Noir

Das Leben zu Tode reiten

Hinter NOIR stecken sowohl die Person, Sänger, Gitarrist und Bandgründer Markus P., als auch die gesamte Band welche mit ihrer Nightmare Poetry im Untergrund für einige Achtungszeichen sorgen. Ihr Konzept basierend auf die Umsetzung verfasster Kurzgeschichten  durch dunkle Reisen zu den Tiefen der Seele gekleidet im musikalischen Gewand, der da Stoff von Gothic über Rock bis Alternative in sich trägt, lässt mehr als aufhorchen. Ein erstes Demo ist bereits fertig, ein ganzes Album in Planung. Das bisher Gehörte weckt große Neugier und Markus lies uns schon mal ein wenig in die Welt von NOIR eintauchen.

 

 
Dark Feather Ausgabe 3

Hallo Noir, das Dark Feather bittet um eine kurze Vorstellung, wie sieht Eure aktuelle Besetzung aus?

 Momentan sieht es so aus, dass Zeist/ Igor die Lead Gitarre spielt, Opiate/ Marvin hinterm Schlagzeug sitzt und ich (Noir/ Markus) die zweite Gitarre spiele und singe. Einen festen Bassisten bzw. eine feste Bassistin haben wir leider nach wie vor nicht. Zur Zeit hilft Lars von Minerva am Bass aus, ein guter Freund der Band. Bewerbungen sind uns jederzeit willkommen.

Seid wann bereits umgarnt Ihr die Szene mit Eurer „Nightmare Poetry“?

 Das Projekt als solches gibt es schon seit 2005. Allerdings war es damals eher ein Soloding. Als „echte“ Band sind wir jetzt seit etwas mehr als einem Jahr unterwegs und es ist ein wahnsinnig gutes Gefühl die Verantwortung nicht mehr alleine zu tragen. Der Freiraum zur künstlerischen Entfaltung wächst dadurch einfach merklich an. 

Ihr beschreibt die derzeitige hiesige Situation mit „Das Abendland befindet sich in einem Zustand selbstgefälligster Saturiertheit und Stagnation.“ Ein Punkt indem mit Sicherheit Viele Übereinstimmung finden. Erzählt doch bitte einmal den Lesern, was konkret Ihr damit ausdrückt?

 Dieser Zustand von Saturiertheit und Stagnation ist so präsent in unserem alltäglichen Leben, dass wir ihn schon fast nicht mehr wahrnehmen. Und genau da beginnt das Drama. Jeder der ab und an mal mit einem wachen Verstand in den Fernseher schaut muss erkennen, dass irgendwas in dieser Gesellschaft nicht mit rechten Dingen zugeht. Die meisten so genannten „Promis“ sind dumm, laut, haben nicht das geringste zu sagen und werden verehrt wie Götter. Es sind genau diese Momente in denen es mir vorkommt, als lebe ich in einer Welt voller Irrer, die nicht mehr in der Lage sind zu fühlen, aufgeklärt zu denken und wirklich zu leben, sondern die nichts anderes tun als ihr in strengen Bahnen gelenktes Leben „hinter sich zu bringen“. Der Konsum als oberster Selbstzweck hat die Menschen krank gemacht, er hat sie zu einer erkalteten dumpfen Masse verkommen lassen. Wir als Band verachten diesen Zustand, dieses Verbrechen gegen die Menschlichkeit und deswegen kritisieren wir es und versuchen ein Gegenbeispiel zur Plattitüden-Gesellschaft zu sein.

Noir 1

Interessant ist auch Eure Aussage „Reiten wir dieses Leben zu Tode.“ Wie sieht hier im Besonderen der Kontext zu Noir aus?

 Für uns stellt sich das Leben als eine Art Fluss dar, als ein Strom, eine ständig in Vorwärtsbewegung befindliche Energie. Die meisten Menschen lassen sich von diesem Strom mitreißen. Wir wollen die Zügel lieber selbst in der Hand haben. Anstatt uns in soziale Kontexte einzufügen, kritisieren wir sie. Anstatt Religion als letzte Antwort zu akzeptieren, lehnen wir sie ab und treten mit philosophischem Geist dem Chaos der Realität gegenüber. Und verdammt noch mal, wir ziehen das Maximum an Emotion und Erkenntnis aus jeder Sekunde dieses Lebens. Diese Attitüde beinhaltet definitiv auch Selbstzerstörung, aber begreift sie als eine Liebeserklärung an die Emotionen in uns. An die positiven und besonders an die negativen, die oftmals die stärksten sind.  

