Nocturnal Opera

"Grey Metal" bezeichnen die saarländischen Musiker von Nocturnal Opera ganz gerne mal nicht ganz ohne Augenzwinkern ihren Musikstil. Und wahrlich, es ist schon sehr beeindruckend wie viele Stile sie in ihrer Musik nicht nur einfliessen lassen, sondern zu einer erstaunlich "fetten" Symbiose verschmelzen lassen. Und sie sind noch lange nicht am Ziel Ihrer Reise angekommen, ihr Ende letzten Jahres veröffentlichtes Demo ist lediglich als ein Ende einer Ära zu sehen. Wir sind gespannt, was da noch kommt... Drummer Domimik erwies sich obendrein noch als ein sehr offener und gesprächiger Interviewpartner!
 
Dark Feather Ausgabe 4

Hallo Nocturnal Opera, hallo Dominik! Ich bitte Euch um eine kurze Bandvorstellung für die Leser des Dark Feather!

Bevor ich die Band kurz vorstelle, möchte ich noch anmerken, dass ich, Dominik, dieses Interview stellvertretend für die Band beantworten werde. Meine Ansichten spiegeln nicht unbedingt die aller Bandmitglieder wider. Nocturnal Opera ist eine recht junge Band aus dem Saarland, die im Sommer 2005 gegründet wurde.
Zu Beginn war die Band als Goth Rock Band geplant, es wurde jedoch schnell klar, dass es aufgrund der unterschiedlichen Musikgeschmäcker der Bandmitglieder nicht lange bei dem doch sehr eng gefassten Rahmen bleiben würde. Seit der Gründung musste die Band einige Besetzungswechsel überstehen, die jedoch nie geschadet haben, sondern eher förderlich für die Band waren. Leider waren diese Einschnitte nicht förderlich für termingebundene Vorhaben, weshalb auch erst im Sommer 2008 die erste Demo mit dem Titel „Opus Postumum“ im SU2 Studio (Powerwolf u.a.) aufgenommen werden konnte. Selbige wurde im Dezember 2008 in Eigenregie veröffentlicht.
Unser Keyboarder Michi lebt momentan aufgrund seines Studiums in Berlin, weshalb zurzeit ein Freund der Band das Keyboard übernimmt. Michi ist aber immer noch festes Mitglied Nocturnal Operas. Nocturnal Opera sind: Chris (clean vocals, rhythm guitar), Michael (lead guitar), Flo (screams, bass) und Michi (keys) Dominik (drums).

Eure Musik deckt schon eine sehr breite Fläche an Stilen ab. Wie würdet Ihr selbst einem völlig Außenstehenden Eure Musik beschreiben? Einem völlig Außenstehenden?

Schwierig, die meisten Leute, die mit Metal nicht vertraut sind, empfinden unsere Musik als „Krach“, wobei es auch hier Ausnahmen gibt. Erst kürzlich bezeichnete ein Moderator des Radiosenders „UnserDing“ unsere Musik als „verrückt“ im positiven Sinne. Es sei so viel in unserer Musik drin, er könne ihr durchaus was abgewinnen.
Nun, wenn ich eine knappe Beschreibung abgeben sollte, würde ich zähneknirschend „Dark Metal“ sagen. Diese Beschreibung würde allerdings eine gewisse Vertrautheit der fiktiven Person mit den verschiedenen Genres des Metals voraussetzen, um überhaupt eine entfernte Vorstellung bekommen zu können. Die Bezeichnung „Dark Metal“ empfinde ich allerdings nicht als besonders aussagekräftig. Dieser Begriff ist wohl eher ein Versuch, Metalbands der härteren Gangart, die weder dem Doom/Death/Black Metal, noch einer anderen Spielart exakt zuzuordnen sind, doch irgendwie in eine Schublade zu stecken. Manche Leute bezeichnen uns auch als „Gothic Metal“, diesen Begriff empfinde ich als genauso vage wie „Dark Metal“. Allerdings sehe ich Nocturnal Opera gewiss nicht als einzige Band mit solchen Problemen. Wir haben schließlich auch nicht das Rad neu erfunden, es gibt viele Bands, die herumexperimentieren und bei denen die Kategorisierungen seitens der Labels z.B. nicht aussagekräftig sind.
Wie man vielleicht schon bemerken konnte, bin ich kein großer Freund von Genres und der damit einhergehenden Kategorisierung von Bands.

