Dyrathor

Den Klischees entgegen (ge)treten

Dyrathor sind eine westfälische Band, welche sich trotz ihres recht jungen Daseins schon einiges Aufsehen unter anderem durch  Support von Szenegrößen erspielen konnte. Musikalisch und religiös sind sie dem Heidentum zugewandt, umgehen aber mit Mut zum Experimentellen gekonnt abgedroschene Themeninhalte und dies sowohl in lyrischer Hinsicht, als auch in Hinblick ihrer Arrangements. Jenes lässt sie auf jeden Fall aus der stetig wachsenden Gemeinde des Pagan-Rock und -Metal in ein individuelles Licht erscheinen. Morguul, Sänger der sechsköpfigen Formation, gab uns Auskunft über den Stand der Dinge.

 

 
Dark Feather Ausgabe 3

Hallo Morguul! Stelle doch bitte die Besetzung von Dyrathor einmal kurz vor!

Hey – gerne! Wir, das sind 6 junge eifrige Musiker aus dem Herzen Westfalens haben uns im Sommer 2006 zu unserer jetzigen Bandformation zusammengefunden. Man kannte sich von der Schule her und der ältere Teil unserer Band ist schon zusammen aufgewachsen ;) In unserer ursprünglichen Besetzung waren wir zu siebt, doch haben wir uns nach 1 Jahr Bestehen von unserem damaligen Keyboarder Joerg, auf Grund interner Differenzen, leider trennen müssen. Aktuell sind bei uns Atrox (Lead Guitar), Hjul (Bass) und Skrall (Rythm Guitar) für die Saiteninstrumente verantwortlich, wobei Letzterer auch den Hauptteil des Songwritings übernimmt. An der Schießbude hat unser Trommler Thurin seine Berufung gefunden. Für Melodie und Abwechslung in unserer Musik sind J. an der Geige Und  der über den Computer gesteuerte Background-Synthesizer zuständig.  Mich persönlich als letztes und sechstes Mitglied hat man zur Stimme und Texteschreiber einberufen – habe mit der Singerei erst angefangen, als ich bei Dyrathor eingestiegen bin. :)

Dyrathor

Da ja nicht jeder Leser mit der Edda vertraut ist, erzähle doch mal bitte etwas zur Herkunft und Entstehung Eures Bandnamens!

 Wie du schon richtig angesprochen hast, entspringt unser Name der alten isländischen Sagensammlung. Es handelt sich hierbei um eine leichte Phrasierung der Bezeichnung „Durathror“, den eine der vier Hirschkühe trägt, die an der Wurzel der Weltenesche nagen. Symbolisch gesehen stehen diese für den ewigen Zyklus von Geburt und Tod – was die Natur gibt wird auch von ihr genommen. 

Eure erste Demo habt Ihr vor ca. einem Jahr veröffentlicht, wie waren die Reaktionen darauf?

Die Reaktionen waren, zu unserer Begeisterung, sehr gut. Wir haben zu Promotionzwecken viele Demos an Rezensenten von Magazinen geschickt, deren Reviews im Durchschnitt positiv ausgefallen sind. Sowohl bei Konzerten als auch bei Mailordern fanden sich schnell zahlreiche Abnehmer, so dass die (auf 300 Stück limitierte Demo) nach nicht mal einem halben Jahr nach Release, komplett ausverkauft war. Wir besitzen nicht mal mehr selbst welche (lacht). 

Interessant finde ich, das ihr eine gelungene Mischung aus vielen Elementen in Eure Musik einfließen lasst, da verbinden sich Wege von Folk bis zum Black-Metal. Dieser Progress ist nicht unbedingt neu,  jedoch im Gegensatz zu anderen Bands dieses Genre’s vermischen sich diese Stile bei Euch nicht nur einfach, sondern sie bilden einzelne Parts die zum nächsten wechseln. Liegt das daran, das Eure Einflüsse und Vorlieben innerhalb der Band schon sehr unterschiedlich breit gefächert sind?

