Asche des Lebens

Das Knochenspiel beginnt...ein Projekt namens Asche des Lebens, dahinter ein Kopf namens Fabian Fischer, jener seit einigen Jahren aus einem Topf scheinbar unausschöpflicher Inspirationen seine Ideen nimmt und jene in immer wieder neue Veröffentlichungen fließen lässt. Obendrein setzen sich seine Produktionen größtenteils als ganze Konzeptalben zusammen, so wie bei seiner jüngsten 2009er Veröffentlichung "Schwarze Mythen". Wir freuen uns, das er sich die Zeit für folgendes Interview mit uns genommen hat...

 
Dark Feather Ausgabe 7

Hallo Fabian, erst einmal herzlich willkommen beim Dark Feather! Du bist die Hauptperson hinter Asche des Lebens, wer oder was steckt noch dahinter?

Hallo und vielen Dank für Euer Interesse!
Nun, die Frage nach dem „Wer?“ lässt sich nicht allgemeingültig beantworten. Vielmehr haben auf einigen Alben ganz verschiedene Gastmusiker, -sänger, -artworker, etc. mitgewirkt. So kamen beispielsweise die Gitarrenaufnahmen beim „In der Dämmerung“-Album von André Heerling, der übrigens auch an meinem Nebenprojekt Black Sol (http://www.myspace.com/blacksolmetal) beteiligt war, durch das ich meine metallische Seite auslebe.
Der Großteil der Alben stammt jedoch komplett von mir und, so wie es momentan aussieht, wird es so auch erstmal weitergehen.
Und „was“ noch dahinter steckt? Realistisch betrachtet größtenteils mein Computer. ;)
Metaphysisch gesehen vielleicht ein unergründbarer Drang, Erlebtes und Erdachtes in die Kunstform der Musik zu pressen und somit für die Außenwelt – und manchmal auch sich selbst – zugänglich bzw. verständlich zu machen.

Du bist seit ungefähr sieben Jahren mit dem Projekt dabei und hast bereits schon eine stattliche Anzahl von Demos produziert. Nimmt die Asche des Lebens da nicht mittlerweile schon Deine gesamte Zeit ein?

Sieben Jahre sind es noch nicht ganz, zumindest mit Asche des Lebens. Ich muss dazu sagen, dass ich schon vor Asche des Lebens kleinere musikalische Gehversuche unternommen habe, auch das Nebenprojekt Black Sol existierte schon früher. Allerdings hat sich Asche des Lebens über die Jahre als das größte und wichtigste Projekt herauskristallisiert und ist sicher auch das mit Abstand bekannteste geworden.

Ashe des Lebens 1

Die Zeit, die Asche des Lebens in meinem Leben einnahm, hatte wohl zu Zeiten des sehr persönlichen „Grenzgänger“-Albums ihren Höhepunkt. Damals habe ich wirklich nicht viel anderes getan: Sobald ich zu Hause war, wurde der Rechner eingeschaltet und komponiert bzw. getextet usw. Im weiteren Verlauf kamen solch unangenehme Verpflichtungen wie Abitur, Zivildienst etc. dem Musikerleben ein wenig in die Quere und ich musste meine Kreativphasen einschränken.
Vor kurzem habe ich jetzt mein Studium begonnen und von daher – mal wieder – wenig Zeit. Es existieren aber genügend lose Ideen, Konzepte und Kompositionsansätze, um die Asche des Lebens jederzeit wieder in Bewegung zu setzen. ;)

Apropos Projekt, bei Deinen Produktionen kamen also hin und wieder auch mal Gastmusiker zum Einsatz. Kam da jemals der Gedanke auf, das Ganze einmal zu einer Band heranwachsen zu lassen?

Der Gedanke kam natürlich, aber so einfach ist das nicht. Welcher junge, aufstrebende Musiker will sich schon einem mehr oder weniger Einmann-Underground-Projekt unterordnen? Und eine „echte“ Band mit kreativem Input von allen Beteiligten kam für Asche des Lebens eigentlich nie in Frage, dazu ist das Ganze größtenteils viel zu persönlich. Es gab zwar abseits des Projekts andere Band-Versuche meinerseits, die aber mittlerweile alle nicht mehr aktuell sind und ehrlich gesagt habe ich auch kein so großes Problem damit.

Auffallend ist, dass Deine Produktionen meistenteils in Richtung Konzeptalbum gehen. Was inspiriert Dich beim Songwriting, woher nimmst Du die Ideen für dieses Unterfangen?

