Künstler-Portrait:
Martina Girgel

Wer bereits im Besitz der aktuellen Dark Feather Compilation ist und auch die vorherigen Ausgaben kennt, dem wird aufgefallen sein, das ein gewisser Stilwechsel bei der Frontcovergestaltung eingetreten ist. Verantwortlich hierfür zeigt sich eine junge Künstlerin namens Martina Girgel aus St. Arnold, der Nähe Münsters. Mit ihrem sehr eigenwilligen, provokativen und interessanten Stil weckte sie mit ihren bisherigen Werken schon einiges Aufsehen. Das Dark Feather konnte ihr einiges der Hintergründe primär ihres künstlerischen Schaffens entlocken...
 
Dark Feather Ausgabe 5

Hallo Martina, ein herzliches willkommen beim Dark Feather! Gleich zu Beginn die Frage: Wie lange widmest Du Dich schon der Kunst?

Es ist für mich schwer einzuordnen ab welchen Punkt ich angefangen habe mich bewusst „der Kunst zu widmen“ da ich seit ich denken kann schon immer ein stark ausgeprägtes Bedürfnis hatte mit Farben umzugehen und meine Ideen und Eindrücke auf einem Medium zu verabeiten. Sei es auf Papier oder doch lieber die Wohnzimmerwand gewesen, der Drang war immer da. Die bewusste Reflexion jedoch darüber was ich tue und was ich von Kunst erwarte fing ab meinem 16ten Lebensjahr an und dauert bis heute an. Seither befinde ich mich in einem permanentem Wandel und auf der Suche nach immer besseren Ausdrücksmöglichkeiten.

Wo wir gleich bei Ausdrucksmöglichkeiten sind… Die Philosophie Deiner Arbeiten drückt die bewusste Auseinandersetzung mit dem Thema Individuum vs. Gesellschaft aus. Kannst Du uns noch etwas mehr zu dieser Philosophie erzählen und was hat Dich veranlasst sich mit Ihr auseinanderzusetzen?

Es handelt sich hierbei um die Fokussierung des einzelnen im Kontext Gesellschaft und die Frage  „Wer bin ich in all diesem Gewirr?“. Die Inspiration rührt dabei aus meinen eigenem Leben, denn nicht nur dass ich selbst Individuum einer Gesellschaft bin, ich habe natürlich auch mit Menschen zu tun, die sich durch die Gesellschaft kämpfen müssen. Für mich sind sie die „Unknown Soldier“, die sich durch das Leben schlagen und nach einem eigenem Weg, einer eigenen Identität suchen während sie von allen Seiten durch Medien manipuliert werden, die durch Konditionierung und andere Maßnahmen versuchen den Geist des Einzelnen zu brechen und zu bezwecken, dass ein jeder nur noch Konsument und Käufer ist.  Individuum vs. Gesellschaft meint also den inneren Konflikt, sich fauler Hirnleere und Konsumsucht hinzugeben oder sich davon zu lösen, aber isoliert und einsam, dafür aber frei und selbstbestimmt zu sein.

Deine visuellen Arbeiten gehen Hand in Hand mit literarischen Texten, das eine ist von dem anderen untrennbar. Was hat es genau mit dem „fallenden Stein“ auf sich?

Der fallende Stein ist eine Metapher für den Menschen, der sich nach und nach von der Gesellschaft trennt und nun klar sieht und ihn die dadurch errungenen Erkenntnisse langsam in den Wahnsinn treiben. Arbeit und Text ergänzen sich gegenseitig. Meine Arbeiten stellen den Jetzt-Zustand dar, meine Texte den inneren Konflikt und die Konsequenzen.

Interessant finde ich auch, dass Du mit Deinen Werken den Betrachter bewusst provozierst und verstörst, ihn ein Spiegelbild vorstellst, sodass er am Ende durch seine Ablehnung sich selbst verurteilt. Welche Reaktionen konntest Du denn bisher am häufigsten bei den Betrachtern Deiner Bilder feststellen?

