Hallo Michael, erneut ein herzliches Willkommen beim Dark Feather! Wie geht’s Dir oder soll ich besser fragen, was macht die Kunst?
Danke der Nachfrage Holger, ich bin recht zufrieden. Am meisten freue ich mich darüber, das ich nach über einem dreiviertel Jahr reiner Produktionsarbeit, die nur aus abmischen und mastern bestand, mich endlich wieder dem Komponieren und Aufnehmen neuer Musik widmen kann. Ein paar neue Songs sind schon fertig, zumindest in ihrer instrumentalen Version. An 2 Songs arbeiten gerade die Sängerinnen und nehmen ihre Gesangsspuren auf. Alle neuen Songs werden, nachdem ich sie abgemischt und gemastert habe, als Downloadversionen auf verschiedenen Portalen veröffentlicht. Wobei es mit iTunes immer etwas länger dauert, da ausschließlich nur große Labels und deren Vertriebe einen eigenen Zugang zu iTunes haben. Ich muss da immer ein paar Umwege in Kauf nehmen…. |
| Du warst bereits vor einigen Monaten in unserer zweiten Ausgabe zu Gast, damals hast du uns und den Lesern mit „Time Stand Still“ bereits einen interessanten musikalischen Vorgeschmack gegeben, auf das was da kommen wird. Mittlerweile hast Du die komplette CD fertig gestellt, welche den Titel „An Island In The Desert“ trägt. Wie zufrieden bist Du rückblickend mit dem Ergebnis, gibt es etwas Außergewöhnliches aus den letzten Monaten zu berichten?
Ich bin mit dem Album sehr zufrieden, besonders unter den etwas widrigen Umständen unter denen die CD entstanden ist. Es ist zwar nicht an jeder Stelle so „rund“ wie es sein sollte, aber das hat technische Gründe. Wie Du ja weißt spielte ich vor „Time Stand Still“ ausschließlich
Instrumentalmusik, wofür meine bis dato genutzte Recording Software bestens geeignet war und ich damit blind zurechtgekommen bin. Für das bearbeiten und abmischen von Gesangsspuren erwies sich das Programm allerdings als untauglich, sodass ich mich also noch während des Aufnehmens weiterer Musik mit der Einrichtung und Funktionsweise einer neuen Recording Software beschäftigen musste. |
 |
Zu allem Überfluss waren meine ursprünglichen Audiodateien nicht immer kompatibel zum neuen Programm, sodass ich mich nun mit vielen Audioformaten und den wichtigsten Auflösungen in Bit und Hertz bestens auskenne. Und da mir die Arbeit einen so großen Spaß bereitet hat, habe ich mich dann auch noch gleich dazu entschlossen nicht nur alles alleine zu mischen sondern auch noch das Pre - Mastering für das Presswerk zu übernehmen. Ich muss sagen dass ich Wasser und Blut geschwitzt habe, denn hätte mein Audiomaster Fehler aufgewiesen wäre eine sehr teure Nachbearbeitung eines externen Studios fällig gewesen. Schließlich diente mein angefertigtes Master als Vorlage für das Glasmaster des Presswerkes. Die kleinsten Fehler in den angelieferten Musikdateien stoppen sofort die Herstellung des Glasmasters und der daraus zu pressenden CD. Aber – wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Die Techniker des Presswerks hatten nichts zu bemängeln. Die so gemachten Erfahrungen werden mir im Laufe meiner weiteren musikalischen und produktionstechnischen Tätigkeit zugutekommen. Denn ich bezweifle das ein externes Masteringstudio meine Soundvorstellungen 1 : 1 berücksichtigt und umgesetzt hätte. Schließlich habe ich mich schon zuvor mit einigen Produzenten und Technikern über mein Projekt unterhalten, und bereits zum damaligen Zeitpunkt stellten sich nicht zu unterschätzende Zwistigkeiten heraus. Ich möchte das meine Musik zu 100% so klingt wie ich es mir vorstelle. Der Sound macht die Musik… insbesondere die von Black Chameleon.
Was den Gesang betrifft so haben alle Sängerinnen großartiges geleistet. Ich bin mit dem Gesang und den Interpretationen der Texte sehr zufrieden und stolz darauf, solch hervorragende und einzigartige Stimmen in den Songs zu haben.
