Hallo Christian, erst einmal herzlich Willkommen beim Dark Feather! Wie ist die Stimmung im Moment.,eher ruhig nach Winterlight oder „aufgewühlt“ in Richtung Sycronomica? :-)
Also im Moment wohl eher ruhig, weil ich mich übers Wochenende erkältet hab. Der Winter ist wohl doch nicht so light, wie ich dachte :-) |
| Du hast mit Winterlight ein Projekt ins Leben gerufen, welches meiner Meinung nach in beeindruckender Weise der Musikwelt beweist, das man mit geringer Instrumentierung, ähnlich wie Empyrium und Co., eine große emotionale Dichte erschaffen kann. War es von Anfang an Dein Anliegen unter dem Motto „weniger ist mehr!“ zu agieren oder hat es sich einfach nur in diese Richtung entwickelt?
Ich denke, da hab ich wohl aus der Not eine Tugend gemacht, wenn ich im Nachhinein so drüber nachdenke. Ich kann ja leider „nur“ Gitarre spielen und vielleicht noch etwas singen. Deswegen habe ich auch von vornherein gar nicht erst versucht mehr Instrumente mit ins Boot zu holen. Ich habe mich also nicht bewusst dazu entschlossen wenig Instrumente zu verwenden, sondern hatte einfach keine andere Wahl, glaub ich. Ich bin aber trotzdem sehr zufrieden mit dem Ergebnis.
Das kannst Du auch! Du hast die Idee von Winterlight bereits vor ungefähr 15 Jahren ins Leben gerufen und nahmst dann schließlich im Jahre 2006 „Aus der Dunkelheit“ auf. Soweit ich weiß wolltest Du erst einmal abwarten bis Du die technischen Möglichkeiten hattest, es selbst zu produzieren. Gab es da nicht auch mal einen Punkt, wo du daran gedacht hast, doch in ein „fremdes“ Studio zu gehen oder hattest Du Deine Geduld immer unter Kontrolle? |

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Das Problem an Studios sind die immensen Kosten. Alleine kann man sich meist nicht mehr als ein paar Tage leisten, wenn überhaupt. Es kommt zum Aufnehmen ja noch das Nachbearbeiten und Mastern dazu. Ich hab für mein Album „Aus der Dunkelheit“ ungefähr 6-7 Monate gebraucht, allein schon weil ich auch nicht immer daran arbeiten konnte. Viele kompositorische Dinge merkt man erst, wenn man sich das ganze „mal anhören“ kann. Sicher wäre ich gern schon viel früher in ein professionelles Studio gegangen, aber das Ergebnis wär wohl nicht gut gewesen. Das hab ich aber damals schon geahnt glaube ich, weswegen dann die Versuchung auch nicht wirklich groß war. Allerdings hatte ich vor 15 Jahren keinen blassen Schimmer, dass es mal möglich sein würde in seinem Zimmer mit einem Laptop und 2 Mikrofonen was Anständiges aufzunehmen. Ich hab also nicht drauf gewartet bis die Technik soweit ist, sondern bin einfach nur nicht in ein Studio gegangen. Irgendwann hab ich mich dann halt sehr gefreut, dass ich das auch gar nicht mehr musste.
Der Name „Winterlight“ beschreibt meiner Ansicht nach exakt die Musik. Anfangs hattest Du dieses musikalische Kind aber „Demens“ genannt, was ich persönlich nicht unbedingt mit Deiner Musik assoziiere, klang denn „Winterlight“ früher einmal noch ganz anders oder was war der Grund der damaligen Namensgebung?
Nein, demens klang nicht anders als Winterlight. Das erste Lied auf der jetzigen CD ist ein demens-Lied. Demens ist ein Adjektiv aus dem Lateinischen und heißt wahnsinnig. Ich hab „demens“ auch nur in diesem Sinne gesehen und nie sinnemäß mit sowas wie Altersdemens als Krankheit verbunden. Das hätte eine ganz andere Thematik getroffen. Ich hatte damals schwierige Zeiten und mir ging es nicht gerade gut. Der Name „Aus der Dunkelheit“ spiegelt mit seiner (ursprünglich nicht beabsichtigten) Zweideutigkeit die Entwicklung aber ganz gut wieder: Im Sinne von Erinnerungen an die Zeit aus der Dunkelheit und die Bewegung aus der Dunkelheit heraus.
