Metamorph

Gerade mal vor zwei Jahren zu einem festen Line-Up gefunden präsentieren uns METAMORPH aus Münster bereits ihr zweites Output. Ging man beim 10-Track-Demo noch melodischer zu Werke, so trägt der Death Metal der Jungs aus Münster anno 2009 deutlich härtere Züge. Und jene stehen ihnen aufgrund des aktuellen zu hörenden Materials hervorragend zu Gesicht. Das Material ist stark, ausgereift und birgt genug Raum für interessante abwechslungsreiche Parts. Obendrein ist "Lamashtu" auch gleich noch ein Konzeptalbum worden. Verdammt hohes Potenzial steckt in dieser Band, von der wir hoffentlich noch viel zu hören bekommen! Wir feuen Euch folgendes Interview mit dem Quintett präsentieren zu können.
 
Dark Feather Ausgabe 7

Hallo Metamorph, willkommen beim Dark Feather! Stellt Euch doch zu Beginn bitte einmal kurz vor, wer bedient bei Euch was?

Matse: „Ich den Laptop!“
Timmey: „Also zusammenfassend: Hens Joppe spielt die Gitarre und steuert gelegentliche cleane Vocals bei. Der melancholische Anteil in unseren Songs ist hauptsächlich auf Riffs von Hens Joppe zurückzuführen. Matses Gitarrenspiel sorgt eher für Brutalität in den Songs, was ein guter Kontrast zu Hens Joppe's Melancholerik ist. Ich schreie und grunze. Phil ist mit seinem Bassspiel das Bindeglied zwischen Gitarrenarbeit und Drums, aber auch vereinzelte traumhafte Melodieläufe entspringen seinen Fingern. Wagner haut halt drauf!
Das ganze resultiert dann in (unserer Meinung nach) Death Metal.“

 

Metamorph 1

Ihr habt Euch Anfang 2007 gegründet und bereits einige Monate später ein 10-Track-Demo fertig gestellt, außerdem schon erste Liveerfahrungen sammeln können. Standen die Zeichen bei Metamorph von Anfang an auf „Sturm“?
Phil (plaudert aus dem Nähkästchen): „... (belangloser Mist) … Ganz im Gegenteil. Das offizielle Gründungsdatum fällt eigentlich in die Zeit in der wir endlich ein festes Lineup gefunden hatten. Wir dachten bereits geraume Zeit vorher an den Bandnamen Metamorph, doch viele Memberwechsel machten es eigentlich unsinnvoll das ganze eine Band zu nennen. Ende 2006 meldete sich dann endlich Wagner auf eine unserer unzähligen Anzeigen und durch einen feinen Zufall stieß Timmey noch dazu.“

Matse: „Wenn man an diesem Zeitpunkt ansetzt, kann man deine Frage allerdings mit JA beantworten. Als wir vollzählig waren starteten wir so richtig durch. Das unsere 10-Track-Demo so schnell reingeprügelt wurde, lag wohl daran, dass alle Songs bis auf einen vorher schon geschrieben waren - mit dilettantischen Homerecording-Aufnahmen und Guitar-Pro-Songs konnten die anderen den Kram schnell lernen. Die Songs haben wir uns dann möglichst schnell reingeprügelt, da unser erster Gig schon früh feststand - der war schon sechs Wochen nach unserer ersten Probe mit dem festen Lineup. Einen Selbstläufer kann man das ganze aber nun doch nicht nennen - es lief insgesamt gut aber wir hätten auch gerne mehr Auftritte gespielt ;-)“

Das Ihr Euch nicht erst seit 2007 der Musik widmet, ist nicht zu überhören. Wie lange sind denn die einzelnen Members schon aktiv?