Damals hattest Du mit der Diana eine Gastsängerin am Start, mittlerweile sind in Deinem Projekt drei weibliche Gesangsstimmen involviert. Sind mittlerweile einige fest dabei, kann man am Ende gar noch von einem Projekt sprechen oder ist da schon eine ganze Band zusammengewachsen?
Fest ist relativ, würde Einstein sagen. Es ist nach wie vor ein Studioprojekt mit der fernen Absicht, die entstandenen Songs zu einem späteren Zeitpunkt mit einer kompletten Band auch Live zu präsentieren. Aber da sprechen wir über einen Zeitraum von mehreren Jahren. Schließlich haben die an meiner Musik beteiligten Sängerinnen ja auch noch andere Projekte oder Bands mit denen sie arbeiten. Priorität für mich ist erst mal das aufnehmen und veröffentlichen weiterer Songs. Je mehr das öffentliche Interesse an Black Chameleon wächst, umso eher wird es auch eine Live-Band geben. Was die Sängerinnen betrifft, so werden alle 4 bisher Mitwirkenden für mich stets die erste Wahl sein.
Dein Vorgeschmack mit „Time Stand Still“ versprach nicht zuviel und erwies sich keineswegs als Eintagsfliege, das ganze Album ist wahrlich sehr beeindruckend. Was inspiriert Dich, um ein Album wie dieses fließen zu lassen?
„Fließen“ ist das entscheidende Wort. Alle Songs des Albums sind auf ihre eigene Art und Weise homogen. Musik und Gesang passen zueinander und bilden ein ganzes, eine Einheit. Zwar gab’s (aus den vorher beschriebenen technischen Gründen) den einen oder anderen Stolperstein zu bewältigen, was mir nicht immer vollständig gelungen ist - aber im Großen und Ganzen ist das Album sehr „rund“. Nicht immer, aber doch klar überwiegend. Was die Inspiration betrifft… es ist ganz einfach „meine Musik“, mein eigener Rhythmus, meine Melodien. Da sind keine bewusstseinserweiternden Drogen oder sonst was geheimnisvolles im Spiel – meine Musik ist zu 100% authentisch und ehrlich.
Weiterhin benutze ich eine sehr moderne Software zum aufnehmen und abmischen, die mir unzählige Automatik- und Korrekturfunktionen bietet – Rhythmusmaschinen und nachträgliches zurechtrücken (Quantisieren) der aufgenommenen Instrumente gibt’s bei mir trotzdem nicht. Ich spiele alles mit Metronom bzw. „Klick“ im Ohr ein. Wenn etwas absolut daneben ist, nehme ich es ab der fehlerhaften Stelle oder komplett neu auf, so wie es früher in den analogen Studios an der Tagesordnung war. Ich nutze zwar die Digitale Technik, arbeite beim aufnehmen aber analog. Auch wenn ich auf dem Album fast ausschließlich digitale bzw. „virtuelle“ Softwareinstrumente benutze – jeden Ton den Du hörst habe ich auch in dem entsprechenden Timing so gespielt. So sind die sich teilweise minutenlang wiederholenden Hammond- oder Streichersequenzen in einigen Songs quasi „Live“ eingespielt. Keine Loops oder sonstwas automatisches. Denn genau das macht meine Musik aus und lässt sie „fließen“… Ich zitiere gerne den österreichischen Komponisten Gustav Mahler der einst sagte: „Das beste an der Musik steht nicht in den Noten.“ Erst recht nicht in steril quantisierten Noten möchte ich da noch hinzufügen… ich bin Musiker, kein Programmierer.
Wie gestaltete sich der Produktionsprozess im Besonderem zu „An Island In The Desert“?
Wie bereits erwähnt, gab es ein paar technische Hürden zu bewältigen. Ich bin froh das ich mich entschieden habe, die Hürden alleine zu bewältigen. Die gemachten Erfahrungen werden mir in Zukunft manches erleichtern und ersparen. Es war ein experimentelles Mammutprojekt, vieles war einfach „learning by doing“. Insbesondere bin ich auf das Mastering stolz, denn damit beschäftigen sich nur die wenigsten Musiker. Dabei gibt das Mastering der Musik den letzten und entscheidenden Schliff. Dafür dass ich hier zum ersten mal gemastert habe, bin ich hochzufrieden.
