Hallo Benjamin! Man kennt Dich unter dem Namen Krähenfürst und Du bist der künstlerische Vater von Engelsblut. Gibt es oder gab es da mal noch weitere Personen hinter diesem Projekt?
Nein. Engelsblut war, ist und wird wahrscheinlich immer ein Solo-Projekt sein. Hier und da hat es aber auch schon Zusammenarbeiten mit anderen Künstlern gegeben. |
Engelsblut besteht in seiner Urform bereits seit mehr als zehn Jahren. Wie fing das alles mal an?
Das ist eine lange Geschichte. Ich fing schon mit 12 Jahren (das war 1995) an, Songs mit 2 Kassettenrekordern aufzunehmen. 2 deshalb, weil man beim Überspielen auf den anderen Kassettenrekorder eine weitere Tonspur einspeisen konnte und so hatte ich schon recht früh die Möglichkeit, "mehr" aus meiner Musik heraus zu holen. Neben einigen - grausamen- eigenen Songs nahm ich damals größtenteils Cover-Versionen von Beatles-Songs auf. Irgendwann nahm der Anteil meiner eigenen Songs überhand und ich überlegte mir einen Künstlernamen für dieses Projekt. Ich war großer Fan des "Herrn der Ringe" von J.R.R. Tolkien. Nach einem in Mittelerde verlaufenden Fluss nannte ich mein Projekt "Brandywine".
Neben meinem eigenen Projekt war ich immer mal wieder als Sänger/Songwriter in kleineren Bands tätig. |
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So landete ich irgendwann auch in einer Band, die sich selbst den Namen "Autumnory" gab und eine Mischung aus Black- und Melodic-Metal Musik erschaffen wollte. Ich produzierte daheim einige Demos für die Band, die musikalisch schon sehr dem frühen Engelsblut-Stil ähnelten. Schnell wurde die ursprüngliche Ausrichtung der Band zu meinen Gunsten verändert. Aber wie viele Bandprojekte scheiterte auch Autumnory an mangelnder Disziplin bei den Proben. Es war schwierig, alle Mitglieder zu festen Terminen zusammen zu trommeln.
Nach dieser ernüchternden Erfahrung beschloss ich, vorerst wieder alleine Musik zu machen. Meine eigene Musik unterlag natürlich den Einflüssen der Musik, die ich privat mittlerweile hörte. Da waren viele Bands aus dem Gothic/Mittelalter - Genre dabei. Als ich eine Reihe neuer Songs geschrieben und produziert hatte, wurde mir bewusst, dass der Name "Brandywine" nicht mehr zu meinem neuen Stil passte. Die Musik hatte sich über die Jahre hinweg einfach zu stark verändert, um den gleichen Namen tragen zu können (heute sehe ich so etwas ein wenig anders). Ich überlegte hin und her und kam schließlich auf den Namen "ENGELSBLUT". Das war 1998. Von der Band "Blutengel" wusste zu diesem Zeitpunkt weder ich noch ein Großteil der Musikwelt etwas, denn sie wurde im gleichen Jahr gegründet. Dass diese Projekte so ähnliche Namen tragen, ist also reiner Zufall. Musikalisch könnten wir nicht unterschiedlicher sein, Chris Pohl und ich.
Die ersten Veröffentlichungen gab es damals auf einem Internetportal namens "Virtual Volumes" (ich bin mir bei dem Namen nicht mehr so sicher). Nach den mich überwältigenden Reaktionen meiner ersten Hörer war ich kaum noch zu bremsen. So fing alles an.
Wenn ich mir Deine bisherige Veröffentlichungsliste anschaue…das ist ja „Wahnsinn“! Wieviel Alben und Songs hast Du bisher genau produziert?
Es sind in der Tat eine ganze Menge. Und ich habe davon nur einen Teil im Internet veröffentlicht. Zur Zeit sind bei www.mp3.de ca. 20 Alben mit ungefähr 200 Songs veröffentlicht und kostenlos vefügbar. Auf meinen Festplatten schlummern mittlerweile genau 468 ENGELSBLUT-Songs. Einiges davon ist "Ausschussware" oder sehr experimentelles. Ca. 70 Songs verteilen sich aber auf das aktuelle Album "Ich, Krähenfürst" und das kommende Doppelalbum "Abschiedsbrief". Es ist also für die nächste Zeit vorgesorgt. Es wäre mühselig, 200 sich sehr ähnelnde Songs eines Künstlers zu produzieren aber auch zu hören. ENGELSBLUT hat sich glücklicherweise im Laufe der Jahre sehr gewandelt und so wird dem Hörer schon etwas Vielfalt geboten. Vergleicht man meine aktuellen Songs mit denen meiner ersten Alben, könnte man meinen, es handele sich dabei um verschiedene Bands diverser "dunkler" Genres.