Markus, Deine Texte beinhalten Kurzgeschichten, die Stoff aus den tiefsten Abgründen der Seele an die Oberfläche ziehen. Welchen Prozess durch“schleichst“ Du, bis Deine Gedanken in endgültiger Form die Lyrics von Noir ergeben?

 Das kann sehr unterschiedlich sein. Oftmals verspüre ich einen inneren Druck. Gedanken und Emotionen schweben mir für Tage und Wochen durch den Kopf, quälen mich in gewisser Weise und bereichern mich in einer anderen. Oftmals äußern sie sich auch in heftigen Alpträumen (daher Nightmare Poetry). Irgendwann ist ein gewisser Punkt gekommen, und meine Hand wandert wie von selbst zu Gitarre und dann singe ich einfach. Ich singe direkt aus meinem Unterbewusstsein, lasse die Worte ihren Platz in dieser Realität finden. Das ganze nehme ich auf, füge einige Ideen ein, die meiner Meinung nach noch Fehlen und schon hat man eine perfekte Synthese aus Alptraum und Poesie.  

Demo-Aufnahmen gibt es bereits von Euch, für wann ist ein ganzes Album geplant?

Die Aufnahme eines Albums scheitert zur Zeit in erster Linie an den Finanzen. Sobald unser neuer Song „Melancholia“ fertig gestellt ist, wird an einem Album gearbeitet. Wann und wie wir dieses Veröffentlichen können, hängt von vielen Faktoren ab. Wir hoffen jedoch, dass es bald geschehen wird und freuen uns über jede Unterstützung in Form von Konzertbesuchen.  

Was sind eure weiteren Pläne, wann und wie kann man euch live erleben?

Unsere Pläne lauten in erster Linie: Auftreten, auftreten, auftreten. Wir sind wahnsinnig heiß darauf viele Konzerte zu spielen. Bis jetzt stehen von März bis Mai einige Gigs Im Münsterland und im Ruhrgebiet an. Im September werden wir eine Mini-Tour mit Alive Inc. aus Frankreich spielen. Genaue Daten erfahrt ihr unter www.myspace.com/officialnoirmusic. 

Zum Abschluss die 3 Standardfragen vom Dark Feather:

 Wie seht Ihr die Entwicklung für Bands speziell in Subkulturen wie der Gothic- und Metal-Szene?

 Nun ja, wenn man wirklich hoch hinaus will ist es irre schwer, vor allem dann wenn man nicht bereit ist in Bezug auf seine Ideale Kompromisse zu machen. Aus Liebe gemachte Musik ist nicht leicht an den Mann zu bringen, umso besser ist es dass die Leute in den einschlägigen Szenen nach Musik abseits des Mainstream suchen und so die Chancen für Bands verbessern, die niemals auf MTViva laufen werden.

Noir 2

Welche Vor- und/oder Nachteile seht Ihr in großen Webcommunities wie z.B. myspace?

 Der Vorteil ist die Existenz einer Plattform auf der sich jeder, unabhängig davon wie tauglich er für den Verkauf ist, musikalisch präsentieren kann und Feedback für seine Musik bekommt. Schwierig ist jedoch, dass die Menschen verlernt haben richtig hinzuhören, bzw. das bei der Masse an Bands nicht mehr können. So ist es wesentlich schwerer überhaupt wahrgenommen zu werden. 

Was waren bei Euch die bisher positivsten, schrägsten und was die schlechtesten Erfahrungen in der Musikwelt? 

Unser erster Gig in Dortmund bei Rock the Heighnight war eine mittlere Katastrophe. Der Gesang fehlte bei den ersten Songs völlig und aus den Monitoren war nichts zu hören außer einem ekelhaften Kreischen, wodurch auf der Bühne außer dem Schlagzeug kaum etwas zu hören war. Irgendwann während des Konzertes kam dann ein Freund auf die Bühne, völlig betrunken, und sagt dass der Sound beschissen sei. Nicht notwendig zu sagen, dass wir den Abend gerettet haben in dem wir uns auf Kosten des Veranstalters heftig betrunken haben.   

Ich bedanke mich für dieses Interview, die letzten Worte gehören dem Künstler! : 

Hoffentlich sehen wir uns mal auf einem Konzert. Bis dahin: Think or die.

visit: www.myspace.com/officialnoirmusic

 

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