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Dark Feather Ausgabe 12
The Final Chapter...

Nach Erfüllung Ihres Vertrages mit dem deutschen TWILIGHT-Label, veröffentlichten AMATRIS ihr letztes Album, "Moments In Misery", im Juli 2010, in Eigenregie und bieten es bei www.auxiro.de ausschließlich als Download an. Damit wird das Kapitel AMATRIS, nach 9 Jahren Bandgeschichte, geschlossen.

Hallo Helge, Du bist der Sänger und Bassist  von AMATRIS, aber vor allem auch der Gründer der Band. Was für ein Gefühl ist das, nach fast einer Dekade zu sagen oder sagen zu müssen, wir beenden das Kapitel AMATRIS, wir lösen die Band auf? 

Die Entscheidung ist wirklich nicht leichtgefallen und in den ersten Wochen danach war ich doch recht traurig und hatte immer wieder darüber nachgedacht, ob es der richtige Weg ist. Aber dann viel mir ziemlich schnell auf, dass ich wieder viel Zeit für andere Dinge habe und somit lässt sich dieser Umstand nun relativ leicht ertragen.


Was waren letztendlich die Gründe, die zu diesem Schritt geführt haben? War es ein längerer Prozess, der Euch zu dieser Entscheidung bewogen hat oder seid Ihr Euch ziemlich schnell darüber einig gewesen, mit der Band aufzuhören?

Unser Bassist Holger war schon vor einiger Zeit jobbedingt bei AMATRIS ausgestiegen. Für Livegigs stand er jedoch immer noch zur Verfügung, wofür ich ihm auch sehr dankbar bin. Aber durch seinen Umzug nach Leipzig kam auch die geographische Entfernung erschwerend hinzu und wir konnten gar nicht mehr zusammen proben. Als Sängerin Janett dann ankündigte, jobbedingt nach Bayern umziehen zu müssen, war klar, dass sich die Band nicht mehr aufrechterhalten ließ. Es ist schwer, zuverlässige Musiker zu finden und es gab in unserer Vergangenheit reichlich Besetzungswechsel. Diesen Stress mit dem Einarbeiten von neuen Musikern wollte ich mir nun nicht nochmal antun.
Ein weiterer Punkt ist die Tatsache, dass meine Ehe aufgrund der zeitintensiven Musikertätigkeit so sehr strapaziert wurde, dass diese zerbrach. Ich habe in den letzten 12 Monaten viel nachgedacht und musste wieder zu mir selbst finden - dieser Prozess ist für mich noch nicht ganz abgeschlossen.
Des Weiteren wird es immer schwieriger, sich auf dem Markt durchzusetzen, ohne viel Geld zu investieren. Für gute Auftrittsmöglichkeiten ist eine gute Bookingagentur erforderlich, aber es ist nicht einfach, als relativ unbekannte Band bei einer Agentur unterzukommen. Wenn man dann als Band selbst eine Tourplanung in die Hand nimmt und ständig damit konfrontiert wird, dass Clubs auf Anfragen gar nicht mehr antworten oder ihre Location für hohe dreistellige Beträge am Abend vermieten wollen, man selber für die Werbung zuständig ist und schließlich gerade mal mit Deckung der Fahrtkosten durch die Republik tingelt, muss man sich fragen, ob das alles noch Sinn macht.

Amatris 1

 

Wir hätten beispielsweise 2007 über Beziehungen unseres Labels die Möglichkeit gehabt, mit einer namhaften Band als Support durch ganz Europa zu touren. Dafür sollten wir an die Bookingagentur dieser namhaften Band 5000 Euro zahlen, 16 Konzerte ohne Gage spielen und noch dem Nightliner hinterherfahren. So ist das Business...

Wie waren die Reaktionen als Ihr Euren Abschied, das Ende von AMATRIS, öffentlich gemacht habt?

Wir erhielten viele Mails, worin tatsächlich etwas Trauer bekundet wurde. Letztlich ist diese Entscheidung jedoch für jeden nachvollziehbar.