Die Betrachter lassen sich oft in zwei Reaktionsarten unterteilen:
Die einen sind empört, gar wütend und leicht aggressiv darüber was ich ihnen unter die Nase setze und die anderen gucken sich die Bilder an und wissen nicht so recht wo sie es einordnen sollen. Beide Reaktionen sind willkommen, da die einen wütend sind und das ist ein Indiz dafür, dass sie etwas in dem Bild erkannt haben, was vielleicht einen Teil oder eine Angst von ihnen darstellt und die anderen sind etwas irritiert und müssen erst mal über das ganze nachdenken und kommen dann vielleicht zu einem guten Ergebnis.

Dir ist es daher auch sehr wichtig, dass Du  mit Deinen Werken Gefühle der Ablehnung und Unverständnis erzeugst. Siehst Du dieses als Gesamtkonzept Deines Schaffens an, oder kannst Du Dir auch Veränderungen diesbezüglich in der Zukunft vorstellen?

Ich bin noch sehr jung und gerade am Anfang meines Schaffens, daher sind Veränderungen grundsätzlich möglich und auch notwendig um nicht zu stagnieren, allerdings kann ich mir vorstellen dass ich das Konzept immer ein Stück mitnehmen werde weil ich denke, dass es für meine Intention der richtige Weg ist.

Du hast schon recht früh mit privatem Unterricht angefangen, war für Dich schon immer klar, das Du Künstlerin wirst oder gab es da auch Phasen, in denen Du nach anderen Richtungen Ausschau gehalten hast?

Ich muss sagen, dass ich mir zu dem Zeitpunkt keine Gedanken darüber gemacht habe in welche Richtung ich mal gehen werde. Ich habe einfach gemalt und das bis heute. Natürlich habe ich auch überlegt einen anderen Weg einzuschlagen z.B. in die Sozialpädagogik, allerdings nie ernsthaft. Das Leben hat mich einfach in diese Richtung fließen lassen.  

Wie „veröffentlichst“ Du Deine Arbeiten? Einige Ausstellungen hast du ja bereits getätigt, ist es in der aktuellen Zeit schwer an Galerien und Ausstellungen ranzukommen beziehungsweise sie zu realisieren?

Ja es ist in dem Sinne schwer, weil man keine guten Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt bekommt wenn man nicht gerade ein bekannter und hoch geschätzter Künstler ist, der in diversen Kunstmagazinen behandelt wird. Stattdessen war es bei mir eher so, dass es ganz einfache Räumlichkeiten von Kneipen oder Jugendzentren waren und da sind die Möglichkeiten, die eigenen Arbeiten zu inszenieren sehr gering, daher denke ich schon, dass es sehr schwer ist eine wirkliche Ausstellung zu organisieren, allerdings bin ich froh über jede Ausstellungsmöglichkeit, die ich bekommen kann da ich die Menschen mit meinen Bildern erreichen möchte und wenn sie nirgends zu sehen sind kann dies dann nicht zutreffen.

Wie schätzt Du allgemein den Stand der Kunstszene anno 2009 ein?

Um dies zu beantworten müsste ich auch Ahnung von der Szene haben, allerdings sind die Zugangsmöglichkeiten ohne ein Studium in dieser Art, sehr begrenzt. Grundsätzlich habe ich aber den Eindruck, dass der Kapitalismus und Konsumwahn auch dort eingeschlagen hat. Neu – Modern – Teuer.

 

 

 

Welche Musikrichtungen bevorzugst Du, „Hälst“ Du Dich diesbezüglich auch eher im unkonventionellem Bereich auf?

Was Musik angeht ist das einzige Kriterium was sie erfüllen muss, dass sie qualitativ gut, ehrlich und authentisch ist. Ob es sich dabei um populäre Musik handelt oder nicht spielt für mich keine Rolle.

Und zu guter letzt… was wünschst du Dir für deine künstlerische Zukunft, welche Pläne und Ziele möchtest Du noch verwirklicht sehen?

Ich lass alles auf mich zukommen. Das nächste ist aber erst mal ein Studium an einer Kunstakademie.


Ich bedanke mich für dieses Interview, die letzten Worte gehören dem Künstler! :

Das Leben ist ein weißes Blatt, die Farben sind in dir...

visit: www.leila-lioba.de.vu

 

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