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„Du drehst Dich um und lebst – JETZT – einfach so“ |
Der Wittenberger Sven Wendelmuth ist den Lesern des Dark Feather mit seinem Projekt Wort-Ton kein Unbekannter mehr, konnten wir ihn doch nun bereits zum dritten Mal zum Interview einladen. Der Grund für dieses Stelldichein: vor wenigen Wochen erschien nun die von den Fans und Freunden langerwartete Debüt-Album.. Was heißt eigentlich langerwartet? Solange ist Sven mit seinem Projekt noch gar nicht am Start, hat aber durch seine kontinierlich starke künstlerische Arbeit zu Recht für großes Interesse gesorgt. Und also nun erblickte mit "hinter dem verlorenen" das erste geschlossene Werk das Licht der Welt...
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Hallo Sven, ich heiße Dich erneut herzlich willkommen beim Dark Feather! Du hast kürzlich Deine Debüt-CD „hinter dem verlorenen“ veröffentlicht. Wie fühlst Du Dich jetzt, das Werk endlich in den Händen zu halten?
„Danke Holger, ich freue mich sehr, dass Du mich erneut zum Interview eingeladen hast. Du könntest ja fast ne Art „Wort-Ton“-Biograph werden (lacht). Ja es ist ein spannendes Gefühl so ein Album in den Händen zu halten. Das kam ja bisher in meinem 40jährigen Leben noch nicht vor eine eigene CD zu machen und zu veröffentlichen. Und irgendwie fällt da auch etwas Spannung ab, weil viel Arbeit darin steck. Außerdem habe ich sehr viel Dankbarkeit in mir, da es „Wort-Ton“ ohne meine lieben Freunde Matthias und Frank vom Tonstudio bei kgd-musix.de in Wittenberge gar nicht geben würde und für die Produktion der Songs dort bin ich einfach sehr, sehr dankbar…“ |
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„Hinter dem Verlorenen“ birgt 14 Stücke mit einer Gesamtspielzeit von über eine Stunde in sich, wie lange hast Du im Endeffekt an jenem Werk gearbeitet?
„Wort-Ton selbst besteht ja erst seit dem 14. August 2009. So lange ist auch die Arbeitszeit an dem Werk gewesen. Also etwa ein Jahr. Obwohl ich vor einem Jahr noch nicht daran dachte, ich beginne „Wort-Ton“ und ein Jahr später gibt es dann ein Album. Diese Idee ist erst Ende des Jahres 2009 entstanden. Doch natürlich sind auf dem Album eben Songs ganz vom Anfang wie „Mondmeer“ oder „Dein Bild“ oder auch „Der alte Künstler“ – ja einst mein erster Samplerbeitrag beim Dark Feather.“
Kam Dir zwischenzeitlich einmal der Gedanke schon früher etwas in Form wie zum Beispiel einer E.P. zu veröffentlichen oder war es Dir wichtig, wenn dann schon gleich ein ganzes Album abzuliefern?
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„Ich bin ja in das ganze Geschehen mehr oder weniger so „hineingestolpert“ – ohne wirkliches Wissen um einen „Königsweg“, ohne Wissen über so Spielregeln im Musikgeschäft und ohne Wissen über Selbstvermarktung und PR. Ich wollte einfach meine Songs vorstellen. Von daher gab es vor dem Album eine Art E.P. auf einer Nachwuchs-Download-Plattform mit den ersten Songs damals. Die hieß „Bilder im Mondmeer“. Und ich hatte für meine ersten Live-Auftritte eine Kleinauflage von einer 5-Song-CD gemacht. Aber das waren so Zwischenschritte auf dem Weg zum Album.“
Das Debüt enthält meiner Meinung nach keine Ausfälle, ergo nicht nur Masse sondern auch Klasse. War es im Endeffekt eine Art „best of“ Deiner bisherigen musikalischen Kreationen, sprich schlummern da gar noch mehr Stücke im Keller oder hast Du an den vorhandenen Stücken bis zur Perfektion gearbeitet?