In Eurer Band-Info steht, dass Ihr, aufgrund allgemein sinkender Verkaufszahlen von CD`s in den letzten Jahren und den wachsenden Schwierigkeiten, die Produktion einer CD zu finanzieren und hier kostendeckend zu arbeiten, Euch dazu entschlossen habt, Euer letztes Album "Moments In Misery" nur noch als Download zu veröffentlichen. Prominentes Beispiel der jüngsten Vergangenheit sind hier ebenfalls "Umbra et Imago", die sagen, dass ihr aktuelles Album "Opus Magnus" ihr letzter Output in diesem Medium sein wird, eben auch aufgrund des zu hohen Kostenfaktors. Wie siehst Du die Entwicklung hinsichtlich des Fortbestands von CD`s? Liegt die Zukunft wirklich nur noch im Download, um Musik vermarkten zu können?

Ich habe mich lange dagegen gesträubt, die Downloads als gute Alternative zu sehen. Schließlich gehöre ich noch zur Generation, die über Jahre Vinyl in den Regalen stehen hatte. Ich kaufe mir auch regelmäßig neue CD's und auch wenn es kaum zu glauben ist - ich habe bis jetzt nicht einen einzigen Track in meinem Leben aus dem Internet gezogen. Sicherlich habe ich auch hin und wieder in meiner Vergangenheit eine CD kopiert, aber schon vor langer Zeit damit aufgehört, dies zu praktizieren, weil ich am eigenen Leibe erfuhr, wie schädigend es letztlich für die Bands ist. Ich denke, dass die CD langfristig gesehen aussterben wird und irgendwann zumindest alle Independent-Bands ausschließlich ihre Longplayer als Download veröffentlichen. Die Studioproduktion an sich ist noch gar nicht mal der teuerste Faktor bei einer Albumveröffentlichung. Deshalb erwarten viele Labels, dass man bereits mit einer fertigen Produktion vor der Tür steht. Dann muss die CD aber gepresst und das Layout erstellt werden. Für mega-bekannte Bands mag sich das vielleicht noch lohnen. Ein teurer Faktor ist auch die Promotion. Viele Bands ohne Label scheitern schließlich an diesem Punkt, weil Musikmagazine locker mal vierstellige Beträge für eine gute Anzeige verlangen. Und auch viele Plattenfirmen können diese Kohle nicht mehr im angeforderten Maße aufbringen. Es wird in Zukunft immer mehr Bands im Business geben, aber nur wenige schaffen es auf die großen Bühnen. Der Musikkonsument hat aber die Möglichkeit, viele neue Bands im Dschungel von Myspace oder ähnlichen Plattformen zu entdecken, wenn er denn gewillt ist, etwas Zeit zu investieren. Kleine Labels werden aussterben, große Labels werden mit viel Geld ihre bestehenden, hin und wieder auch neue Acts promoten. Diese Künstler wird man dann nach wie vor auf den großen Festivals sehen, während andere Bands größtenteils im Sumpf der Bedeutungslosigkeit verschwinden, weil ihnen das Geld fehlt. Aber irgendwann wird sich vielleicht der Umstand rächen, dass die großen Musikmagazine ihre Rezensionen abhängig von der Anzeige der Plattenfirma machen und finanzschwache Bands sowie Labels jahrelang ignorierten. Denn der Konsument hat heutzutage genug Möglichkeiten, sich im Internet über News auf dem Musikmarkt zu informieren. Und ich habe in meinem Musikerleben original im Büro unseres Labels mitbekommen, wie der Redakteur eines großen Musikmagazins unseren Labelboss per Mail fragte, wie groß denn die Anzeige für das neue AMATRIS-Album werde, als um eine Rezension gebeten wurde...

"Moments In Misery" stellt meinen ersten Kontakt mit AMATRIS dar. Beim Hören des Albums und analysieren der stilistischen Elemente, fallen mir sofort diverse skandinavische Bands ein wie z.B. "Theatre Of Tragedy" zu Zeiten mit Liv Kristine. Wo liegen Deine bzw. Eure musikalischen Wurzeln? Welche Bands haben Dich maßgeblich beeinflußt?

