Hallo Ashes Of A Lifetime, herzlich willkommen beim Dark Feather! Stellt doch bitte einmal zu Beginn die Band kurz vor, wer zeichnet sich für was bei Euch verantwortlich?
Nils: Hi, erstmal danke, dass wir Eure Aufmerksamkeit bekommen. Wir sind ASHES OF A LIFETIME aus Coburg in Oberfranken an der Grenze nach Thüringen.
Seid diesem Album steht unser Line-Up endlich mal stabil, da wir in den letzten 5 Jahren des häufigeren Abgänge in der Band zu verzeichnen hatten.
Wir sind André am Schlagzeug und ich am Gesang, welche noch aus der Ur-Besetzung übrig sind, Daniel am Bass, Sebastian als Lead-Gitarrist und mein alter Kumpel alias Riffgott Stephan an der Rhythmus-Gitarre, mit welchem ich bereits vor 10 Jahren schon gemeinsam Musik gemacht habe.
Stephan: Unsere weiteren Funktionen in der Band sind relativ gleichmäßig verteilt. André macht neben seinen Studioaktivitäten (Fortefortissimo Recordings) die ganze Technik, Sebastian kümmert sich des häufigeren um die Webpräsenzen und Myspace-Designs, Daniel kümmert sich um den Bassnachwuchs der gesamten Coburger Musikszene. Nils und ich schauen nach den Bookings und externen Kontakten. Die Songs werden meist von allen gemeinsam im Studio bzw. einzeln via GuitarPro erschaffen und jeder gibt dann seinen Senf dazu.
Kürzlich habt Ihr mit „When All Goes Up in Flames“ Euren dritten Output unter die Szene gestreut, welches ordentlich druckvoll daherkommt und obendrein noch mit einem sehr eigenständigen Sound auftrumpft. Wie seht Ihr selbst den Verlauf Eurer Entwicklung rückblickend im Vergleich zu Eurem ersten Release, der „The End“ E.P. vor vier Jahren? |
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Nils: Ich glaube, dass „When All Goes Up In Flames“ die Entwicklung der Band an sich reflektiert. Es war nicht leicht in den letzten Jahren. Wir hatten insgesamt 7Personen in unterschiedlichen Positionen, welche aufgrund Ihres Berufes oder Studiums, aber auch aufgrund persönlicher Probleme das Weite gesucht haben. Mit jedem Besetzungswechsel verändert sich logischerweise auch der jeweilige Output. Ich bin froh wie alles gelaufen ist und würde glaube ich jede Entscheidung für die Band wieder genauso treffen wie wir sie fällten. „When All Goes Up In Flames“ zeigt somit, dass wir uns nicht unterkriegen lassen und konsequent versuchen, in eine gemeinsame Zukunft zu blicken. Und die sieht derzeit nicht mal soo schlecht aus. |
Mit Eurer Mischung zwischen hartem Metal und klassischen Hardcore, habt Ihr nicht gerade ein neues Genre erfunden, dennoch ist Eurer Musik eine gewisse Eigenständigkeit erfreulicherweise nicht abzuleugnen! Wie lange habt Ihr an diesem, Eurem ureigenen Sound gefeilt?
Nils: *Kratzt sich ratlos am Kopf*
Stephan: Nils und ich hatten 1997-2000 eine gemeinsame Band namens „Forgiveness Denied“. Wir brachen damals die Zelte ab, weil wir beide damals in musikalisch separate Richtungen gelaufen sind. Es lässt sich aber nicht abstreiten, dass wir damals bereits einen sehr ähnlichen Sound hatten und wir – hätten wir damals weitergemacht – garantiert nicht als „Mitläufer“ in Bezug auf heutige „Trends“ bezeichnet worden wären. „When All Goes Up In Flames“ war bei meinem Einstieg bereits zu großen Teilen fertig gestellt. Dennoch habe ich dieses alte, ungezwungene Flair von damals gespürt und es hat mich deswegen gereizt wieder gemeinsam Musik zu machen. Ich glaube ganz einfach es wird nicht wirklich gefeilt, des Rätsels Lösung ist einfach, dass jeder der Burschen aus einer komplett anderen musikalischen Ecke kommt. Nils aus dem Hardcore und Andre z.B. ist unsere Metalmachine. Sebastian und Daniel sind unsere Youngsters und gleichzeitig aber unsere Progressiven der Band. Bis jetzt habe ich also nicht beobachten können, dass groß gefeilt wurde. Es wird immer Musik gemacht und Bock macht, die allen etwas gibt. Das kam halt denk ich einfach ohne nach zu denken dabei raus.
