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Transsylvanien:
Eine Reise zu den Burgen
 
Dark Feather Ausgabe 2

Ein weiteres Mal führt uns der Weg von Cluj-Napoca Richtung Südosten - ein paar weitere Burgen dieser Region gilt es zu entdecken. Dieses mal fahren wir nicht direkt nach Sibiu, sondern planen eine Route die über Sebes führt, eines der ältesten deutschsprachigen Orte Rumäniens. Der erste Ort, an dem wir Station machen, ist Aiud (deutsch: Straßburg am Mieresch, ungarisch: Nagyenyed). Die Kirchenburg - im 14. und 15. Jahrhundert erbaut - mit ihrem gigantischen Schutzwall lädt uns regelrecht zum Halten ein. Aiud selbst scheint mit seinen knapp 30.000 Einwohnern recht verschlafen, machte aber immerhin schon einmal geschichtlich auf sich aufmerksam. Anfang der siebziger Jahre fand man hier bei Ausgrabungen einen rätselhaften Aluminiumkeil aus der Vorzeit. Noch rätseln die Wissenschaftler, ob es sich um eine Fälschung handelt oder nicht.  
Nach einem Rundgang ausserhalb der Befestigungsanlage und einer kurzen Besichtigung innerhalb der Mauern setzen wir die Reise fort, zweites Ziel: Alba Iulia (deut. Karlsburg, ung. Gyulafehervar). Im Mittelalter trug dieser Ort den slawischen Namen Balgrad (deut. Weißenburg) und wurde erst 1711 in Karlsburg umbenannt. Von der Festung Alba Iulia hat es uns in erster Linie die im 13. Jahrhundert gebaute St. Michaeliskirche angetan, welche als das bedeutendste frühmittelalterliche Monument Siebenbürgens gilt. Leider erreichten wir dieses ausserhalb der Öffnungszeiten, sodass uns der Zugang zu den im Inneren errichteten Sarkophagen verwehrt blieb.

Transsylvanien 1
Transsylvanien 2
Kirchenburg Aiud
Kirche Sebes

So "sattelten" wir auf zum nächsten Ort unserer geplanten Route: Sebes (deut. Mühlbach, ung. Szaszsebes). Wie anfangs bereits erwähnt, ist dieses rund 30.000 Einwohner umfassende Städtchen eines der ältesten deutschsprachigen Orte. Ausserdem ist es eines der sieben von deutschen Siedlern (den Siebenbürger Sachsen) gebauten Städte, welche vermutlich, aber nicht erwiesen, zur Namensgebung "Siebenbürgen" beitrugen, jene Bezeichnung die heute auch mit dem gesamten Gebiet "Transsylvanien" gleichgesetzt wird. Deutlich herausragend ist hier der Studententurm als Teil der alten Stadtbefestigung und der bemerkenswerte 13 Meter hohe Flügelaltar der evangelischen Kirche. Nach einem kurzen Aufenthalt dort, nehmen wir noch einen kleinen Abstecher zum Rande der Stadt und lassen uns aus der Ferne von der Rapa Rosie, der roten Schlucht mit ihren ganz sonderbaren, natürlichen Sandstein-Skulpturen beeindrucken.
Von Sebes aus setzten wir die Reise nach Calnic (deut. Kelling, ung. Kelnek) fort, ein etwas abseits gelegenes verträumtes Dorf.
Nachdem wir uns durch den holprigen und mit Schlaglöchern gespickten Strassen und Wegen ins Ortsinnere durchgeschlagen haben, erblickten wir sie auch schon: die Bauernburg Calnic. Ursprünglich eine ebenfalls im 13. Jahrhundert errichtete Adelsburg und im 15.Jahrhundert durch Kauf in den Besitz der Bauern übergegangen, erstrahlt dieses Bauwerk in seiner dunklen Gesamterscheinung in Form der guterhaltenen Wehrmauer und mehreren wuchtigen Türmen in einer geradezu mystischen Schönheit. Ein über fünf Stockwerke hoher Turm in der Mitte der Anlage, welcher im Volksmund "Siegfried" genannt wird und eine Mauerdicke von 1,45 Meter umfasst, diente im Mittelalter als letzter Rückzug. Eigentlich doch eh schon vom Gesamteindruck in einer aussergewöhnlichen Aura versetzt, entdeckten wir dann doch tatsächlich in der kleinen Kapelle, passend zu der musikalischen Berieselung in Form von Bach, neben dem Gästebuch noch ein Prospekt von Leipzig...ohne weitere Worte! ;-)