Hens Joppe: „Als in meinem Dorf so angetrunkene Asis rumstanden und 'MASTER, MASTER' brüllten hab ich mich dazugestellt und mitgebrüllt. Zwei Tage später war ich Sänger bei den Vögeln von 'Final Attack'. Das war mein Start ins Bandleben, mit dem ernsthaften Gitarrenspielen hab ich aber erst 2006 wieder angefangen. Man sollte auch erwähnen, dass ich zu dem Gedankenkonstrukt 'Metamorph' zunächst als Sänger gestoßen bin.“
Phil: „Ich betätigte mich in diversen schlechten Rockkapellen – mit den immer gleichen Leuten. Schon ziemlich lange her... ich weiß et nich mehr wie lang!“
Wagner: „Über die letzten acht Jahre hatte ich einige kleine Bandprojekte, die mehr oder weniger erfolgreich liefen. Stilistisch ging das Ganze von Neo-Thrash bis Black Metal.“
Matse: „Ich schließe mich mal Phil an, weil unsere Bandvorgeschichte ab einem gewissen Zeitpunkt deckungsgleich ist! Allerdings hab ich immer schon zuhause meine Songs aufgenommen, die dann doch schon eher Metal waren.“
Timmey: „Der Staubsauger hat mir bei meinen ersten Gesangsübungen geholfen (die Frequenzen decken sich wunderbar ab)! Ich hab auch zuhause viel an meinen eigenen Grindcore-Sachen gebastelt und da meine Stimme geübt. Über den Grindcore-Kram bin ich dann nach nen paar Jamsessions mit verschiedenen Leuten zu einer kleinen Death Metal Band gekommen, das ist aber im Proberaum erstickt irgendwann. Dann kam 'Metamorph'.“

Und nun habt Ihr mit „Lamashtu“ bereits Euren zweiten Output losgelassen, welcher gegenüber dem Demo deutlich härter klingt. Welches war aus Eurer Sicht der deutlichste Reifeprozess zum Vorgänger?

Hens Joppe: „Ausschlaggebend ist wohl, dass wir für 'Lamashtu' alle Songs zusammen geschrieben haben. Dadurch entstanden Konstrukte auf die eine einzelne Person wohl nicht gekommen wäre – mal extreme Brüche, mal ausladende Parts.“
Matse: „Wir haben auch alle an unseren Instrumenten deutlich zugelegt. Mit dem Skill zur Demo-Zeit hätten wir 'Lamashtu' definitiv nicht aufnehmen können.“

Warum eigentlich „Lamashtu“? Was bringt Ihr damit auf dem Release zum Ausdruck?

Timmey: „Gute Frage! In vielen Reviews hab ich bisher gelesen, dass die Schreiber dachten, es ginge tatsächlich um die assyrische Dämonin des Kindbettfiebers, und die ganze "Lamasthu"-Trilogie handle davon - in Wirklichkeit geht es da um eine Liebesgeschichte, die schon unter schlechten Vorzeichen beginnt - davon handelt der erste Teil, "A Thousand Lifeless Shards". Während "Dance of The Praying Mantis" steigert sich der Protagonist nun aber so in diese Sache hinein, dass er im Laufe der Geschichte den Verstand verliert, er wird sehr labil und paranoid, seine übersensiblen Emotionen verwirren ihn und sorgen dafür, dass er diese Frau immer mehr vergöttert, also anbetet, fürchtet und hasst - sie wird zu seiner persönlichen Lamashtu. Dann kommen wir zu "Tabula Rasa", dem dritten Teil der "Lamashtu"-Trilogie - "tabula rasa" ist die lateinische Bezeichnung für eine leere Schiefertafel. Es steht auch für die philosophische Idee, dass unsere Seelen bei der Geburt wie leere Tafeln sind, auf die im Laufe des Lebens, durch die Erfahrungen die wir machen, Worte geschrieben werden. Dieser Song beginnt mit dem Mord an Lamashtu und endet mit dem Selbstmord des Protagonisten, da er in seinem Wahn zu erkennen meint, dass er ohne diese Göttin keinen Sinn in der Welt hat - und im Moment des Todes realisiert er, dass da nichts mehr kommt - seine Seele ist leer, sinnbildlich, so wie die leere Tafel.
Wenn ich Death-Metal-Texte schreibe geht es immer um Wahnsinn, Verzweiflung und sowas, ich mein, wer will denn tobend auf der Bühne stehen, bangen, schwitzen und dann sowas wie 'Ich hatte heut nen richtig tollen Tag, ayayay' ins Mikro grunzen? Überhaupt, grunzen und schreien macht man doch heutzutage gar nicht mehr im normalen Alltag. Nennt mir eine (!) Situation, in der ihr mal einfach so grunzt oder schreit, und das normal für euch ist!“
Hens Joppe: „Einkaufszentrum!“
Matse: „Telefonzelle!“
Wagner: „Kino!“
Timmey: „Was ich damit sagen will, ist: Der natürliche Lebensraum des Growlers ist der Wahnsinn. Wenn ich grunze oder schreie, spiele ich einen Wahnsinnigen - und 'spreche' mit den Texten seine Gedanken aus. Nur wenn ich das tue, kann ich sowas fabrizieren und dabei glaubwürdig sein. Es kann gut sein, dass es Sänger gibt die das anders sehen, aber so empfinde ich das jedenfalls. “