Zunächst einmal mag ich Konzeptalben einfach unheimlich gerne, sofern sie natürlich gut gemacht sind. Solche Alben wirken zumeist einfach viel durchdachter als eine bloße Zusammenstellung von Einzelsongs. Daneben kann eine Geschichte, die über Albumlänge erzählt wird, mindestens genauso spannend sein, wie die Musik selbst.
Inspiration kann dabei aus ganz verschiedenen Quellen stammen. Oft waren es persönliche Erfahrungen wie beim bereits erwähnten „Grenzgänger“-Album, manchmal aber auch einfach Interesse für bestimmte Themenkomplexe oder die Freude am Geschichtenerfinden und -erzählen. Wobei jene Geschichten wiederum von vielem inspiriert sein können: Lyrik, Bilder, Filme, die mediale Welt geht an keinem spurlos vorbei.  
Wenn jedenfalls ein Startpunkt gefunden ist, entwickeln sich zumeist recht schnell diverse zusammenhängende Ideen daraus, die dann „nur“ noch umgesetzt werden müssen.
Die bisherigen Alben beschäftigten sich beispielsweise mit Schizophrenie („Wir ~ das verkannte Leiden“), Endzeit-Visionen („Pandämonium“) oder im Falle von „Equilibrium“ sogar einer von mir eigens für dieses Album verfassten Kurzgeschichte, die es übrigens auch online im MySpace-Blog nachzulesen gibt: http://blogs.myspace.com/index.cfm?fuseaction=blog.view&friendId=128831059&blogId=370487500 

Dein jüngstes Release heißt „Schwarze Mythen“, ein sehr episches komplexes Werk. Was genau hat es hiermit auf sich?

Wie es bei einem progressiv eingestellten Künstler sein muss, ist „Schwarze Mythen“ natürlich mein Lieblingswerk von Asche des Lebens, es ist schließlich das aktuellste. ;)
In Sachen Songwriting bin ich auf diesem Album einen Schritt in wesentlich komplexere Gefilde gegangen als noch bei vielen seiner Vorgänger. Es gibt zwar auch ein paar eingängigere Stücke, der Großteil der Songs hat jedoch Überlänge und besteht aus vielen verschiedenen Parts. Da wäre beispielsweise die gut 24-minütige Trilogie am Anfang des Albums, die zugleich die ersten englischsprachigen Texte auf einem regulären Asche-des-Lebens-Album beinhaltet. Sicher sind diese drei Songs mit die bisher düstersten und doomigsten, die ich in meiner Musikerlaufbahn geschrieben habe.
Dazu kommt das pompöse, über zehn Minuten lange, „Windspiel aus Knochen“, welches erstmals bereits vor vier Jahren auf meinem zweiten Album „Ins Schattenreich“ erschien. Ich hatte schon lange den Wunsch, es zu restaurieren, da ich es zwar für eine großartige Idee hielt, jedoch mit der Umsetzung und vor allem dem Sound schon lange nicht mehr zufrieden war. Zudem passte es auch perfekt ins Konzept von „Schwarze Mythen“, das im Grunde selbsterklärend ist. Es handelt sich eher um ein loses Konzeptalbum, auf dem verschiedenste Schauergeschichten erzählt werden.
Übrigens ist „Schwarze Mythen“ auch das bisher aufwendigste Album in Sachen Produktionszeit. Zwar gab es zwischenzeitlich einige kreative Pausen, jedoch wurde im Grunde – von der Ideensammlung bis hin zum fertigen Album – ungefähr zwei Jahre kontinuierlich an dem Werk gefeilt.

Bei so vielen Outputs, gab oder gibt es da keine Kontakte zu Plattenfirmen? Oder gehst Du da eh gleich neue Wege, was zum Beispiel den Vertrieb betrifft?

Bislang habe ich meine Alben nur selbst vertrieben, sprich selbst gebrannte CDs mit selbst gedruckten Covers etc. herumgeschickt. Das ist natürlich keine besonders ertragreiche Methode. Dennoch spielt das Erlangen eines Plattenvertrages momentan eine sehr untergeordnete Rolle für mich, da ich mit meiner Musik in erster Linie Kunst erschaffen will und Kunst frei von allen Zwängen produziert werden sollte. Sobald ein Label im Spiel ist, ist Musik eben immer auch „Ware“ – so großartige millionenfach verkaufte Alben es auch geben mag. Kapitalismus ist nun mal einfach scheiße. Hehe!

Was wünscht sich Fabian Fischer noch für seine weitere musikalische Zukunft?

