Ihr ward bereits im letzten Jahr in unserer allerersten Ausgabe zu Gast, damals ging es um eine allgemeine Bandvorstellung, denn Euer Debüt kam ja schon einige Zeit vor der Geburtsstunde des Dark Feather Zines ans Tagelicht. Mittlerweile habt Ihr nun Eure 10jährige Bühnenpräsenz gefeiert und mit „The World Starts Bleeding“ gleich noch einen Longplayer zum Jubiläum „rausgehauen“. Glückwunsch dazu! Wie verliefen denn die letzten Monate für Euch?
Wie schon gesagt hatten wir in letzter Zeit recht viel um die Ohren. Neben einigen größeren und erfolgreichen Auftritten dieses Jahr hatten wir uns das Ziel gesetzt, das neue Album parallel zu unserem Bühnenjubiläum fertigzustellen. Das hat uns natürlich etwas in Zeitdruck gebracht, da die Songs bis zum fest gebuchten Studiotermin komplett sein mussten. Nebenbei waren wir auch noch mit der Konzeption der 10-Jahres-Feier/Release-Party beschäftigt, für die wir uns einiges vorgenommen hatten. Wir konnten froh sein, dass die CDs gerade noch rechtzeitig zur Feier aus dem Presswerk kamen...
Was ist der größte Unterschied von „The Worlds Start Bleeding“ zu Eurem Vorgänger „Dark Poetry“ ?
In erster Linie ist TWSB um einige Spuren härter als unser Debüt- Album. Musikalisch bildet das neue Album jetzt umso mehr eine Einheit, was mit der relativ kurzen Zeitspanne des Songwritings zu tun hat. Das soll natürlich nicht heißen, dass alle Lieder gleich klingen - ganz im Gegenteil! Man hört aber deutlicher heraus, dass wir uns alle zusammen auf einen bestimmten Stil eingepegelt haben. TWSB ist also kompakter als Dark Poetry. Auf unserem Debüt fanden sich ehrlich gesagt alle Lieder, die wir von der Bandgründung an bis zur Aufnahme gesammelt und als fertig betrachtet hatten. Das war logischerweise einiges an verschiedenem Material, das über Jahre hinweg durch die Stilfindung mitgeschleift und immer wieder verändert wurde.
Außerdem arbeiten wir inhaltlich in eine etwas andere Richtung: Das erste Album behandelt eigentlich ausschließlich jede Art von Liebe und die damit verbundene Abhängigkeit; sei es Liebe zwischen zwei Menschen oder die reine Sucht nach diversen Dingen wie Drogen und Alkohol.
TWSB hingegen ist textlich sehr viel persönlicher und etwas "reifer" als sein Vorgänger.
Was drückt „The Worlds Starts Bleeding“ also in lyrischer Hinsicht aus?
Vorab muss man sagen, dass wir - für das Genre relativ untypisch - keine Mythologie oder Fantasygeschichten für unsere Texte verwenden, sondern sehr realistisch schreiben. Da wir ja leider alle von den Medien recht beeinflussbar sind und das Thema Weltuntergang momentan "in" zu sein scheint, haben wir uns gedacht, dass wir mit der Zeit gehen und quasi ein Konzeptalbum erstellen. Wie hoffentlich bekannt sein dürfte, endet im Dezember 2012 die Zeitrechnung der Mayakultur, was viele Menschen (und vor allem Hollywood) mit dem Untergang der Zivilisation und des Planeten gleichsetzen. Wir glauben aber weniger, dass ein großer Steinbrocken aus dem All oder eine monströse Flutwelle uns das Licht ausblasen wird, sondern vielmehr unser ganzes Verhalten untereinander. Darum geht es uns hier.
Wie gestaltete sich denn im Allgemeinen der Produktionsprozess zum neuen Output?
Dieses Mal hatten wir uns selbst einen straffen Zeitplan gesetzt und somit etwas mehr Disziplin geübt. An unserem ersten Album haben wir fast ein Jahr gearbeitet, was mit verschiedenen Dingen zu tun hatte. Wir haben damals mit unserem jetzigen Live-Mischer Oliver Klostermann in semi-privaten Sessions das ganze Album an verschiedenen Orten und in mehreren Zeitabschnitten eingespielt, was uns sehr aufgehalten hatte.
Für die zweite CD haben wir uns extra ein professionelles Studio gebucht und die ganze Scheibe in knapp 9 Tagen aufgenommen. So konnten wir wesentlich konzentrierter und zügiger arbeiten, was der Zeitplanung für dieses Jahr ganz gut getan hat. Während der "Sommerpause" und einigen Konzerten mussten wir noch das Master abwarten und die komplette Gestaltung der CD vornehmen, was leider etwas gedauert hat...