Wie verläuft bei Euch eigentlich das Songwriting und von wem und was seht Ihr Euch beeinflusst?
Nils: Das Songwriting findet bei uns direkt in den Fortefortissimo Recordings Studios, welches André – unser Drummer – selbst betreibt, statt. Meistens kommt irgendjemand von uns mit einem Grundriff und wir bauen gemeinsam alles Weitere drumherum. Beeinflusst werden wir meistens durch den echt schlechten Schlagzeuger aus dem Proberaum direkt über dem Studio, welchen wir zwar nicht persönlich kennen, ihm aber aufgrund seines täglichen Übungsterrors gerne einen Drumworkshop aus der Bandkasse finanzieren würden.
Stephan: Die Vorproduktionen werden dann bis zum Erbrechen von jedem gehört. Sollte dann noch jemand einen Song geil finden, dann kommt er aufs nächste Album. ;-)
Da wir alle recht unterschiedlichen Alters sind, ist auch der Musikgeschmack und dementsprechend die Einflüsse recht vielfältig und würden sich hier niemals komplett nennen lassen.
Wie vertreibt Ihr Eure Scheiben, gab oder gibt es Label oder Vertriebskontakte?
Stephan: Nein, leider hatten wir bislang weder Label noch Vertrieb, was zum Teil nicht unbedingt an fehlenden Angeboten lag als vielmehr daran, dass wir die eigene Persönlichkeit der Band wahren wollten. Viele Labels knebeln Bands dermaßen, dass mir keiner erzählen kann, dass die Bands wirklich glücklich sind.
Nils: *Nickt zustimmend*. Mensch Stephan, du sprichst mir aus dem Herzen. *grinst*
Nur des Namens wegen sollte sich keine Band verkaufen, da ich davon überzeugt bin, dass man mit der Sparte Musik ohnehin niemals reich werden wird. Nichts desto trotz können wir anmerken, dass jetzt doch endlich ein Label unter allen Anbietern war, welches unseren Vorstellungen entspricht. Dazu können wir aber erst etwas äußern, wenn wir wirklich unterschrieben haben Wir sind aber in dieser Hinsicht diesmal seeeeehr zuversichtlich .
Um aber mal auf deine Frage zu antworten: Wer jetzt ne Platte will, schreibt ne Mail und kriegt gegen nen „Unkostenbeitrag“ ne Platte! ;-) |
Angelehnt an Eurem Bandnamen und getreu Eurem Albumtitel kündigt Ihr an, auch Live alles „in Schutt und Asche zu legen“ :-) Was kann der Fan und Leser von einer Ashes Of A Lifetime erwarten?
Nils: Naja, Stephan und ich haben die 30er-Marke mittlerweile geknackt, da geht gar nix mehr. Andre sitzt eh hinterm Schlagzeug und versucht so energiearm wie möglich zu spielen, die einzigen die noch ein wenig herumzappeln sind Daniel und Sebastian, dafür verspielen die sich aber andauernd.
Stephan: …also ich würde auch nie auf ne Show von uns gehen. Und wenn dann auch noch diverse Leute in der Band anfangen sich immer auf der Bühne auszuziehen, dann könnt ich das kotzen kriegen.;-)
Wie geht es nun weiter nach diesem Release, die Messlatte im Genre habt Ihr Euch mit Eurem neuesten Baby ja sehr hochgelegt?