Sicherlich wird man als Musiker von seinen Vorbildern etwas beeinflusst, dennoch war es mir immer wichtig, eine Band nicht zu kopieren. Um einige Bands zu nennen: In meinem Regal stehen CD's von THEATRE OF TRAGEDY, TRISTANIA, MY DYING BRIDE, FIELDS OF THE NEPHILIM usw... Bassist Holger schrieb für die älteren Alben auch Songs und er ist ebenfalls bekennender MY DYING BRIDE-Fan, aber er vergöttert z.B. auch ANATHEMA.


Wo siehst Du die Unterschiede zu Euren musikalischen Vorbildern? Was macht AMATRIS so besonders?

Unsere Sängerin Janett singt keine soprane Stimme. Die Songs sind untereinander sehr unterschiedlich - es sind ja sogar eingängige Gothic-Rock-Songs dabei. Und textlich war AMATRIS schon immer hauptsächlich auf dem Endzeit-Konzept angesiedelt.



Ihr habt Euch ja ganz dem Gothic Metal verschrieben. Elemente des Doom und des Black Metal habt Ihr aber ebenfalls in Eurer Musik verarbeitet. Stand dieser Stil, dieses Genre, in dem Ihr Euch bewegt, von Anfang an fest oder hat er sich über die Jahre entwickelt?

Das hat sich im Laufe der Jahre immer weiter entwickelt und lag wohl auch daran, dass wir uns von anderen Bands etwas abgrenzen wollten und privat sehr unterschiedliche Facetten an Musik hören. Ich höre beispielsweise von Electro, Darkwave, Gothicrock, Gothicmetal bis hin zu Black - und Deathmetal viele unterschiedliche Musikrichtungen.



Konnte jeder in der Band seine Ideen, seine eigenen Vorstellungen einbringen? Oder kann man Dich als Mastermind bezeichnen, als denjenigen, der den Kurs festgelegt hat?

Einige Songs hatte auch unser Bassist Holger beigesteuert. Generell war es so, dass jeder eine Grundidee mit einbringen konnte und diese auch nach den Vorstellungen des entsprechenden Bandmitglieds umgesetzt wurde. Natürlich kamen hin und wieder mal Änderungsvorschläge von den anderen, die dann auch verarbeitet wurden.


Wie ich gesehen habe, hat AMATRIS live ein anderes Line Up als auf der CD. Was sind die Gründe dafür?

Wie erwähnt war Bassist Holger schon vor einiger Zeit ausgestiegen und stand „nur“ noch als Live-Musiker zur Verfügung. In der Anfangszeit von AMATRIS war Holger noch nicht dabei und ich spielte auch den Bass, welchen ich zur letzten Produktion wieder übernahm. Wir arbeiteten zwischendurch auch 2 Jahre mit einem Gast-Drummer, aber diese Lösung war auf Dauer unbefriedigend und  kostenintensiv. In den letzten Jahren gingen wir dann dazu über, nur noch mit programmierten Drums zu arbeiten, weil es unmöglich erschien, einen guten und zuverlässigen Drummer als festes Bandmitglied zu gewinnen. 


Ihr habt Auftritte mit namhaften Bands wie Moonspell, Krypteria, Haggard, den Crüxshadows u.a. absolviert. Welche Wertigkeit haben diese Erlebnisse für Dich, für die Band?

Man lernt natürlich erst dann so richtig kennen, was im Business so abgeht, denn jede Band hat schon reichlich Storys erlebt. Wichtig war für uns der Umstand, dass wir durch das zusammenspielen mit den bekannten Bands auch Zugang zu größerem Publikum hatten. 


Die Texte Eurer Lieder handeln von Tod, Gewalt, Verfall, Einsamkeit und Verzweiflung. Welche Intention verfolgst Du beim Schreiben der Songs? Welche Botschaft willst Du dem Hörer vermitteln?