Dabei beschränke ich mich musikalisch selten auf irgendwelche Genres. Es gibt Folk, Mittelalter, Rock, Electro, EBM, Darkwave, Klassik - alles, wozu ich Lust habe und was meiner Meinung nach dem "Sinn" eines Liedes förderlich ist. Und dennoch -glaube ich zumindest- habe ich so etwas wie eine ENGELSBLUT-Konstante entwickelt, die all diese Songs miteinander verbindet.
Hast Du bei so einem enormen Output auch Kontakte zu Labels gehabt oder stand diese Art der Veröffentlichung für Dich nie zur Debatte?
Zur Debatte steht es schon, aber ich war nie gut in solchen Dingen. Ich mache einfach Musik. Die Organisation um meine Musik herum fällt mir aber oft schwer. Ich habe nicht den Hauch einer Ahnung, wie ich an welches Label treten sollte und welches Label für mich wohl das richtige wäre. Außerdem müsste es ein Label sein, dass das Internet auch "begriffen" hat. Ein Großteil aller Musik wird nunmal über dieses Medium veröffentlicht, aber selbst große Major-Label haben sich lange Zeit nicht mit Ruhm bekleckert, was die Integration neuer Technik betrifft. Napster hat seinerzeit gezeigt, wie man Musik im Internet verbreiten kann. Erst mit Apple und iTunes gab es die erste Möglichkeit, legal auf einen unglaublich großen Katalog von Musik zugreifen zu können.
Wer 10 Jahre lang Musik kostenlos im Internet veröffentlicht, dem ist das Geld offensichtlich nicht so wichtig. Das bringt leider oft Schwierigkeiten mit sich, denn ENGELSBLUT nimmt mich finanziell und zeitlich wesentlich mehr ein, als alle "Hobbies", die ich mir so vorstellen könnte. Freiwillige Spenden sind daher stets willkommen.
Und nun veröffentlichst Du erneut ein Album..! Was wird dem Engelsblut Fan auf diesem erwarten?
"Ich, Krähenfürst" ist ein erfrischendes Album nach dem für mich schwierigen Album "Untergang". Ehrlich gesagt mag ich selbst das Album "Untergang" nicht besonders. Sowohl musikalisch als auch technisch sagt es mir nicht mehr zu. "Ich, Krähenfürst" hingegen ist wesentlich "leichter" als vorherige Alben. Viele meiner Songs waren sehr "episch" angelegt. Dieses Album ist um einiges entschlackter. Einiges soll zum Schmunzeln anregen, anderes zum Tanzen. Und auch zum Nachdenken wird das ein oder andere Liedchen gut sein. Für mich ist es ein sehr persönliches Album und zugleich eine gute Überleitung zu meinem kommenden Doppelalbum-Monster "Abschiedsbrief", welches eine Retrospektive auf 10 Jahre ENGELSBLUT darstellt.
Du legst mit Deinen Songs sehr viel Wert auf melodische und eingängige Songstrukturen, was Du meiner Meinung nach auch glänzend umsetzt. Steht ein festes Konzept dahinter oder ist es jeweils eher ein spontanes Songwriting, das aus Dir in dieser Form entsteht?
Vielen Dank für das Kompliment! Ja, ich stehe auf Melodien. Das kommt aus meiner Beatles-Fanatiker-Zeit. Ich höre mittlerweile viel Musik aus der dunklen Szene und bin der Meinung, dass es dort sogar bevorzugt melodisch-melancholisch zugeht. Ohne eine Melodie kann mich ein Song kaum berühren, daher höre ich nur sehr selten sehr "harte" Musik, deren Focus eher auf die Vertonung gewaltvoller Gefühlswelten liegt.
