Anubiz "Momentum" (August 2010)
In Ausgabe 11 stand Jörg Erkelenz - Sänger, Gitarrist und Songwriter der Band Anubiz - dem Dark Feather bereits Rede und Antwort mit Informationen zur neuen CD und zur Entwicklung von Anubiz in Ausdrucksform und Inhalt. Interessierte konnten sich auf der Dark Feather - Compilation Vol. 11 zudem bereits den Song "Fernsucht" vom neuen Album "Momentum" anhören, also fast 6 Wochen vor dem offiziellen Release-Termin der CD, dem 31.08.10!
Ich kann mich noch gut an meinen ersten musikalischen Kontakt mit Anubiz erinnern. Und zwar war dies der Song "Fährmann" vom Album "Unruh", enthalten auf der Dark Spy - Compilation Vol. 16. Nun, etwa drei Jahre nach dem Erscheinen von "Unruh", gibt es neues Material von Anubiz und zwar ihren 3. Longplayer (aber insgesamt schon die 5. CD) "Momentum".
Konsequent sind wieder alle Titel und Texte in deutscher Sprache (Track Nr. 11 ist rein instrumental) und handeln von Biedermännern, Mitläufern und Opportunisten (Der Moment, Das Verlangen, Ohne Sinn), von ewiger Liebe (Semper Fi), Todessehnsucht (Sehnsucht), verpaßten Chancen, verlorener Lebenszeit (An deinem letzten Tag) oder dem ganz normalen Wahnsinn (Fernsucht). Texte also, die sich durchaus kritisch mit dem Leben, dem Menschsein, unserer Gesellschaft auseinandersetzen.
Bombastisch, mit symphonisch metallischen Ingredienzien, eröffnet "Der Moment" das neue Anubiz` Album. Passend zu den tiefen, harten Gitarrenriffs Jörgs mephistophelischer Sprechgesang. Leider unpassend - zumindest für mein Empfinden - der Refrain "Wieso - Weshalb - Warum", der mich ständig an die Junior-Wissensbücher des Ravensburger Verlages denken ließ (das passiert halt, wenn man Enkel hat) und der ernsthaften Intention des Songs, kontraproduktiv, ein - sicherlich unfreiwilliges - Kinderlied-Image verleiht.
"Fernsucht" wird dominiert von Katrins schöner, klarer Stimme und Jörg hat nur bei der letzten Strophe seinen Einsatz. Nach dem ruhigen, eher introvertierten "Es darf nicht brennen", bricht sich der "Feuermann" brachial seine Bahn. Schnelle Rhythmusfiguren und apokalyptische Visionen bestimmen dieses Lied. "Semper Fi" besticht wieder durch hartes Gitarrenriffing, aber auch folkloristische Elemente finden hier ihren Einzug und laden zum Tanz in den einschlägigen Clubs ein. "Das Verlangen" ist kraft- und druckvoll, rockig. Katrins Gesang ätherisch schön, während Jörg erneut herrlich diabolisch rüberkommt. "Sehnsucht" ist treibend, beschwörend, geleitet von einer schönen Keyboard-Melodie. Aggressivität und auffällige Tempiwechsel kennzeichnen wiederum den Titel "Ohne Sinn". "Das unentdeckte Land" weckt märchenhafte, paradiesische Assoziationen, trotz Jörgs sehr sperrigem Sprechgesang. "An Deinem letzten Tag" bildet den textlich schwermütigen Schlußakkord dieses Albums, ein Lied über Reue, vergeudete Zeit und ungelöste Probleme. Das rein instrumentale "Outro" sehe ich als kleinen Bonus, als ein kleines Soundexperiment an.
Anubiz haben mit "Momentum" ein absolut professionelles Album vorgelegt, produziert beim hauseigenen Nicrothal Label. Die CD ist zudem mit einem sehr schön gestalteten Booklet, welches alle Texte beinhaltet, ausgestattet. Ein Werk, das sich nicht auf eine Stilrichtung festlegen läßt und sein ganz eigenes Gesicht durch seine Lyrics und deren Interpretation erhält.
Stefan Bellack