Nocturnal Opera

Manchmal bezeichnen wir unsere Musik mit einem Augenzwinkern als „Grey Metal“. Dieses Genre existiert bis dato noch nicht. Es steckt auch kein tieferer Sinn hinter diesem Begriff, er entstand aus einer Bierlaune heraus. Wir befinden uns musikalisch irgendwo in einer Grauzone zwischen verschiedenen Genres. Textlich/ideologisch sieht es ähnlich aus, denn religiöse Ansichten spielen bei uns auch keine Rolle, Musik ohne Satan, Jesus, Odin/Wotan etc. Wobei hier die privaten Ansichten der einzelnen Musiker auch differieren. Ich persönlich beschäftige mich durchaus mit vorchristlichem Götterglaube, sehe dessen Entitäten jedoch eher archetypisch. Auch kann ich die Beschäftigung von Metal Bands mit solchen Themen als eine Art „Mythus“ im Sinne Nietzsches durchaus gutheißen, jedoch findet so etwas keinen Eingang in unsere Musik.
Es wäre nicht sinnvoll, einem völlig Außenstehenden all unsere musikalischen Einflüsse und Vorlieben aufzuzählen, zumal der Grad der Auswirkung der einzelnen Einflüsse und Vorlieben auf unsere Musik von jedem anders empfunden wird. Es ist nun mal eine größtenteils subjektive Angelegenheit, welche Einflüsse man bei einer Band herauszuhören glaubt. Ich glaube nicht, dass man mittels genannter musikalischer Vorlieben die Musik einer Band ausreichend beschreiben kann. In unserer offiziellen Bandbiographie haben wir einige unserer musikalischen Einflüsse und Vorlieben genannt, um die Anfeindungen zwischen verschiedenen Szenen etwas zu mildern. Wir möchten uns nicht von einer gewissen Szene vereinnahmen lassen. Jeder, der unsere Musik mag, egal welcher Szene er entstammt oder welche musikalischen Vorlieben er hegt, ist herzlich willkommen, Freude an unserer Musik zu haben.
Ich bin Musiker, kein Musikjournalist o.Ä., es ist auch nicht meine Aufgabe, meine Musik zu beschreiben, kategorisieren etc. Sollen sich andere Leute den Kopf zerbrechen.
Fazit: Ich würde dem völlig Außenstehenden eine CD von uns in die Hand drücken.

Ende des vergangenen Jahres habt Ihr Eure Demo veröffentlicht, wie zufrieden seid Ihr mit den ersten Reaktionen hierauf? Wie vertreibt Ihr es?

Die Reaktionen auf „Opus Postumum“ waren bis jetzt durchweg positiv. Die erste Auflage i.H.v. 100 Stück war nach wenigen Wochen ausverkauft, weshalb wir eine zweite Auflage anfertigen ließen. Wir erhalten Bestellungen aus der ganzen Welt. Die Demo vertreiben wir hauptsächlich selbst. Das Undergroundlabel Gottesrache (www.gottesrache.de) zeigte Interesse an unserer Demo und vertreibt sie nun ebenfalls. Weitere Undergroundlabels zeigten bereits Interesse an einem Vertrieb unserer Demo. Wir sind also absolut zufrieden mit den bisherigen Reaktionen, ich denke, dass unsere Demo für ein erstes Lebenszeichen auch recht ordentlich ausgefallen ist. Im Nachhinein hat man als Musiker natürlich immer etwas zu bemängeln.

Dennoch gilt diese Demo eher als Abschluss einer alten Ära und Ihr seid im Moment bereits wieder am Songwriting, was können Fans und Hörer denn vom zukünftigem Material erwarten?