Aufgrund der eingängigen Strukturen innerhalb meiner Songs musste ich mir schon einigen Spott von selbst ernannten "Hardcore-Gothics" gefallen lassen. Das interessiert mich aber nicht. Ich habe meine Songs stets so produziert, wie ich es für richtig gehalten habe. Und diese "Persönlichkeit" hat sich wirklich ausgezahlt. Ich bekomme wöchentlich Mails und manchmal sogar Briefe (so ein Ding aus der Vergangenheit aus Papier), die unglaublich rührend sind. Sie motivieren mich natürlich, nie mit meiner Musik auf zu hören.
Songs sprudeln aber in der Regel so aus mir heraus. Die Melodien entstehen beim Probieren am Klavier und so kommt das eine zum Anderen. Ich versuche schon, immer etwas "Neues" zu machen. Bei der Vielzahl an Musik, die heute verfügbar ist, ist das aber schwierig. Es gibt nur eine begrenzte Anzahl von Noten und Akkorden und mir ist bewusst, dass sich viele Werke der Musik über die Genres hinweg ähneln können. Nach so vielen Songs ist es allerdings schwer, sich nicht irgendwann selbst zu kopieren.
Apropos Songwriting,…auch Deine Texte entgegnen einem sowohl tief als auch direkt. Was inspiriert Dich beim Schreiben eines Songs?
Mein eigenes Leben. Außer bei einigen Songs, die offensichtlich realitätsfern sind, beziehen sich die meisten Texte auf mein eigenes Leben. Das ist leider Gottes chaotisch genug, um noch einige Verse verfassen zu können. |
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Ist Engelsblut ein reines Studioprojekt oder gibt es da auch Livestories beziehungsweise -pläne?
Nun. Im Prinzip ist es ein reines Studioprojekt. Ich würde aber wahnsinnig gerne wieder live auftreten. Manche meiner Songs schreien quasi nach Live-Publikum. Es ist mir aber ein wenig zu peinlich, mich alleine mit 'nem Tonband auf eine Bühne zu stellen und live dazu zu singen. Der Nachteil meines Soloprojektes ist, dass es sich nicht wie ein Soloprojekt anhört. Wenn also jemand da draußen Musiker kennt und Lust hat, mit mir Live was zu starten - ich bin dabei! Ich brenne sogar darauf!
Was sind Deine persönlichen und musikalischen Wünsche für die Zukunft?
Ich wünsche mir, dass ich so etwas wie einen Manager finden kann, der all die Dinge abseits meiner Musik für ENGELSBLUT regeln könnte. Dann wird es vielleicht auch wieder Live-Auftritte geben. Sollte ich ein Label finden, dann wären meine Songs endlich kostenpflichtig - das will doch jeder Fan, nich wahr? Nein, Scherz beiseite. Ich werde so oder so immer weiter Musik veröffentlichen, wahrscheinlich bis zu meinem Tod. Und glücklicherweise habe ich eine sehr zuverlässige Hörerbasis, die mir immer wieder genügend Gründe gibt, weiter zu machen. Musik ist wie eine Droge für mich - ein Tag ohne sie ist für mich verschwendete Zeit.
Für mich persönlich wünsche ich, dass mein Privatleben irgendwann mal etwas unchaotischer wird, dass meine anderen Projekte wie meine Podcasts z.B. gut angenommen werden und dass ich und die Menschen, die ich liebe, gesund bleiben. |
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Zum Abschluss die 3 Standardfragen vom Dark Feather:
Wie siehst Du die Entwicklung für Bands speziell in Subkulturen wie der Gothic- und Metal-Szene?
Nun, es sprießen wöchentlich neue Bands aus dem Boden und das kann einen ja nur freuen. Gerade aber in der Metal- und Gothic-Szene wiederholt sich natürlich einiges, weil man nun mal gewissen "Einschränkungen" in der Musik unterworfen ist. Zumindest unterwirft man sich diesen oft freiwillig, damit CD-Verkauf und Fanbasis nicht zusammenbrechen. Ich rufe die Bands und Künstler zu mehr Offenheit auf. Genre-Einteilungen sind einerseits praktisch, und doch meist nichts-sagend. Also kann man sie auch gleich über Bord werfen und einfach "Musik" machen. Wenn Bands wie "Lacrimosa" mal Lust auf einen Jazz-Song haben, dann sollen sie ihn verdammt nochmal auch machen. Leute, die dann in irgendwelchen Internetforen davon schreien, die entsprechende Band hätte die Szene verraten oder ihren Stil verkauft, sind zu bedauern, sollten aber kein Hindernis darstellen.
Welche Vor- und/oder Nachteile siehst Du in großen Webcommunities wie z.B. myspace?
