Hallo Via Obscura! Ein herzliches Willkommen beim Dark Feather. Offenbart den Lesern, die Euch noch nicht kennen, doch mal kurz, wer und was sind Via Obscura?
Hallo Holger, und hallo Leser! „Via Obscura“ ist eine Band aus der lebenswerten Stadt Münster. Die Band besteht im Kern aus 3 Leuten, nämlich unserem Alexander am Schlagzeug, der auch die Gitarren sowie die Orchesterkompositionen für „Traum“ gemacht und eingespielt hat, André am Bass und der Sängerin Anne-S. am Keyboard.
Seit Mai ist außerdem für Auftritte unser Live-Gitarrist Attila dazugekommen. |
| Dem aufmerksamen Dark Feather Leser dürften Eure Namen nicht ganz unbekannt sein, treffen wir mit Via Obscura doch einen Grossteil der in der ersten Ausgabe vorgestellten Band Aavas wieder. Erzählt doch bitte mal etwas zur Entstehung, soweit ich weiß gibt es Via Obscura bereits seit 2004…
Ja, richtig. Beginne ich die Geschichte ganz von vorne. Wir drei machen schon seit mehr als 10 Jahren gemeinsam Musik verschiedenster Richtungen. Aus unterschiedlichen Gründen, hier und da ein Projekt. Wir gründeten unter anderem 2000 „Die Werse“ und 2004 „Aavas“ sowie „Via Obscura“.
Da einer Band das Musikmachen sehr viel Wert ist, die Bandkollegen von Aavas manchmal aber nicht zur Probe kamen, sind wir drei nicht einfach nach Hause gegangen, sondern haben zu dritt die angebrochene Zeit genutzt. Wir waren verrückt nach Musikmachen, probierten aus, wie wir ganz minimalistisch etwas zusammen spielen könnten, das uns eingroovt und für die miese Laune wegen der ausgefallenen Probe entschädigt.
So ging Alex von der Gitarre ans Schlagzeug, und ich legte die E-Geige weg und versuchte, meinen Gesang am Klavier zu begleiten. Das hat Spaß gemacht und wir haben es, jedes Mal wenn Aavas ausfiel, wiederholt. So entstand etwas Neues, nämlich „Via Obscura“. |
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Und nun habt Ihr taufrisch Euer Debüt veröffentlicht, welches den Namen „Traum“ trägt, welches sehr atmosphärisch und episch daherkommt. Wie gestaltete sich der Produktionsprozess?
Sehr entspannt eigentlich. Wir hatten den ganzen „Traum“ komplett zuhause vorproduziert, so wie wir es zu Dritt im Proberaum spielten. Alexander hatte Gitarren und Orchester dazu eingespielt, damit die Stücke auch auf CD ihre Wirkung entfalten können. Wir wollten das, was wir so angenehm im Proberaum empfanden, auf CD bringen, das war unser Gedanke. Dann haben wir das Ganze noch einmal bei Siggi im Studio aufgenommen, denn der hat sehr viel besseres Equipment und unheimlich viel Erfahrung mit der Musikproduktion.
Apropos…wie kam es eigentlich zur Zusammenarbeit mit Siggi Bemm, welcher ja auch schon Größen wie Tiamat, Tristania oder Lacuna Coil unter seinen Fittichen hatte?
Das ist eine lange Geschichte. :-) Nur kurz: wir haben mit den verschiedenen Bands die meisten lokalen Aufnahmestudios schon durchprobiert, und hatten für Via Obscura mehrere gute Angebote. Auf Siggi Bemms Studio sind wir erst ganz knapp vor der Aufnahme gestoßen, gerade aus dem Grund, weil er auch Tiamat aufgenommen hat, von deren Musik ich übrigens Fan bin. Wir wollten zuerst einmal nur das Studio sehen, in dem so wunderbare Platten entstanden sind. Doch als wir dort waren ergab es sich, dass Siggi unsere Proberaummitschnitte echt cool fand, und wir gut plauderten. Ihm gefiel es, dass wir so innovativ seien und er nicht schon wieder „Bratfettmoosgitarren mit ein bisschen Streichern im Hintergrund und ab für ne Mark“ im Studio hätte.
