Embercrow

Die in Hamburg ansässigen EMBERCROW haben sich vor gut fünf Jahren gegründet und haben bisher zwei E.P.'s herausgebracht, welche es in sich haben! Sie haben sich mit ihrem Musikstil, welche weite Wege vom alten Hard-Rock bis zum Düster-Metal zu einem Pfad vereinen ihre eigene interessante Nische im Musikdschungel geschlagen und herausgekommen sind musikalische Genüsse, welche nach größerer Aufmerksamkeit verlangen. Von dieser Combo werden wir (hoffentlich!) noch viel hören!...
 
Dark Feather Ausgabe 8

CD Symbol

Hallo Embercrow, willkommen beim Dark Feather! Stellt Euch doch bitte zu Beginn den Lesern des DF einmal kurz vor. Wer bedient was bei Euch?

Simon: Zuerst einmal ein herzliches Moin an alle Leser und natürlich das Dark Feather Team! Wir sind eine fünfköpfige Band aus Hamburg, wobei wir ursprünglich aus so unterschiedlichen Gegenden wie dem Ruhrpott, Bremen und São Paulo stammen. Glücklicherweise ist unser Line-Up nach einigen Startschwierigkeiten nun schon länger stabil und sieht folgendermaßen aus: Robert bedient die Drums, Jost spielt Bass und singt Backings, Marcos ist für Keys, Percussion und ebenfalls Backings zuständig, Bengt und ich spielen Gitarre, außerdem übernehme ich noch den Lead-Gesang.

Um es gleich vorweg zu nehmen, ich war sehr angenehm überrascht, als ich beim ersten Mal Eure Musik vernahm. Ihr scheint Euch einen Dreck um Konventionen und  Genregrenzen zu kümmern, vom alten Hard Rock bis zum Düster-Metal deckt ihr auf Eurem Weg viele Stile ab. Berechnung oder zufällige Entwicklung?

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Simon: Hm, eigentlich muss ich sagen weder noch, denn weder berechnend noch zufällig trifft unsere Herangehensweise wirklich. Ich würde es am ehesten eine natürliche Entwicklung nennen, denn es reflektiert die unterschiedlichen Einflüsse, welche die verschiedenen Mitglieder in die Band einbringen.
Als wir die Band gründeten, war diese Mischung aus den Hauptzutaten Hardrock und Düster-Metal bereits das, was zumindest mir persönlich vorschwebte, denn diese Richtungen bildeten schon immer den Kern dessen, was ich selber gerne höre. Glücklicherweise hat sich herausgestellt, dass es anscheinend auch noch andere Leute gibt, die Bock haben, solche Musik zu machen. Wir haben insgesamt gesehen alle einen relativ breit gefächerten Musikgeschmack. Vermutlich rührt daher unsere relativ große Bandbreite, wobei wir uns manchmal nicht sicher sind, ob das für unsere Pläne, die musikalische Weltherrschaft an uns zu reißen, eher Fluch oder Segen ist (lacht). Nee, im Ernst, letztendlich ist das, was am Ende zählt, die Tatsache, dass wir die Musik spielen, auf die wir Bock haben. Wenn es dann noch Leute gibt, denen es auch gefällt, umso besser.

Dennoch brauchen Unbeteiligte irgendwie Referenzen, verlangen nach  Zuordnungen. Wie würdet Ihr selbst einen Außenstehenden Eure Musik beschreiben?

Simon: Versucht euch folgendes Szenario vorzustellen. Diverse 70er-Hardrock-Größen von Black Sabbath, Deep Purple und Led Zeppelin hängen zusammen mit Jungs von Paradise Lost, Katatonia, Amorphis und Lake Of Tears in einem riesigen Proberaum ab und versuchen in wechselnden Konstellationen Songs zu schreiben. Ab und an schneien noch mal ein paar Popper und Leute aus der Skandi-Rock-Fraktion (z. B. von den Hellacopters oder Gluecifer) vorbei und geben ihren Senf dazu. Ich hoffe, das triffts in etwa. Ist immer sehr schwierig, die eigene Musik zu beschreiben, meistens können das Außenstehende besser.

Das war nun aber definitiv schon mal ne phantasiefüllendew Umschreibung und trifft es meiner Meinung nach auch ganz gut!... ;-) Euch gibt es seit 2004, dennoch gab es zwischendurch eine Pause bei Euch. Was waren die ausschlaggebende Punkte Embercrow aufs Eis zu legen und später wieder auferstehen zu lassen?