Vielen Dank, ich sehe das ganze mal als Kompliment (lacht). Der Antrieb für die facettenreichere und verspieltere Variante unseres Metal Genres liegt darin, dass uns der typische Pagan Metal, ohne das jetzt abwertend zu meinen, einfach zu monoton und langweilig geworden ist. Klar hat die Szene ihre Vorzeigebands, aber wenn dasselbe Thema immer und immer wieder durchgekaut wird, mindert es den Hörspaß, was wir vor allem auch an uns selbst gemerkt haben. Aus diesem Grunde sollen auch unsere neuen Werke den Klischees der üblichen Pagan Szene  entgegentreten und  die Hörer durch tiefsinnigere lyrische Themen und experimentelleres bzw. ausgereifteres Musikengagement überzeugen.
Privat schenken wir unser Ohr Bands diverser Szenen – das fängt bei „Pagan bzw. Black Metal“ an und geht über Death- und Oldschhol-Thrash bis hin zu True Metal. Das wichtigste ist doch, dass in jedem von uns das Herz eines Metalheads schlägt und wir unsern Antrieb und Willen an unserer Musik in den Wurzeln unserer Kultur gefunden haben.  

Wer zeichnete sich bei den Aufnahmen  für die Hintergrundchöre wie auf „Schicksalsschlacht“ verantwortlich? Alles Dyrathor Miglieder oder wurden Gäste eingeladen?

Haha, da fühl ich mich aber wirklich geehrt (schmunzelt).  Die Chöre wurden damals von Skrall, Thurin und mir – also alles Dyrathor Mitglieder -  in krampfhafter Arbeit eingesungen. Wir waren in der Beziehung wirklich noch sehr unerfahren und so war das Ergebnis für uns auch nur im begrenzten Maße zufrieden stellend. Dennoch kann ich sagen, dass wir viel an unserem Gesang gearbeitet haben und er auf unserem musikalischen Nachfolgewerk definitiv hörbarer sein wird ;) 

Ihr seid schon mit einigen Szenegrößen wie Black Messiah oder Obscurity zusammen aufgetreten (weitere zum Beispiel mit Tyr werden folgen). Wie waren diese Erfahrungen für Euch? 

Es waren schöne und vor allem wichtige Erfahrungen für uns. Wir haben uns sehr geehrt gefühlt unsere Live Prämiere mit solchen Hochkarätern verleben zu dürfen. Mit Obscurity sind wir mittlerweile sogar gut befreundet und man trinkt gerne mal das ein oder andere Bier zusammen. Ein herzliches Dankeschön geht an dieser Stelle auch an Predi, den Veranstalter des Ultima Ratio Festivals, durch den wir wohl nicht da wären, wo wir heute stehen. Mittlerweile haben wir schon größere Erfolge gefeiert wie z.B. unsern Auftritt auf dem Heidenfest 2008 in Dortmund, auf dem wir uns unter anderem mit Equilibrium, Finntroll. Enslaved, Manegarm und Eisregen die Bühne teilen durften. Wir sind mit der Zeit auf jeden Fall routinierter geworden, dennoch macht es für uns keinen Unterschied ob wir auf kleinen oder großen Bühnen spielen, ob es ein gelungener Abend wird liegt immer noch an den Fans – wenn die Spaß haben und abgehen, geht einem wirklich das Herz auf ;) 

Es gibt in der Musik, in welcher heidnische Religionsthemen verarbeitet werden, verschiedene Ansätze. Manche Bands „spielen“ lediglich mit diesen Themen, da die germanische Mythologie eine Menge Erzählstoff anbietet, andere bekennen sich zu der alten Religion und die Musik und deren Lyrik ist eine logische Umsetzung ihrer Lebenseinstellung. Wie sieht das bei Euch aus?

 Kurz und knapp gesagt: definitiv Letzteres.  Ich denke, dass wir das Ganze aus Überzeugung und nicht aus dem Aspekt heraus machen, dass wir auf irgendeiner Welle mitschwimmen wollen, geht aus den vorausgegangen Antworten hervor. Eigene Spiritualität und Naturverbundenheit hat bei uns hohe Priorität, so dass wir uns regelmäßig zu heidnisch bräuchlichen Feiertagen mit unsern engsten Freunden treffen um diese Zeremonien gemeinsam zu verleben.  

Was steht bei Dyrathor in naher Zukunft auf den Plan?

