Nion

Kein Bedarf an Langeweile

Die saarländische Band NION war anfangs eigentlich als Projekt von Siggi Schüßler gedacht, welcher so manchen in der Szene kein Unbekannter mehr sein dürfte. Mit Sängerin Marzena an der Seite wagte er dieses Experiment. Was die Beiden dort "zusammengeschustert" haben warf zwangsläufig das Thema in den Raum, daraus eine ganze Band wachsen zu lassen. Was sie glücklicherweise auch taten, denn lauscht man den Klängen ihrer E.P. "Witches Rune", kommt man zu keinem anderen Fazit. Genaueres über die Entstehung, der Grundgedanke hinter NION und womit sie sich aus der breiten Masse herausheben erfahren wir im folgenden von Marzena.

 

 
Dark Feather Ausgabe 3

Hallo Marzena, das Dark Feather bittet um eine kurze Vorstellung von Nion, wie sieht Eure aktuelle Besetzung aus?

Marzena: Bevor ich unsere Band vorstelle, möchte ich anmerken, dass die Jungs mich als „Sprecherin“ gewählt haben, da ich mich nicht so krass ausdrücke, als sie es normalerweise tun, was ansonsten viele vielleicht auf die Palme bringen würde. Unser Gitarrist Siggi hat auf seiner Seite beispielsweise den Spruch geprägt:"Feeling is no Excuse for Slowness", das sagt doch schon alles, oder?
Ich bin also die Stimme der Band,  Siggi Schüßler spielt Gitarre nach allen Regeln der Shred-Kunst. Der Bass ist die Domäne von Torsten Peeß, und das passt zu ihm wirklich gut, denn seine Stimme ist genau so tief wie sein 5-Saiter, was man bei den Chören von manchen Songs gut hören kann. Das Schlagzeug ist das Instrument und - im wahrsten Sinne des Wortes - das Reich von Marc Bollow. Für die Keyboards haben wir den allseits bekannten Zeus Konrad engagieren können. Wenigstens einer, mit dem man nicht dauernd diskutieren muß, obwohl er durchaus auch Haare auf den Zähnen hat. Nun, ja wie man es vermuten kann, passen wir hervorragend zusammen und haben viel Spaß miteinander!

 

Nion

Eigentlich war Nion bei der Gründung vor ungefähr vier Jahren als reines Studioprojekt gedacht. Wann und wie kam der Zeitpunkt daraus mehr werden zu lassen?

Als Siggi - der mich als durchaus brauchbare Sängerin gesehen hat, (nicht als eine von den vielen "Trällerelsen", wie er das sagen würde) - es wagte, unser Projekt zu starten, war es für ihn eher ein musikalisches Experiment. Es stand schließlich sein Ruf auf dem Spiel, denn er war zu dieser Zeitpunkt nämlich schon durchaus in der Szene bekannt, nicht nur als Sänger, Gitarrist, Komponist & Gitarrenlehrer an der Modern Music School, sondern auch als ein Verfechter des "wahren Metal". Er stand schon fest auf der Bühne als der Sänger von „Messenger“, wollte sich aber immer noch auch als Gitarrist austoben. 
Für mich hat sich eine Chance geboten, meine vielen musikalischen und künstlerischen Ideen, die ich bis dato eher spärlich ausleben konnte, endlich zu realisieren. Nach sehr kurzer Zeit hatten wir zahlreiche Stücke zusammen gebastelt, mit dem wir uns selbst überrascht hatten, denn es klang schon ziemlich interessant und wir waren ganz heiß darauf, weiter zu machen.
Da stand die Frage im Raum, was machen wir damit eigentlich? Das alles in der Schublade vergammeln zu lassen war uns einfach zu schade. Wir beschlossen also, aus dem Projekt eine Band zu machen. Zumal fanden wir es noch spannender, zu erfahren was passiert, wenn auch noch andere Ideen und Charaktere sich an unserem Werk beteiligen. Leichter gesagt, als getan, denn die richtigen Leute zu finden, die nicht nur ihr Werkzeug beherrschen, sondern auch gut mit uns klarkommen und sich auch mit diesem schon damals weit fortgeschrittenen Werk  identifizieren können, war nicht wirklich einfach.
Wie auch immer, wir haben uns gefunden und jetzt machen wir die Szene unsicher. 

Ihr deckt mit Eurer Musik eine große Genre-Breite ab, von Gothic über Mittelalter bis zum Melodic- und Power-Metal um nur einige Einflüsse zu erwähnen. War dieser Stil bei der Bandgründung schon vorhanden beziehungsweise abzusehen.