Mittlerweile hast Du/Ihr mit Rockwerk Records auch ein Label im Rücken? Was verbirgt sich dahinter und wie kam es dazu?
Naja, wir haben weniger ein Label im Rücken sondern mehr einen Labelcode auf der CD und dem Backcover. Diesen Labelcode brauchst Du wenn Du dir z.B. Hoffnungen machst, mal im Radio gespielt zu werden. Denn über den Labelcode rechnen die Radiosender mit der GVL (Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten) in Berlin ab. Da ich mir Hoffnungen machte (und immer noch mache…) vielleicht auch mal im Radio gespielt zu werden brauche ich also einen Labelcode. Es gibt verschieden Plattenlabel und Vertriebe die ihren Code zur Nutzung anbieten. Ich kann aber jedem nur raten sich genau durchzulesen was die dafür als Gegenleistung haben wollen. Rockwerk Records gehört dem „Deutschen Rock Musikerverband“ (www.drmv.de). Gegen eine geringe Gebühr kann man als Vereinsmitglied die Nutzung beantragen, was absolut fair und wirklich frei von „Kleingedrucktem“ ist. Rockwerk Records ist einfach nur ein bei der GVL registriertes Label, kein Vertrieb und keine PR Agentur. Alternativ hätte ich selbst ein Label gründen müssen – d.h. Gewerbeschein beantragen, bei der GVL für einen 3-stelligen Eurobetrag und mehrmonatige Wartezeit einen Labelcode beantragen und dem Finanzamt im Voraus Steuern für Umsätze zu zahlen, die fern jeder Realität sind. Die Mitgliedschaft im DRMV hat sich für mich in vielerlei Hinsicht gelohnt, denn dort bekommst Du auch kompetente Beratung in Sachen „GEMA“. Da ich die CD im Presswerk herstellen lassen wollte, musste ich mich zwangsläufig auch mit der GEMA – Thematik beschäftigen. Merke: Keine CD/DVD verlässt ohne Wissen/Genehmigung der GEMA ein deutsches Presswerk. Wobei die GEMA sich ja gerne als Interessenvertreter der Musikurheber darstellt…. weit gefehlt. Die GEMA besitzt in Deutschland das alleinige Recht der „mechanischen Vervielfältigung von Bild-, Ton- und Datenträgern“. Dieses Recht macht die GEMA in Form von Lizenzen jedem zugänglich, wozu die GEMA auch gesetzlich verpflichtet ist. Nur drängt sich da natürlich die Frage auf: was kostet mich die Lizenz? Generell sind die GEMA Gebühren nicht unbescheiden.
Um mich kurz zu fassen: Man muss kein GEMA Mitglied sein um im Presswerk eine CD herstellen zu lassen. Und GEMA Gebühren muss man auch nicht zahlen. Man muss nur das richtige Formular der GEMA ausfüllen, und da sind wir „unbürokratischen“ Deutschen doch stets besonders „tricky“. Denn – auf den Internetseiten der GEMA sucht man dieses Formular vergebens. Das bekommt man nur auf schriftlichen Antrag (Email reicht aus) zugesandt. Was die Urheberrechte von Musikern angeht – damit hat die GEMA wenig bis nichts am Hut. Im Grunde ist sie (von der Verwaltung des Rechts zur mechanischen Vervielfältigung abgesehen) sowas wie ein Inkassounternehmen.
Man kann seine Urheberrechte von einem Verlag verwalten lassen (ist sehr teuer). Man kann sie aber auch gegen Ausstellung eines Zertifikates bei einem Registraturdienst der Rechtspflege oder einem Fachanwalt für Medien- oder Musikrecht hinterlegen. Das ist meist sehr viel preiswerter.