Nils: Wir haben uns noch nie bewusst mit einem Release aus der Vergangenheit gemessen. Dies wir auch hinsichtlich „When All Goes Up In Flames“ nicht stattfinden. Wir produzieren wie oben angesprochen immer – wenn es Zeit und Muse zulassen – im Studio vor. 2 Songs stehen bereits und ich muss sagen, dass ich mir relativ sicher bin, dass diese den zuvor bereits angesprochenen „Hören-bis-zum-Erbrechen-Test“ bestehen. Es ist mal wieder alles ganz anders und trotzdem ASHES OF A LIFETIME. Da wir die Musik natürlich auch für uns selbst machen, ist der Anspruch an uns selbst natürlich jedes Mal sehr hoch. |
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Zum Abschluss die 3 Standardfragen vom Dark Feather: Wie seht Ihr die Entwicklung für Bands speziell in Subkulturen wie der Metal- und artverwandten Szene(n)?
Nils: Für meinen Teil kann ich nur sagen, dass Musik – wie von dir angesprochen – in „Subkulturen“ wie der Metal- und artverwandten Szene sich unentwegt weiterentwickelt hat. Ich denke an Zeiten zurück, in welchen ich um 7.30 Uhr morgens vorm Plattenladen meines Vertrauens stand und wartete bis die Türen sich öffneten, um mir zum Erscheinungstermin Anno Dom. 1994 Machine Head´s „Burn My Eyes“ zu kaufen. Ich glaube, ich habe damals ne Platte ein Jahr am Stück gehört. Damals hatte eine Neuerscheinung noch einen ganz anderen Wert wie es heute aufgrund des Internets und seinen Downloadmöglichkeiten der Fall ist. Nichts desto trotz kann man auch sagen, dass diese Entwicklung in die Neuzeit auch die qualitativ hochwertigen Bands auf eine gewisse Art und Weise pushen kann. Bei mehr als geschätzten hundert interessanten Neuerscheinungen am Tag bleibt es nahezu jedem verwehrt alles zu kaufen. Man sollte jedoch den Guten die Chance geben, sie mit einem Kauf nach „Antesten“ zu unterstützen und Ihnen die Daseinsberechtigung zu bestätigen. Weiterhin konnte man ebenfalls beobachten, dass Metal mal trendy mal weniger trendy war und ich glaube, dass es so ist wie in der Tierwelt: „Only The Strong Survive“! Irgendwann werden Trenderscheinungen wieder erloschen sein. Ob das nun der Metalcore, zu welchen wir uns aufgrund von ein paar Elementen in unserer Mucke immer bekennen sollen oder Emo etc. sein wird – keine Ahnung. Gute Musik wird immer überleben und die paar Vollpfosten, die Wert auf Seitenscheitel, Jogginghosen und Affentänze auf Konzerten legen bzw. jeder Unterkategorie des Metals einen besonderen Namen geben müssen, wird es eh bald wieder nicht mehr in der Szene geben. Glaub mir bitte, ich habe die in den 90er bereits schon mal bei Biohazard gesehen, dann kam das Ganze aus der Mode, es wurden sich Regenhosen gekauft und im Zappelschuppen abgegangen und jetzt hat sich halt ein Vertreter von Tokio Hotel der modernen Metalszene die Haare schön gemacht und sie sind wieder auf Konzerten zu finden, um dem Krampf nachzueifern. Ich mach mir da keine Gedanken. Die Zeit wird’s richten.
Was sagst du dazu, Stephan?
Stephan: *Nippt gelangweilt an seinem Bier* Lieber nix mehr, sonst fängst du mit deiner Predigt eventuell wieder von vorne an. Ähem, weißt du noch als wir bei Crowbar damals…, das waren noch Zeiten. ;-)
Welche Vor- und/oder Nachteile seht Ihr in großen Webcommunities wie z.B. myspace?
Stephan: Sag ich halt auch mal wieder was und zwar anders als im Punkt zuvor in nur zwei Sätzen.
Ein Vorteil ist auf jeden Fall, dass man kostenlos und mit relativ wenig Aufwand eine unheimliche Anzahl von Leuten erreicht. Der Nachteil ist, dass man als Band heutzutage nur noch an Klicks und Besuchern gemessen wird und somit eine Schein-und-Sein-Gesellschaft aufgebaut wird, denn nicht die Anzahl der Besucher auf der Seite sondern der Inhalt der Seite (Musik) sollte entscheidend sein, ob eine Band gut oder schlecht ist. Mehr führe ich hierzu lieber nicht aus.
