Sorrowfield

Alles andere als einfach lassen sich die Bremer Jungs von SORROWFIELD irgendeiner Schublade zuordnen und unter anderem gerade das macht ihre Musik so interessant. Melodisch und melancholisch düster kommt ihre Art Metal daher und von jenem bieten sie uns seit ihrer Geschichtseröffnung schon so einiges, waren sie doch in ihren vergangenen acht Jahren sehr Arrangement- und Produktionsfreudig, sodass neben der Qualität auch die Quantität des Metalquintetts nichts zu wünschen übrig lässt. Und aktuell sind sie erneut am Songwriting und Arrangieren um Ihren nächstes Output noch dieses Jahr unter die Szene zu streuen. Sänger Marco Bianchi stellte sich uns freundlicherweise zu Rede und Antwort…  

 
Dark Feather Ausgabe 9

CD Symbol

Hallo Sorrowfield, Euch ein herzliches Willkommen beim Dark Feather! Wer und was stecken aktuell hinter Sorrowfield?

Moin moin! Also wir sind alle 5 Bremer Jungs, sehen ziemlich gut aus und man nennt uns hier die Kings Of Metal. Naja das stimmt wenigstens teilweise, also ICH sehe ganz gut aus und wir sind der regionalen Szene einigermaßen vertraut als Vertreter von melodischem, eingängigen Metal. Da wir ganz knapp nicht von unserer Musik leben können, gehen die meisten von uns geregelter Arbeit nach oder beabsichtigen dies zumindest irgendwann einmal zu tun.
Jeder von uns hat eine musikalische Vorvergangenheit in Bands wie ANTAGONIST, MASS INSANITY, EYE FOR AN EYE, PEACE AND MÜSLI oder SOULPOTION gehabt. Das geht von Fun-Punk bis hin zu voll fiesem Death Metal, was sich natürlich in unserer Musik wiederfindet.

Ihr habt in den acht Jahren seit Eurer Gründung bereits fünf Veröffentlichungen am Start. Neben zwei Full-Length Alben gibt es noch E.P.’s und ein Demo. Auf der faulen Haut habt Ihr bisher scheinbar nicht gelegen, wie vertreibt Ihr eigentlich Eure Musik?

Das machen wir alles in Eigenregie über Konzerte und unsere Homepage. Einiges kann man sich dort ja auch schon komplett für umme runtersaugen, wir überlegen, bald auch die aktuelle Scheibe „Devourer“ online zu stellen...

Sorrowfield 1

 

Und nun seid ihr bereits wieder am Songwriting für einen Output, den Ihr noch dieses Jahr auf die Meute loslassen wollt. Könnt Ihr dazu schon einiges verraten?

Klar: wir haben bereits einige neue Stücke geschrieben. Das Songwriting ist noch besser geworden, glaube ich, und dabei definitiv noch spannender. Wir lassen uns hier durchaus auf das eine oder andere Experiment ein, die Stücke werden dadurch aber keinesfalls schwerer nachzuvollziehen. Die Songs drehen sich weiterhin um Mythologien und antike Persönlichkeiten oder Schlachten, teilweise aus dem Alten Testament, teilweise benutze ich andere Quellen wie Inschriften assyrischer Könige. Es sind aber auch wieder reine Spasstexte dabei, die solch lustige Spielchen aufgreifen wie Betrunkene-dekorieren oder die-Nachbarn-mit-Slayer-aufwecken etc.

Die Szenepresse hat bisher zum Teil mit großer Begeisterung auf Euren Veröffentlichungen reagiert, welche Türen konnte dies Euch bisher bereits öffnen?

Ja, zum Teil hat die Presse gut reagiert, und wenn ein größeres Print-Mag ein wohlwollendes Review veröffentlicht, kriegen wir ein paar CD-Bestellungen über die Website. Und man kann die Presse-Zitate natürlich für Bewerbungen nutzen, mehr ist da eigentlich nicht dran. In unserem Fall reagiert die Heavy Metal-Journaille aber durchaus polarisiert, es gibt auch welche, die uns einfach nur scheiße finden. Meistens weil sie uns nicht so recht in eine Schublade kriegen und/oder weil wir kein Geknüppel spielen, das ist zur Zeit einfach viel angesagter. Ich selbst höre diesen Melodic-Kram ja auch kaum, haha!!!