In erster Linie mehr Mittel, um den Sound- und Produktionsstandard wenigstens annähernd auf das Level des angestrebten Songwriting-Niveaus steigern zu können. Ansonsten kann man sich nicht oft genug die Inspiration an sich wünschen, wobei das vermutlich auch nichts daran ändern wird, dass sie eben mal kommt und mal nicht kommt.
Ach, und außerdem wünsche ich mir Zeit. Viel frei verfügbare Zeit für viele kreative Denk- und Schaffensprozesse. Willkommen in Utopia! :)

Asche des Lebens 2

Zum Abschluss die 3 Standardfragen vom Dark Feather:Wie siehst Du die Entwicklung für Bands speziell in Subkulturen wie der Gothic-, Metal- und artverwandten Szenen?


Ich stehe eigentlich überhaupt nicht so auf diese so genannten „Szenen“. In meinen Augen stehen sie eher für Selbstlimitierung als –verwirklichung. Eine rein musikalische Einteilung in Genres ist natürlich sehr sinnvoll, gerade wenn man auf der Suche nach neuem Hörfutter ist, aber in den Begriff der „Szene“ spielen ja noch enorm viele andere Faktoren rein: angebliche gemeinsame Ideale, bestimmte Denkweisen, Modeströmungen und was weiß ich noch. Das Individuum bleibt da gerne mal auf der Strecke.
Trotzdem muss ich sagen, dass ich es persönlich so empfinde, dass zumindest die musikalische Offenheit innerhalb der „Szenen“ immer mehr wächst und unter den Hörern, abgesehen von einigen nicht totzukriegenden Scheuklappenfanatikern, zunehmend auch andere Genres als akzeptiert gelten und nicht gleich Spott und Hohn nach sich ziehen. Das ist natürlich vor allem für experimentelle und über Genregrenzen hinaus kreative Bands eine sehr positive Entwicklung und auch für die Musik und die Kunst im Allgemeinen. Her mit dem Fortschritt, weg mit den Grenzen!

Welche Vor- und/oder Nachteile siehst Du in großen Webcommunities wie z.B. myspace?


Also die Nachteile sind ja in der Öffentlichkeit aktuell ziemlich diskutiert, allerdings gelten diese vor allem für Privatprofile. Natürlich sollte man schauen, was genau man da so von sich preisgibt.
Für Bands bzw. Künstler sehe ich in solchen Plattformen eigentlich nur Vorteile. Auf MySpace beispielsweise kann sich jede Band kurz und bündig präsentieren, inklusive Hörproben, Informationen, etc. Die einfache und kostenfreie Nutzbarkeit machen es auch und gerade für junge, aufstrebende, noch gänzlich unbekannte Künstler zu einem großartigen Mittel, um auf sich aufmerksam zu machen und irgendwie an die Öffentlichkeit zu kommen.

Was waren bei Dir die bisher positivsten, schrägsten und was die schlechtesten Erfahrungen in der Musikwelt?

Da sich meine Erfahrungen in der „Musikwelt“ zumeist auf mich selbst beschränken, sind die positivsten Erfahrungen für mich einfach diese seltenen Momente der, ich würde es mal so nennen, „totalen Inspiration“. Es gibt kaum etwas künstlerisch Erfüllenderes, als wenn die Noten, der Text, das Gesamtwerk usw. einfach heraus fließen und man den kreativen Prozess in keinem Moment als anstrengend empfindet. So geschehen beispielsweise bei „Ein Windspiel aus Knochen“ oder der bereits erwähnten Trilogie auf dem neuen Album „Schwarze Mythen“. Da kann es schnell passieren, dass morgens der Rechner angeht, man die Kopfhörer aufzieht, komponiert und textet und sich bis spät in die Nacht hinein selten bis gar nicht von der Stelle bewegt. ;)
Und schlechte Erfahrungen? Klar, die Phasen, in denen Inspirationsebbe herrscht und man einfach keine Ideen hat, von denen man überzeugt wäre – obwohl da in manchen Fällen sogar ganz gute dabei sein können. Manchmal mag man einfach nicht, was man fabriziert.
Daneben habe ich die Erfahrung gemacht, dass es einfach viel zu viele Musiker gibt, deren Unzuverlässigkeit einfach unermesslich ist, was auch ein Grund ist, warum ich gerne größtenteils allein arbeite. Aber dazu aus Personenschutzgründen lieber keine näheren Informationen. ;)

Ich bedanke mich für dieses Interview, die letzten Worte gehören dem Künstler! :

Ich habe Dir und dem Dark Feather zu danken! Es ist schön zu sehen, wenn Musikmagazine sich auch um weniger bekannte Projekte kümmern und ihnen eine Plattform bieten.
Zum Schluss möchte ich für alle Interessierten noch auf meine MySpace-Seite http://www.myspace.com/aschedeslebens verweisen, auf der es News, Infos, Hörproben und vieles mehr zu „Asche des Lebens“ zu finden gibt.
Auf bald!

 

visit: www.myspace.com/aschedeslebens

 

 

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