Ich persönlich bin sehr experimentierfreudig und bevorzuge ungewöhnliche Lösungen. Eigene Grenzen und Möglichkeiten ausloten, gar provozieren und scheinbar Unvereinbares zu vereinigen, das liebe ich. Ich tue mich schwer damit, mich auf einen Stil festzulegen oder nur das gut Funktionierende und Anerkannte zu wiederholen, selbst wenn es manchmal auf Widerstände stößt. Ich lasse mich durch ganz außergewöhnliche Klänge verführen und  probiere  unterschiedliche Stilrichtungen, um sie wild miteinander zu mischen – sowohl in der Musik selbst, als auch im Gesang. Mit Siggi gibt es da kaum Reibungspunkte, weil er selbst sich sämtlichen Einflüssen , wie er es sagen würde: handgemachter und ehrlicher Metalmusik, Progmetal, Mittelalter und Gothic gerne aussetzt. Bei Marc und Torsten sieht es ähnlich aus; somit gibt es in der Band keine wirklichen Diskussionen über unsere musikalische Ausrichtung. Es ist auch sehr wichtig für jeden von uns, daß auch jedes Instrument eine Beachtung findet und hier und da mal eine Hauptrolle spielt. So kann eigentlich fast jeder etwas für sich finden und genießen, so wie wir es tun :-)
Trotz der bunten musikalischen Mixtur, die fast immer Abweichungen von allzu gängigen Rezepturen vorweisen kann, entgeht dem aufmerksamen Zuhörer der „Rote Faden“ bei NION nicht, ganz gleich zu welcher Richtung man ein Stück zuordnen würde. 

Eure EP „Witches Rune“ aus dem Jahre 2006 klingt verdammt professionell und ausgereift. Welche musikalischen Erfahrungen habt Ihr im Vorfeld von Nion bereits gemacht?

Ich habe schon angedeutet, daß z.B. Siggi kein Unbekannter in der saarländischen Musikszene ist. Nicht viel anders verhält es sich bei Marc oder Torsten. Marc war schon in vielen Projekten beteiligt und ist ein anerkannter professioneller Schlagzeuglehrer. Torsten war auch schon Bassist bei Horus; ansonsten spielt er diverse Blasinstrumente und singt im Chor. Ich selbst habe Musik zwar nicht studiert, beschäftige mich aber schon mein ganzes Leben damit. Ich singe eigentlich, seit ich denken kann, ab-und zu habe ich auch Gesangs-und Klavierunterricht genommen.
Wir alle haben also schon vor NION auf jahrelange Erfahrungen im Live-und Studiobereich zurückblicken können.
Von Siggi und mir gibt es Texte und Musik, die vor unserer Zeit mit NION entstanden sind und nun erst Einzug in unser Werk gefunden haben.  

Der Name Nion ist keltisch. Erzähle doch bitte den Lesern, für was er speziell bei Euch steht!

Das Studio-Projekt hatte den Arbeitstitel „Priestess“. Als Band hat die Priesterin einfach einen Namen bekommen. Das wichtigste war, dass der Name unsere musikalischen Botschaften richtig „transportieren“ kann, die sich irgendwie zwischen Himmel und  Erde befinden. Sie versperren sich weder dem rein Materiellen noch den geistigen Welten, um zusammen ein mystisches Phantasiegebilde darzustellen.
Der keltische Name NION passt also sehr gut zu uns, denn er steht nicht nur für den heiligen Eschebaum , sondern auch für eine Verbindung zwischen den sichtbaren und unsichtbaren Welten, zwischen Innen und Außen usw.. Wenn man den Kelten Glauben schenkt, wurden viele Barden, Dichter, Magier und Sirenen in dem Mondzeichen NION geboren. Eine Priesterin mit dem Namen „NION“ soll es auch in Avalon gegeben haben. 

Eure Live-Shows heben sich auch aus der breiten Masse ab. Was kann derjenige, der Euch noch nicht gesehen hat, von einer Nion-Performance erwarten?

Der Zuschauer soll sich auf jeden Fall auf Überraschungen gefaßt machen.
Vielfalt wäre auch der richtige Begriff, denn wir bieten nicht nur die Songs, die schon für sich ziemlich verschieden sind, sondern die ganze Show dazu, geheizt durch ausgefallene Gitarren-, Drum- und Basssoli und gewürzt mit Elementen aus dem „Gothic-Bellydance“. Ob es gefällt, wird jeder selbst entscheiden müssen. Eines ist aber sicher: Wir lassen keine Langeweile aufkommen. Will man Abwechselung ist NION die beste Adresse. 

Ist schon abzusehen, wann mit Euer erstes ganzes Album zu rechnen ist?

Wir hoffen, daß es noch in diesem Jahr rauskommt; es sollen 13 Stücke drauf kommen, oder sogar mehr, denn inzwischen ist noch Einiges dazu gekommen. Der Titel „Firebird“ steht auch schon fest. Eigentlich ist die CD so gut wie fertig, inklusive des Artworks. Wer also den Mut hat, das neue NION-Album herauszubringen, hat eigentlich ein leichtes Spiel. 

Wie sieht’s im Allgemeinen mit Euren Zukunftsplänen aus?