Bevor ich deine Frage beantworte, möchte ich noch gerne kurz auf die „alte Ära“ und die Hintergründe der Demo CD eingehen. Von einer semantischen Spielerei mal abgesehen, ist ein tieferer Sinn des Titels, dass die eigentliche Band Nocturnal Opera zu Beginn der Studioarbeiten nicht mehr existierte. Von den Gründungsmitgliedern waren bloß noch Flo und ich übrig. Das Songmaterial auf Opus Postumum entstammt zu … lass mich nachrechnen … ca. 85 % aus einer Zeit, in der von den Gründungsmitgliedern noch alle 4 bzw. 3 in der Band waren. Gründungsmitglied, Gitarrist und Sänger Benny verließ kurz vor Beginn des Studiotermins die Band. Erfreulicherweise fanden wir kurze Zeit später einen mehr als würdigen Ersatz, Christian. Den Studiotermin konnten wir allerdings nur wenige Wochen verschieben, da sich das SU2 Studio großer Beliebtheit erfreut und fast immer ausgebucht ist. Da wir auch noch die Zusage für einen Gig gegeben hatten, blieb nicht viel Zeit. Christian musste sich in kürzester Zeit soviel Songs und Gesangslinien wie möglich aneignen. Auf einer Probe entstand dann auch noch innerhalb von einer halben Stunde ein neuer Song, Forgotten (die restlichen 14,28 %). Wir hatten im Studio leider nur 5 Tage Zeit, Christian musste manche Songs, für deren Einstudieren einfach die Zeit nicht reichte, im Studio zum ersten Mal spielen. Man hätte sicherlich vieles besser machen können, dennoch sind wir stolz auf unsere Demo, vielleicht gerade weil wir sie unter enormem Zeitdruck und denkbar schlechten Bedingungen aufgenommen haben. Wir wollten die Aufnahme einer Demo einfach nicht bis auf unbestimmte Zeit vertagen, da wir zu lange auf diesen Zeitpunkt gewartet hatten und Flo und ich nach 3 Jahren Bandgeschichte endlich etwas in Händen halten wollten.
Warum ich das alles erzähle und was es mit deiner Frage zu tun hat? Nun, als wir die Master CD endlich in Händen hielten, stellte sich recht zügig die – für Musiker wohl übliche – Unzufriedenheit ein. Diese beschränkte sich aber nicht nur auf etwaige Verbesserungsmöglichkeiten des alten Materials oder der Aufnahmen an sich, nein, gerade bei mir stellte sich die Haltung ein, die Musik auf einen höheren Level bringen zu müssen, das Songwriting moderner zu gestalten, einfach keine Songs in der alten Tradition mehr zu schreiben. Ich unterbreitete mein Vorhaben den anderen Bandmitgliedern und stieß auf Zustimmung. Es hätte keinen besseren Zeitpunkt geben können, die Band zu reformieren. Wir entschieden uns, wieder einen zweiten Gitarristen in die Band aufzunehmen, um die doch sehr stark keyboardorientierte Ausrichtung des alten Materials einer eher gitarrenorientierten weichen zu lassen. Der passende Mann für dieses Vorhaben war recht schnell in Michael gefunden, der schon Jahre zuvor in der Band Bad Idea zusammen mit Chris musizierte. Die Keyboards werden allerdings auch weiterhin eine große Rolle bei Nocturnal Opera spielen, jedoch werden speziell die Melodien verstärkt von der Gitarre übernommen werden.
Die musikalische Ausrichtung wird eher in Richtung melodischer, symphonischer Black Metal gehen, jedoch mit den für Nocturnal Opera typischen Ausflügen in andere Genres. Lass es mich so sagen, bei unserer Demo CD ist es – zumindest meiner Meinung nach – so, dass man einzelnen Songs gewisse Einflüsse anmerkt, anderen Songs andere Einflüsse. Ein Song klingt z.B. wie Horror Punk mit EBM und zusätzlichem Kreischgesang, ein anderer Song klingt wie ein symphonischer Black Metal Song usw. Unser neues Material klingt homogener, eine Fusion unserer Einflüsse, man merkt bei jedem Song, dass es Nocturnal Opera sind, allerdings muss man schon genauer hinhören, um die verschiedenen Einflüsse raushören zu können, wenn auch – bei einer anderen Frage bereits erwähnt - das Erkennen von Einflüssen von Person zu Person eher unterschiedlich ausfällt.
Dies ist ein wichtiger Schritt nach vorn, zumindest in meinen Augen. Das modernere Songwriting, das sich nicht auf Strophe – Refrain – Strophe – Refrain Patterns verlässt, macht die Musik abwechslungsreicher und kurzweiliger.

