
Hallo Tharsys, willkommen beim Dark Feather, na dann legen wir doch mal los...! Ihr verbindet in Eurer Musik harte Gitarrenriffs mit starken Emotionen. Die Balance zwischen den Elementen scheint bei Tharsys stets gegeben, Gothic-Metal Elemente kommen genauso wie Doom a la My Dying Bride oder melancholischer Rock im Stil von Anathema zum Vorschein . Wo liegen eigentlich Eure Einflüsse?
Oliver: Du hast die Bandnamen genannt, die wir öfter hören. Und wir müssen auch kein Geheimnis daraus machen, dass es Anathema und My Dying Bride Bands sind, die wir alle gut finden. Speziell Anathema respektiere ich wegen ihres Melodieverständnisses, und "Alternative 4" ist eine meiner Lieblingsplatten. Aber für mich persönlich sind sie kein direkter Einfluss. Ich höre sehr viel Musik, und davon färbt zwangsläufig das eine oder andere Element ab. Fest steht aber: Wer heute ein Riff schreibt, muss akzeptieren, dass es ein Tony-Iommi-Riff ist.
Ali: Wir alle hören sehr unterschiedliche Musik und dies hört man auch in unseren Songs, sicher gibt es da die nahe liegenden Einflüsse, die du genannt hat. Aber es gibt auch andere Bands die uns beeinflussen, die man vielleicht nicht sofort heraushört z.B. Candlemass, Opeth, Black Label Society, Down und sogar Marillion. |
Ihr veröffentlicht nun dieser Tage Euer Album „Under Her Dead Hands“, welches nach den ersten Hörproben frischen Wind in das Düster-Metal Genre bringen wird. Könnt Ihr etwas mehr verraten, was wird dem Hörer und Fan auf Eurem neuesten Output erwarten?
Oliver: "Frischer Wind" klingt gut. Ich finde, dass den Hörer auf jeden Fall eine abwechslungsreiche Platte erwartet. Wer den ersten Song, "The Price Of Empathy", gehört hat, kann sich sicher sein, dass er im weiteren Verlauf nicht noch einmal mit anderem Titel auftaucht.
Ali: Stimmt! Und für alle, die uns schon unsere älteren Werke kennen… „Under Her Dead Hands“ wird sich auch deutlich von „Mortal“ und „Zeitsein“ unterscheiden, ohne jedoch den Bezug dazu zu verlieren. Auf jeden Fall sind die neuen Songs viel ausgereifter und die Produktion ist richtig gut geworden.
Sehr angenehm finde ich auch Eure Umsetzung des männlich/weiblichen Gesangswechselspiel, welcher fern von klischeeüblichen Schöne und das Biest-Einlagen ist. Habt Ihr eigentlich lange dran gearbeitet, um Euren Stil zu finden?
Oliver: Erst einmal vielen Dank, dass du die Herangehensweise an den Gesang nicht klischeehaft findest. Wir sind uns durchaus bewusst, dass viele Bands das prinzipiell interessante Wechselspiel aus Growls und Frauengesang in den letzten zehn, fünfzehn Jahren totgeritten haben. Es ist zum reinen Selbstzweck verkommen, und deshalb reagieren viele darauf seit längerem allergisch. Dennoch klammern wir uns nicht krampfhaft an diese Formel. Und allein durch die Tatsache, dass Ali zusätzlich auch noch melodisch singt, kommt eine weitere Klangfarbe hinzu. Letztlich bestimmt immer der Song, welche Vocals wo zum Einsatz kommen.
Ali: Uns gibt es jetzt seit über 13 Jahren und in dieser Zeit hat sich unser Stil natürlich weiter entwickelt. Eigentlich ist jeder neue Song bei uns eine kleine Weiterentwicklung. Ich bin von Anfang an dabei und kann mich nur an wenige Songs erinnern die große Ähnlichkeiten miteinander aufweisen. Man muss natürlich auch sagen, dass es gewisse Stilelemente gibt die sich schon in vielen Songs wieder finden.
Apropos Stil finden. Tharsys gibt es bereits seit 1996. Da ich Euer älteres Material nicht kenne, wie habt Ihr denn zu Euren Anfängen noch geklungen?
Ali: Zunächst mal hießen wir bis zum Jahr 1999 noch Atmosfear und da war das Ganze noch sehr unausgereift. Den Stil kann ich zu der Zeit selber nicht richtig beschreiben, irgendwo zwischen Thrash, Death, Gothic und Rock. Wenn ich mich richtig erinnere kam 1998 Sara zur Band und dadurch hat sich der Stil schon mehr in den Gothic Bereich verändert. Unterstützt wurde dies auch noch durch den Einsatz von Keyboards. Auf unserem zweiten Album „Mortal“ haben wir dann starke Doom-Einflüsse aufgegriffen, ohne jedoch den Gothic komplett zu verlassen. Auf „Under Her Dead Hands“ haben wir die verschiedenen Elemente noch um etwas Death-Metal erweitert, der uns aber schon seit unserer Anfangszeit begleitet hat. |
Textlich geht es bei Euch jetzt mal banal auf einem Nenner gebracht um Liebe, Trauer und Schmerz. Verfolgt Ihr ein bestimmtes Konzept oder setzt Ihr damit einfach nur Alltagserfahrungen frei?
Ali: Eher letzteres. Auch wenn wir z.B. auf „Mortal“ alle Songs verwoben haben, verfolgen wir kein bestimmtes Konzept. Ich schreibe die meisten Texte und es fällt mir einfach schwer über Dinge zu schreiben, von denen ich nur sekundär betroffen bin oder die ich aus den Nachrichten erfahre. Um über Leid wie Hunger, Krieg oder Unterdrückung zu schreiben braucht man meiner Meinung schon einen direkten Bezug. Allein wegen der Glaubwürdigkeit. Liebe, Trennung, Glaube und Tod hingegen sind Themen mit denen sich jeder irgendwann auseinandersetzen sollte, unabhängig davon wie oder wo er lebt.
