Black Chameleon

Atmosphärisch düster und von Melancholie getragene Klangwelten dringen durch die Gehörgänge, breiten sich zu einem scheinbar unendlich großen Raum aus…jenen Eindruck vernimmt man, wenn man die Vorab-Demos des Grevenbroicher Bandprojekts BLACK CHAMELEON zu ihren demnächst erscheinenden Debüt lauscht. Jenes macht mehr als neugierig und die beiden Köpfe, die dahinter stecken, beim Namen Michael und Diana, ließen dem Dark Feather gegenüber schon mal etwas die „Katze aus dem Sack“ schauen…Doch lest und hört selbst, was es mit diesem Duo, deren Werk und auch ihrer Vergangenheit wie zum Beispiel Interview-Antworten auf pinkfarbenem Toilettenpapier von Motorenkopf Lemmy Kilmister [:-)…] auf sich hat…

 
Dark Feather Ausgabe 2

Hallo Diana, Hallo Michael! Ich bitte Euch den Lesern einmal ‚Black Chameleon' etwas genauer vorzustellen! Wer zeichnet für was verantwortlich?

Diana: Für die Idee und Umsetzung von Musik und Text ist einzig und allein Michael zuständig! Ich komme erst ins Spiel, wenn es an den Gesang geht ! Das läuft dann in etwa so ab: Hat Michael um die 2-3 Texte für sich abgeschlossen, gibt er mir die ungefähre Richtung der Melodie vor - Ich schnappe mir mein 8-Spur-Rekorder und fange einfach an auszuprobieren (Was in der Tat schon mal ausarten kann, da mehrstimmig- harmonische Gesangsarrangements meine Leidenschaft sind) - Sind wir beide letztendlich zufrieden mit dem Ergebnis, geht's ab ins Tonstudio zum Aufnehmen!

Michael: Musik und Text sind, wie gesagt, komplett von mir. Beim Schreiben der Texte entwickle ich immer mindestens eine Gesangsmelodie, die ich Diana als Vorschlag mitgebe. Sie entwickelt die Idee dann weiter, lässt sich weitere Stimmen und Harmonien einfallen…. Sie kann aber auch mit einer völlig anderen und eigenen Kreation aufwarten, bei mir herrscht kreative Freiheit. Es muss nur den Charakter des Liedes treffen und im Ganzen harmonisch klingen, es soll weder die Musik noch der Gesang im Vordergrund stehen, mir ist das Lied als ganzes wichtig.

Eure Lieder zeugen von großer atmosphärischer Dichte. Welchen Entstehungsprozess durchlaufen sie von der Idee bis zum fertigen Song?

Michael: Ist unterschiedlich, einige Songs sind ohne vorherige Idee einfach beim spontanen herum klimpern auf dem Keyboard entstanden. Bei anderen Songs hab‘ ich nicht mehr als eine sich wiederholende Melodie aus 3 – 5 Tönen im Kopf. Damit setz ich mich dann ans Keyboard und suche zuerst einmal einen passenden Sound, meistens benutze ich Hammondsounds oder Streicher. Während ich die Melodie immer weiter spiele, entwickle ich dann spontan ein grobes Arrangement, so etwas wie einen Ablauf für den Song und lasse mir anhand der Stimmung oder Atmosphäre einen möglichst passenden Titel einfallen. Nach und nach spiele ich dann alle Instrumente ein, das kann in ein paar Tagen erledigt sein, kann sich aber auch über mehrere Wochen ziehen.
Beim jetzigen, ersten Album ist es so gewesen, das ich zuerst die Instrumentalarbeit an den 12 Songs abgeschlossen und mich im Anschluss daran an das Schreiben der Texte begeben habe. Ausnahme war unser erster gemeinsamer Song „Time Stand Still“, den wir komplett mit Text und Gesang fertig produziert haben um an die Öffentlichkeit zu gehen und dem interessierten Publikum einen Eindruck zu vermitteln. Begonnen habe ich mit dem Aufnehmen der 12 Songs Ende Januar und war Ende September mit den Instrumentalversionen fertig.

Soweit mir bekannt, habt ihr Euren Bandnamen dem Albumtitel von Michaels Projekt ‚Miditerranean Mindgames' entnommen. Für was steht bei Euch der Bandname?

Michael: Nun ja, meine Lieblingsfarbe ist schwarz und das „Chameleon“ steht bei mir für die Vielseitigkeit des Lebens.

Betrachtet ihr denn Black Chameleon mehr als Projekt oder doch eher als feste Band?

