Kein Gothic-Metal, jedoch Gothic meets Metal, auch das kann Euren interessanten Musikstil nicht vollends beschreiben. Wie würdet Ihr selbst einem Außenstehenden Eure Kunst erklären?
Kunst ist ein sehr, sehr großes Wort, das wir im Bezug auf unsere Musik nur mit Vorsicht gebrauchen. Kunst liegt schließlich immer im Auge des Betrachters. Neben der oben stehenden Definition kann man sagen, dass wir einfach die Musik machen, die wir selbst mögen, auch wenn es teilweise schwierig werden kann, die unterschiedlichen Geschmäcker auf einen Nenner zu bringen ;-). Diese unterschiedlichen Ansichten und Ideen versuchen wir, in unseren Songs umzusetzen.
Kürzlich musstet Ihr einen Wechsel hinter der „Trommelbude“ verzeichnen. War es schwer adäquaten Ersatz zu finden und wird der Wechsel der Person auch gleichzeitig einen kleinen Wechsel der stilistischen Einflüsse mitbringen?
Das Enno die Band verlassen hat, ist seiner Arbeit und seinem neuen Wohnort geschuldet. Wir haben uns in aller Freundschaft getrennt und wünschen Enno alles Gute und viel Erfolg für seinen weiteren Lebensweg. Wenn man so lange mit einem Menschen zusammen gearbeitet, gespielt und geprobt hat, dann wächst natürlich auch eine zwischenmenschliche Beziehung. Also blicken wir durchaus mit etwas Wehmut zurück auf die vergangene Zeit.
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Chris, unseren neuen Drummer, kennen wir schon seit einigen Jahren. Manche länger, manche weniger lang ;-). Er hat Cella'Door schon bei so manchem Konzert in der Vergangenheit zur Seite gestanden, allerdings hielt er sich da zumeist vor der Bühne auf und leitete unsere Technik. Mit unseren Songs ist er also vertraut.
Das ein Wechsel an einer in der Rhythmusgruppe so prägnanten Position die eine oder andere Veränderung mit sich bringt, liegt wohl in der Natur der Sache, zumal kaum zwei Drummer den gleichen Stil fahren. Wie sich die Songs, die wir jetzt mit Chris einstudieren verändern, ihren Charakter entwickeln, ist für uns alle ziemlich interessant. Wohin genau die Reise führt, können wir so frisch nach dem Wechsel noch nicht einmal genau sagen. Es bleibt also spannend.
Euer aktuelles Album heißt „Endland“, jenes habt Ihr letztes Jahr auf das Szene-Volk losgelassen. Welchen Kontext verfolgt Ihr auf jenem, ist es gar als ein Konzeptalbum anzusehen?
Das ist eine recht schwierige Frage ;-). Aufgenommen haben wir das Album im Studio des Musikzentrums Hannover, die Aufnahme und Produktion der CD verdanken wir unserem Sieg beim 'Sixpack Bandcontest'. 'Endland' ist der Titel eines Songs auf dem Album, dieser beschreibt das Schicksal einer Rasse, die durch Habgier und Rücksichtslosigkeit alles verliert. Eine Entwicklung also, die man heutzutage nahezu überall auf diesem Planeten beobachten kann.
Ein Konzeptalbum ist 'Endland' nicht, auch wenn die Grundstimmung vieler Lieder ähnlich düster ist. Trotzdem wollen wir nicht etwa Schwermut oder Depression verbreiten. Was jeder einzelne sich zu unseren Songs und Texten denkt, soll im Grunde dem Hörer selbst überlassen bleiben. Er muss schließlich die Verknüpfung zu seiner Geschichte finden, zu seinem Hintergrund herstellen.
Wunderschön finde ich neben den klassischen und rockigen Vocals immer wieder den sehr bedacht und stets zur richtigen Zeit erscheinenden Einsatz von Geige und Piano. Gehörten diese Elemente schon immer zur Musik von Cella’ Door?
Ja. Da Geoffrey einen Großteil der Komposition übernimmt und er bei uns die Tasten bedient, liegt es irgendwo in der Natur der Sache, dass das Keyboard nicht nur eine untergeordnete Rolle spielt. Die Geige ist einfach ein Instrument, dass, zumal wenn es allein eingesetzt wird, aufgrund der ihm eigenen Klangcharakteristik gerade für Soli bzw. 'herausragende' Parts geeignet ist und eben – logischer Weise – eher nicht für den 'Klangteppich'. Da unsere Songs während der Proben gemeinsam entstehen bzw. von allen und vor allem zusammen entwickelt werden, hat sich dieser Sound irgendwann ergeben.
Vor „Endland“ konntet Ihr bereits mit zwei Demo-E.P.`s aufwarten, wie lange gibt es Cella’ Door eigentlich schon?
Cella'Door gibt es jetzt seit sieben Jahren, allerdings brauchten wir davon mindestens zwei, um unseren Stil zu finden und zu festigen. Anmerken sollte ich vielleicht, dass es in der ganzen Zeit lediglich zwei Besetzungsänderungen gab, die aktuellen mitgerechnet.