Dann haben wir blitzartig – also ein paar Monate später – unsere Sachen gepackt, sind zum Studio gefahren, haben innerhalb von 10 Tagen alles eingespielt und sind zufrieden mit unserem „Traum“ im petto wieder hinausgegangen.
Eure CD ist nun gar ganz offiziell im Handel, da scheint ja einiges bei Euch passiert zu sein. Erzählt doch bitte mal!
Einerseits ja – Via Obscuras „Traum“ ist überall im Handel erhältlich. Und allein das Musikproduzieren, auf die Musik aufmerksam machen und Auftritte suchen ist für eine nebenberufliche Band wie uns schon ein enormer Aufwand! Man könnte sagen: „Wir wollten doch eigentlich nur… Musik machen…“.
Andererseits liegt noch ein gewisser Weg vor uns. „Traum“ ist unser Debüt-Album! Aus der Musik selbst kommt der Antrieb für unser weiteres Handeln. Wir stehen nicht auf der Stelle sondern entwickeln neue Lieder, die wir mit einem zweiten Album auch gerne auf die Reise zu den Hörern schicken würden.
Auffällig ist, dass Ihr mit Via Obscura Euch ausschließlich deutschen Texten widmet, ist das quasi die Option, mit der im Endeffekt „Traum“ als Einheit harmoniert?
Klingt gut, so habe ich das noch gar nicht betrachtet. Allerdings trägt auch der Sound selbst zur Abrundung bei, und unser langjähriges Zusammenspiel.
Die Texte sind eher metaphorisch und ermöglichen zumindest mehrere Interpretationen. Da die Texte auf diese Weise Transportmittel für Gefühle sind, fällt es mir leichter, sie nicht in einer anderen Sprache zu schreiben. Wobei wir von Via Obscura uns aber auch bis jetzt keine expliziten Grenzen in dieser Angelegenheit gesetzt haben. Die entstehen ja gewöhnlich schon im Kopf. |
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Um noch einmal kurz auf Aavas zurückzukommen, ist jene Band jetzt für immer auf Eis gelegt oder werden in Zukunft beide nebeneinanderher bestehen und wenn ja, wo werdet Ihr die Prioritäten setzen?
Wir wissen nicht, wie sich die Dinge in Zukunft entwickeln werden. Klar haben wir Aavas nicht vergessen. Im Moment liegt aber die Konzentration ganz bei Via Obscura.
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Für Eure Liveauftritte habt Ihr mit Attila einen Gastgitarristen am Start. Beabsichtigt Ihr irgendwann Via Obscura auch mal ganz offiziell und fest zu vergrößern?
Erfahrungen aus anderen Kontexten haben gezeigt: Zu viele Köche verderben den Brei. Eine ergiebige Zahl ist die Drei. Attila ist ganz offiziell und fest unser Live-Gitarrist, und ein Freund. Die Stücke entwickeln und schreiben wir aber wie gehabt zu Dritt. Das soll bei Via Obscura so bleiben, ebenso ist es mit zukünftigen Aufnahmen. Es sei denn, uns schneidet jemand beim Live-Auftritt mit.
Wie geht es nun weiter bei Euch, was sind Eure weiteren Ziele und Wünsche?
Wir möchten gerne andere Künstler und Musiker kennen lernen und auch zusammen auftreten, so wie wir z.B. in Leipzig bei einer Lesung mit dem Autor Michael Oertel den Abend gestalten durften. Schön daran ist es, dem Publikum ein Programm zu bieten, das zum Nachdenken anregt, vielseitig ist und sich einer extremen Trennung von Klischees nicht beugt. Dreckige und progressive Rockkonzerte gehören mittlerweile ebenso zu konservativen gesellschaftlich konsumierten Kulturgütern wie klassische Konzerte. Beides ist sympathisch, aber was wäre neu daran, genau die eine oder exakt die andere Schublade zu bedienen? Das heißt, wir sind interessiert an Zusammenarbeit und der Entwicklung von Neuem. Unter uns gesagt, sind wir zurzeit z.B. mit einer Impro-Theater-Gruppe im Gespräch. Wir haben also tatsächlich noch Träume und Visionen. ;-)
Am Herzen liegt uns natürlich an erster Stelle unsere Musik. Wir sind zunächst einmal dabei, Gigs zu planen!!! Wir möchten, dass die Via Obscura- Musik an alle diejenigen Hörer gelangt, die sie gerne mögen, die sich auf sie einlassen, mit ihr etwas anfangen können oder sich von ihr mitnehmen lassen möchten. Also freuen wir uns, wenn sie weitergereicht wird!!
