Hallo AnonymusIV! Wie sieht Eure aktuelle Besetzung aus?
Und da erwischt Du uns schon zu Beginn an einem sehr spannenden Punkt. Wir sind vor Kurzem zum Quartett zusammengeschrumpft. Namentlich wären das Carsten Nas (Gitarre), Matthias Teuber (Bass), Cpt. Ole (Gesang) und Ivaylo Kantchev (Schlagzeug). Unser Keyboarder und die bisherige Sängerin sind vor ein paar Wochen, zum Teil aus privaten, zum Teil aus beruflichen Gründen, ausgestiegen. Ob, wie und mit wem es in Zukunft weitergeht, wissen wir zwar noch nicht so genau, Tatsache aber ist: Es wird weitergehen! |
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Das hoffen wie doch!... Eure Musik klingt nach einer schönen Symbiose aus den Sounds der Achtziger mit dem Gothic-Rock der Neunziger und einer Prise Glam. Wo liegen Eure persönlichen Einflüsse?
Genau da. Und mehr. Einen einheitlichen Musikgeschmack bei allen Bandmitgliedern auszumachen, ist natürlich schwierig, aber es gibt, glaube ich, einen großen Konsens über „gute“ und „schlechte“ Musik. Solange Musik ehrlich ist, ist sie gut. Unehrliche wird ignoriert.
Schön finde ich an Eurer Musik, dass sie nicht mit aller Gewalt etwas Neues kreieren will und es dennoch schafft, sehr eigenständig zu klingen. Leider kenne ich Euch nicht von Euren Anfangstagen, darum die Frage: Hat Anonymus IV schon immer so geklungen oder war es ein weiter Weg der Entwicklung zum Hier und Heute?
Danke. Genau darum geht auch bei uns. Wir wollen nicht 50 Jahre Rock'n'Roll auf den Kopf stellen. Das würde wahrscheinlich auch keiner hören wollen. Ähnlichkeiten rühren natürlich daher, dass auch wir Fans von irgendwelchen anderen Bands sind und uns bestimmte Stilmittel einfach gefallen. Aber letztendlich geht es ja darum, sich über die Musik selbst auszudrücken. Das macht dann zwangsläufig die Eigenständigkeit aus. |
Euch gibt es seit ca. sechs Jahren, eine kleine Retrospektive, wie seht Ihr Euren Werdegang aus heutiger Sicht? Eine sehr wechselvolle Geschichte. Angefangen hat es, wie so oft, als Studenten-Band. Aber spätestens, wenn der erste fertig wird, für den Job in eine andere Stadt oder der Liebe wegen in ein anderes Land zieht, kommen wieder neue Leute. Und so geht es immer weiter...
Ein halbes Jahr nach Eurer Gründung habt Ihr bereits Euer erstes Demo „Larger Than Life“ unter das Szene-Volk gebracht und konntet damit einiges Aufsehen erregen. Kürzlich habt Ihr Euer Album „Bricolage“ fertig gestellt. Gab es dazwischen noch irgendwelche Veröffentlichungen?
Nein. „Larger Than Life“ haben wir 2004 aufgenommen, „Bricolage“ war knapp zwei Jahre später die logische Konsequenz aus mehr Material, das aufgenommen werden wollte. Danach hat sich das Personal-Karussell ein paar Mal ganz kräftig gedreht, sodass wir bislang keine Zeit und Gelegenheit mehr hatten, neues Material aufzunehmen.
Wie waren die bisherigen Reaktionen zu „Bricolage“ und bleibt es eine Onlineveröffentlichung oder gedenkt Ihr es auch zu pressen?
Man kann natürlich nie allen gefallen, aber ich denke, die, denen es gefällt, hören, dass wir kein triviales Klischee-Zeugs verzapfen. Wir wollen das Album allen zugänglich machen und bieten es deswegen derzeit auch auf unserer MySpace-Seite zum kostenlosen Download an.
Wie denkt Ihr im Allgemeinen über die neuen Wege des FreeDownloads oder Onlinedistribution, die doch schon so einige Bands jetzt beschreiten?
Solange eine Band unbekannt ist, geht es vor allem darum, viel Aufmerksamkeit zu erlangen. Da finde ich es ok, es den zukünftigen Fans so leicht wie möglich machen, einen kennenzulernen und weiterzuempfehlen. Und dass sich damit auch außerhalb bisheriger Label-Strukturen Geld verdienen lässt, zeigen die Beispiele von Anathema und Radiohead, die ihre Alben ausschließlich zum Download anbieten und es ihren Fans überlassen, wie viel sie dafür zahlen. Das finde ich fair.
Wie sieht es bei Anonymus IV auf dem Livesektor aus? Wann und wie kann man Euch auf der Bühne erleben?