Vor allem wollen wir hauptsächlich mehr live spielen und das komplette Album endlich veröffentlichen. Noch einmal alles selbst herauszubringen, wie wir es mit „Witches Rune“ gemacht haben, ist es aber nicht wirklich sinnvoll, denn unsere Musik braucht eine anständige  Plattenfirma und gute Vertriebswege. 

Zum Abschluss die 3 Standardfragen vom Dark Feather:  Wie seht Ihr die Entwicklung für Bands speziell in Subkulturen wie der Gothic- und Metal-Szene?

Die Metalszene hat den Vorteil, daß sich viele von Ihnen immer noch nicht so leicht von der Konsumindustrie hinters Licht führen lassen. Der Metal-Hörer ist in der Regel sehr anspruchsvoll und weiß genau, was er will und was nicht. Ähnlich verhält es sich auch bei den Gothics, wie wir finden. Der Untergrund ist eine gute Möglichkeit für eine Band, sich eine solide Fanbasis aufzubauen, ganz ohne Hype und Medienrummel. Daran kann man auch sehen, ob eine Band etwas taugt oder nicht.  

Welche Vor- und/oder Nachteile seht Ihr in großen Webcommunities wie z.B. myspace?

Wir sehen den Vorteil darin, dass man riesige Zuhörerschaaren erreichen kann. Interessierte Hörer können sich aus einem fast unendlichen Fundus Ihre Favoriten aussuchen, ohne von irgendwelchen Musikkonzernen beeinflusst zu werden. Das hat wieder einen Charme der Anfangstage, als sich der Underground über Tapes und Mundpropaganda ausbreitete..

Was waren bei Euch die bisher positivsten, schrägsten und was die schlechtesten Erfahrungen in der Musikwelt?

Die positivsten Erfahrungen machen wir immer mit den Fans unserer Musik. Erst vor Kurzem sind extra einige Leute aus Berlin (und wir sind im Saarland!!!) angereist, um eines unserer Konzerte zu sehen, obwohl sie nur unsere Musik aus dem Internet kannten.
Ansonsten gab es schon alles, schlechter Monitorsound, technische Pannen und ausgeschaltete Mikros. Der Clou hierbei ist es, die Situation souverän und mit Humor zu meistern.
 Schräg hingegen finden wir den aussichtslosen Kampf der Musikindustrie gegen die angebliche „Piraterie“. Anstatt auch mal Aspekte wie kostenlose Promo zu betrachten, wird hier einfach ein Sündenbock für schlechtes Geschäft (wegen minderer Qualität, etc.) gesucht, und mit dem Knüppel gegen die eigenen Kunden vorgegangen. In jeder anderen Branche hätte man sich stattdessen in Führungsetagen Gedanken gemacht, wie man die Produkte verbessern könnte, damit die Kunden auch bereit sind, wieder Geld dafür zu bezahlen. 

Ich bedanke mich für dieses Interview, die letzten Worte gehören dem Künstler! :

Wie war das: „Let me entertain you“.

... guter Slogan, könnte von uns sein...

Wer die Nase voll von der alltäglichen Monotonie hat, und aus der zum Teil tristen Realität ausbrechen will, kann bei NION viel Abwechslung und Zuflucht finden.

Ansonsten gilt:

ROCK 'N' ROLL!!!

Ist doch klar!

 

Nion CD Cover Nion „Witches Rune“  

Bereits die ersten Töne von dem Opener „Innocence“ beweisen uns, Nion ist eine Band, die sich nicht so einfach in Schubladen stecken lassen wollen. Auf „Witches Rune“ erwarten dem Hörer 4 Tracks, die alle eine enorme musikalische Vielfalt in sich bergen. Hier treffen sich Gothic mit Power-Metal, Mittelalter mit Melodic-Fantasy-Metal, Folk mit Shred. Die Songs wirken ausgereift, als wären sie lange Jahre vor der Veröffentlichung einer besonderen Kur unterzogen. In hoher Qualität werden alle Register sowie an Tempos als auch an Stimmungen gezogen, letztere reichen von keltisch mystisch vortragend bis hin zu ausbrechenden Headbanging-Attacken. Die Musiker um Gitarrist und Bandgründer Siggi Schüßler verstehen ihr Handwerk, soviel ist klar, man merkt es den Songs und der Produktion an. Über den grossartigen Songstrukturen glänzt dann obendrein eine unglaublich vielseitige Stimme von Sängerin Marzena.  Wenn man in 4 Tracks mit einer Spielzeit von gut achtzehn Minuten bereits soviel transportieren kann, wirft sich die Frage unweigerlich auf, wann kommt endlich das ganze Album raus. Aber es  ist ja bereits am entstehen, wie wir im Interview erfahren haben, insofern lehnen wir uns solange in (Un)geduld zurück und lauschen den Tönen von „Witches Rune“…Reinhören!

visit: www.nionmetal.de

 

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