Es steckt wohl etwas Misantrophie in mir und das projiziert sich auf die Texte. Tiere erscheinen mir häufig wertvoller, als Menschen. Ja - eigentlich hasse ich die Menschheit für ihr Tun und Handeln und manchmal wünsche ich mir, dass dieser Erdball durch einen Asteroiden-Einschlag vernichtet wird und damit auch alle Menschen. Es ist mir egal, dass auch ich dabei draufgehe. Das heißt nicht, dass ich in Todessehnsucht schwelge, ich genieße mein Leben. Aber ich glaube, dass das Schicksal der Menschheit vorherbestimmt ist. Sozusagen denke ich, dass ein Fünkchen Wahrheit in der christlichen Mythologie steckt, wie sie beispielsweise in der Bibel im Kapitel "Die Offenbarung des Johannes" zu lesen ist. Aber wenn man mich fragt, ob ich mich als Christ bezeichne, kann ich dies nicht bejahen, denn dafür hasse ich zu sehr. Ich hasse die ständigen Lügen, Intrigen und Betrugsversuche, denen man ständig ausgesetzt ist. In jedem Menschen steckt z.B. das Attribut Neid, welches zu Missgunst und Krieg führt - auch in normalen Situationen des Alltags. Wenn man sich bemüht, zu erkennen, dass in jedem Menschen ein gewisser Anteil Bösartigkeit steckt, kann man sich vielleicht auch bemühen, diese Bösartigkeit zu bekämpfen. Aber die meisten Menschen sind zu bequem, auch nur ansatzweise darüber nachzudenken. Ich hasse die zunehmende Verdummung der Gesellschaft, die sich vor dem Fernseher von GZSZ, DSDS, Dschungelcamp und dergleichen berieseln lässt, um irgendwann auf der Couch einzuschlafen. Wenn ich auf die Strasse gehe, ertappe ich mich immer wieder dabei, wie ich über andere Menschen Vorurteile fälle. Und oft genug stellt sich später heraus, dass diese Vorurteile berechtigt waren. Meine Intoleranz gegenüber der "normalen" Gesellschaft wird immer größer. Wenn man sich dessen bewusst ist, muss man das irgendwie verarbeiten, um nicht in der Psychotherapie oder als Amokläufer zu enden. Also verarbeite ich das alles in meinen Texten und hoffe, dass diese zum Nachdenken anregen. Übrigens beziehen sich einige Texte auch auf meine Fähigkeit, in Albträumen Dinge vorherzusehen, welche später tatsächlich eintreten - z.B. unser aktueller Song "Dunkle Traumwelt". Ein Umstand, der mir Angst macht und von mir auf diese Art verarbeitet wird. Ein weiterer sehr wichtiger Song auf dem aktuellen Album ist für mich "Farewell" - ein Song, der von Nikolai komponiert wurde. Mir war sofort klar, dass ich darauf einen Text schreiben kann, welchen ich meiner Großmutter widme. Sie war eine herzensgute Frau und ich hatte ein sehr gutes Verhältnis zu ihr. Sie wurde 96 Jahre alt und ich hielt ihre Hand, als sie starb. Das war ein bedeutsamer Moment für mich. Ich bin Nikolai dankbar, das er eine wirklich herausragende Vorlage geliefert hat und mir damit die Gelegenheit gab, meiner Großmutter auf diese Art und Weise Respekt zu zollen.

Und auch wenn AMATRIS nicht mehr existieren, werde ich weiterhin schreiben oder auch neue Musikprojekte bestreiten.

Helge, Du hast alle Songtexte selbst geschrieben. Dabei bedienst Du Dich sowohl der englischen wie auch deutschen Sprache. In welcher Sprache fällt Dir das Schreiben leichter oder gibt es da keinen Unterschied? Wie triffst Du die Entscheidung ob eine Textidee auf Deutsch oder auf Englisch umgesetzt wird? Woher nimmst Du Deine Ideen?