„Oh – vielen Dank Holger. Perfektion ist ein schönes Stichwort. Alles in allem war es ein intensiver Entstehungsprozess und zu dem Zeitpunkt, als die Songs entstanden sind – habe ich mit der damals vorhandenen Perfektion daran gearbeitet. Doch heute würde ich manches anders machen und denke manchmal an bestimmten Stellen bei dem einen oder anderen Song – oh, was hast Du denn da gemacht? Vielleicht höre nur ich das und andere Musikerkollegen und gar nicht mal die Hörer. Doch ich denke, dass es vielen anderen Musikern genau so geht nach so einem Prozess. Aber zum Kern der Frage: Es sind insgesamt mehr Ideen entstanden, aber nur Anfänge oftmals. Das ist aber Material welches weiterver- und aufgearbeitet werden kann für nächste Veröffentlichungen.“
Wie vertreibst Du „hinter dem verlorenen“, hast Du da einflussreiche Kontakte in der Hinterhand oder läuft das alles über Deine Site?
„In der Tat, es läuft alles über meine MySpace-Seite. Obendrein gibt es eben das Album auch in den bekannten Downloadshops. Einflussreiche Kontakte im Sinne von: hilfreich für die Vermarktung und den Vertrieb habe ich nicht. Dafür entstanden aber in dem ersten Jahr „Wort-Ton“ sehr, sehr viele wundervolle mitmenschliche Kontakte, die ich nicht mehr missen möchte.“
Ich habe gelesen, dass die demnächst geplante Friend-Vote-Euro Tournee für "Wort-Ton" abgesagt wurde. Sehr schade, was waren denn die Gründe dafür?
„Weißt du was Holger? Die weiß ich selbst nicht so wirklich. Denn klare, stichhaltig- nachvollziehbare Gründe wurden mir nicht mitgeteilt. Aber ja – einerseits schade. Doch andererseits finde ich es auch in Ordnung so. Auch wenn ich mich nun wieder viel mehr selbst und durch Unterstützung lieber Mitmenschen um Live-Auftritte kümmern werde – aber so finde ich das für den Start eines Newcomer-Projektes viel realistischer als gleich ne Tour zu haben. Wobei ich mich noch einmal sehr herzlich bei allen bedanken möchte, die mich damals mit „Neuland“ auf den ersten Platz bei Friend-Vote brachten.“ |
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Du hast mit Micha einen festen Live-Keyborder am Start. Kann man in diesem Zusammenhang schon von einer „kleinen“ Band reden?
„Ja da freue ich mich so drüber, dass ich Micha kennen lernte. Übrigens auch über MySpace. Er entdeckte mich, als ich auf der Seite von Schiller einen eher frechen Kommentar postete, kam auf meine Seite, fand meine Musik gut und so entstand der Kontakt. Dann gab es mal ein Treffen auf ner Autobahn-Raststätte zwischen Wittenberge und Berlin, wo Micha lebt. So entstand die Idee dieser Zusammenarbeit. Band? Ich würde sagen Ja – im Sinne von Live-Band. „Wort-Ton“ Live sind eben Micha und Sven. Sonst ist aber klar, dass jeder für sein Projekt arbeitet und zuständig ist. Micha also für „Synthlabor“ und ich eben für „Wort-Ton“. Es gab da aber auch schon schöne Zusammenarbeiten. So hat Micha das Live-Intro kreiert, als Remix von „Rosentraum“ und ich hab zu einem Stück von Micha einen Text geschrieben und den dazu gesprochen („Der Aufbruch“).
Und was hast Du nun nach der Veröffentlichung an Plänen und Wünschen in Deinem Seelenkoffer verborgen?
„Auf jeden Fall wünsche ich mir viel mehr Live zu spielen. Doch als Newcomer ist das nicht so leicht. Ich mag auch nicht bei solchen „Pay for Play“ Sachen mitmachen, wo man sich einkaufen muss, um auftreten zu dürfen. Aber: ich werde mich kümmern und durch die Hilfe lieber Zeitgenossen am Ball für diesen Wunsch bleiben. Obendrein wird es vor dem nächsten Album eine Download-EP geben, als eine Art Vorgeschmack für den nächsten Longplayer, der aber wohl erst Ende 2011 / Anfang 2012 erscheinen wird. Und dann wünsche ich mir einfach, dass einige Menschen mehr Fans der Musiklyrik von Wort-Ton werden und vielleicht das zweite Album dann unter Federführung eines etablierten Labels erscheint. Weitere Pläne, die es schon gibt, sollen noch etwas geheim bleiben…“
Die Standardfrage(n) vom Dark Feather hast Du ja bereits schon in unserer Ausgabe 8 beantwortet, also kannst Du an dieser Stelle einfach loswerden, was Du schon immer mal loswerden wolltest!