Pure Scandinavian Pussy-Metal habt Ihr Euch auf Eure Fahnen geschrieben, was sind denn Eure direkten Einflüsse?

Ui, das ist allerlei. Unsere 6-Saiten-Fraktion hört definitiv zu viel von dem Göteborg-Zeugs wie IN Flames und so und unser Basser bringt auch thrashige Einflüsse hinein. Unser Drummer kommt mehr aus der Hardcore/Punk-Ecke und meine Wenigkeit ist textlich stark von Nile beeinflußt, und zwar seitdem ich seinerzeit die Linernotes zu „Unas Slayer of the Gods“ gelesen hatte, das war ein sehr prägendes Aha-Erlebnis. Karl Sanders hat sozusagen meinen halben Bücherschrank zu verantworten!
Musikalisch bringe ich bei Sorrowfield aber eher die poppigen Einflüsse mit rein. Der Begriff „Pure Skandinavian Pussy Metal“ ist natürlich reiner Unsinn und war ursprünglich eine Reaktion auf engstirnige Presseberichte. Das hat sich einfach zu einem Running-Gag entwickelt ist ist am Ende auf unserem Banner gelandet... da haben wir was angerichtet!!!

Sehr energiegeladen kommen Eure Stücke daher. Wie setzt Ihr jene auf der Bühne um oder besser gesagt, wie muß man sich eine Sorrowfield vorstellen?

Ich denke man sieht auf der Bühne deutlich, dass wir ganz normale Typen sind. Wir versuchen alles zu geben, auch wenn wir vor fünf Leuten spielen, aber natürlich ist das einfacher, wenn du eine betrunkene, willfährige Meute vor dir hast, die deine Lieder mitgröhlt. Eine spezielle Bühnenshow haben wir nicht, ggf. überlegen wir uns vorher ein wenig Schabernack, beknackte Fussball-Prollo-Songs oder eine Heavy-Version von „Doug & Carrie“, wenn du weißt, was ich meine.

Was sind denn Eure weiteren Pläne?, der große Durchbruch scheint mir angesichts Eures Songmaterials ja längst überfällig!...

Sorrowfield 2

 

Zunächst einmal wollen wir ein schönes Album an den Start kriegen. Danach würden wir damit gerne ein bisschen über den regionalen Tellerrand schauen, vielleicht vorher diesen Sommer noch ein, zwei Festivals mitnehmen. 2011 machen wir dann eine Japan-Tour und Blind Guardian spielen bei uns im Vorprogramm.

Ah-ja... ;-) zum Abschluss die 3 Standardfragen vom Dark Feather:

Wie seht Ihr die Entwicklung für Bands speziell in Subkulturen wie der Metal- und artverwandten Szene(n)?