Welche Ereignisse waren ausschlaggebend, das Ihr Euch den melodischen Elementen Eures vorherigen Death-Metal-Stils doch mehr abgewandt habt?

Hens Joppe: „Ich mochte noch nie Gefiedel! Ich denke unsere persönlichen Musikgeschmäcker haben sich in eine andere Richtung entwickelt. Das hat viel damit zu tun, dass wir uns gegenseitig neue Sachen gezeigt haben. Timmey kam zum Beispiel immer mit seinem Grindcore um die Ecke :-) „Hier, das ist der schnellste Scheiss, den ich je auf ner Platte gehört hab!!“ So hören wir heute völlig andere Bands als damals. Was früher 'Finntroll' oder 'Children of Bodom' für uns waren, sind heute wohl eher 'Necrophagist', 'Behemoth' oder 'Nile'. Das gilt natürlich nicht genauso für jeden von uns, aber das Prinzip kommt ungefähr hin!“

Ihr habt ja nun schon einiges an Liveerfahrungen sammeln können, was können Fans und Hörer, die Euch noch nicht gesehen haben, von einer Metamorph-Show erwarten?
Phil: „Kabel-Stolpereien, blutige Nasen, Haare in den Gitarrenköpfen und Timmey hat öfters mal ne Beule vom Bass!“
Wagner: „Ernst beiseite. Neben genannten Dingen auch jede Menge Spielfreude und eine gewisse Selbstironie.“
Hens Joppe: „Man kann von uns auch ziemlich lange Songs erwarten. Da kommts schon mal vor, dass wir mit vier Songs 40 Minuten Show füllen. Da steht zwar nicht jeder drauf, aber wir findens geil!“

Und was steht demnächst bei Euch auf dem Plan?
Timmey: „Momentan sind wir wieder fleißig am Songs schreiben. Wir haben natürlich schon irgendwo die nächste Platte im Kopf.“
Hens Joppe: „Wir wollen auch 2010 wieder so viele Auftritte wie möglich raushaun.“
Matse: „Wir haben ja auch parallel zur eigentlichen Band noch unsere kleine Community-Seite www.muensterland-metal.de. Da organisieren wir unter anderem in eher unregelmäßigen Abständen Konzerte in und um Münster – zum Beispiel die 'Deathinteresse'-Konzerte, die immer super laufen! So entstehen natürlich viele Kontakte zu andern Bands (z.B. 'Unsoul' aus Berlin, 'Warfield Within' aus M'Gladbach oder 'Scornage' aus Aachen) mit denen man dann auch hoffentlich öfters mal auftreten wird!“

Metamorph 2

Zum Abschluss die 3 Standardfragen vom Dark Feather:ie seht Ihr die Entwicklung für Bands speziell in Subkulturen wie der Metal- und artverwandten Szene(n)?