Mir fällt auf, dass Euer Sound angenehm „frisch“ daherkommt.Hat sich jener bei den Studioarbeiten so entwickelt oder war er schon immer Markenzeichen von Nocturnal Opera?

Nun, diese Frage lässt sich für mich nur schwer beantworten, da ich nicht genau weiß, was du mit deiner subjektiven Empfindung „frischer Sound“ genau meinst. Falls du wirklich den Klang der CD meinst - (so ist es! Anmerkung der Redaktion)- , so kann ich nur sagen, dass Phil vom SU2Studio wirklich ganze Arbeit geleistet hat. Er hat unserer Musik das – wie ich finde – passende Gewand verpasst. Eine Produktion, die sich vor professionellen Veröffentlichungen nicht zu verstecken braucht. In Livesituationen hat man in den seltensten Fällen wirklich Einfluss darauf, was im Endeffekt beim Publikum ankommt. Klar, wir haben stets versucht, schon beim Songwriting auf eine gewisse Transparenz zu achten, jedem Instrument seinen Platz einzuräumen, doch als Markenzeichen würde ich es jetzt nicht bezeichnen.

Ihr seid dieses Jahr beim Legacy-Festival dabei, Glückwunsch dazu! War das für Euch selbst eine große Überraschung oder habt Ihr schon fest damit geliebäugelt?

Es war eine sehr große Überraschung. Wir hatten absolut nicht damit gerechnet, im Gegenteil, wir hatten die Sache sogar schon völlig abgeschrieben, da wir es beim Voting nicht unter die ersten zehn Bands geschafft hatten. Letztlich konnten wir aber dennoch die Veranstalter überzeugen und wurden recht schnell gefragt, ob wir auftreten möchten. Wir freuen uns wirklich sehr auf dieses Festival. Es wird für uns auch eine Art Premiere sein, da es unser erstes Konzert außerhalb des Saarlandes sein wird, auf dem wir die Möglichkeit haben werden, ein größeres Publikum von unserer Musik und unserer Band zu überzeugen.

Ihr ward seit Eurer Bandgründung vor 4 Jahren schon auf einigen namhaften Festivals vertreten. Inwieweit bietet denn die saarländische Szene eine Plattform für Bands eures Genres?  

Die Sache mit dem Genre ist ja bei uns nicht so ganz einfach, jedoch ist es für Metalbands allgemein recht interessant, im Saarland zu leben, auch wenn momentan Thrash Metal und Metalcore Bands wohl bevorzugt werden. Wir nehmen schon eine gewisse Ausnahmestellung ein und haben wohl einen Exotenbonus.
Das Saarland ist ja nicht gerade eines der größten Bundesländer, weshalb die Metalszene hier wohl auch ein wenig familiärer ist. Fast alle Bands kennen sich mehr oder weniger persönlich, es werden viele Konzerte veranstaltet, aber auch Festivals, von denen das Rock Area Festival wohl das größte ist. Aber auch hier im Saarland ist es so, dass man sich erst mal behaupten muss und nichts geschenkt bekommt. Die Fans und Konzertbesucher sind genauso wählerisch wie in anderen Bundesländern auch.
Es gibt allerdings auch Schattenseiten. Wie in den besten Familien gibt es auch in der Metalszene des Öfteren Streit. Wichtigtuer, Profilneurotiker und selbsternannte Götter gibt es auch, die einem schon manchmal die Freude an der Musik verderben können.
Sehr schade finde ich auch die Tatsache, dass von manchen Gemeinden die Subkultur Metal nicht gerne gesehen wird, wie man zuletzt an dem gezwungenen Auszug des Rock Area Festivals aus dem Saarland sehen konnte.
Alles in allem die üblichen Freuden und Probleme.

Was hat sich Nocturnal Opera noch für 2009 und weiterer Zukunft vorgenommen?