Transsylvanien 3
Transsylvanien 4

Bauernburg Calnic

Burg Fogaras
Die Wintersonne stand bereits tief und es wurde Zeit sich um ein Quartier für die Nacht zu kümmern. Dieses sollte in der wunderschönen und bereits im ersten Teil (siehe Dark Feather No.1) beschriebener Stadt Sibiu sein. Jene Quartiersuche sollte sich noch als kleines Abenteuer herausstellen. Wir peilten zuerst das angebliche "Youth Hostel Hi! Bye" in der Str. Zaharia Boiu Nr. 39 an. Leider war von einer Jugendherberge weit und breit nichts zu sehen. Die besagte Nr.39 erwies sich als abbruchreifes Wohnhaus und auch die "Anwohnerbefragung" konnte nicht wirklich Hilfe bieten. Also fuhren wir direkt ins Zentrum zur online-recherchierten preisgünstigen Übernachtung Nummer Zwei. Doch die Herberge am Piata Mica war ausgebucht. Man verwies uns auf einen Geheimtip in der Strasse P.Ilarian, welches wahrlich mehr als Geheimnisumwoben war. Nach einer kurzen Erbittung einer Auskunft auf der Strasse, welche schlagartig eine gewisse Eigendynamik annahm (nach und nach wurden von den Anwesenden bis zu sieben Leute involviert) einigte man sich darauf, das wir es bezüglich dieser Angelegenheit mal im nahegelegenen Restaurant versuchen sollten. Und tatsächlich, der Kellner wusste rat und beschrieb uns die ominöse Adresse. Dort angekommen stellten wir fest, das wir eigentlich bei der besagten "Strassenansammlung" schon vor der Haustür standen...nichts, aber auch gar nichts deutete von außen auf eine Unterkunft hin, nicht mal ein Klingelschild...;-) Wie auch immer, wir hatten Erfolg, und das zählte in unserer Situation - es gab noch ein freies Zimmer mit einem grossen Doppel-Bett. Nachdem wir Quartier bezogen hatten, gingen wir in das Art Cafe und in die City Bar. Eigentlich wollten wir als zweite Anlaufstelle in den English Pub, leider konnten wir diesen auch nicht wirklich finden beziehungsweise war dieser entgegen der Ankündigung geschlossen. Er befindet sich unweit der alten Stadtmauer in der Strasse Gimnasticii, Hausnummer - Aufgepasst(!): 39! Wir hattens geahnt... :-). Die anschliessende Nacht verlief dann noch etwas unruhig. Ausgelassene Studenten verlegten ihre Party in der dem Zimmer angrenzenden Küche, wir befanden uns nach unserem eigenen abendlichen Kulturrundgang in einer Art Zwischenwelt...zur Müde zum Mitfeiern, zu wach, zum "Ohrenschliessen". Was solls, die Betten waren weich! :-)
Bevor wir am nächsten morgen losfuhren, konnten wir uns es nicht nehmen lassen , das wunderschöne Stadtzentrum nocheinmal bei Tageslicht, gekleidet in der weissleuchtenden Wintersonne, in uns aufzusaugen. Wir nahmen ein kleines Frühstück und ab ging es auf die E 68 Richtung Brasov. Vorbei an kleinen Orten mit den schon gewohnten Bildern von Pferdewagen und Eselskarren kamen wir nach ca. 60 Kilometern auf halber Strecke in Fagaras (deut. Fogarasch, ung. Fogaras) an. Das kleine Städtchen liegt zu Füssen des gleichnamigen Gebirges. 
Der Hauptstrasse ins Stadtzentrum folgend erhebt sich aus dem linken Augenwinkel kommend eine gigantische Burg aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts, umgebend von einem breiten Burggraben. Die Leute erzählen sich, das von diesem Ort der Fürst Negru Voda in den Süden auszog, um die Walachei zu gründen. Nun, erwiesen ist es nicht, dafür aber, das Fagaras während des Kommunismus als antikommunistische Hochburg galt, gleichzeitig aber die Burg in den fünfziger Jahren als Gefängnis hauptsächlich politisch Verfolgter eingerichtet wurde - bittere Ironie der Geschichte. Die Burg zeigt sich innerhalb der Mauern genauso gigantisch, wie der Blick von aussen. Ein Galgen auf dem Innenhof erinnert an lang vergangene Zeiten...
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Innenhof Burg Fogaras