Diana: Ich sehe "Black Chameleon" eher als Projekt an! Es macht mir zwar unwahrscheinlichen Spaß mal Musik nicht nur zu covern, sondern selber kreativ sein zu dürfen, aber:mein Job, meine eigene Band und diverse andere Projekte machen es mir auf Dauer nicht möglich ein fester Bandbestandteil zu werden.Was ja nicht heißt, dass ich in Zukunft nicht ab und zu gerne mal aushelfe, wenn Not beim Gesang ist!

Michael: „Black Chameleon“ ist mein Herz, meine Seele, meine nach außen gekehrte Gefühlswelt und für mich die perfekte Möglichkeit, meine etwas aus dem Rahmen fallenden musikalischen Ideen kompromisslos zu verwirklichen. Ich werde dieses „Bandprojekt“ definitiv fortführen, zumindest im Studio. Da ist es ja kein Problem wenn die „Band“ aus nur einem einzigen Musiker besteht, ich kann alle Instrumente nacheinander aufnehmen. Beim Gesang sieht es leider anders aus, denn für Diana ist es nur ein Projekt, sofern sie Zeit hat, daher nutze ich die Gelegenheit und mache auch auf diesem Weg meine Suche nach Sängerinnen publik die an einer langfristigen Kooperation interessiert sind. Gesangserfahrung ist nicht unbedingt erforderlich, ihr solltet Gefühl für Eure Stimme haben, Euch in meiner Musik wohl fühlen, kreativ und ehrgeizig sein. Wer sich angesprochen fühlt schreibt an folgende Mailadresse: black-chameleon@online.de

Eure bereits zugängliche Musik klingt erstaunlich homogen. Welche Erfahrungen in anderen musikalischen Projekten habt Ihr denn in der Vergangenheit gesammelt, mal abgesehen von Michaels New-Age-Projekt ‚Miditerranean Mindgames'?

Diana: Neben meiner Band "Us & Them" (Pink Floyd Tribute Band), in der ich seit 1997 singe und mittlerweile auch Gitarre spiele, habe ich in den letzten 15 Jahren schon recht viele Erfahrungen im musikalischen Bereich sammeln dürfen; sei es in Form von Chor,- Ensemble,- oder Bandprojekten, bis hin zu diversen Auftritten bei Hochzeiten und anderen Feierlichkeiten, zusammen mit meinen Schwestern !

Michael: Meine erste Band als Drummer war von 1986 – `88 die Neusser Hardrock – Formation „Justness“, wir spielten von Anfang an ausschließlich Eigenkompositionen des Gitarristen und von mir. Nach Auflösung der Band Anfang 1988 habe ich sowohl die Drumsticks als auch meine musikalische Kreativität an den Nagel gehangen und erst knapp 18 Jahre (und zahllosen Generationen von Holzwürmern) später wieder zur Musik zurückgefunden. 2005 kaufte ich mir ein Master-Keyboard um „virtuelle“ Instrumente auf dem PC zu spielen. Wenig später dachte ich mir wie geil es wäre, mal wieder richtig zu drummen, besonders nach jahrelangen gesundheitlichen Problemen die mir sehr zugesetzt haben. Von Sommer 2006 bis Oktober 2007 spielte ich als Drummer mit ein paar Altrockern Blues- und Rockklassiker nach, war ein gutes Gefühl nach fast 18 Jahren musikalischer Untätigkeit. Nun passen eine Coverband und ein autodidaktischer, kreativer Songwriter nicht besonders gut zusammen. Ich stieg folgerichtig aus der Truppe aus und versuchte eine Band zu finden, die ausschließlich eigenes Material spielt. In der Zeit zwischen den Auditions begann ich mehr und mehr Keyboard zu spielen und im November 2007 entschloss ich mich, die Bandsuche aufzugeben und ein Keyboard Projekt mit Eigenkompositionen ins Leben zu rufen. „Miditerranean Mindgames“ war sozusagen der erste Schritt auf dem Keyboard, ein reines Instrumentalprojekt mit einer Vielzahl unterschiedlicher Keyboardsounds. Allerdings lag ich sehr bald mit dem Rockdrummer in mir im Clinch, und so entstand als Kombination Anfang 2008 „Black Chameleon“, wo sich Drummer, Keyboarder und Songwriter ausgesprochen wohl fühlen.

Aus welchen musikalischen „Ecken“ kommt ihr sonst, sprich von welchen weiteren Stilrichtungen seht Ihr Euch beeinflusst?

Michael: Gut das Du nur nach „Stilrichtungen“ und nicht nach „Bands“ fragst… musikalisch beeinflusst sehe ich mich von Progressive-, Doom-, Classic-, Blues-, Psychedelic-, Gothic- und Symphonic Rock Bands.

