". Nach einigen Verzögerungen, ist jetzt, in 2010, das erste, "richtige" Album "In ewig irdisch Abgesang" erschienen.
Das rein instrumentale "Morgengrauen" eröffnet doomig, hymnisch, mit sägenden Gitarren, gleichsam ungeschliffen, den defätistischen Reigen.
"Erwache" hat seine musikalischen Wurzeln im deathmetallischen Bereich. Keyboard, teilweise fast opernhafter Gesang und schnelles Gitarrenriffing, bescheren dem Hörer ein ganz besonderes, abwechslungsreiches Stück Metall, bei dem Sänger Steve die Wandelbarkeit seiner Stimme unter Beweis stellt.
Überwiegend schwarzmetallisch geht es weiter mit "So sprach der Teufel ein Gebet", in dem textlich Kritik an der christlichen Religion geübt wird.
Kämpferisch, aggressiv ertönt "Ein Schrei". Die Rhythmusmaschine stampft vorwärts, doch nichts ist bei Dystopia konformistisch und so bleibt es nicht beim Gleichklang, sondern der Rhythmus wechselt abrupt, die Gitarre schneidet in`s Fleisch, das Keyboard webt seinen Klangteppich im Hintergrund.
Das sehr melodische und emotionale "In Flammen" transportiert hervorragend die textlichen Inhalte von Liebe und Lust. Teilweise sogar etwas in`s Träumen geraten, wird man von der Thrashwalze "Genozid, Dominanz" in die gnadenlose Realität zurückgeholt. Falscher Stolz, der den Untergang beschert. Und auch der Punk feiert bei diesem Track fröhliche Urständ und hämmert die Anklage in die Hirnwindungen.
"Mephisto", auf der Dark Feather-CD verewigt, ist dann wieder ein Stück Black Metal, wobei sich Steve`s Gesang aber auch in die höheren Regionen aufschwingt und das Keyboard melancholische Kontrapunkte setzt.
Mit "Sternenstaub" ist Dystopia eine einfühlsame Ballade gelungen, zärtlich, einschmeichelnd, ohne kitschig zu wirken. Thrashig geht es mit "Abgesang" weiter. Die letzte Strophe des irdischen Lebens wird geschrieben.
"Bene Elohim Bastard" beschert uns abschließend die Erkenntnis über den Ursprung allen Unheils in der Welt, die Boshaftigkeit, das Streben nach Macht. Von deathmetallischen Tönen getrieben, gurgelt sich die Gitarre langsam in`s Nirvana.
Zurück bleibt ein sehr beeindruckter Rezensent, dessen Kopf, nach Hören dieses Werkes, noch von Düsternis umnebelt ist.
Dystopia ist mit "In ewig irdisch Abgesang" eine sehr eigenwillige CD, ein sehr ureigenes Stück Musik gelungen. Hervorheben möchte ich noch einmal Steve`s unglaublichen Gesang, dem es gelingt, von sanft bis guttural eine große Palette an Tönen und Emotionen abzudecken. Inhaltlich ist das Songwriting häufiger von religiösen Themen geprägt und deren kritischer Hinterfragung. Ganz im Sinne des dystopischen Grundgedankens, wird ein negatives Weltbild aufgezeigt. Eine tiefergehende Beschäftigung mit den Texten "Dystopias" wäre somit auf jeden Fall ein lohnenswertes Unterfangen.
Eine CD mit selten vielseitigen und abwechslungsreichen Facetten; ein spannendes Stück Musik.
Stefan Bellack
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visit: www.myspace.com/dystopiagermany
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