Phil: „Schwarz!“ (Alle lachen)
Timmey: „Ich finds eigentlich ziemlich gut, und ich denke, da können wir uns alle fünf drauf einigen, dass durch das Internet der kreative Anspruch an eine Band viel höher geworden ist, wenn sie sich durchsetzen will. Viele junge Bands haben keine Lust, im Dickicht der stilkonformen Melo-Death-, Old-School-Thrash- oder Metalcore-Bands unterzugehen und bringen dafür andere Musikrichtungen ein oder scheissen auf konventionelle Harmonien oder Strophe-Refrain-Schemata. Wenn man gerne progressivere, experimentelle, extreme oder auch einfach nur technisch anspruchsvollere Musik hört ist es viel einfacher geworden, auf Musik zu stoßen, die man so noch nie zuvor gehört hat. Früher hab ich ne CD verliehen, heute verschick ich nen myspace-link.“
Matse: „Was Konzerte angeht, ist hier in Münster jetzt viel mehr los als früher. Ominöser Weise machen die 'großen' Bands irgendwie immer nen Bogen um Münster (ab und an sieht man zwar schon ein größeres Konzert, aber sehr unregelmäßig) und so gab es bis vor einiger Zeit in Münster nicht viel für Metaller zu tun... Das hat sich aber sehr geändert. Man bekommt jetzt fast jedes Wochenende ein gutes Underground-Konzert zu fairen Preisen geboten. Das ganze läuft dann tatsächlich auch ähnlich professionell ab, wie große Konzerte – nur mit etwas weniger Publikum. Das ist eine super Gegenbewegung zum immer krasser kommerzialisierten Metal-Business.“

Welche Vor- und/oder Nachteile seht Ihr in großen Webcommunities wie z.B. myspace?

Matse: „So Geschichten wie MySpace sind in meinen Augen überbewertet. Klar, es ist ne gut geeignete Kommunikations-Plattform (wenn auch schlecht programmiert) für Werbung und Kontakt zu anderen Bands. Aber wir haben die Erfahrung gemacht, dass man sich für Auftritte gehörig den Arsch aufreißen muss. Die Gigs, die wir über Umwege wie MySpace bekommen haben, kann man an einer Hand abzählen. Insgesamt ist der Underground doch enorm voll, was durch MySpace ans Licht kommt. Wenn man aber über Wasser bleiben will, muss man viel auftreten.“

Was waren bei Euch die bisher positivsten, schrägsten und was die schlechtesten Erfahrungen in der Musikwelt?

Timmey: „Vor einem kleinen Gig in einer kleinen Kneipe hab ich mich mal mit dem Sänger der anderen, noch recht jungen Band gut betrunken. Ich war danach auf einem wunderbaren Pegel um nen Auftritt zu machen, aber als dann die andere Band anfing, fiel mir auf, dass ich den armen Jungen, ohne es zu merken, untern Tisch gesoffen hatte..! Aus seinem eigentlich guten Grunz-Organ kam nur noch Gegröhle – in dem Moment hatte ich erstmal ein schlechtes Gewissen, eigentlich war das aber schon sehr lustig.“
Phil plaudert mal wieder ausm Nähkästchen: „Ich hab tatsächlich eine progressive Death Metal Band (Unsoul) durch Münster's Kirchen führen müssen. Die hat das ernsthaft interessiert!“
Matse: „GEMA-Bögen machen immer Spaß :-) Unsere Songs werden zum Beispiel von 'G. Hut' (bitte englisch aussprechen) oder 'Todd G. Burt' komponiert.
Wagner: „Richtig schlechte Sachen haben wir zum Glück noch nicht erlebt. Aber manche Sachen stoßen einem schon übel auf. Wenn man dann auf einem echt schlecht organisierten Konzert spielt, wo es nicht mal nen Happen zu essen gibt und dann auch noch kaum Leute aufgrund mangelnder
Werbung kommen. Das nervt schon, weil wir selber uns immer mit 100% in Konzerte reinhängen.“
Hens Joppe: „Ich erinner mich (so gut ich kann) an einen unserer ersten Auftritte. Da war so ein kleiner Backstage-Raum mit jede Menge Bier – und auch jede Menge leerer Flaschen. Plötzlich rief jemand (der dort übrigens arbeitet): 'Guck mal! Ich hab en China' – und zack flog die erste leere Bierflasche auf den Boden. Das ganze artete dann enorm aus, weil jeder das mal machen wollte – ein absoluter China-Bierflaschen-Exzess. Der Boden sah echt schlimm aus nachher! Wir waren alle tierisch voll und ich glaube der Besitzer ist seitdem nicht mehr sonderlich gut auf uns und die anderen Bands zu sprechen... ;-)“


Ich bedanke mich für dieses Interview, die letzten Worte gehören dem Künstler!:

Künstler: „So long... and thanks for all the fish!“

 

 

visit: www.metamorph-metal.de

 

 

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