Anfangs boten die Online-Plattformen aufstrebenden Musikern eine wahnsinnig gute Möglichkeit, Ihre Musik einer scheinbar unendlichen Zuhörerschaft zu präsentieren. Ich habe davon von Anfang an profitiert. Aber Communities wie Myspace leiden ja unter einem massiven Mitglieder- und Künstleransturm. Die Plattformen sind teilweise so überladen, dass es nur noch wenig Spaß bereitet, sich durch verschiedene Künstlerprofile zu hangeln. So gehen allerdings auch viele fantastische Bands in der Menge unter. Dazu muss man sagen, dass sie ohne diese modernen Möglichkeiten vielleicht gar nicht die Chance gehabt hätten, von einer Menge entdeckt zu werden. Es ist also immer ein zweischneidiges Schwert. Ich nutze Myspace, um mit vielen meiner Hörer in Kontakt zu bleiben.
Privat sehe ich all die großen Webcommunities mittlerweile etwas differenzierter. Ich bin selbst bei vielen Communities angemeldet und die gebotene Vielfalt ist eher lästig denn bereichernd. Es gibt einfach zu viele Communities, die sich in ihren Grundprinzipien sehr ähneln. Nun, ich hatte seit den frühen Tagen des "privaten" Internets immer sehr an dieser Onlinewelt teil, und probiere daher nach wie vor viele Dienste und Portale aus. Auch aus beruflichen Gründen habe ich viel mit Webentwicklung zu tun. Aber im Moment habe ich das Gefühl, die ganze Web 2.0 Sache steht still. Wenn etwas "neues" auf der Landschaft des Internets auftaucht, ist es entweder ein Facebook/StudiVZ-Verschnitt, ein Videoportal oder eine neue Twitter-Kopie. Wozu das alles, wenn es bereits mehrere, etablierte, hochwertige Vertreter dieser Gattung gibt?
Ach, ich könnte jetzt sehr lange darüber ausschweifen, aber das erspare ich Euch lieber mal :) Für mehr Gelaber über die Internetwelt hört lieber meinen Podcast Apfelkompott.com ;)
Was waren bei Dir die bisher positivsten, schrägsten und was die schlechtesten Erfahrungen in der Musikwelt?
Eine meiner schrägsten Erfahrungen war eine Kollaboration mit einem Hip-Hop Künstler. Dieses, in der Gothic-Szene verpönte Genre, führte zu einigen wirklich fruchtbaren gemeinsamen Arbeiten. Ich höre selbst keinen Hip-Hop und kann vor allem mit diesem ganzen Gangster-Gehabe nichts anfangen. Ich muss jedoch mittlerweile eingestehen, dass es auch in jener Szene einige begnadete Musiker und Künstler gibt, die mehr zustande bringen, als Samples aneinander zu reihen und über Geschlechtsorgane zu rappen.
Eine meiner positivsten Erfahrungen war ein Besuch eines Solo-Konzertes des Subway To Sally Sängers Eric Fish. Dieses Konzert, dass sehr klein und intim war, mir gar Tränen in die Augen trieb, hat sich sehr auf meinen weiteren musikalischen Werdegang ausgewirkt. Wer also die Möglichkeit hat, eines seiner Konzerte zu besuchen, sollte es auf jeden Fall tun!
Negative Erfahrungen innerhalb der Musikwelt habe ich zum Glück in all den Jahren noch keine gemacht. Das liegt wohl vor allem daran, dass ich meine Musik so machen kann, wie ich es will.
Ich bedanke mich für dieses Interview, die letzten Worte gehören dem Künstler! :
Ich bedanke mich für Deine investierte Zeit und freue mich auf die nächsten Jahre mit ENGELSBLUT. Projekte wie "Dark Feather" helfen, Künstlern wie mir Gehör zu verschaffen und sind gerade in Zeiten von übervölkerten Online-Portalen ein wichtigeres Medium denn je! Ich würde mich freuen, wenn der ein oder andere Leser auf meine Musik aufmerksam geworden ist und lade ihn herzlich dazu ein, sie kostenlos unter http://www.mp3.de/engelsblut herunter zu laden!
Bleibt alle gesund und vergesst nicht, dass es abseits all der Finanzkrisen, dem Berufsalltag und den lästigen Pflichten des Daseins nur die Liebe ist, die uns Glück bringen kann! |
| visit: www.myspace.com/engelsblut |
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