Die erste CD markiert dabei unsere ungestüme Zeit und ist im wesentlichen ein semiprofessionell aufgenommenes Demo. Auch bei dessen Umsetzung wirkte übrigens Chris schon auf technischer Seite mit. Eine Veröffentlichung von „Demo“ war eigentlich nie geplant. Das geschah auf ausdrücklichen Wunsch unseres Publikums.
„Winter“, unsere zweite EP haben wir dann auf ähnliche Weise aufgenommen, allerdings steckte da auch Veröffentlichungsabsicht und der Wunsch nach mehr Professionalität hinter.
Was kommt jetzt, nachdem Ihr wieder komplett seid, was steht auf Eurer großen Wunschliste der Zukunft?
In naher Zukunft werden wir erstmal in der neuen Besetzung die alten Songs einüben. Dann steht erstmal Songwriting auf dem Programm, bevor wir dann auf die Bühne zurückkehren wollen. Derzeit befinden wir uns in einer Phase des Umbruchs und der Neuorganisation der internen Strukturen.
Zum Abschluss die 3 Standardfragen vom Dark Feather:Wie seht Ihr die Entwicklung für Bands speziell in Subkulturen wie der Gothic- und Metal-Szene?
Auch wenn die Musik-Industrie das vermutlich sehr ungern hören wird, ist die klassische Musikerkarriere, wie es sie noch vor 20 Jahren gab, so gut wie tot. Und daran ist die Industrie, sind die Labels zu einem nicht unerheblichen Teil schuld. Heutzutage wird leider viel zu wenig auf eine kontinuierliche Entwicklung der Künstler geachtet und gesetzt. Wenn ich all die Retortenbands und gecasteten Superstars sehe, die in Rekordzeit aufgebaut, vermarktet und dann fallen gelassen werden, muss ich sagen, dass die Krise der Plattenfirmen, besonders der Majors, leider hausgemacht ist.
Wir bewegen uns in einer Szene, die recht überschaubar und deshalb zumindest zum Teil von den Kommerzinteressen verschont geblieben ist. Außerdem ist die Tatsache, dass die Industrie den Live-Markt als gewinnbringend entdeckt hat ein Glücksfall für uns, da die Chancen vor Publikum zu spielen ständig zunehmen.
Welche Vor- und/oder Nachteile seht Ihr in großen Webcommunities wie z.B. myspace?
Die zunehmende Vernetzung der Bands und Fans erhöht natürlich die Chancen sich gegenseitig Auftrittsmöglichkeiten zu verschaffen und über Mundpropaganda bekannter zu werden. Auch kann man auf diesen Wegen schnell Feedback erhalten und sie allgemein zur Kommunikation mit anderen Musikern und den eigenen Hörern nutzen.
Was waren bei Euch die bisher positivsten, schrägsten und was die schlechtesten Erfahrungen in der Musikwelt?
Hm, auch wieder eine schwierig zu beantwortende Frage. Positiv würde ich sagen, ist mir vor allem die Bandfactory Niedersachsen in Erinnerung geblieben, die von der LAG Rock veranstaltet wird. Eine kostenlose Veranstaltung, bei der professionelle Coaches, also Profis aus dem Musikbusiness, sich die Zeit nehmen, um junge Bands zu begutachten, ihnen Tipps zu geben und sich um deren Vorankommen zu kümmern. Es ist schön zu sehen, dass es in der Branche auch Menschen gibt, die nicht nur einen BWL-Hintergrund haben und sich allein um die Vermarktung eines Produktes, in diesem Fall der Musik, sorgen.
Schräg ist, dass manche Gigs, die von außen völlig durchgeplant und superprofessionell wirken, im Vorfeld manchmal alles andere als das sind. Ich erinnere mich da an einen Auftritt auf einem Festival, bei dem wir ursprünglich Open-Air spielen sollten, die Verantwortlichen vor Ort uns aber entweder für eine klassische Mittelaltercombo oder eine Elektroband hielten (was davon zutrifft, weiß ich bis heute nicht). Auf jeden Fall sahen uns die Techniker erst verwirrt an, als es hieß, dass wir ein Schlagzeug dabei haben. Wenn drei Stunden vor Konzertbeginn von einem Techniker die Frage kommt: „Ihr habt ein Schlagzeug? Ein echtes?“, dann rutscht einem erstmal das Herz in die Hose. Immerhin wurde schnell umdisponiert, wir spielten im Saal und der Techniker war überglücklich, dass er seine Schlagzeug-Mikrofone endlich mal zum Einsatz bringen konnte. Die hatte er nämlich 'vorsichtshalber' mitgebracht.
Ich bedanke mich für dieses Interview, die letzten Worte gehören dem Künstler! :
Wir haben zu danken. Vielleicht sieht man sich ja mal, auf der einen oder anderen Bühne. |