 Die Frage kann ich kurz und knapp beantworten. Zum ersten die Findung eines geeigneten Labels, damit wir endlich die Aufnahmen für unser Debüt beginnen – somit also unser erstes vollwertiges Album releasen können. Des Weiteren werden wir natürlich neue Songs schreiben und so viele Auftritte spielen wie möglich. Alles weitere steht noch in den Sternen.  

Zum Abschluss die 3 Standardfragen vom Dark Feather: Wie seht Ihr die Entwicklung für Bands speziell in Subkulturen wie der Gothic- und Metal-, Pagan- und Gothic-Szene?

 Also mit der Gothic Szene hab ich nichts am Hut, deswegen kann ich mich da gar nicht zu äußern :D
Das die Pagan Szene momentan einen enormen Aufwind erlebt ist, meiner Meinung nach, unübersehbar. Vielen Pagan und anderen „Heidenmetal“-Bands werden immer mehr größere Headliner Positionen auf Festival zugeschrieben und die Fanbase steigt täglich. Wir persönlich hoffen, dass die Message die hinter dieser Musik steckt auch in den Köpfen der Leute bleibt und sie bewegt und das ganze nicht bei einem Hype bleibt der in einen paar Monaten wieder abflacht. Das wäre wirklich sehr schade – aber dem momentan Stand nach, geht’s für die Pagan Metal Szene steil nach oben. 

Welche Vor- und/oder Nachteile siehst Du in großen Webcommunities wie z.B. myspace?

Also für Bands ist Myspace echt eine super Angelegenheit. Man kann sich auf nur einer einzigen Seite einen guten Gesamtüberblick über die Formation und man kann für Auftritte, Merchandise und andere Dinge werben. Ich behaupte einfach mal, das Myspace einen Großteil der Verbreitung unserer Musik ausgemacht hat – schließlich kam eure Interviewanfrage ja auch über diese Plattform ;) 

Was waren bei Euch die bisher positivsten, schrägsten und was die schlechtesten Erfahrungen in der Musikwelt? 

Wirklich ne sehr schöne Frage, hatten wir bis jetzt noch gar nicht in Interviews!
Also das positivste Erlebnis für uns, war einer unserer vergangenen Gigs im hohen Norden. Wir sind lediglich für Spritgeld 700km gefahren in einen kleinen Ort namens Greifswald. Uns lag die Vermutung nahe, dass uns hier weder jemand kennen würde, geschweige denn sehen wollte. Doch zu unserer Überraschung waren alle Straßen mit unsern Gesichtern plakatiert und der Abend war einfach nur spitze. Die Hütte platzte fast aus allen Nähten und die Leute hatten richtig Spaß! Definitiv eins unserer besten Konzerte, was wir auch jederzeit wiederholen würden. J
Unsere schlechteste Erfahrung hatten wir mit dem legendären Waldschrat Festival. Nachdem das ganze Ding 2 Tage vor eigentlichem Beginn abgeblasen wurde, hat der Veranstalter uns für das Ersatzevent eingeplant. Um das ganze noch irgendwie zu retten haben wir gern zugesagt. Was wir nicht ahnen konnten, stellte sich diese Entscheidung später als schwerer Fehler heraus.  Von unserm vereinbarten Abholort wurden wir mit 4 stündiger Verspätung eingesammelt. Genervt aber dennoch guter Dinge haben wir unter Zeitdruck unser Drumset aufgebaut und ohne Soundcheck direkt mit dem Gig angefangen. Unsere, durch den positiv verlaufenen Auftritt, aufgekommene gute Laune wurden prompt durch Meinungsverschiedenheiten mit andern Bands vertrieben – ich will hier keine Namen nennen. Machen wir es kurz, der Abend endete damit, dass wir so schnell rannten wie wir noch nie gerannt sind. Zum ersten um unseren letzten Zug zu kriegen zum anderen um unsere Haut zu retten (lacht). Das war wirklich ein Abend den keiner von uns gern zweimal erleben würde. 

Ich bedanke mich für dieses Interview, die letzten Worte gehören dem Künstler! :

 Ich bedanke mich im Namen der ganzen Band für Euer Interesse und verabschiede mich mit den Worten: „Das Geheimnis der Kunst liegt darin, dass man nicht sucht, sondern findet.“

visit: www.myspace.com/dyrathor

 

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