Du hast zwischendurch auch zweimal jeweils mit einem Mitmusiker zusammengearbeitet, war es für Dich immer klar, das Du Winterlight notfalls auch alleine ans Licht der Öffentlichkeit bringst?
Ja.
Apropos alleine…wie sieht es mit Livepläne aus, reizt es Dich nicht mit Gastmusikern Dein Projekt auf die Bühne zu bringen oder ist und bleibt Winterlight ein Studioprojekt.
So wie‘s im Moment aussieht, bleibt Winterlight wohl ein Studioprojekt. Das Problem ist, dass es sehr schwierig wäre, die Lieder live derart umzusetzten, dass sie sich auch noch nach etwas anhören, weil ich teilweise mehr als 4 Gitarren verwendet habe. Prinzipiell wäre es natürlich schon möglich, aber im Moment versuche ich gerade mein Studium fertig zu bekommen und hätte leider nicht die Zeit, das Material dementsprechend zu bearbeiten geschweige denn Livemusiker zu suchen. Die zwei Freunde mit denen ich früher zusammen gespielt habe, zuerst Dominik Stenger und später Emmerich Tempfli, sind leider inzwischen beide außer Reichweite. Dominik studiert in Leipzig, Emmerich in Heidelberg.
Du bist, wie ich eingangs schon einmal kurz durchblicken lassen habe, auch als Gitarrist in der Band Sycronomica involviert, welche eher den epischen Black Metal frönt. Ist Winterlight für Dich der Gegenpol, den Du brauchst?
Das Gitarrespielen, sowohl elektrisch also auch klassisch, ist für mich unglaublich wichtig. Ich schöpfe daraus sehr viel Ruhe, mentale Stärke und Ausgeglichenheit. Sowohl Sycronomica, also epischer und bisweilen ziemlich harter Blackmetal, als auch das Spielen auf der klassischen Gitarre sind für mich eine Art Ausgleich. Manchmal muss man sich eben auch von Ruhe erholen, allerdings kann ich mit Winterlight auch immer alleine arbeiten, wenn ich das will. Das kann ein riesenVorteil sein. Für Sycronomica brauche ich immer noch jemand anderen (muss aber nicht unbedingt immer ein Nachteil sein). Gerade beim Spielen auf einer klassischen Gitarre kann ich mich aber sehr gut entspannen. Beides ergänzt sich halt immer irgendwie...
Wie sehen Deine weiteren Pläne aus, schreibst Du neue Sachen für Winterlight?
Ich denke schon. Jetzt ist allerdings erst mal mein Studium dran. Nur aufhören zu musizieren werde ich wohl erst wenn ich tot bin. Vorher muss ich doch noch so viel machen :-)… Allerdings muss ich sagen, dass ich auch manchmal damit liebäugle eine CD mit Dark- oder doomigem Blackmetal mit Winterlight zu produzieren. Meine musikalischen (Metal-)Anfänge stammen ja aus dieser Richtung (SEHR frühe Katatonia, Tristania etc.). Das steht aber noch in den Sternen. Wenn wird’s aber vermutlich bei einer CD mit Doom-Metal bleiben, Winterlight ist eigentlich ein rein akustisches Projekt.
Zum Abschluss die 3 Standardfragen vom Dark Feather: Wie siehst Du die Entwicklung für Bands speziell in Subkulturen wie der Metal-, Folk-, und Gothic-Szene?
Das ist wirklich schwer zu sagen, finde ich. Gerade, weil ich keinen wirklichen Überblick über die Szene besitze Hört sich jetzt vielleicht komisch an, is aber so. Das einzige, was ich finde ziemlich sicher sagen zu können, ist dass ich den starken Eindruck habe, dass das Publikum immer jünger wird. Von diesem „Szenesterben“ von dem einige reden konnte ich bis jetzt eigentlich so überhaupt nichts merken… |
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Welche Vor- und/oder Nachteile siehst Du in großen Webcommunities wie z.B. myspace?
Naja, wenn jemand Winterlight überhaupt kennt, dann glaub ich über myspace (www.myspace.com/lightofwinter). Generell fühle ich allerdings in mir den starken Drang mich diesen Webcommunities, speziell aber den dort gängigen Verhaltensweisen und Umgangsformen komplett zu verschließen. Es ist immer möglich nur einen falschen Eindruck von dem ganzen zu haben, aber das ist mir irgendwie alles zu schnelllebig und ungebunden. Manche sagen ja auch, sie sind frei und tanzen nur wie Blätter durch den Wind… ich frag mich da aber oft, ob es nicht einfach nur leichter ist, sich sowas einzureden…
Was waren bei Dir die bisher positivsten, schrägsten und was die schlechtesten Erfahrungen in der Musikwelt?