Na dann…ich bedanke mich für dieses Interview, die letzten Worte gehören wie gewohnt dem Künstler! ;-)
Ein großes Lob für dein Engagement und danke, dass du an uns gedacht hast! Liebe Grüße an die Leser! Kommt mal zu unserem „Traum“- Release- Konzert am 18. Dezember, Münster, Sputnik-Café! J Schönes Wochenende!!! |
Via Obscura „Traum“ (2009)
Mir sind ja schon so einige Alben auf dem Tisch gekommen, die sich stilistisch so rein gar nicht in Schubladen drücken lassen wollen. Jedoch was uns das Münsteraner Trio um die Dame Anne S. und den zwei Herren Alexander und Andre zusammen alias VIA OBSCURA hier mit ihrem Debüt „Traum“ vorlegen, sprengt vieles vorher da gewesene in erwähnter Beziehung. Nun mögen es bekanntlich Musiker nicht so gerne, wenn sie verglichen werden, schon gar nicht mit ihrer eigenen musikalischen Vergangenheit. Dennoch sei an dieser Stelle kurz erwähnt, dass es sich hier um drei Musiker der (auch in Ausgabe 1 des Dark Feather vorgestellten) Band Aavas handelt. Nun, nicht das beide Bands oder besser gesagt ihre Musik wirklich etwas gemeinsam haben, so komme ich um einen Vergleich dennoch nicht herum. Der Vergleich des sehr eigenständigen musikalischen Weges nämlich. Konnte man Aavas allerdings noch grob einer Stilistik zuordnen, so setzen die Musiker mit VIA OBSCURA jeglichem Fesselungsversuch die Narrenkrone auf das Haupt. Fesselnd hingegen ist das Werk, welches sie hier mit „Traum“ erschaffen haben; voller atmosphärischer Dichte und melancholischer spätjahreszeitlicher Stimmung werden die neun in deutscher Sprache vorgetragenen Songs in unsere Welt transportiert und umgarnen mit verführerischem Charme. Ein multiinstrumentaler Klangteppich sorgt dabei für das notwendige Fundament, aus dem vor allem das Piano, die Streichercollagen und der dezente aber wirkungsvolle Bass herausragen. Anne krönt mit ihrer Sopranstimme das Schauspiel, durchlebt quasi Lied für Lied auf ihrer ihr ganz eigenen Art und Weise und setzt die Atmosphäre immer wieder neu. Wenn man wirklich eine Genreannäherung sucht, dann fallen einem entfernt Betitelungen wie Gothic, Doom, Progressive oder auch meinetwegen Kraut Rock ein. Vielmehr trifft es allerdings den Kern der Sache, wenn man hier von Musik, abstraktem Bild und Theater in einem spricht, denn jenes sind die Projektionen, die Via Obscura uns beim Hören nahe bringen. Wobei wir hier auch beim einzigen Gefahrenpunkt dieses Werkes sind, denn wer sich dem Zuhören hier nicht ganz hingibt, läuft Gefahr, das sich ihm das Album nicht ganz entschließt. Denn „Traum“ ist kein Album, das man mal eben so nebenbei hört, man muss sich ihm schon ganz ergeben, denn zu weit ist jenes von Pathos und Oberfläche entfernt. Das dieses Debüt obendrein auch noch vom in der Szene bekannten Größe Siggi Bemm (u.a. Tiamat, The Gathering…) produziert wurde, scheint aufgrund dem hier vorgelegtem schon fast wie eine logische Zusammenarbeit, dieses musikalische Einzelkind seinen richtigen Platz am innovativem Musikfirmament setzen zu lassen...beeindruckendes Werk! |
visit: www.myspace.com/viaobscurade
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