Wir wollen dieses Jahr definitiv noch das restliche Material für unsere geplante 5-track EP „Schmerzreaktor“ fertig stellen und letztere auch im SU2 Studio aufnehmen, sofern wir noch einen Termin vereinbaren können.
Über die fernere Zukunft machen wir uns, ehrlich gesagt, keine großen Gedanken. Wir haben Freude an der Musik und wollen noch möglichst viele Konzerte spielen und neue Fans gewinnen.    

Zum Abschluss die 3 Standardfragen vom Dark Feather: Wie seht Ihr die Entwicklung für Bands speziell in Subkulturen wie der Metal- und Gothic-Szene?  

Diese Frage ist für mich ebenfalls schwer zu beantworten. Ich sehe mich und meine Band nicht so richtig als Teil einer bestimmten Szene. Wir haben Fans aus dem Black Metal Milieu, aus der Gothic Szene, sogar aus der Alternative Szene. Ich selbst stamme ursprünglich aus der Black Metal Szene, kümmere mich aber wenig bis überhaupt nicht um deren Attribute oder Reglements.
Gewisse Musikszenen/Subkulturen haben ungeschriebene Gesetze verinnerlicht, die es nach deren Auffassung zu befolgen gilt. Dazu zählt auch eine gewisse Feindschaft gegenüber anderen Szenen/Subkulturen. Solch eine Herdenmentalität ist mir persönlich zuwider. Auf der einen Seite wird Individualismus gepriesen, im Endeffekt sind aber doch alle gleich. Ein altbekanntes psychologisches Problem. Ich höre nun schon seit fast 15 Jahren Black Metal. Wenn ich Lust habe, ein Misfits T-Shirt und Jeans zu tragen, dann tue ich das. Es ist lustig, dass man dann von Leuten, die gerade mal so viele Jahre alt sind, wie ich die Musik höre, belächelt wird und eine ernsthafte Verbundenheit zu der Musikrichtung angezweifelt wird. So ist das nun mal mit der Jugend. Ich weiß, ehrlich gesagt, gar nicht mehr, wie ich das in jungen Jahren gesehen habe. Wenn ich mich recht erinnere, ein wenig differenzierter und nicht so engstirnig. Mich interessieren allgemein Fassaden eher weniger, das Interessante an einem Menschen ist doch, was wirklich hinter der Fassade steckt.
Aus Erfahrung kann ich sagen, dass jede Szene irgendwann stirbt und wieder neugeboren wird. Bestes Beispiel hierfür ist wohl die reanimierte Thrash Metal Szene oder die für lange Zeit ausgestorbene Death Metal Szene. Eine Szene kann aber auch am Leben gehalten werden, dauerhaft, wenn die Musiker bereit sind, Bestehendes zu verändern, neue Einflüsse und Marschrichtungen zuzulassen. Ein gutes Beispiel hierfür ist wohl die Black Metal Szene, die wohl, wenn nach dem Black Metal der frühen Neunziger keine Weiterentwicklung stattgefunden hätte, längst von der Bildfläche verschwunden wäre. Damals sah man das auch nicht so eng, es wurde viel herumexperimentiert, es wäre auch niemandem in den Sinn gekommen, so etwas zu verurteilen. An dieser Stelle einen Gruß an alle Black Metal Puristen und Ewiggestrigen. Was hat man uns schon beschimpft, aufgrund unseres Einsatzes von Keyboards. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass sich 1994 irgendjemand über die Verwendung des Keyboards bei Emperors „In The Nightside Eclipse“ beschwert hätte. Ich möchte aber auch betonen, dass Bands, die ihrem Stil treu bleiben und konsequent ihren Weg gehen, durchaus ihre Berechtigung haben und dass ich solche Bands auch mag, schätze und mir anhöre. Ich finde es nur seltsam, dass Musiker, die bereit sind, neue Wege zu gehen, nicht akzeptiert oder gar diffamiert werden. Andererseits interessiert mich die Meinung solcher Leute auch eher weniger. Ich toleriere auch nicht alles (auch nicht in musikalischer Hinsicht!) und jeden und möchte auch nicht von jedem toleriert werden, frei nach dem Motto: „ Toleranz ist ein Beweis des Mißtrauens gegen ein eigenes Ideal.“ Was schert es mich! Mir scheint, Darwins Gesetze gelten auch für die Musikszene, von daher.

