Vor kurzem kannte man zumindest einen Teil von Euch noch unter den Namen Eviamara. Was war die Motivation zur Umbenennung?
Tybalt: Es ist ja im eigentlichen Sinne keine Umbenennung – eher eine Weiterentwicklung. Mit Eviamara gingen die Wege mit unserer damaligen Sängerin Moni auseinander. Durch ständige Diskussionen über unseren Stil hatten wir uns in eine Sackgasse begeben. Wir haben uns dann in Freundschaft getrennt, weil wir alle gemerkt haben, dass wir so nicht weiterkommen. Mit Kyoll haben wir die Stricke, die uns hielten durchtrennt und uns zu neuen Horizonten aufgemacht.
Ihr bewegt Euch musikalisch auf breiten Pfaden von akustisch mittelalterlich mit leicht orientalisch anmutenden Einschlag bis hin zu Electro-Einflüssen. Selbst bezeichnet Ihr Euren Stil als Endzeit-Folk. Wie würdet Ihr einen völlig außenstehenden Euren Stil nahe bringen?
Gordon: Wir machen eine tanzbare Mischung aus Folk-, Industrial- und Electro-Einflüssen vor dem thematischen Hintergrund eines endzeitlichen Ambiente, die aus einschlägigen Filmen bekannt sein dürfte. Quasi die Musik, zu der Mad Max tanzen würde! Dieses Szenario lässt uns musikalisch eine absolute Narrenfreiheit, da die Zukunft bzw. Endzeit ja ein Produkt der Phantasie ist. Somit findet man bei uns eben diese konträren Musikstile vereint, so wie wir uns die Musik in einer dem Untergang geweihten Gesellschaft vorstellen bzw. wünschen.
Also sollte sich ein Außenstehender am besten ein paar Endzeit-Filme reinziehen, selbst Phantasien diesbezüglich entwickeln, und danach mit einer gewissen Portion Ironie unsere Musik auf maximaler Lautstärke hören!
Wie entstehen Eure Stücke? Erzählt doch mal bitte genauer, wie Ihr an Euer Songwriting herangeht?
Gordon: Wenn wir dafür ein Erfolgskonzept hätten, wären wir schon viel weiter ;-) Einige Stücke sind entstanden, indem jemand von uns aus der Mittelalter/Folk-Szene eine Melodie mitgebracht hat, die wir dann auf gut Glück mit Synthesizern unterlegt und arrangiert haben. Einige Stücke sind aufgrund irgendwelcher Beatbasteleien von Tybalt entstanden. Wiederum andere Stücke sind von Eviamara übernommen oder von vornherein von einer Person komponiert worden. Das schwierigste für uns sind die Texte, wir sind alle Musiker und keine Lyriker.
Lynn: Naja wenn vier kreative Köpfe ihre Zeit miteinander verbringen, entstehen immer irgendwelche klanglichen Gebilde, die als Inspiration für neue Songs dienen. Doch hauptsächlich entstehen die meisten Songs aus kraftvollen Beatlines, die aus Tybalts und Gordons Zusammenarbeit entstehen.
Was für Liedgut verwendet Ihr denn vorzugsweise für Kyoll?
Gordon: Vorzugsweise selbstkomponierte Melodien und Songs. Es finden sich zwar einige Einflüsse und Parts von traditionellem Liedgut, jedoch wird das nicht die Regel sein, so wie das momentane Songwriting läuft. Man wird aber den Einfluß dieser Richtungen immer raushören können . Es gibt glaube ich schon genug Bands, die zB. Das Palästinalied mit Synthies unterlegt haben; wir wollen jedoch etwas eigenes und (end-)zeitgemäßes produzieren, und dem Publikum neue Ohrwürmer mit folkloristischen Qualitäten verpassen.
Mit Eviamara habt Ihr ja schon eine produzierte CD im Gepäck. Inwieweit stehen diesbezüglich bereits Planungen mit Kyoll an?
Tybalt: Wir arbeiten fieberhaft daran!
Wer hatte die Idee zum Bandnamen und für was steht er bei Euch?
Gordon: Der Bandname stammt von Sarah und ist gälisch für „Musik“. Somit verbinde ich mit dem Namen Musik im eigentlichen Sinne, ohne irgendwelche stilistischen oder kreativen Einschränkungen von außen. Quasi die Musik, auf die wir gerade Lust haben.
Soweit Ich weiß, habt Ihr Eure Feuertaufe auf dem Livesektor ja schon bestanden, was steht diesbezüglich bei Kyoll noch auf dem Plan?
Gordon: Auf dem Plan steht natürlich „Auftreten, bis der Arzt kommt“. Leider haben wir uns von der Mittelaltermarkt-Szene soweit abgegrenzt, das wir in dem Sektor wohl nicht mehr auftreten können, was uns die Auftrittslage erschwert. Dementsprechend sind wir nach wie vor auf der Suche nach guten Gelegenheiten, das Publikum zum tanzen zu bringen. Auf den Myspace-Seiten ist Eviamara noch zu finden und bisher ist auch nichts von einem Schlussstrich zu lesen. Ist Kyoll denn nun als Nachfolgeband jener Formation zu sehen oder werden zukünftig beide Gruppen parallel weiter bestehen bleiben?
Tybalt: Nein! Kyoll ist eine eigenständige Band, die sozusagen aus der Asche von Eviamara hervorgegangen ist. Es sind ja auch nur Sarah und ich von der Band geblieben. Lynn und Gordon sind ja neu hinzugekommen bzw. wir hatten ja schon seit einiger Zeit gemeinsam gearbeitet.
So wie ich Moni (die Eviamara-Sängerin) kenne, wird sie wie Phönix aus der Asche zu anderer Zeit wieder mit Eviamara emporsteigen – das wird dann aber sicher ganz anders aussehen, als die Band bisher. Vorerst werden wir die myspace-Seite schliessen, aber alle Fans vorher informieren.
Was wünschen sich Kyoll für die Zukunft?
Gordon: Auftritte, Parties und Starallüren, und in ca. 20 Jahren den gemeinsamen Aufenthalt in der Betty-Ford-Klinik ;-)
Tybalt: aber mit Absturz-Partys und Konzerten dort! |