Simon: Na ja, richtig auf Eis lagen wir eigentlich nie. Es stimmt allerdings, dass es zwischendurch eine relativ lange Phase gab, in der kaum etwas passiert ist, was auch erklärt, warum wir trotz relativ langer Bandexistenz vergleichsweise wenige Konzerte und Veröffentlichungen vorweisen können. Der Hauptgrund dafür waren Line-Up Probleme, die uns stets zum falschen Zeitpunkt erwischten. Während der Aufnahmen zum ersten Demo zeichnete sich bereits ab, dass es mit dem damaligen Schlagzeuger und dem Sänger nicht funktionieren würde, weshalb wir uns auch bald darauf in beiderseitigem Einvernehmen von ihnen trennten. Darüber hinaus wurden auch die Aufnahmen so unzufriedenstellend, dass wir sie nie offiziell veröffentlicht haben. Nachdem die drei verbliebenen Mitglieder (Marcos, der damalige Bassist und ich) uns nach einer Weile neu sortiert und einen neuen Schlagzeuger gefunden hatten, wollten wir uns erst mal verstärkt auf Gig-Suche machen. Das wurde allerdings wieder torpediert, weil der Bassist aus beruflichen Gründen aussteigen musste. Die Suche nach Ersatz dauerte über ein Jahr, bevor Bengt und Jost zu uns stießen. Nach einigen Konzerten stieg dann wiederum der Drummer aus. Seitdem wir Anfang 2008 Robert gefunden haben, scheint sich das Ganze nun endlich stabilisiert zu haben.

Ihr habt diesbezüglich bisher zwei E.P.’s unter das Szene-Volk gestreut. Wann kann man denn mit einem Full-Length Album rechnen?

Simon: Tja, ich wünschte, ich könnte dir dazu was Genaueres sagen. Konkret ist diesbezüglich grade nichts in Planung. Genügend Material wäre auf jeden Fall vorhanden, aber wir möchten ein Full-Length-Debüt nach 2 EPs, die mehr oder weniger im Do-it-yourself Verfahren realisiert wurden, eigentlich nur in Angriff nehmen, wenn dies unter halbwegs professionellen Bedingungen machbar ist. Und Dinge wie ein vernünftiges Studio mit jemandem, der einem produktionstechnisch unter die Arme greift oder Kosten für die CD-Pressung und ein wenig Promotion sind halt schwer komplett aus der eigenen Portokasse zu bezahlen.

Gab es eigentlich bisher Kontakte auch zu Labels oder ist das gar nicht Euer Anliegen?

Simon: In der Beziehung herrscht bei uns momentan eine etwas zwiespältige Stimmung. Auf der einen Seite hätten wir natürlich gerne einen Partner, mit dem wir professionell zum beiderseitigen Nutzen zusammen arbeiten können, da mit einem Label oft einfach Dinge möglich sind, die man alleine nur schwer stemmen kann (siehe zum Beispiel Deine vorige Frage). Auf der anderen Seite begibt man sich teilweise auch in eine Abhängigkeit und tritt die Kontrolle über Dinge ab, wo man vielleicht selbst gerne den Daumen drauf hätte. Ich muss dazu sagen, dass wir diesbezüglich auch ein gebranntes Kind sind, denn unsere aktuelle EP „Trails To The Sun“ sollte oder ist teilweise sogar über ein kleines Label erschienen und über den Laden können wir leider rein gar nichts Positives sagen. Ohne jetzt ins Detail gehen zu wollen, fühlen wir uns von denen einfach komplett verarscht und abgezockt. Seitdem sind wir in Bezug auf Label-Bewerbungen eigentlich nur halbherzig aktiv gewesen, wobei wir uns gerne davon überzeugen lassen würden, dass es auch anders geht.

Was wünscht sich Embercrow noch für die musikalische Zukunft?

Simon: Was mich betrifft, so ist das wahrscheinlich das, was die meisten Musiker sich wünschen, obwohl vergleichsweise wenige das Glück haben, es zu erreichen: Dass man von der Band leben kann. Für den Anfang wären allerdings auch schon mal eine Debüt-CD, mit der wir rundum zufrieden sind, sowie eine Tour, bei der man nicht mit Minus rausgeht, ganz nett (lacht). Ich denke, die Anderen sehen das ähnlich.

Zum Abschluss die 3 Standardfragen vom Dark Feather: Wie seht Ihr die Entwicklung für Bands speziell in Subkulturen wie der Gothic- und Metal Szene?