„Ach, da bleibe ich doch mal beim Schlusssatz des Songs, welcher nun auch auf dem neuen DF-Sampler ist: „Du drehst Dich um und lebst – JETZT – einfach so“…In diesem Sinne – einfach das Beste aus diesem Moment, dieser Sekunde, diesem Augenblick, diesem Leben machen…Ist ja nicht so, dass ich das immer könnte – aber es ist eine schöne Lebens-lern-Aufgabe, finde ich…(schmunzelt). Vielen Dank dafür, dass Du mich erneut eingeladen hast zu dem Interview und dem Sampler-Beitrag und einen herzlichen Guß an alle Leser dieser Zeilen und Hörer des Samplers.“
Ich bedanke mich erneut für das Interview! |
Wort-Ton “hinter dem verlorenen” (August 2010 / Eigenvertrieb)
Nun ist es also soweit, das Debütalbum von Wort-Ton ist veröffentlicht worden. Ich muss schon sagen, nach alldem was ich musikalisch bereits im Vorfeld von jenem Projekt gehört habe, waren meine Erwartungen sehr hoch gesteckt und der Künstler, der hinter jenem Projekt steht, mit bürgerlichen Namen Sven Wendelmuth, hat sie nicht enttäuscht. Im Gegenteil, man kann bereits jetzt kompromisslos eingestehen, das mit „hinter dem verlorenen“ eine alternative Perle das Licht der Welt erblickt hat und Zeitlosigkeit mit sich bringt.. Wie der Name des Projektes schon vermuten lässt, vereint sich Musik und Lyrik zu gleichen Teilen, aber das als alleinige Aussage stehen zu lassen, wäre zu banal. Denn das was auf „hinter dem verlorenen“ geboten wird, ist weit mehr - Musik und Lyrik gehen Hand in Hand, ein romantischer Spaziergang durch scheinbar endlose Weiten vom strahlenden Mondlicht begleitet, sensibel, zerbrechlich und dennoch immer optimistisch, von Wärme erfüllt. Sven Wendelmuth versteht die Instrumente der Sprache zu bedienen, ja zu leiten und umhüllt sie dabei in elektronische Soundgewände, die den Worten immer und immer wieder halt geben. 63 Minuten, die zum Träumen und tiefsinnigen Denken und Fühlen einladen. Schön auch die weiblichen vocals, welche Gastsängerin Melanie Gömmel zum Song „Wir, unsere Welt“ beisteuerte. Und zu guter letzt konnte Sven mit der Gastkompostion zu „Eistraum“ keinen geringeren als Falk Pitschk (Plastic Autumn) gewinnen.
Wenn an diesem Album überhaupt etwas kritisch anzumerken wäre, dann vielleicht, das das Tempo für manch einen nicht oft genug in allzu verschiedene Veränderungen ausbricht, um dem Album auch in diesem Punkt noch weitere „Farbe“ geben zu können. Aber das ist erstens angesichts der Symbiose mit der Lyrik und dem vorherrschenden Sprachgesang schwer zu vereinbaren und zweitens müssen schließlich noch Steigerungsmöglichkeiten und Herausforderungen offen bleiben, denn wohlgemerkt, es handelt sich hier um ein Debüt! – …ein verdammt Starkes, bei dem man nicht umhin kommt, die Repeat-Taste auf „on“ zu stellen!...
Anspieltipps: Mondmeer (auch in der Bonus-Klassik-Version), Eistraum, Atem der Sehnsucht, Neuland und Der alte Künstler
Holger Warschkow
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visit: www.myspace.com/wortton
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