Kommen wir doch mal auf Euer Bühnenjubiläum zu sprechen. Leider konnte ich nicht anwesend sein, erzählt doch mal, war es ein erfolgreicher Abend, lief alles zu Eurer Zufriedenheit?
Ja, wir haben Dich sehr vermisst! Aber zum Glück waren noch recht viele andere Freunde und Fans da, um mit uns zu feiern.
Der Abend war sehr gelungen, soweit wir das beurteilen und uns auf die Äußerungen der anderen verlassen können. Wir hatten von Anfang an vor, unseren treuen Anhängern etwas Besonderes für diesen Abend zu bieten und haben recht früh mit der Planung angefangen. Eigentlich hat auch alles funktioniert, was geplant war: Ein von Fackeln eingerahmter roter Teppich für die Besucher am Eingang, ein kleiner Sektempfang, ein frei zu wählender Eintrittspreis, viele Rosen und viel schwarze Dekoration. Aufgeteilt wurde der Abend dann in zwei Blocks: Zuerst gab ein Freund von uns mit Hilfe von etwas wirren Notizen eine Zusammenfassung der Bandgeschichte und deren Mitgliedern, dann folgte ein Konzert in Abendgarderobe mit alten Songs aus den Anfangszeiten und einigen Stücken aus "Dark Poetry". Nach einem kurzem Plausch mit den Gästen und einem Projektor mit vielen Bandfotos, mussten wir uns auch schon umziehen für die zweite Runde. Währenddessen lief für das Publikum ein etwas 12minütiges Making-Of-Video unserer neuen CD auf einer großen Leinwand. Einige Leute waren recht überrascht, uns dort einmal von unserer "normalen" Seite kennenzulernen und amüsierten sich prächtig. Gleich im Anschluss daran haben wir unser neues Album komplett live vorgestellt und nach dem letzten Lied die CD endlich zum Kauf freigegeben.
(Soso…:) Da wir gerade bei Live-Gigs sind, in unserem ersten Interview kamen wir auf die nicht gerade entspannte Situation der Auftrittsmöglichkeiten für Undergroundbands zu sprechen und auf Eurer Wunschliste stand in erster Linie, live noch aktiver sein zu können. Wie sieht die momentane Situation aus?
Irgendjemand scheint unsere Wünsche gehört zu haben, denn dieses Jahr konnten wir echt nicht klagen, was die Auftritte angeht. Die Gigs wurden größer und interessanter - z.B. durften wir als Support für Szenebands wie Nachtgeschrei, Letzte Instanz und Schelmisch spielen, was uns natürlich sehr gefreut hat. Im Dezember treten wir außerdem noch zusammen mit Eisheilig in Essen auf, auf die wir auch schon sehr gespannt sind.
Durchhaltevermögen scheint Ihr auf jeden Fall zu haben, nicht viele Bands schaffen in der heutigen Zeit das Zehnjährige und ihr setzt auch weiterhin, wenn Ihr auch den Geduldsfaden Eurer Fans strapaziert, so bezogen auf das Ergebnis doch erfreulicherweise mit Eurer Musik auf die Devise „Qualität statt Quantität“! Wie geht’s nun weiter nach „The Worlds Start Bleeding“?
Natürlich hoffen wir, dass aus den 10 Jahren noch 20 oder 30 werden...
Aber im Ernst: Gerade nach dem neuen Release ist die Motivation natürlich sehr hoch und bereits jetzt schreien die ersten von uns schon nach neuen Songs für ein drittes Album. Diesmal wollen wir selbstverständlich schneller nachlegen, wobei die Qualität der Lieder natürlich nicht darunter leiden darf. Summer's End wird es wohl auch die nächste Zeit geben, denn Ideen haben wir noch genug und außerdem sind wir inzwischen ein festes und eingespieltes Team geworden.
Die drei Standardfragen habe ich Euch ja bereits in der ersten Ausgabe gestellt, daher habt Ihr jetzt einfach mal die Möglichkeit loszuwerden, entweder was Euch in den letzten Monaten verrücktes passiert ist und/oder etwas loszuwerden, was Ihr schon immer mal loswerden wolltet!
Ob Gothic, Darkrock oder Metal - seht nicht immer alles so düster und ernst! Was viele von uns daher nicht wissen: Wir kommen gerne inkognito zu den Auftritten. Das heißt, wir sind eigentlich recht untypisch und ziemlich bunt, wenn wir zum Soundcheck mit anderen Bands erscheinen ;). Schwarz tragen und böse gucken ist out - wir verkleiden uns erst gerne kurz vorm Konzert, so dass viele Leute uns oft gar nicht wiedererkennen. In der Nu-Metal-Sprache sind wir also nicht "true", wie man so schön sagt, aber unsere Musik ist es dafür umso mehr.
Vielen Dank für dieses Interview! |