Diana: Beeinflusst sehe ich mich aus vielen verschiedenen Richtungen; nur eine bevorzugte "Ecke" gibt es bei mir nicht! Ich singe z.B. klassische Lieder genauso gerne und mit Leidenschaft wie Songs aus dem Bereich Pop/Rock usw.! Hauptsache die Musik spricht mich an und gibt mir ein gutes Gefühl!

Euer Release ist für den kommenden April vorgesehen und jenes Debütalbum wird den Titel „An Island In The Desert“ tragen. Könnt ihr schon verraten was dem Hörer in etwa erwartet. Wird es musikalisch ähnlich wie zum Beispiel auf dem schon zugänglichen „ Time Stand Still“ zugehen?

Michael: Euch erwartet eine emotionale musikalische Achterbahnfahrt. Los geht's recht „besinnlich“ mit „View From The Dune“, dann folgt „Strange Reflections“ , langsam, schleppend, eine „swingende“ Basslinie und diverse umherirrende Sounds. Mit dem rockigen „Nomads In The Desert“ geht's wieder etwas bodenständiger zu bevor es ins sehr lange „Valley Of Tears“ geht. Eine groovende Rhythmsection, schwebende Streicher, rockende Hammonds…mein persönlicher Favorit. Aus dem Tal der Tränen geht's in die verträumte Ballade „Unknown Oasis“. Der Song hat Ohrwurm Charakter…. Nach der unbekannten Oase hören wir das melodische „Whispering Waters“, bevor es mit „Thanksgiving-The Shadows Of War“ sehr nachdenklich und depressiv wird. Ein extrem langsamer Song ohne Drums, nur Keyboards und Streicher. Danach folgt das aufmunternde „Angel Of Tortured Minds“ mit einem sehr harmonischen Refrain. Anschließend begebe ich mich auf die Suche nach Vernunft … „In Search Of Sanity“ – langsam melancholische Streicher, eine antwortende Hammond, ein kurze Akzente setzender Bass und gelegentlich vorwärts treibende Drums. Jetzt kommen wir zu einem äußerst ungewöhnlichem Song: „The Great Bear And The Feathered Snake“…. Ungewöhnlich aus zwei Gründen: es ist ein Remake eines Songs meiner „Midi… Mind…“ –CD, nach dem Keyboardintro geht dieselbe Melodie mit Drums, Hammond und Streichern deutlich rockiger weiter, bevor sie in einem sphärischen Hammondsolo förmlich explodiert. Die zweite ungewöhnliche Tatsache: es ist das einzige Lied komplett in „Dur“, alle anderen sind fast ausnahmslos in „Moll“. Titel Nr.11 ist „Unexpected Light“, ein sich langsam steigernder Groove aus Streichern, Hammond, Drums und Bass mit drei unterschiedlichen Gesangsmelodien von Strophe zu Strophe… zum guten Schluss bleibt mit dem dunkel mystischen Walzer „Time Stand Still“ schließlich nach 12 Songs und insgesamt 68 Minuten musikalisch die Zeit stehen…

Welche Erwartungen und Ziele verbindet ihr mit beziehungsweise nach Veröffentlichung des Debüts?

Michael: Hmm…mein Ziel mit der Veröffentlichung des Debüts ist es, „Black Chameleon“ in bestmöglicher Qualität einem offenen, interessierten Publikum zugänglich und deutlich zu machen, das man nicht unbedingt musikalische Theorie beherrschen muss um ungewöhnliche, emotionale und gute Musik zu produzieren. Ich bin zu 100% Autodidakt … Nach der Veröffentlichung erhoffe ich mir einen steigenden Bekanntheitsgrad, langfristig eine Band zusammenstellen zu können und irgendwann ein paar größere Konzerte zu spielen. Von großem kommerziellen Erfolg träume ich nicht, wenn ich die Kosten für die CD wieder rein bekomme bin ich, was den kommerziellen Erfolg betrifft, zufrieden. Viel wichtiger und von erheblich größerer Bedeutung ist das Feedback des Publikums, was mich bisher schon erreicht hat. Sätze wie „Deine Musik berührt mein Herz“ sind mir wichtiger als das ich mir für 100.000 verkaufte CDs ´ne goldene Schallplatte ans Knie nageln kann.

Du würdest also schon gerne Livepräsenz geben und betrachtest Euch nicht ausschließlich als Studioprojekt/-Band. Hast Du schon Ideen, wie ihr jenes umsetzt?

Michael: Ich würde gerne Live spielen, allerdings möchte ich dann meine Software Streicher durch echte Streicher ersetzen… dann fehlen noch Drummer, Keyboarder, Bassist, ein paar Sängerinnen, entsprechend große Bühnen,… fertig ist der Stoff aus dem die Träume sind. Alleine kann ich das allerdings nicht realisieren, wenn sich jemand kreativ oder hilfreich mit einbringen möchte – MELDEN!