Was waren bei Euch die bisher positivsten, schrägsten und was die schlechtesten Erfahrungen in der Musikwelt?
Nils: Naja, wir hatten da mal vor Jahren ein Konzert in unserer direkten Umgebung. André ist gefahren und hat mich zum Soundcheck mitgenommen. Es war jedoch vereinbart, dass wir nach dem Soundcheck nochmals nach Hause fahren, um die lange Warterei zur Show etwas abzukürzen. Nach Beendigung des Soundchecks ließ ich André wissen, dass ich nochmals für kleine Schreihälse musste. Als ich wieder vom Klo zurückkam, habe ich mich noch mit dem Inhaber des Ladens kurz unterhalten, weil ich dachte, dass André noch was aus dem Auto holt oder oder oder.
Auf jeden Fall habe ich ihn nach 15 min angerufen und er ließ mich wissen, dass er mich vergessen hat, obwohl schon gemeinsam auf dem Weg ins Auto waren und ich nur „abgebogen“ bin.
Nachdem André der Einzige in der Band ist, der niemals raucht noch trinkt oder sonst was tut, bin ich nicht unbedingt überzeugt davon, ob diese gesunde Lebensweise gut für das Hirn ist. ;-)
Stephan: Da ich erst vor Kurzem zu ASHES OF A LIFETIME gewechselt bin, könnte ich euch nur von meinen wilden Touren mit Rawside erzählen, von denen ich so manches Mal nur noch in Bruchstücken aufgrund der Exzesse und dem damit verbundenen Gedächtnisverlust im Tourbus erzählen könnte. Aber ich arbeite Konzert für Konzert hart daran, dass sich Erfahrung mit ASHES OF A LIFETIME nicht zu tief im Hirn festsetzen. ;-)
Ich bedanke mich für dieses Interview, die letzten Worte gehören dem Künstler! :
Danke an alle, die sich die Mühe gemacht haben, das Interview zu lesen. Danke an alle, welche sich ernsthaft mit unserer Mucke auseinandersetzen. Danke an Dark Feather für diese nette Runde..
Ganz nach unserem Standardmotto: „Mosh hard or die tryin´“… |
Ashes Of A Lifetime „When All Goes Up in Flames“ (2009)
Mit “When All Goes Up in Flames” legen die Franken von Ashes Of A Lifetime bereits ihren dritten Output vor. Und durch jenen bringen sie uns einen explosiven Cocktail aus hartem Metal und klassischem Hardcore mit ins Wohnzimmer. Nein, keine andere Umschreibung für eine weitere siebenunddreißigtausendste Metalcore-Kopie. Zu vielseitig sind die Einflüsse, zu eigenständig ist vor allem der Sound dieses Full-Length-Release. Bewusst oder unterbewusster Reifeprozess, hin oder her: gerade mit jenem haben sich AOAL eine Nische geschlagen, in der sie ihre Wege nach eigenen Maßstäben und Erfahrungswerten beschreiten. Die 13 Songs tragen ihre eigene Handschrift, kommen mit Härte aber nicht Generve daher, denn immer wieder sorgen interessante Melodiebögen für eine gelungene Abwechslung, setzen ebenso die eingesetzten Samples immer wieder neue Spannungsmomente. Man macht nicht halt davor, auch innerhalb der Songs mit differenzierten Stilen und Subsounds zu variieren. Mit diesem Album haben die Jungs zwar das Rad nicht neu erfunden –wer will und kann das schon-, haben es aber doch geschafft, eine nicht unbeträchtliche Portion Innovation in der härteren Gangart des Metal einzubringen und sich damit ihre Messlatte selbst hoch angelegt, aber das stört ihnen für die Zukunft wahrscheinlich genauso wenig wie irgendwelche Konventionen. Interessantes Album! |
| visit: www.myspace.com/ashesofalifetime |
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