Wie geht es nun weiter, soweit Du erwähntest, beabsichtigst Du in Zukunft auch akustische Gitarrensounds in Eure Musik einfließen zu lassen? |
 |
Ja, ich habe noch einiges vor und viele musikalische Ideen, die ich umsetzen werde. Akustische Gitarren, aber auch Flöte spielen bereits in den ersten neuen Songs eine Rolle. Stilistisch würde ich meine Musik am ehesten mit der progressiven Rockmusik der 70er Jahre vergleichen, allerdings halte ich meine Musik auch für recht originell und präge weiterhin meinen eigenen Stil. Die beiden ersten neuen Songs, die bald veröffentlicht werden, sind „Stranded“ und „Room Of Thoughts“. Beide wieder sehr atmosphärisch und sehr ruhig, aber dennoch deutlich anders als die Songs der ersten CD. Nicht nur wegen akustischer Gitarre und Flöte, sondern auch der Gesamtsound hat sich verändert.
|
|
Zur Zeit arbeite ich an „Living In Constant Changes“, was wieder mit Hammond und sehr viel mehr „Rock“ daherkommt. Auf jeden Fall dürfen die Fans von mir geprägte, ehrliche und originelle Rockmusik erwarten. Ich denke doch dass meine Musik bereits einen hohen Wiedererkennungsfaktor hat.
Die drei Standardfragen des Dark Feather brauch ich Dir ja nicht mehr zu stellen, die hast Du ja in der zweiten Ausgabe schon beantwortet, daher jetzt mal zu Abschluss eine ganz andere Frage: Was für verrückte Ereignisse sollten möglichst Deine musikalische Zukunft noch durchkreuzen, was wäre noch mal das absolute „freaky“ Ding? ;-)
Ein absolutes Highlight wäre eine Einladung zu einer Drum Battle mit Phil Collins…
Ich bedanke mich für dieses Interview, die letzten Worte gehören dem Künstler! :
Ich möchte mich bei allen Lesern und den Machern des Dark Feather bedanken, denn solch unabhängigen und freien Magazine sind für jeden Musiker/Künstler enorm wichtig. Hier stehen Objektivität und Kreativität im Vordergrund. Alles basiert auf gegenseitigem Respekt und dem gemeinsamen Interesse an guter Musik. Während die großen Magazine und Medienkonzerne nur auf kommerzielle Aspekte achten, steht hier musikalisches Können und Originalität im Vordergrund – frei von allen Berührungsängsten und Stilübergreifend. Erhaltenswerte und vorbildliche Eigenschaften, wie ich finde. Vielen Dank & macht weiter so!!! |
Black Chameleon „An Island In The Desert“ (2009)
Die Augen geschlossen, die Ohren auf und Zurücklehnen, ach und nicht vergessen, jetzt werden die Alltagsprobleme in den Kerker geschlossen, denn „Island In The Desert“ nimmt uns mit auf eine achtundsechzigminütige Reise; auf eben jene Insel, eine Wüste um diese herum wird dabei allerdings gar nicht mehr registriert. Erstaunlich, was Mastermind Michael Voss hier bereits bei seinem Debüt vollbracht hat. Denn dieses Album blüht nur so vor Emotionen. Stets getragen von atmosphärischen Streichern, den bei Black Chameleon typischen Hammond Sounds und begleitet von dezent aber wirkungsvoll eingesetzten Schlagzeug und Bässen wird hier ein Freiraum geschaffen, der gleich Platz für drei Gastsängerinnen des Projektes offenbart. Und jene setzen sich mit ihren eindrucksvollen Stimmen nahtlos auf den von Michael produzierten Soundteppich. Die zwölf Songs fließen stets ineinander, kein Wunder, hat man sich hier doch gleich an ein Konzeptalbum herangewagt, welches sich inhaltlich mit der Sinnsuche der Menschen auseinandersetzt. Man merkt dem Album an, das jenem Raum und Zeit zur Reife gegeben wurde, hier nichts überhastet erarbeitet oder gar an Rechnern zusammengestückelt wurde. Gewöhnungsbedürftig könnte lediglich für manch einen der sehr eigenständige Sound dieses Werkes sein, macht Michael doch auch oder gerade hier absolut keine Kompromisse um seine Vorstellungen zu verwirklichen. Ein sehr eindrucksvolles Debüt! |
visit: www.myspace.com/theblackchameleon
www.blackchameleon.de |
< zum Inhaltsverzeichnis |
|