Welche Vor- und/oder Nachteile seht Ihr in großen Webcommunities wie z.B. myspace?  

Ich habe schon viele Leute sagen hören, MySpace hätte den Charme vergangener Tapetradertage. Dem kann ich nur bedingt zustimmen. Ich selbst habe die Zeiten des Tapetradings miterlebt, Zeiten, in denen es kein Internet gab, zumindest nicht in der heutigen Form. Es gab Brieffreundschaften, Tapes wurden überspielt und weitergereicht, alles in allem hatten diese Zeiten einen persönlicheren Charakter. Das Internet ist, meiner Meinung nach, eine unpersönliche Angelegenheit, welche allerdings perfekt zu der konsumorientierten, identitätslosen und oberflächlichen Gesellschaft passt. Ganz ehrlich, wer kann schon von sich behaupten, dass er sich mit hunderten von MySpace Buddys tiefgründig beschäftigt. Mal ganz davon abgesehen, dass sich ein Großteil der User eh unter dem Deckmantel des Internets versteckt, seine profilneurotischen Neigungen befriedigt und sich einer Pseudoidentität hingibt. Gerade Musik verkommt durch das Internet auf gewisse Weise zu einem simplen Konsumgut, Wegwerfware eben.
Andererseits bietet MySpace aber auch großartige Möglichkeiten, speziell für Musiker. Man muss sich nicht mehr für teures Geld Homepages erstellen lassen, mit ein wenig Aufwand kann man Profile erstellen und seine Musik bewerben. Es werden schneller mehr Leute auf die Musik aufmerksam, allerdings hat dieser Faktor selbst einen ambivalenten Charakter. Da es heutzutage so einfach ist, Musik zu bewerben, findet auch größtenteils keine Auslese mehr statt. Man wird überschwemmt mit teilweise grottenschlechter Musik und kann nur noch schwerlich die Spreu vom Weizen trennen. Da man die Fülle an Bands nahezu nicht mehr überblicken kann, bleiben leider viele Perlen unentdeckt.
Alles in allem gesehen, bietet aber MySpace z.B. eine gute Möglichkeit, eine Band zu bewerben und Kontakte zu knüpfen, dennoch sollte man die Sache mit Vorsicht genießen und nicht blind und ohne Hinterfragung alle Entwicklungen hinnehmen.   

Was waren bei Euch die bisher positivsten, schrägsten und was die schlechtesten Erfahrungen in der Musikwelt?  

Es ist immer wieder schön, Leute zu treffen, denen unsere Musik und Auftritte gefallen. Es ist ein großartiges Gefühl, wenn man Menschen für seine Sache begeistern kann.
Schräg finde ich, immer wieder mit ansehen zu müssen, dass Metal Battles oder Onlinevotings ihren Sinn verfehlen. Hierzu eine kleine Anekdote: Nach einem Auftritt auf einem Metal Battle sprach mich ein Gast auf dem Pissoir an und erzählte mir, unser Auftritt sei großartig gewesen und unsere Musik sei spitze. Ich sagte zu ihm, dass er ja dann für uns stimmen könne. Er entgegnete mir, dass dies nicht möglich sei, er sei ja schließlich mit der Band XY angereist und darüber hinaus befreundet und müsse deshalb auch für sie stimmen, obwohl wir ihm besser gefielen.
Schlechte Erfahrungen mussten wir leider auch schon einige machen. Wie bereits bei Deiner Frage zu der Saarländischen Szene erwähnt, gibt es des Öfteren Probleme unter den Bands bzw. zwischen Musikern. Letztes Jahr brachte eine Band das Gerücht in Umlauf, wir wären Nazis. Es wurde versucht, uns mittels dieses Gerüchtes vom Billing des Rock Area Festivals streichen zu lassen.    

Ich bedanke mich für dieses Interview, die letzten Worte gehören dem Künstler! :  

Ich habe zu danken! Ich möchte dieses Interview mit einem Zitat beenden, über das man sich in Zeiten, in denen Musik Massen- und Wegwerfware darstellt, vielleicht mal ein paar Gedanken machen sollte:


„ Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum." (Friedrich Nietzsche)

visit: www.myspace.com/nocturnaloperaband

 

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