Ragnaröek

Stillstand ist der Tod

Die Mecklenburger Mittelalter-Rocker von Ragnaröek veröffentlichen dieser Tage Ihr Debüt-Album "Rache", mit welches sie bei SMP/Trollzorn Anklang fanden und unterschrieben haben. Erst seit gut drei Jahren auf Reisen durch die Landschaft der Muse unterwegs sind sie auf ihrem Weg somit schon recht weit gekommen und Rastlosigkeit steht auch weiterhin nicht zur Debatte. Doch "lauschen" wir ihren eigenen Worten... 

 
Dark Feather Ausgabe 3

Hallo Ragnaröek! Stellt Euch zu Anfang doch bitte den Lesern, die Euch noch nicht kennen, einmal kurz vor! 

Mmmh, Ragnaröek. Das ist ein ewig wachsender Moloch! Fünf der Kumpane spinnen die Musik, der Schmied treibt sie mit dem Klang seines Eisens ins Getümmel und die Elfengleiche macht allen Feuer unterm Arsch! Junker Long John, das all sehende Auge, ist Bewahrer des Gewesenen und Kreativus für den Ruf in die Weiten dieser Welt. Über allen thronen die Herrin und der Pate. Der Rest des Trosses wird mit ehernen Hand von der Brutmutter zusammengehalten. Schlussletztlicher Kitt ist ein Likör aus Hühnerembrionen, der eigens von einer uns wohlgesonnen Hexe für uns gebraut wird. Dazu kommen Spiellust, Freude an Festen und natürlich Freundschaft. Schier endlos ist die Schar derer, die mit uns diesen kraftvollen Moment Leben verbringen und jeder sei hiermit geladen, dabei zu sein.

Ragnaroeek 1

Heiden muss man den Namen Ragnaröek ja nicht mehr groß erklären. Dennoch, was bedeutet er speziell für Euch? 

Stillstand und Bequemlichkeit müssen immer wieder bekämpft und zerstört werden, um aus diesen Ruinen etwas Neues, Spannenderes zu bauen. Jeder sollte ab und an das Chaos in sich loslassen, um die fade Ordnung die uns durchs Leben zwingt, ertragen zu können. Also nieder mit den alten Götzen und werdet selbst kreativ.

  

 

Ihr habt grade Euer erstes offizielles Release „Rache“ fertig gestellt, welches Ihr demnächst auf das Volk loslassen werdet, wie waren die Vorabreaktionen bisher? Seid Ihr zufrieden? 

Wir sind ja noch nicht so lange, dafür aber recht intensiv unterwegs. Der Ruf nach etwas Mitnehmbaren von uns wurde immer lauter. So haben wir uns bemüht, dem nachzukommen. Die Anhängerschar ist bisher hoch erfreut, ob des Erlauschten. Offizielle gaben sich unterschiedlich, doch zumeist recht positiv. Letztendlich bleibt alles ein Teil des Abenteuers und die Zeit wird zeigen, was die Saat einbringt.

„Rache“ erklingt für mich erfreulich abwechslungsreich und reif. Wie gestaltete sich der Entstehungsprozess zu diesem Output?

 Tja... Melodien wurden von den Musikbeteiligten dargereicht, Texte tatkräftigst hervorgewürgt, es wurde geliebt, verworfen, neu geschaffen, arrangiert, geschwitzt gestritten und... aufgespielt! Lieder passieren einfach, manchmal sitzt man ewig und nichts will kommen. Dann knallt es und die Quelle sprudelt. Trotzdem ist es nicht leicht, die wichtigsten Eindrücke aus sich herauszulauschen. Um es mit den Worten der Ärzte zu sagen, „wir spielen die Lieder, die wir selbst immer schon mal hören wollten“. 

 Welche tiefgreifenden Veränderungen gab es seit Eurer selbstbetitelten und in Eigenvertrieb veröffentlichten Demo-CD bis zu nun „Rache“? 

Jede Menge! Die Mannschaft war noch wechselhaft, die Bühnen wurden größer, die Ideen kostspieliger. Der Anspruch wächst ja immer mit. So richtig zufrieden sind wir fast nie: „da geht noch was!“. Man darf nicht feige sein und muss sich immer wieder stellen, vor allem sich selbst. Dann bewegt sich was, dann wird es gut. 

Hat der Album-Titel „Rache“ eine spezielle Bedeutung für Euch? Warum habt ihr gerade diesen Songtitel auch zum Albumtitel erhoben? 

Der Song beinhaltet für uns den Sieg über Unfreiheit und Mauern. Niemand hält uns fest oder er muss sich uns Stellen. Es gibt oft zu viele Gesetze und zu wenig Gerechtigkeit. Wer sehnt sich da nicht schon mal danach, die Dinge einfach mit dem Schwert in der Hand zu klären und am Ende stolz an den Feuern von seinen Abenteuern zu berichten. 

 Erzählt doch bitte mal unseren Lesern, was Ihr mit Euren Lyrics generell zum Ausdruck bringt!

 Vieles fließt ein, dunkle Sehnsüchte, Alpträume, Abenteuerlust, Erlebtes und alte Geschichten aus anderer Sicht. Letztendlich erzählen wir alles so, dass der Zuhörer Platz für eigene Bilder und Phantasien hat.  

Wie kam es zu dem Kontakt und zur Zusammenarbeit mit SMP-Records?

Auf dem Hörnerfest 2007 konnten wir uns in die Ohren dieser edlen Gesellen spielen. Worauf sie uns ermutigten und unser Erstlingswerk über ihren Onlineshop vertrieben. Als Rache fertig war wurde daraus mehr. Man nahm uns freundlichst und vollends mit einem Kontrakt in die Trollzorngemeinschaft auf.