Welche Ziele habt ihr Euch im Allgemeinen mit Black Chameleon gesteckt?

Michael: Mein Ziel ist die Verwirklichung meiner musikalischen Ideen, ohne Rücksicht auf irgendwelche Klischees oder stilistische Einschränkungen. Zu Beginn meiner Arbeit hörte ich von verschiedenen Seiten „dies geht nicht und das geht nicht und jenes geht auch nicht“… ich bin da definitiv anderer Meinung, und wie meine Myspace-Seite zeigt, sind auch einige andere Leute der Meinung, das ich interessante Musik mache.

Zum Abschluss die 3 Standardfragen vom Dark Feather: Wie seht ihr die Entwicklung für Bands speziell in Subkulturen wie z.B. der Gothic- und artverwandten Szene(n)?

Michael: Tja, Holger, wie Du ja bereits von mir weißt war ich in den 80er Jahren ebenfalls mit einem Szenemagazin aktiv beschäftigt und habe diverse sogenannte „Subkulturen“ entstehen und sich weiterentwickeln sehen. Besonders nachhaltig ausgewirkt hat sich meiner Meinung nach die Black- bzw. Death-Metal Szene, die zu Beginn der 80er Jahre, gleichzeitig mit der „New Wave Of British Heavy Metal“ und Venom's „Welcome To Hell“ für Aufsehen und aufgeregte Eltern sorgte. Eigentlich ist's nur eine konsequente Weiterentwicklung und Zusammenführung der Doom- und Punkszene, entstanden aus einer stagnierenden Hardrock-/ Heavy Metal Szene Ende der 70er. So „Sub-„ finde ich Kulturen wie „Gothic“ also nicht, es hat sich alles über einen langen Zeitraum weiterentwickelt und immer spezieller definiert, aufgrund dieser eigenen Definition entwickelten sich auch unterschiedlich orientierte Bands. Die Wut des Punkrock der 70er Jahre höre ich heute noch in der Musik, nur anders artikuliert. Wenn man es konsequent zu Ende verfolgt, werden wir vermutlich beim Jazz, Blues und Gospel der vorletzten Jahrhundertwende landen. Können wir uns gerne mal ausführlich drüber unterhalten wenn Du Bock hast…

Gerne! ;-)… Welche Vor- und/oder Nachteile seht ihr in große Webcommunities wie z.B. myspace?

Michael: Rational betrachtet hat alles im Leben Vor- und Nachteile. Über Webcommunities haben Menschen unterschiedlicher Motivation die Möglichkeit, gleichgesinnte auf diesem Planeten zu finden und sich mit ihnen auszutauschen. Als Vorteil sehe ich also hier ganz klar die Möglichkeit einer im Großen und Ganzen „direkten“ Kommunikation, sofern jeder Beteiligte tatsächlich die Person ist, die er vorgibt zu sein. Der größte und wichtigste Nachteil… Du weißt nicht wirklich mit wem Du kommunizierst….

Was waren bei Euch die bisher positivsten, schrägsten und was die schlechtesten Erfahrungen in der Musikwelt?

Diana: Besonderes negative oder verrückte Geschichten habe ich gar nicht zu erzählen!

Sicherlich gibt es Momente wo man auch als Amateurmusiker das "harte" Musikgeschäft ansatzweise zu spüren bekommt! Aber kleinere Rückschläge gehören nun mal dazu, um ständig daran wachsen zu können!
Ansonsten habe ich einfach das große Glück, das ich die Erfahrung machen darf, immer wieder außergewöhnlichen Musikern zu begegnen, Tolle Musik auch auf der Bühne ausleben zu können, Menschen berühren zu können und auch noch so viel positives von ihnen zurückzubekommen!

Michael: Positivste Erfahrung ist für mich der Satz „Deine Musik berührt mein Herz“. Die schrägste Erfahrung ist ein 1985 per Brief geführtes Interview mit Lemmy von „Motörhead“ : er schrieb seine Antworten auf pinkfarbenes Klopapier! Freundlicherweise war es unbenutzt…
Als die wirklich schlechteste Erfahrung würde ich die Auflösung meiner ersten Band bezeichnen.

Ich bedanke mich für dieses Interview, die letzten Worte gehören dem Künstler! :

Michael : Ich „leihe“ mir die letzten Worte aus einem meiner Lieblingssongs… „The world is full of Kings and Queens who blind your eyes and steal your Dreams, it's Heaven and Hell“

In diesem Sinne, passt auf Euch auf & be open minded!

 

visit: www.blackchameleon.de

 

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