Ich persönlich bin ein Fan von Underground-Musik, wobei man wirklich graben muss, um die Perlen herausfinden. Es gibt Bands die furchtbar talentiert und schweinegeil sind, aber es gibt auch abertausende grottige oder vielmehr langweilige Bands, die zum Beispiel die 1.000.000ste „Pure Fucking Death Metal“-Scheibe raushauen, die genauso klingt wie die Quersumme eben all dieser Scheiben und nirgendswo ist auch nur ein einziger richtiger Hit drauf. Daher freue ich mich total über junge Bands, die mal was anderes machen und in der Lage sind einen Song zu schreiben oder einfach das gewisse Etwas haben. Letztens haben wir im Proberaum mal wieder die „Clouds“ von Tiamat gehört. Da ist doch sofort klar, warum das ein Klassiker ist! Ich habe auch das Gefühl, dass solche Jahrhundert-Dinger quasi nicht mehr „möglich“ sind, weil es alles irgendwie schon gegeben hat und nichts einen wirklich mehr schocken kann. Kann aber auch sein, dass ich mittlerweile selber zu engstirnig bin und die neuen Innovationen völlig an mir vorbeilaufen. Aber schau dir mal einen dieser immens großen CD-Stände auf Black Metal-Konzerten kann. Da kannst du dir CDs von 5.000 Bands kaufen, deren Namen noch keine Sau je gehört hat und deren Bandlogos man sowieso nicht lesen kann. Ich bin mir sicher, darunter würde man ein paar richtig coole Scheiben finden, aber wie denn, wenn man nicht ein völlig durchgeknallter Szene-Fachidiot ist, der am Wochenende alle seine Freunde damit abnervt, dass er Fragen stellt wie: „Ey hast du schon die MURKENFURZ gehört? WAS DIE KENNST DU NICHT??? Also die 2005er „Odin my Master“ ist jawohl ein Klassiker...bla bla bla...“
Man muss schon ein bisschen auf dem Laufenden sein, um neue Bands zu entdecken oder eben alte Bands, die man bisher nie gekannt hat. Ab und zu in die aktuellen einschlägigen Medien zu schauen, ist da echt hilfreich, sonst hätte ich niemals von einigen meiner jetzt Lieblingsbands wie Kampfar oder Solefald gehört und die gehören ja schon zu den „bekannteren“ Vertretern.

Welche Vor- und/oder Nachteile seht Ihr in großen Webcommunities wie z.B. myspace?

MySpace ist ja quasi schon unumgänglich, wir haben bestimmt schon einige wichtige Kontakte über diese Plattform geknüpft. Für Bands sehe ich diese Netzwerke auch als unproblematisch an, außer dass man sich auch hier mit einem Berg von Müll konfrontiert sieht und die wichtigen Infos erst filtern muss. Ich hoffe allerdings, dass,  mein Sohn eines Tages verantwortungsbewusst mit dem Posten seiner eigenen Daten umgeht und keine Sauf-, Nackt- oder Aktionsfotos dort online stellt, die ihn dann später verfolgen. Es ist wie mit allen Dingen, die Spaß machen: das rechte Maß finden und alles ist kein Problem.

Was waren bei Euch die bisher positivsten, schrägsten und was die schlechtesten Erfahrungen in der Musikwelt?

Wir haben schon einige wirklich schräge Sachen erlebt, ich möchte euch daher empfehlen, auf unserer Webseite mal den Blog anzuschauen, denn dort haben wir alles ausführlichst dokumentiert! Von unfassbar schlecht organisierten Festivals, erotischen Pyjama-Parties mit anderen Bands bis hin zu einigen Besoffski-Anekdoten, die erzählenswert sind. Richtig geil war zum Beispiel als wir für die befreundeten Mad Monks Support gemacht haben und vor 1.000 Leuten gespielt haben, die völlig abgegangen sind. Richtig scheiße war, als Fans von uns bei einem Konzert in meiner Gegend vom hiesigen Abschaum grundlos und sehr gewalttätig aufgemischt worden sind. Bemerkenswert war auch ein Konzert, von welchem Zeugen uns berichteten, dass ein paar junge Leute vor die Tür gegangen seien mit den Worten, dass Sorrowfield rechts seien. Das ist schon sehr schräg und außer damit, dass zwei von uns nicht mehr viele Haare auf dem Kopf haben, auch kaum zu erklären...

Ich bedanke mich für dieses Interview, die letzten Worte gehören dem Künstler! :

Danke ebenfalls! Und danke allen, denen beim Lesen jetzt nicht langweilig geworden ist, haha!
Schaut ab und zu mal auf www.sorrowfield.de und saugt, was es zu saugen gibt. Ich hoffe, wir sehen uns auf einem der nächsten Konzerte auf ein bis zehn Cervisias!!!

Beantwortet von Marco Bianchi (voc)

visit: www.sorrowfield.de

 

 

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