Euer erstes Konzert absolviertet Ihr im Sommer 2005, seither hat sich ja schon so einiges bei Euch getan, wie seid Ihr insgesamt mit den knapp dreieinhalb Jahren Ragnaröek zufrieden? 

Zufriedenheit ist etwas für alle, die einpacken wollen. Aber ja, es war bisher oft so, dass wir inne hielten und dachten, das ist unglaublich! Doch wie gesagt: „da geht noch was!“  

Ich möchte noch mal kurz auf Eurem Bandnamen zurückkommen. Ihr seid ja nicht die einzigen Musiker, die diesen Namen tragen, andere Bands unterscheiden sich lediglich durch die Schreibweise. Habt Ihr keine Befürchtungen, dass es zu Verwechslungen kommt, grade auch in Hinsicht wachsenden Erfolges Eurerseits?

 Klar geht uns das schon mal mächtig aufs Gekröse, aber der Name hat einfach Kraft. Wir müssen uns einfach bemühen zu zeigen, dass wir auch die Verkörperung desselben sind. Nichts ist geschenkt, aber das spornt uns nur noch mehr an!  

Wie sehen Eure Zukunftspläne aus, was kommt nun nach Veröffentlichung der „Rache“?

 Wir basteln gerade an neuen Songs und sind dabei, die Bühnenshow zu überarbeiten. Außerdem hat die Erdenscheibe noch zu viele weiße Flecken in Puncto Präsenz der Barden. Die Aufgaben der Gemeinschaft sind mannigfaltig und somit ist Rastlosigkeit angesagt.

Zum Abschluss die 3 Standardfragen vom Dark Feather:  Wie siehst Du / seht Ihr die Entwicklung für Bands speziell in Subkulturen wie der Mittelalter-, Gothic- und Metal-Szene?  

Wir sind doch kein Orakel! Viele haben ihren Spaß an handgemachter Musik, die auch mal so richtig kracht. Es steht immer die Frage, wie weit kann sich so eine Szene entwickeln und sich neu erfinden? Ist überhaupt Raum für Neues oder werden nur sichere, altbewährte Wege beschritten. Für uns bedeutet Stillstand Tod! Und Langeweile kann man daheim am Fernsehendgerät zelebrieren.

Ragnaroeek 2

Welche Vor- und/oder Nachteile siehst Du/seht Ihr in großen Webcommunities wie z.B. myspace?

 Das sind die neuen Marktplätze, man trifft dort Leute, schmiedet und pflegt Kontakte...Und man kann sich leicht einen Eindruck verschaffen, wie groß der Ozean ist auf dem  man schippert. 

Was waren bei Euch die bisher positivsten, schrägsten und was die schlechtesten Erfahrungen in der Musikwelt? 

Positiv ist natürlich die Energie der Leute, von da geht alles aus. Wichtig ist, dass man nicht abhebt und seinen Spaß an dem Treiben behält, einfach rein in die Massen und abfeiern! Haben dabei auch „ganz schöne“ Schnösel kennen gelernt, aber die schießen sich wohl irgendwann selbst ab.

Ich bedanke mich für dieses Interview, die letzten Worte gehören dem Künstler! : 

Sodann wünschen wir allen ein stets gut gefülltes Glas, einen leuchtenden Funken Leben im Auge und genug Hummeln im Hintern, um immer wieder aufzubrechen und das Leben zu erleben. Horns up! Der Fährmann und seine Mannschaft.

 

Ragnaroeek CD Cover Ragnaröek „Rache“ (2009, SMP-Records)

„Für Fans von In Extremo und Subway to Sally“ verkündet die Info zum Debüt-Album der Mecklenburger Mittelalter-Rocker Ragnaröek. Dieses ist definitiv richtig; wer nun aber glaubt, hier ist eine weitere Kopie jener Szene-Größen am Start, der irrt gewaltig. Erfreulich eigenständig, abwechslungsreich und frisch ertönt dieses Album durch die Boxen. Wobei mir besonders positiv auffällt, das hier die Rockelemente nicht wie bei vielen anderen Bands dieses Genre’s einfach durch ein simples „Achtelnotenriff“ oder andere tausendmal kopierte „Hilfsmittel“ durch den Generator gejagt werden, sondern man auf sehr vielschichtige Stile der gitarrenorientierten Musik zurückgreift. Da lässt man hier etwas Rock, dort ein wenig Ska durchblicken; hier dominiert der Metal, ein anderes Mal schweift man gar in akustische Liedermacherparts ab. Im nächsten Moment gibt es dann wieder volles Brett. Alles natürlich mit den typischen Mittelalterelementen gepaart. Keines der Stile ist hier aber dominierend, alles schmilzt zu einer wohltuenden Einheit zusammen. Das Ganze kommt in einem ungemein druckvollen, frischen und zeitgemäßen Sound daher. Ich hätte nicht gedacht, das ich auf diesem musikalischen Gebiet nach zahlreichen Veröffentlichungen noch überrascht werden könnte, Ragnaröek aber haben mit diesem Album das Gegenteil bewiesen. Wenn es überhaupt etwas negatives an diesem „11 Song – Release“ zu sagen gibt, dann wäre da die Tatsache, daß die Spielleute sich mit „Rache“ die Meßlatte für da kommendes selbst extrem hoch angesetzt haben. Aber das ist ja nun nichts wahrlich Negatives im Sinne des Wortes… Für Fans von In Extremo, Subway to Sally… und nicht nur jene: Reinhören!!

visit: www.ragnaroeek.de

 

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