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Dark Feather Ausgabe 12
Die Frage nach dem „Sein“ und die vielfältigen Interpretationen der Antwort

"...EXTRAMENSCH ist Jeder, ist Alles und Nichts. Denn Alles, was ist, ist Eins!", so steht es in der Bandinfo dieses Quintetts. Das macht verdammt neugierig und der Preis der Neugier zahlt sich aus, denn das was EXTRAMENSCH dieser Tage über Delicious Records veröffentlichen, hat es mehr als in sich! Mehr dazu in untenstehender Review...vorab jedoch präsentieren wir Euch das Interview, welches wir kürzlich mit Ihnen führten...

Hallo Extramensch, willkommen beim Dark Feather! Zu Beginn gleich die Frage: wer und was ist Extramensch im Sinne Eures Bandgefüges?

Wir sind EXTRAMENSCH; Schlagzeug, Bass, zwei Gitarren und Gesang.

 

Extramensch

 

Ihr macht ein ziemliches Geheimnis um Euer Dasein; Teil eines Plans, Konzepts oder was ist es?

Kein Geheimnis, es ist aber auch nicht wichtig. Es geht nicht darum eine Maskerade zu veranstalten und mit irgendwelchen abstrusen Pseudonymen innovatives Marketing zu betreiben, es ist schlichtweg nur nicht wichtig. Interessierte Hörer werden dahinter kommen wer EXTRAMENSCH ist. Dann werden sie entscheiden, ob das, was sie hören (immer noch) toll ist, oder ob das, was EXTRAMENSCH (Mitmusiker) früher gemacht hat (haben), in ihren  Augen besser war. Ganz egal. Bis dahin hatte EXTRAMENSCH ein wenig Zeit, allein für sich zu sprechen. Als unbeschriebenes Blatt...

 

Interessant ist, dass Extramensch sich stark der Philosophie und klassischer Lyrik hingibt, so zitiert Extramensch zum Beispiel Goethe und Rilke im Zusammenhang mit „seiner“ Musik.  Was sind denn die Hauptinspirationsquellen beim Songwriting?

Die Frage nach dem „Sein“ und die vielfältigen Interpretationen der Antwort. Die Wahrheit und der Geist in den alten Gedichten...

 

Ihr sagt, EXTRAMENSCH offenbart und manifestiert die allumfassende, universelle Bedeutung der Selbstfindung. Welche Intention trifft es näher, wollt Ihr mit Eurer Musik die Menschen dazu bewegen, sich selbst Fragen zu stellen oder doch eher auf direkte Weise wachrütteln?

Sagen wir das? Verdammt...;-)
Es ist die Möglichkeit im Rahmen der Selbstfindung zu erkennen, ein Molekül des Großen und Ganzen zu sein, die Verbindung mit ALLEM existenten zu erfahren. Insofern wäre es uns eine Freude, dem Hörer zu einer transzendentalen Erfahrung zu verhelfen und ihm vielleicht sogar den Weg zur Transmutation zu ebnen. Realistische gesehen sind wir zufrieden, wenn uns die Leute einfach nur zuhören. Das erhöht die Möglichkeit über das gehörte nachzudenken. Wachrütteln kann man nur den bereits erwachten...und ob das jemand will, muss auch jeder für sich selbst entscheiden. Wir wollen weder bekehren, belehren oder missionieren. Wir bringen nur ein wenig Licht ins Spiel...

 

Wann war eigentlich die Geburtsstunde von Extramensch?

Die Geburtsstunde ist der 17.9.2010. Bis dahin sind wir schwanger...und das schon seit Juni 2009.

Soweit ich weiß, veröffentlicht Ihr in den kommenden Wochen Euer Album. Könnt Ihr schon mehr zum Inhalt verraten?

12 Geschichten, die als Teil des Ganzen verschiedene Nuancen des Daseins beschreiben. Harte Gitarren, dezente Elektronik, eigenartiger Gesang. Kopfkino. Metalyrik.

 

In Eurer Musik treffen harte Gitarren auf elektronische Stilmittel, der interessante musikalische Cocktail kommt in deutscher Sprache daher, Metalyrik wie Ihr gerade erwähntet nennt Ihr Euren Stil. Wolltet Ihr Euch damit bewusst abgrenzen um nicht in Schubladen zu gleiten?

Menschen brauchen ihre Schubladen so dringend, ohne sie würde die Welt zusammenbrechen und Chaos ausbrechen. Wir glauben nicht, dass uns irgendetwas von anderen Bands unterscheidet, solange der Hörer nicht beschließt, dass uns etwas von anderen unterscheidet. Es liegt also allein am Herz des Hörers ob wir uns in seinem Universum zu etwas Besonderen entwickeln oder nicht. Ob wir sein Herz überhaupt erreichen ist eine Frage der Chemie, wie alles im Leben...

 

Wie kam es eigentlich zur Zusammenarbeit mit Carmen Rizzo und wie war diese Erfahrung für Euch?