Für Songs, welche von Holger stammen, wurden auch von ihm die Texte geschrieben. Das Schreiben in englisch fällt mir leichter - man ist eher geneigt, die Zeilen niederzuschreiben, wie sie einem einfallen. Bei deutschen Texten ist man gezwungen, möglichst viel in Metaphern zu packen, damit es nicht zu plump klingt. Ob englisch oder deutsch - das mache ich vom Gefühl abhängig. Die Ideen greife ich aus meinem Leben, meinen Erlebnissen, meiner Gefühlswelt...


Hast Du beim Schreiben bereits den fertigen Song im Kopf oder sind das Schreiben der Texte als auch die Komposition der Songs zwei absolut getrennt verlaufende Prozesse? Falls ja, was entsteht zuerst, der Text oder die Musik?

In der Regel steht erst ein instrumentales Grundgerüst. Dann kann ich entscheiden, ob es ein aggressiver oder eher melanchonischer Text wird. Meistens wird eine Songmatrize Zuhause am Rechner provisorisch aufgenommen und später der Text draufgesetzt. Dann kann man sich anhören, wie es klingt und ggf. nacharbeiten. Es kann z.B. auch sein, dass einige instrumentale Passagen umgeschrieben werden, damit der Text vom Versmaß passt.

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Welche Pläne haben Du und - falls bekannt - die anderen Bandmitglieder für die Zukunft? Werdet Ihr weiterhin in der Musik aktiv sein?

Gitarrist Nikolai und ich arbeiten bereits an einem neuen Projekt, wobei allerdings noch nicht feststeht, ob wir damit in die Öffentlichkeit gehen werden. Holger wird wohl auch irgendwann wieder musikalisch aktiv sein.
Was die anderen planen, ist mir derzeit noch nicht bekannt.


Haltet Ihr weiterhin Kontakt untereinander? Sind eventuell gemeinsame Projekte geplant?

Wir haben noch lose Kontakt per E-Mail untereinander und Holger besuche ich hin und wieder in Leipzig. Gemeinsame Projekte habe ich außer mit Nikolai derzeit nicht geplant.



Was machst Du, wenn Du Dich mal nicht mit Musik beschäftigst?

Um meinen Lebensunterhalt bestreiten zu können, gehe einer geregelten Arbeit nach. Trotz des Jobs habe ich aber viele Freiräume und bin deshalb oft mit meinem Wohnmobil unterwegs. Glücklicherweise wohne ich ja an der Ostsee und es gibt dort einen Platz, wo ich direkt am Meer stehen, eine Flasche Rotwein trinken kann und mich meinen Texten widme. Nachts schlafe ich bei Meeresrauschen ein und morgens wache ich bei Meeresrauschen auf - es gibt kaum etwas Vergleichbares. Und da das Wohnmobil mit einer guten Heizung ausgestattet ist, stehe ich sogar an manchen Tagen im Herbst und Winter dort.
Ansonsten bin ich immer noch viel auf Partys, Konzerten und Festivals unterwegs. Und nebenbei versuche ich immer noch, etwas Sport zu treiben.



Natürlich darf auch die beliebte Dark Feather-Standardfrage nicht fehlen: Was waren bei Dir/Euch die bisher positivsten, schrägsten und was die schlechtesten Erfahrungen in der Musikwelt?

Positiv und gleichzeitig am schrägsten waren unsere Touren nach Südosteuropa. Genaue Schilderungen würden hier den Rahmen sprengen. Aber als wir 2004 zum ersten Mal in Rumänien auf einem Festival spielten, wurden wir vom Publikum frenetisch abgefeiert, obwohl wir erhebliche Technikprobleme hatten. Ein Jahr später tourten wir bis nach Bukarest und zum ersten Mal durfte ich Autogramme auf weibliche Brüste schreiben, hehe.
Positiv hervorzuheben ist noch unser Gig in Prag vor 2 Jahren. Ein In Door-Festival mit mehreren Bands in einem ausverkauften Club. Über 700 Leute waren vor Ort und der Veranstalter entschied kurzfristig, dass wir als Co-Headliner spielen sollten, weil er unsere Musik so geil fand.
Schlechte Erfahrungen gab es immer wieder. Unzuverlässige Veranstalter, die sich um die vereinbarte Gage drücken wollten, Catering bestehend aus Chips und Billigbier und natürlich die schon genannte Tatsache, dass sich alles nur noch um Kohle dreht und die Szene somit systematisch ausgeschlachtet wird.