Wie hoch habt Ihr selbst Eure Erwartungen in „Under Her Dead Hands“ gesteckt und was sollte es im unmittelbaren Anschluss daran für Folgen mit sich bringen?
Oliver: Erwartungen habe ich keine, vor allem keine kommerziellen. Wir machen Nischenmusik, die weder in den Charts noch in den oberen Regionen der Magazine stattfindet. Wir wollten dieses Album einfach machen, weil wir Lust dazu hatten; das Unterfangen hat Zeit verschlungen, aber Spaß gemacht. Und jetzt sind wir erst einmal froh, mit Yonah ein Label gefunden zu haben, das vielleicht dabei behilflich sein kann, ein paar Leute mehr auf "Under Her Dead Hands" aufmerksam zu machen, als wir es ohne Unterstützung geschafft hätten. Wenn sich darüber hinaus auch noch zwei, drei Konzerte ergeben: sehr schön.
Zum Abschluss die 3 Standardfragen vom Dark Feather: Wie seht Ihr die Entwicklung für Bands speziell in Subkulturen wie der Gothic- und Metal Szene?
Oliver: Generell habe ich ein Problem mit dem Begriff "Subkultur", weil ich finde, dass die Gothic- und Metalszene zunächst mal nur Auffangbecken für mitunter total verschiedene Leute sind, die auf eine ähnliche Art von Unterhaltungsmusik stehen und vielleicht einen ähnlichen Klamottenstil bevorzugen. Um als "Subkultur" zu gelten, müssten diese Szenen aber mehr leisten. Was die "Entwicklung" betrifft: Es gibt natürlich tausend Regeln, Schemata und Stereotype innerhalb der Szenen. Und wenn man davon abweicht, ist man dieses und jenes oder dieses und jenes nicht mehr. Letztlich sind wir als Band es aber, die entscheiden, in welche Richtung es geht, nicht die Szenen. Wenn morgen einer der anderen mit einem schlüssigen Polka-Part kommt, der funktioniert, habe ich kein Problem damit, den einzubauen und zu spielen – egal, ob das ein womöglich verbotener Entwicklungsschritt ist oder nicht. Es gibt nichts Langweiligeres, als denselben Song immer und immer wieder aufzukochen. Wie jeder Mensch muss sich auch jede Band entwickeln; Stillstand ist die Endstation.
Ali: Ich kann Oli nur Recht geben. Außerdem empfinde ich die Entwicklungen in den letzen 10 bis 15 Jahren als eher gering. Das letzte große Ding war doch der Grunge Anfang der 90’er. Hat es danach wirklich eine größere Entwicklung oder etwas ganz Neues gegeben?
Welche Vor- und/oder Nachteile seht Ihr in großen Webcommunities wie z.B. myspace?
Oliver: Für eine Band hat MySpace eigentlich nur Vorteile, obwohl das Angebot natürlich total unübersichtlich geworden ist und sich außerdem eine Dreißig-Sekunden-Samples-Kultur herausgebildet hat, die der Musik im Allgemeinen nicht gerecht wird. Aber eine Band hat einfach die riesige Möglichkeit, sich dort selbst zu promoten, ein bestehendes Netzwerk zu nutzen und andere Leute, die auf dem ganzen Planeten verteilt sind, auf die eigene Musik aufmerksam zu machen. MySpace ist die größte Plattenfirma der Welt, mit dem Unterschied, dass man keine Verträge unterschreiben muss und die hundertprozentige Kontrolle behält. Zudem hat man direkten Kontakt zum Hörer; das ist angenehm. Tharsys außen vor gelassen gehe ich aber lieber ganz Old School einen Kaffee mit Freunden trinken, als meine Zeit damit zu verbringen, bei Facebook Schafe zu züchten oder bei studiVZ Fotos hochzuladen, um zu zeigen, wie geil ich mich finde.
Ali: Hört, hört!!
Was waren bei Euch die bisher positivsten, schrägsten und was die schlechtesten Erfahrungen in der Musikwelt?
Ali: Anekdoten gibt es in unser schon etwas längeren Bandgeschichte natürlich einige. Sei es, dass ein angetrunkener Gitarrist mal eben mitten im Song von der Bühne fällt, oder ich mir bei dem Versuch eine menschliche Pyramide mit unserem Bassisten zu bauen eine Bänderdehnung im Oberschenkel zugezogen habe, oder als ein „Fan“ auf die Bühne kam und seine Hose runter gelassen hat… oder wie wir zwischen Weihnachten und Neujahr 2001 in der Nähe von Höxter auf einem Konzert vor genau einem zahlenden Gast gespielt haben… da waren wir zu drei Bands mit ca. 50 Leuten Anhang eingeladen, alle mit Übernachtung und Verpflegung frei und es hat auch richtig Spaß gemacht… jedoch gab es an diesem Wochenende einen Wintereinbruch und im Nachbarort auch noch eine „Gegenveranstaltung“ mit Die Happy …auf die verabredete Gage haben wir dann verzichtet. Ich habe aber gehört, dass der Veranstalter danach hals über kopf nach Mallorca geflüchtet ist… der hatte wohl noch mehr Probleme.
Ich bedanke mich für dieses Interview, die letzten Worte gehören dem Künstler! :
Ali: Ich sag mal besucht unsere Homepage, kommt zu unseren Shows und kauft das neue Album… wir freuen uns von euch zu hören!
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