Unser Mann in Amerika  hatte, um EXTRAMENSCH in den US einzuführen, den Weg der Remix-Trades vorgeschlagen. Carmen war der erste,  den er in Betracht gezogen hatte und dieser war von der Idee sofort begeistert. Er hatte zuvor unsere ersten Songs gehört und fand die Idee Electronica in Metal zu wandeln von Beginn an spannend.  Für uns war es, neben der sehr ansprechenden Komposition von „This Life“, vor allem der bezaubernde Gesang von Kate Havnevik, der uns zu dem den Song führte...Übrigens dürfte sie  dem einen oder anderen geneigten Hörer durch ihre Tätigkeit für Schiller bekannt sein. Es war uns daher eine besondere Freude mit dem „echten“ (Friedrich) Schiller zu konfrontieren.

 

Abschließend unsere beliebte Standardfrage vom Dark Feather: Was waren bei Euch die bisher positivsten, schrägsten und was die schlechtesten Erfahrungen in der Musikwelt?

Zu den bizarren Erfahrungen gehören;  ein sich in alle Einzelteile auflösender Tourbus (73er VW Bully, dessen  kanadischer Fahrer glaubte mit einem Saab-Sportwagen unterwegs zu sein und nach ca. 100km mit 120 im dritten Gang den Motor sprengte), ein Zimmerbrand  in einem Hotel (Schlagzeuger mit Dame und Zigarette im Bett eingeschlafen), der dazugehörige Nervenzusammenbruch der Tourmanagerin...
zu den positiven Erfahrungen zählen viele verschiedene Produktionen, bei denen wir das Glück und die Freude hatten,unsere Ideen und Gedanken verwirklichen zu können und die ab und an sogar recht erfolgreich wurden. Viele interessante und inspirierende Begegnungen...
Zu den negativen Erfahrungen zählt vor allem die Tatsache, dass einige Menschen, die im Musikgeschäft arbeiten glauben, außerhalb der Regeln von Kinderstube und Moral zu stehen. Egal ob Musiker, Manager, Veranstalter oder Plattenfirmenmenschen, es fehlt oft an Wahrhaftigkeit und Anstand.  Es ist eine künstliche Blase der Selbstbeweihräucherung. Damit wollen wir nichts zu tun haben.

 

Ich bedanke mich für dieses Interview, die letzten Worte gehören dem Künstler! :

Wir bedanken uns für dein Interesse und deine Gedanken und möchten dir zum Abschluss folgendes Zitat schenken;

Mein Freund, die Kunst ist alt und neu.
Es war die Art zu allen Zeiten,
Durch Drey und Eins, und Eins und Drey
Irrtum statt Wahrheit zu verbreiten.
So schwätzt und lehrt man ungestört;
wer will sich mit den Narrn befassen?
Gewöhnlich glaubt der Mensch, wenn er nur Worte hört,
Es müsse sich dabey doch auch was denken lassen.

J.W.v. Goethe, Faust - Eine Tragödie

 

Extramensch CD Cover Extramensch „Extramensch“ (Delicious Records, September 2010)

„…Extramensch ist Jeder, ist Alles und Nichts, …denn Alles, was ist, ist Eins!“ heißt es in der Vorankündigung zum selbstbetitelten Debüt-Album von Extramensch. Klingt alles etwas geheimnisvoll und gar philosophisch anmutend? Ist es auch, aber genau dort setzt Extramensch an, öffnet dem Hörer die Türen in ihre Welt, führt sie in Gänge, die sie zwar durch diese 12 Tracks beschritten haben, jedoch zu einem Teil selbst (noch) nicht wahrhaft kennen. Extramensch nimmt den Zuhörer bei der Hand und lädt quasi zur gemeinsamen Erkundung ein. Dass dabei große Denker wie Goethe, Schiller und co. auch in ihrer Lyrik durch Inspiration Einzug halten, liegt eigentlich nahe. MetaLyrik eben, was heißt das schon… alles, nichts, Extramensch eben. Das was das Ganze aber die Krone aufsetzt, ist die musikalische Darbietung dazu und jene ist ja nun mal nicht ohne Bedeutung, handelt es sich hier doch um ein Musikalbum. Denn nicht wie manch einer nun vermuten würde, werden diese Lyriks in bedächtigen schweren, musikalisch minimalistisch reduzierten Balladen vorgetragen, nein, Gothic-Rock mit einer Portion Electro und Metal bieten Extramensch feil und verbinden harte Gitarrenriffs mit schönen Melodien und eingängige Gesangsstrukturen. Dabei schaffen sie es auch musikalisch immer wieder den Spannungsbogen innerhalb der Stücke aufzubauen. Als einzigen Kritikpunkt kann ich auf diesem Album nur erkennen, das man sich manchmal wünscht, das es nicht innerhalb der Stücke (denn dazu bilden sie zu sehr eine Einheit), aber innerhalb des Album mehr Tempowechsel wünschen würde, denn für manch einen könnte die Gefahr auflaufen, das beim nebenbei anhören, das Album nach einer Weile vor sich hinplätschern könnte – aber zum „nebenbeihören“ ist dieses Album auch nicht erschaffen, dazu geht es „zu“ sehr in die Tiefe… Ein prima Debüt, Daumen hoch!

Anspieltipps: Das Lied des Bettlers, Kleine Liebesballade, Bitter/Süß, This Life

 

Holger Warschkow

visit: www.extramensch.com

 

 

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