Ich bedanke mich bei Dir für dieses Interview. Die letzten Worte gehören dem Künstler!:

Zunächst danke ich Euch herzlich dafür, dass ich zum Abschluss der AMATRIS-Geschichte noch einmal zu Wort kommen durfte. Dann danke ich allen Fans, die uns über Jahre unterstützt und die Treue gehalten haben. Und zu guter Letzt möchte ich an alle Leute da draußen appellieren: Bitte unterstützt weiterhin Magazine, wie DARK FEATHER. Denn diese Magazine werden nicht vom Kommerz regiert und bieten Euch die Möglichkeit, viele neue Bands zu entdecken, die es verdient haben, entdeckt zu werden...
Cheers!

 

Das Interview führte Stefan Bellack

Amatris CD Cover Amatris "Moments In Misery" (Juli 2010)

Amatris aus Kiel legen mit "Moments In Misery" den 4. Longplayer ihrer 9jährigen Bandhistorie vor, der gleichzeitig auch das Abschiedsgeschenk an ihre Fans ist.
In Eigenproduktion aufgenommen und nur als Download bei www.auxiro.de erhältlich, schließen Amatris hiermit ihre Bandgeschichte ab.

Amatris haben sich stilistisch ganz dem Gothic Metal verschrieben. Beim Anhören des Albums drängen sich unwillkürlich Vergleiche mit den Norwegern "Theatre Of Tragedy" auf und zwar zu deren Glanzzeiten mit Liv Kristine. Leider werden sich Theatre Of Tragedy ebenfalls noch im Oktober 2010 auflösen. Aber auch Bands wie die schwedischen "Draconian" haben - nach meiner Meinung - deutliche Spuren im Songwriting von Amartis hinterlassen.

Düster, melancholisch wabern dunkle, tiefe Gitarrenläufe aus den Lautsprechern. Sänger und Songschreiber Helge Barth vermag mit seiner Stimme, die mal kraftvoll klar, mal keifend, dann wieder growlend ist, den vielen Facetten seiner Liedtexte Gestalt zu verleihen. Sängerin Janett Baade hält mit ihrer schönen klaren Stimme dagegen. Wo Helge die Finsternis heraufbeschwört, setzt Janett Akzente des Lichts, die die Dunkelheit aufbrechen und im gegenseitigen Widerpart den Songs ihre ganz eigene Dramatik verleihen. Das eingesetzte Keyboard verstärkt noch die manchmal dräuende Atmosphäre wie bei "The Battlefield".  
Beim Hören des Albums stellten sich bei mir u.a. Assoziationen eines mit dichten, grau-schwarzen Wolken verhangenen Abendhimmels ein, kurz bevor die Nacht die Oberhand gewinnt und nur der Schein des Mondes bisweilen das Schwarz durchdringt.

Die Texte thematisieren z.B. in "Judgement Day" das Ende, den Untergang der Menschheit. Das Gefühl der Einsamkeit, des Verlorenseins wird gleich in mehreren Tracks aufgegriffen. Der Tod ist eigentlich allgegenwärtig, Hoffnung gibt es kaum und Erlösung findet man erst in der jenseitigen Welt.

Musikalisch werden die Strukturen des Gothic Metal aufgebrochen durch Einflüsse des Doom oder sogar des Black Metal. Baladeske Stücke wie "Death`s Embrace" und "Farewell" sprechen hier eine deutliche Sprache wie auch Helges Keifgesang zu Beginn von "In My Forest" oder bei "The Battlefield".

Amatris hinterlassen zudem mit "Moments In Misery" ein sauber produziertes Album, welches auch qualitativ hohen Ansprüchen genügt.

 

Stefan Bellack   

visit: www.myspace.com/amatris

 

 

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