Wir wollen uns momentan vor allem um neues Song-Material kümmern. Wir führen derzeit eine „Fernbeziehung“. Insofern ist das zeitlich und logistisch etwas schwierig, gleichzeitig neue Ideen zu auszuprobieren und für Gigs zu proben. Deshalb ist in unmittelbar zeitlicher Nähe auch nichts Spezielles geplant. Was nicht heißt, dass sich das nicht spontan ändern kann, falls uns was Spaßiges auf den Desktop flattert. Dafür empfehle ich den Blick auf unsere MySpace-Seite: www.myspace.com/anonymusiv.
Was sind allgemein Eure weiteren Pläne für die Zukunft?
Zunächst mal: Neue Songs schreiben und proben. Außerdem haben wir seit Kurzem mit Immortal Promotion eine sehr sympathische Booking-Agentur, die werden sich in Zukunft ein bisschen um uns kümmern. Ende des Jahres wollen wir auch mal wieder im Studio vorbeischauen, um endlich mal wieder neues Material aufzunehmen, unter Umständen in Verbindung mit einem Re-Release von „Bricolage“. Es gibt zwar zurzeit Verhandlungen mit einem Indie-Label aus Hamburg, aber das ist im Grunde genommen noch gar nicht spruchreif. Wie gesagt: Es bleibt spannend.
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Zum Abschluss die drei Standardfragen vom Dark Feather:
Wie seht Ihr die Entwicklung für Bands speziell in Subkulturen wie der Gothic- und Metal-Szene?
Gothic und Metal werden immer konsensfähiger. Das merkt man daran, dass Bands wie Nightwish in der Bravo stattfinden, Deine Lakaien mit „Kasmodiah“ auf Platz 4 geschossen sind (hinter den Backstreet Boys, Britney Spears und Cher!) oder auch daran, dass Plastik-Acts wie LaFee mit Sounds und Symbolen dieser vermeintlichen Nischenkulturen ausgestattet werden. Das hat wohl auch Thilo Wolff erkannt und seine Mangaboys Cinema Bizarre zusammengecastet, um auch was vom Teenie-Chartkuchen abzuhaben. Aber spätestens, wenn die Klingelton-Runterlader 22 werden, hat sich das erledigt, während es in der Szene verwurzelte Bands wie Nightwish und Deine Lakaien immer geben wird.
Welche Vor- und/oder Nachteile seht Ihr in großen Webcommunities wie z.B. myspace?
Wir leben in einer Zeit, in der der CD-Markt rapide einbricht und selbst Megastars wie Madonna lieber mit einem Veranstalter kooperieren anstatt mit einem Label. So werden ihre CDs zum Merchandise-Artikel genauso wie Bettwäsche, Kaffeetaschen und Buttons. Außerdem wird immer weniger in den dauerhaften Aufbau neuer Acts investiert. Wenn die Majors einen Newcomer unter Vertrag nehmen, ist es gleich „das nächste große Ding“ und dann kommt der nächste und der nächste und der nächste usw.
Hier werden Netzwerke wie MySpace immer wichtiger, damit Bands ihre im Heimstudio aufgenommenen Alben unabhängig von Labels vertreiben können, Gigs buchen oder den Kontakt mit Fans halten können.
Das Problem sehe ich darin, dass zum Einen MySpace immer kommerzieller wird und viele Labels diesen Weg als wirkungsvolle Promotion-Plattform nutzen und es auch nur darum geht, Trend-Marken unter's Volk zu bringen. Zum anderen wird es für den Konsumenten immer komplizierter, in der täglichen Flut verfügbarer Musik noch Bands zu finden, die einen begeistern können, egal, ob es auf MySpace, YouTube oder sonst wo ist. Wo jeder seinen eigenen Hype produzieren kann, wird Schrott zum Kult und großartige Musik zum Grundrauschen.
Was waren bei Euch die bisher positivsten, schrägsten und was die schlechtesten Erfahrungen in der Musikwelt?
In sechs Jahren war sicher einiges dabei: Von Veranstaltern, die einem eingeschweißten Aldi-Aufschnitt und pappiges Weißbrot als „Catering“ verkaufen wollten über überaus spaßige Gigs vor 13 zahlenden Gästen bis zu gemeinsamen Fahrten zum Konzert im gemieteten Tourbus, die jede Zehntklässler-Klassenfahrt wie ein Kaffeekränzchen aussehen ließen. Doch egal, was es war: Letztendlich ist jede Erfahrung positiv.
Ich bedanke mich für dieses Interview, die letzten Worte gehören dem Künstler! :
Wir bedanken uns für die Gelegenheit, uns bei Euch zu präsentieren und freuen uns über alle, die in Zukunft mit uns ziehen und feiern wollen. - Rock'n'Roll Ahoi! |
| visit: www.anonymus-iv.de |
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