Die Schwarze Kirche zu Brasov,

Danach weiter immer noch der E 68 folgend sehen wir uns bereits schon des bald nahenden zu dieser Jahreszeit nun einmal frühzeitig einsetzenden Sonnenuntergangs ausgeliefert. Dennoch reicht die Zeit, um einen Abstecher nach Rasnov (deut. Rosenau, ung. Barcarozsnyo) zu verwirklichen. Schon aus der Ferne zeigt sich die auf einem 150 Meter hohen Kalkfelsen gelegene Bauernburg, welche 1215 vom deutschen Ritterorden erbaut wurde und über eine gerade mal knapp 17.000 Einwohner zählenden Gemeinde wacht. Nach einem kurzen Aufenthalt zu Füßen der Burg nehmen wir die übrig gebliebenen letzten zehn Kilometer bis zum östlichsten Punkt unserer Tour Richtung Brasov in "Angriff". Brasov (deut. Kronstadt, ung.Brasso) ist mit ihren rund 300.000 Einwohnern eines der grössten Städte Transsylvaniens und ausserdem der "Brückenkopf" zur angrenzenden Walachei. Deutsche Ritter gründeten diesen Ort im frühen 13.Jahrhundert. Wir erreichen das Zentrum in der Abenddämmerung. Beeindruckend zeigt sich uns das tatsächliche Wahrzeichen der Stadt, die sogenannte "schwarze Kirche", ein gotisches Schmuckstück per excellence, welches 1383 seine Grundsteinlegung und 1480 seine Fertigstellung erfuhr. Der protestantische Bau musste aber immer wieder durch die Einfälle des angrenzenden osmanischen Reiches einer Restaurierung unterzogen werden. Anschliessend nahmen wir noch ein wenig das Zentrum unter die Lupe, das für meinen Geschmack aber doch etwas zu sehr für den Tourismus angelegt ist, welches allerdings nicht verwundert, ist doch die Region um Brasov obendrein noch ein beliebtes Ziel für Wintersportler. In der Dunkelheit treten wir dann den Rückweg an, wobei uns dabei noch ein Ziel erwartet: die Ruine der Bauernburg Rupea. Wir nehmen die nordwestliche Verbindungsstrasse E 15 und erreichen diesen Ort nach ca. anderthalb Stunden. Rupea (deut. Reps, ung. Köhalom) erweist sich als ein kleiner Ort. Im 12. Jahrhundert von deutschen Kolonialisten gegründet liegt diese verträumt romantische Gemeinde mit ihren rund 6.000 Einwohnern zu Füssen der Burgruine, welche auf dem Kohalmer Berg ruht. Wir durchfahren das Ortsinnere den Weg aufwärts, bis wir an der Gemeindeschule zum Stehen kommen. Vergeblich suchen wir in der Dunkelheit nach einen Weg direkt hinauf. Der Hausmeister der Einrichtung zeigte sich uns nach wenigen Minuten und erkläuterte, das der Weg bei Nacht nicht zugänglich ist. Wie auch immer, wir nahmens gelassen. Vielleicht sollte es so sein, denn die Ausstrahlung die dieser Ort - auch noch durch einen gigantischen Friedhof mit der Burg verbunden - auf uns nahm, sollte uns wohl aus dieser beeindruckenden Sichtweise und Stimmung im Gedächtnis bleiben. Who knows? ;-)
Auf dem weiteren Rückweg streiften wir dann das uns schon bekannte und auch in der Dunkelheit beeindruckende Städtchen Sighisoara (siehe Dark Feather No.1), um dann via Targu Mures und Turda gegen Mitternacht Cluj-Napoca als Ausgangs- und Zielpunkt dieses Trips wieder zu erreichen.

Was bleibt ist eine oder besser gesagt mehrere weitere schöne und mystische Erinnerung(en) an dieses weite Land - Transsylvanien.

 

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