Da fallen mir eigentlich nur Rauf-und-Sauf-Geschichten von Sycronomica ein. Na gut eigentlich eher mehr Sauf als Rauf. Eigentlich immer Sauf, außer vielleicht… neee, da haben wir auch nur gesoffen... Jedenfalls hat man mir das später so erzählt. |
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| Zum Beispiel haben wir mal in Passau mit Endstille und Graveworm und tags drauf in Hof mit Cryptic Wintermoon gespielt. Dabei haben wir in Passau in der Veste Oberhaus übernachtet. Wer die kennt, weiß, dass wenn man mit dem Auto auf der falschen Seite parkt, so wie wir, ziemlich weit durch die Kälte laufen muss. Als wir dann endlich oben waren, und angestoßen haben, ist bei Robin, unserem Basser, das Bier übergeschäumt und da er nicht mit ansehen wollte, wies zu Boden tropft, hat er den Schaum und die Glassplitter, wie wir später gemerkt haben, gleich mitgetrunken. Nachdem er dann mit „Ich glaub mir steckt da was im Hals…“ klar gemacht hat dass was nicht stimmt, sind wir zu dem Schluss gekommen, dass es vielleicht einen vorsichtigen Versuch wert wäre, das „was“ rauszuhusten. Als dann auch gleich Blut kam, war ich ganz froh dass ich noch nichts getrunken hatte und deshalb noch fahren konnte. Nachdem wir dann kurz beratschlagt hatten was zu tun sei, hab ich ihn ins Krankenhaus gefahren, wobei das Navi „die kürzeste Route“ sehr eigenwillig interpretiert hat und mich sogar über Treppen lotsen wollte. Aber in so einem Moment hat man für so einen Mist natürlich größtes Verständnis… Die Geschichte hat jedenfalls so geendet, dass bei einer Magenspiegelung nichts mehr gefunden wurde, unser Basser jetzt aber wegen seinem Versuch sich seine eigene Kehle von innen mit Bier durchzuschneiden, den Spitznamen „Blutkehlchen“ abbekommen hat. Wir haben alle sehr gelacht, nachher jedenfalls…
Ich bedanke mich für dieses Interview, die letzten Worte gehören dem Künstler! :
Also abschließend will ich mich noch bei allen bedanken, die mir mit Winterlight geholfen haben. Speziell meine Eltern für die Unterstützung, mein Bruder Thomas für die Photos und die damit verbundene Mühe und Michael Bayer für das Artwork von „Aus der Dunkelheit“. Und vielleicht noch ein Kommentar an alle Leser/Innen: auf www.myspace.com/lightofwinter könnt Ihr Euch was von mir anhören und auch eine CD „bestellen“. Und auf www.myspace.com/sycronomica könnt Ihr Euch was von meiner Band anhören. Also wenn Euch langweilig ist, surft mal vorbei, ein bisschen Sport tut immer gut. Und zum Schluß noch ein großes Dankeschön an alle von Dark Feather für das Interview! Hat mich sehr gefreut. Ich wünsch Euch noch viel Glück weiterhin.
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Winterlight „Aus der Dunkelheit“
Das man mit „Weniger“ tatsächlich MEHR erreichen kann, beweist uns Winterlight oder besser gesagt, der Mann hinter dem Projekt: Christian Metz. Schon als ich zum ersten Mal die Songs der vor mir liegenden CD „Aus der Dunkelheit“ zu hören bekam, erfasste mich eine gewisse Mystik, die mich so schnell nicht mehr losließ. „Lediglich“ mit Akustik-Gitarre(n) und zum kleinen Teil und weit im Hintergrund schwebenden Chorgesängen erschafft er eine Atmosphäre, die seines Gleichen sucht. Stets von Einsamkeit, Melancholie und Hoffnung umgeben, nimmt uns die Musik mit, auf eine weite Reise. Kunst in seiner reinsten Form trifft jegliche Beschreibung der acht Songs (plus hidden Track). Ein Album, das nicht nur für Freunde von Empyrium, Ulver und Co. und auch nicht nur für kalte Winterabende gedacht ist. Obendrein runden ein schönes und der Stimmung der Musik zugewandtes Cover und Booklet dieses wundervolle Werk ab!...
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| visit: www.myspace.com/lightofwinter |
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