Simon: Keine einfache Frage. Ich finde, es gibt da sowohl positive, als auch negative Entwicklungen, wobei beides hauptsächlich mit den Möglichkeiten des Internet zusammen hängt. Gut ist, dass man als Musiker natürlich ganz andere Möglichkeiten hat, sich selbst zu präsentieren, ohne Dritte wie Labels oder Vertriebe einschalten zu müssen. Dadurch behält man selbst mehr Kontrolle über alle Aspekte seiner Band und kann einfacher an die Öffentlichkeit treten. Außerdem kann man so Leute erreichen, die vielleicht sonst nie auf einen aufmerksam geworden wären, was ja gerade bei relativ kleinen Subkulturen, die weitgehend abseits der großen Populärmedien stattfinden, nicht zu unterschätzen ist. Ich weiß z. B. gar nicht, wie viele Bands ich selber durch LastFM, MySpace und Konsorten für mich entdeckt habe, auf die ich sonst wahrscheinlich nie gestoßen wäre. Auf der anderen Seite führt die Einfachkeit, mit der man sich präsentieren kann, auch zu einem Überangebot von Bands, was es zum Beispiel im Live-Bereich als kleine Band sehr schwierig macht, an vernünftige Auftritte zu kommen, bei denen man nicht mit finanziellen Verlusten herausgeht. Ähnlich verhält es sich mit illegalen Musik-Downloads: Auf der einen Seite ist das nette Gratis-Promotion, weil so Leute die Musik zu hören bekommen, die sie sich vielleicht niemals gekauft hätten. Auf der anderen Seite klaut es den Künstlern potentielle Einnahmen und führt dazu, dass Musik von der Wertschätzung her mehr und mehr zum bloßen Wegwerf-Konsumgut verkommt. Ich bin absolut keiner von den „Früher war alles besser“–Schreiern, denn das stimmt so nicht, aber es gibt ein paar Entwicklungen, die ich schade finde. Wie gesagt, insgesamt ein zweischneidiges Schwert.

 

 

Welche Vor- und/oder Nachteile seht Ihr in großen Webcommunities wie z.B. MySpace?


Simon: Oh, da hab ich wohl bei der letzten Frage etwas vorgegriffen, daher sag ich einfach mal siehe die Frage davor.

 

 

Was waren bei Euch die bisher positivsten, schrägsten und was die schlechtesten Erfahrungen in der Musikwelt?

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Simon: Die negativste Erfahrung war ganz klar festzustellen, dass es in der Musikszene einfach zu viele Leute gibt, die nur blöd herumlabern und einem das Blaue vom Himmel versprechen, letztendlich aber nur heiße Luft herauskommt. Positive Erfahrungen gibt es natürlich zuhauf, deshalb macht man das Ganze letztendlich ja. Sei es der Spaß, den das Musikmachen mit seinen Bandkumpels an sich mitbringt, die Befriedigung über einen neuen geschriebenen Song oder Text oder natürlich zu merken, dass anderen Leuten das gefällt, was man so fabriziert. Von den vielen netten Leuten, die man bei Konzerten oder durch MySpace etc kennen lernt natürlich ganz zu schweigen. Die schrägen Anekdoten fallen dabei quasi ganz von selbst ab, besonders wenn man sich die Gewohnheiten anderer Bands so anschaut: Da gibt es strunzbesoffene Musiker, die Backstage kaum noch laufen können und trotzdem wieder Erwarten ne Hammer-Performance abliefern, genauso wie obskure Wettkämpfe um selbst ausgedachte Titel. Dabei weit vorne auf der Ekelskala: Der Typ, der den „König von Wacken“-Titel holte, indem er vor versammelter Meute mitten auf das Campinggelände schiss, sowie die Jungs, die auf ihren Touren gerne mal eine „Spritzmeisterschaft“ abhielten (wer die meisten Groupies flachlegt, gewinnt). Bandnamen spare ich mir hier mal aus Pietäts- und Freundschaftgründen (lacht). Ich befürchte, da sind wir vergleichsweise harmlos. Aber auch die Zuschauer sind gerne mal gut dabei. Ich erinnere mich zum Beispiel an ein Pärchen auf dem Parkplatz hinter einem Club in Holland, dass sich beim Vögeln nicht davon stören ließ, dass wir in den Wagen direkt neben ihnen unser Equipment einluden.

Ich bedanke mich für dieses Interview, die letzten Worte gehören dem Künstler! :

Simon: Wir haben zu danken und zwar euch vom Dark Feather für die Möglichkeit, dieses Interview zu geben und dir, geschätzter Leser, für dein Interesse, wenn du es bis hierher geschafft hast! Wir würden uns sehr freuen, in Zukunft vielleicht den ein oder anderen auf nem Konzert bei einem Bierchen kennen zu lernen. Außerdem freuen wir uns natürlich jederzeit über Feedback auf alles was Embercrow betrifft. Bis dahin!

visit: www.myspace.com/embercrowofficial

 

 

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